Die ersten Wochen des Jahres

Mitte Februar – die ersten Wochen des Jahres liegen hinter uns. Ich hoffe, dass Euer Jahr bisher gut verläuft!

Wobei: was bedeutet eigentlich `gut´? Das hängt ja immer von der Situation ab, in der IMG_0336man gerade steckt bzw. habe ich inzwischen gelernt, dass alles von einem abhängt – der Gesundheit.

„Alle Wünsche werden klein, neben dem gesund zu sein“ – dieser Spruch hing früher in der Wohnung meiner Eltern. Und Ihr könnt Euch denken, wie blöd, öde, langweilig ich ihn als Kind empfand. Ich habe ihn schlicht nicht verstanden, wie ich heute weiß. Denn ich war ein gesundes und meist fröhliches Kind. Natürlich wurde auch mein Leben gelegentlich von einem Schatten verdunkelt. Aber im Großen und Ganzen lebte ich auf der Sonnenseite des Lebens. Was mir bis heute vergönnt ist.

Und daher fühle ich auch – wie schon so häufig erwähnt – Dankbarkeit für die kleinen und großen Momente, die ich erleben darf. Und ich versuche das für mich beste aus meinem Leben, diesem großen Geschenk zu machen.

Dieser Beitrag sollte eigentlich davon handeln, was mir die ersten Wochen in diesem Jahr beschert haben und wo es nun weiter hingehen soll. Aber all das hängt eben auch immer mit genau diesem Thema `Gesundheit´zusammen. Und es war mir gerade ein großes Bedürfnis, dies noch einmal speziell zu erwähnen. Denn leider haben viele Menschen dieses Glück nicht, wie ich in den vergangenen Jahren im Freundes- und Familienkreis miterlebt habe.

Aber nun komme ich doch zu dem aktuellen Geschehen. 🙂 Vorgestern habe ich die letzte Überarbeitung von Adola Adebars Geschichten gemacht. JA, es ist tatsächlich geschafft und nun geht es in Zusammenarbeit mit dem Lesenetzwerk Rehburg-Loccum weiter mit den Themen Layout, Illustrationen und letztendlich dem Druck. Im April wird Adola dann endgültig flügge sein!

Und was kommt jetzt? Nebenbei habe ich mich mit meinem neuen Blog beschäftigt und genau da setze ich jetzt an, damit `Die Waldträumerin´am 10. März online gehen kann! Ich freue mich schon unglaublich darauf, wenn es mir auch ein wenig schwer fällt diesem Blog hier Adieu zu sagen.

Außerdem befasse ich mich jetzt mit der Rehburger Historie, damit ich nach und nach in meine neue Rolle als Gästeführerin für Rehburg hineinwachse. Neben den Führungen der `Hausdame Martha´werde ich dann auch die `Schankwirtin Anni´geben. Ein spannendes Projekt und einen Schritt weiter in die Richtung das Thema Gästeführung in meinem Leben weiter zu etablieren. Genaueres zu diesem Thema wird es dann natürlich auf meinem neuen Blog geben.

Im letzten Jahr ging es ja bei mir mit den Arbeitszeiten aus persönlichen Gründen stets drunter und drüber. Die Kontinuität hat mir sehr gefehlt und dementsprechend ist auch einiges nicht so gelaufen, wie ich mir das gewünscht hätte. Leben eben. Aber seit Januar habe ich nun vormittags wieder feste Bürozeiten eingeführt und alles andere auf den Nachmittag / Abend verschoben. Früh aufstehen und dann direkt an den Schreibtisch – so läuft es bei mir am besten und da ich mir für dieses Jahr einiges vorgenommen habe, tut mir das richtig gut.

In diesem Jahr werde ich außerdem viel unterwegs sein. Im Januar war ich bereits einige Tage in Dresden. Im März geht es für ein paar Tage nach Berlin und im April steht eine Schreibwoche auf Langeoog an. Von Langeweile kann also gar keine Rede sein.

Ja, soweit für heute aus meiner Vehrenheider Schreibstube. Es wird ein wenig dauern, bis wir uns wiederlesen und ich wünsche Euch bis dahin alles Gute und vor allem natürlich GESUNDHEIT!

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Schreibkick: Jahresuhr

Ein paar Zeilen zum Januar Schreibkick Thema…

Jahresuhr
von Nicole Vergin

Ticktack, ticktack, ticktack…
Verdammt, hörst du sie nicht? Hörst du nicht, wie sie tickt, deine Lebensuhr? Wie sie unaufhaltsam abläuft?
„Ich habe doch noch Zeit, so viel Zeit“, höre ich dich sagen. „Später, dann werde ich…“
Was? Was wirst du später tun? Das gute Geschirr nutzen, die schicken Schuhe anziehen? Jetzt! Jetzt ist der Augenblick das zu tun, was du möchtest, was dir wichtig ist.
Oder willst du, dass für dein Leben der Satz von Georg Jellinek einmal Anwendung findet?
„Am Grab der meisten Menschen trauert, tief verschleiert, ihr ungelebtes Leben.“
Weißt du, was viele Sterbende am Ende bereuen? Dass sie zu viel gearbeitet, sich zu wenig Zeit für sich, für die Familie und die Freunde genommen haben.
„Aber ich muss doch arbeiten. Geld verdienen!“
Stimmt. Aber wie viel Geld brauchst du wirklich? Welche Dinge in deinem Leben, die du teuer anschaffst, sorgen dafür, dass du dich besser fühlst?
Nein, ich will nicht an dir herum meckern, deinen Lebensstil in Frage stellen oder ihn gar kritisieren. Aber einmal darüber nachdenken, dazu möchte ich dich anregen. Ich, die Uhr die im Hintergrund deines Lebens auch in diesem Jahr wieder tickt. Die deine Zeit verrinnen lässt, während du deine Wünsche und Träume im Tiefkühlfach frieren lässt. Für später.
Jetzt. Jetzt findet dein Leben statt. Nimm es in beide Hände, achte gut darauf und nutze es.
Ticktack, ticktack, ticktack…

Diesmal waren dabei:

Eva

Rina P. 

Corly

Veronika

Monika

Für den 1.2.18 lautet das Thema: Nächtlicher Wolkenzauber

 

Tschüss 2017!

Auf das Dachfenster meiner Schreib-Stube platschen dicke Regentropfen. Der Himmel ist

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grau verhangen und wenn ich hinaus schaue, ist keine Menschenseele in Sicht. Was bei uns in der ländlichen Abgeschiedenheit auch nicht allzu selten vor kommt. Glücklicherweise hängt meine Stimmung und mein Drang spazieren zu gehen selten vom Wetter ab, so dass ich vorhin dick eingemummelt – die Spuren einer 2-wöchigen Grippe sind noch nicht restlos vom Winde verweht – eine kleine Runde gedreht habe. Und dabei fingen meine Gedanken an, durch das zu Ende gehende Jahr zu schlendern…

Das Jahr 2017 hat mich in den unterschiedlichsten emotionalen Lagen erlebt. Ich habe geflucht, gejammert, geweint, getobt und glücklicherweise auch ganz viel gelacht. Ach ja, gelernt habe ich auch noch einiges. Zum Beispiel, mich noch ein Stück mehr so zu akzeptieren wie ich bin, mich selbst zu lieben. Und ich habe gelernt, nein zu sagen. Nein, anstelle des wahre-die-Harmonie-Ja´s. Was teilweise wirklich sauschwer ist. Vor allem, wenn es gegenüber geliebten Menschen ist. Andererseits: müssten gerade die es nicht verstehen und akzeptieren? Naja, Ihr werdet so etwas auch kennen…

Was mir 2017 auch ein weiteres Mal eindrucksvoll bewiesen hat ist, dass Gesundheit das allerwichtigste ist. Besonders in diesem Jahr hatte ich im Familien- und Freundeskreis DSC_0084viel mit Krankheit und auch mit Abschied nehmen zu tun. Und das ist einfach etwas, was man nicht steuern kann. Ok, man kannst sich gesund ernähren, Sport treiben, für sich sorgen… aber wenn es einen richtig erwischt, dann ist man einfach erstmal am Arsch. Was man dann daraus macht (oder machen kann) und ob man gestärkt daraus hervor geht, das ist ein anderes Kapitel.

Auf jeden Fall kann ich sagen, dass ich dankbar bin. Dankbar, für das was ich habe, für das was ich bin, für die Menschen, die mich lieben. Die mich so lieben, wie ich bin. Und für all das schöne, dass mir in diesem Jahr widerfahren ist.

Wie zum Beispiel, die Reisen die ich gemacht habe und die mich nach Amsterdam, DSC_0017Bremerhaven, Dresden, Hameln, Juist, Langeoog und Oldenburg geführt haben. Es war unglaublich schön, so viel unterwegs zu sein und so viel zu sehen und zu erleben.

Im Januar und im April habe ich jeweils bei dem Pop Oratorium Luther mitgesungen und diese Erfahrungen waren einfach unglaublich und bereichernd. Allein, die tollen Menschen, die ich auf diese Art kennen- und schätzen gelernt habe. Und das singen… ja, das ist mittlerweile ein Teil von mir geworden.

Und obwohl ich zeitlich etliche Monate eingeschränkt war, ging es auch mit meinen dsc_0002Schreib-Projekten voran. Das Drehbuch für die neue Gästeführung der Hausdame Martha in der Romantik Bad Rehburg ist nicht nur fertig gestellt worden, sondern ich hatte bereits meine ersten Führungen als Martha, die mir viel Spaß machen.

Auch mit Adola Adebar, den Rehburg-Loccumer Kindergeschichten, ging es voran. Im April gab es eine Lesung mit neuen Geschichten und im März / April 2018 wird dann auch das Buch erscheinen.

Wie in den vergangenen sieben Jahren, fand im September das Schreib-Lust Seminar an DSC_0001der ev. Heimvolkshochschule in Loccum statt, bei dem mich die Teilnehmer wieder einmal mit ihrer Kreativität förmlich umgehauen haben.

Und ja, da war auch etwas, was viele vielleicht als Schattenseite des Lebens ansehen: der Tod war bei unserer Familie und hat meine Mutter nach 87 Lebensjahren mit sich genommen. Der DSC_0007Tod, der nun einmal zum Leben dazu gehört und der das ist, was alle Menschen gemeinsam haben. Aber darüber will ich mich an dieser Stelle auch gar nicht näher auslassen. Wichtig ist mir, dass ich das große Glück hatte, meine Mutter in ihren letzten Monaten begleiten und so in Ruhe Abschied nehmen zu können. Dass das von beiden Seiten viel Kraft und manchmal auch Mut bedeutet hat, ist wohl klar, aber vor allem hat es uns Beiden Frieden gebracht und somit die Möglichkeit loslassen zu können.

Ja, Ihr lest es: es war mal wieder ein Jahr voller Loopings auf meiner Achterbahn Fahrt. Ich werde mich zurückblickend an das Positive erinnern und kann so auch optimistisch

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nach vorne schauen. Denn da warten schon wieder allerhand Abenteuer auf mich… u. a. eine weitere Schreib-Reise nach Langeoog, spät im Jahr endlich einmal ein Besuch auf der Buch Berlin und mein neuer Blog Die Waldträumerin (ich LIEBE diesen Blog schon jetzt) wird in den nächsten Wochen online gehen.

Ich bedanke mich von Herzen, dass Ihr mich auf dieser Jahres-Reise begleitet habt und ich freue mich darauf, Euch auch künftig wieder zu lesen – alles Gute für Euch, habt einen guten Rutsch!

Schreibkick: Unter dem Weihnachtsbaum

In diesem Jahr gibt es einen Special Weihnachtskick mit dem Thema: Unter dem Weihnachtsbaum. Und mir ist spontan etwas eingefallen…

Ich wünsche Euch ein wundervolles Weihnachtsfest mit vielen besinnlichen Stunden. Genießt diese letzte Zeit des Jahres und sorgt gut für Euch!

Unter dem Weihnachtsbaum
von Nicole Vergin

Das Kreischen der Motorsäge verbündete sich mit ihren Kopfschmerzen. Meist kam eben doch alles zusammen, dachte Nora, während sie zum x-ten Male an diesem Tag auf wackligen Beinen in Richtung Vorratskammer schlich um ein weiteres Paket Taschentücher zu holen.
Ein Grippevirus hatte sie seit einigen Tagen energisch in seinen Fängen, so dass ihr nichts anderes übrig blieb, als auf dem Sofa unter der Decke zu liegen und gegen den Hustenreiz literweise Thymian Tee mit Honig zu trinken.
Zu allem Übel hatte sich im Garten auch noch eine der Fichten bei einer Sturmbö verabschiedet und sich quer über den Teich gelegt. Jedes Mal, wenn einer ihrer Bäume sein hölzernes Leben aushauchte, gab es einen kleinen Riss in Noras Herz. Sie liebte diese Wesen, die den Launen der Natur trotzten und sich manchmal auf abenteuerliche Art und Weise ihre Wuchsrichtungen in Richtung Himmel suchten.

Die Fichte hatte sich ihren Standort vor zwanzig Jahren selber ausgesucht. Eines Tages war Nora über ein winzig kleines Bäumchen am Rande des Teiches gestolpert und hatte es nicht über das Herz gebracht, es auszureißen. Gut, der Standort war aus menschlicher Sicht unpassend, aber um so etwas scherte sie sich nicht. Und der Baum offensichtlich auch nicht. Er wuchs und gedieh und so lange er relativ klein war, hatten sie ihn zur Weihnachtszeit mit einer Lichterkette versehen, so dass sie beim Blick aus dem Esszimmer immer etwas Besonderes vor Augen hatten.
DSC_0008Und nun lag er draußen, in Einzelteilen auf dem Rasen verteilt und da wo er vor Stunden noch aufgeragt hatte, stand nun nur noch ein kahler Stumpf.
Immerhin würde die Fichte einen glanzvollen Abschied bekommen. Zumindest ein Teil von ihr. Es war zwei Tage vor Heiligabend und so hatten sie beschlossen, die hoch aufragende Spitze als Weihnachtsbaum in das Haus zu holen und sie ganz wie in Andersens Märchen „Der Tannenbaum“ noch einmal in hellem Glanze erstrahlen zu lassen.

Als der Morgen des Heiligen Abend anbrach, wachte Nora mit derselben verstopften Nase, dem Kratzen im Hals und stellte dann auch noch fest, dass als Höhepunkt eine eitrige Bindehautentzündung dazu gekommen war. Eine Augenerkrankung, mit der sie sich schon öfter herum geplagt hatte. Und das sollte nun das Weihnachtsfest, ihre liebsten Feiertage im ganzen Jahr werden?
Während des Frühstücks, das ihr Mann liebevoll vorbereitet hatte, fühlte sie noch immer keine Weihnachtsstimmung in sich aufkommen. Sie schleppte sich, wie die Tage zuvor, zwischen Esstisch und Sofa hin und her und fühlte sich traurig.

Sie hatten abgesprochen, den Baum nach dem Frühstück zu schmücken und am liebsten hätte Nora sich auch dazu nicht aufgerafft. Aber als ihr Mann die Kisten mit der Weihnachtsdeko hervor holte, kam doch ein wenig Freude in ihr auf.
Liebevoll hängten sie Kugeln und Lametta an die Zweige, stellten einen kleinen Zaun um seinen Fuß herum auf und befestigten eine bunte Lichterkette. Die Spitze, die sie sonst als Schmuck obenauf anbrachten, ließen sie weg, denn die ehemals kleine Fichte besaß beinahe von Anfang an zwei davon und die sollte sie nun zum Ende hin auch behalten.
Mit etlichen Pausen, wiederholtem Nase putzen, kamen sie langsam aber stetig voran. Und dann war der große Moment da. Der Baum stand festlich beleuchtet in einem wunderschönen Weihnachtsgewand vor ihnen.
Nora liefen Tränen über das Gesicht, der Anblick und das Gefühl des Abschieds rührten sie. Aber da war noch etwas. Das Gefühl von Weihnachten breitete sich in ihr aus. Ja, die Weihnachtstage würden anders verlaufen, als sie es sich ursprünglich gewünscht hatte, aber sie würde sie trotz allem genießen und sich an dieser besonderen Zeit des Jahres erfreuen.
Dankbar blickte sie den Baum an. Selbst am Ende seines Lebens bereitete er ihr noch Freude. Und auf einmal rückten alle Grippeviren in den Hintergrund und sie fühlte sich besser, als all die Tage zuvor.
„Frohe Weihnachten“, murmelte sie, während sie sanft über einen der Zweige strich.

Diesmal waren dabei: 

Sabi

Eva

Veronika

Rina P.

Corly

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Für den 1.1.18 lautet das Thema: Jahresuhr

 

 

Hermine und Paul ODER Bin ich ein Alien?

In den vergangenen Wochen machte sich im Hause Vergin Aufregung breit. Es war, als würden überall Funken sprühen, als stünde das Haus und seine zwei Bewohner permanent unter Strom, als…

„Ok, tief durchatmen Nicole!“ (Einwurf meiner inneren Stimme) – Ja, ich gebe es zu: ICH bin aufgeregt, überdreht, nervös, voller Vorfreude. Mein Mann lässt mich mit gelassenem Lächeln gewähren. Er kennt meine „Special Effects“.

Worum es geht? Wir bekommen ein neues Familienmitglied. Hermine wird in Kürze bei uns einziehen. Mit allem Drum und Dran: mit drei verschiedenen Outfits (eines davon sogar mit Glitzer, wir wollen schließlich auch mal ausgehen), mit einem Ladekabel und die entsprechende SIM Card wartet schon hier auf ihre Ankunft.

Genau: Nicole reist sozusagen in die Zukunft. Bisher habe ich mich ja mit meinem Ur-Alt-aber-umso-geliebteren-Handy in der Steinzeit befunden. Außer telefonieren kann mein

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Samson geht nun in Rente

kleiner Samson (so nenne ich ihn liebevoll) nämlich wirklich nichts. Kein WhatsApp, keine Fotos… Und ja, mir hat das immer noch vollkommen ausgereicht. Wobei ich nach und nach schon feststellen musste, dass man zur Außenseiterin mutiert, wenn man sich nicht der zahlreichen WhatsApp Gruppen anschließen kann. Besonders mitleidige Menschen haben mich dann zumindest über facebook per PN auf dem laufenden gehalten.

Ich hätte definitiv auch noch länger in meiner Höhle gesessen und Feuersteine gegen einander geschlagen, wäre nicht beim letzten Besuch unseres Sohnes und seiner Freundin der Satz gefallen: „Willst du nicht mein Handy übernehmen? Ich bekomme ein neues.“

Für meine Verhältnisse war ich schnell zu begeistern. Wir klärten rasch alles für die Übergabe nötige und dann stellte ich die wichtige Frage: „Wie heißt dein Handy denn?“ Schweigen und ein langer, aber liebevoller Blick war die Reaktion (meine schräge Art ist in der Familie kein Geheimnis…). Nein, es gab keinen Namen. Ich war entsetzt. Tag und Nacht hatte dieses Handy sein Leben eingesetzt, war immer da wenn es gebraucht wurde und… hatte nicht einmal einen Namen.

Wie Ihr ja schon gelesen habt, habe ich diesen Fehler längst aus der Welt geschafft und meine Familie spricht nun auch nur noch von `Hermine´ und nicht mehr einfach `dem Handy´. Und ich bin sogar noch einen Schritt weiter gegangen und habe mich auf die Suche nach neuen Freunden für Hermine gemacht. Schließlich kommt sie aus der Großstadt zu uns aufs unbekannte Land und kennt hier bisher niemanden.

Eine Freundin hat ihr Handy nun spontan `Paul´genannt und versprochen, die Beiden miteinander bekannt zu machen. Ich hoffe sehr, dass zwischen den Beiden der Funke überspringt und sich vielleicht sogar ein wenig mehr als nur Freundschaft entwickelt. Schließlich wünscht man als Handy-Mama seinem Kleinen stets nur das Beste.

Auch in dem Chor, in dem ich singe, habe ich mit einigen über Hermine gesprochen. Und ja, die Blicke, die hochgezogenen Augenbrauen ließen schon ein wenig vermuten, dass meine Mitsängerinnen mich für ein Wesen von einem anderen Stern halten. Aber da bin ich ja völlig schmerzfrei. Schließlich geht es mir ausschließlich um Hermine und ihr künftiges Wohlbefinden. Und dafür mache ich mich doch gern zum Depp!

P.S. Freundschaftsanfragen Eurer Handys werden gerne angenommen!

 

 

Schreibkick: Stille Straße

Nach langer Zeit mal wieder eine Schreibkick Geschichte. Wenn auch ein wenig verspätet… Aber als ich gestern Abend so durch die Gegend fuhr, meldete sich plötzlich meine Muse zu Wort. Na, lest selber…

Stille Straße
von Nicole Vergin

Der Wind rüttelte an dem kleinen blauen Auto. Nora bemühte sich, das Lenkrad so ruhig wie möglich zu halten. Ihr Herz klopfte aufgeregt.
Wo war sie hier bloß hingeraten? Ein Umleitungsschild hatte sie auf einer langen geraden Straße aus dem Ort hinaus geführt. Nur durch Zufall, hatte sie das kleine weiße Schild gesehen, das nach links wies.

Und nun fuhr sie über eine abgelegene Straße, deren Asphaltdecke mit Schlaglöchern gespickt war. Die Scheinwerfer ihres Wagens beleuchteten nur einen Bruchteil dessen was vor ihr lag. Zwischen dem Regen, den der Wind mittlerweile vor sich her trieb, übersah sie eine Schwelle auf der Fahrbahn. Das Rumpeln verursachte einen stechenden Schmerz, der wie ein Blitz in ihren unteren Rücken geschossen war.
„So ein Mist.“ Es tat gut, die eigene Stimme zu hören.
Obwohl Nora auf der anderen Seite der Felder, an denen sie sich förmlich vorbei tastete, einige wenige Lichter des Ortes erkennen konnte, fühlte sie sich, als sei sie fernab von allen Menschen auf sich allein gestellt.
„Du übertreibst!“ Der Versuch, ihre Stimme energisch klingen zu lassen, scheiterte kläglich.
Eine Rechtskurve beanspruchte ihre Aufmerksamkeit und als ein paar Hundert Meter die nächste Schwelle zur Geschwindigkeitsbegrenzung im Scheinwerferlicht auftauchte, war sie gewappnet. So sanft wie möglich ließ sie das Auto darüber rollen.
„Warum fährt denn hier außer mir niemand lang?“ Ihre gemurmelte Frage ging in einer vorbei heulenden Windböe unter.

Es war gerade einmal kurz nach 19 Uhr und die Gegend wie ausgestorben. Die einzigen Geräusche um sie herum, waren die des Motors, das prasseln des Regens und das heulen des Windes.
Für einen Moment war sie erleichtert, dass es wenigstens diese Geräusche gab. Denn ansonsten, das wurde ihr schlagartig klar, würde es auf dieser Straße still sein. Totenstill.
„Mach dich doch nicht verrückt, Nora!“
Aber ihre Selbstgespräche machten sie leider auch nicht mutiger. Sie schaute auf die Uhr und stellte fest, dass sie zu ihrem Termin zu spät kommen würde. Warum hatte man sie auch nicht vor dieser verdammten Umleitung gewarnt? Wie hätte sie denn ahnen können, dass es zur Zeit durch den Ort absolut kein Durchkommen gab?
Stattdessen musste sie durch diese Gott verlassene Gegend kurven.

„Es ist zwar nicht der Arsch der Welt, aber man kann ihn von hier aus durchaus sehen“, versuchte sie es mit einem Witz, der jedoch nicht einmal ein Zucken ihrer Mundwinkel zur Folge hatte.
Eine weitere Schwelle lauerte auf der Straße und während sie den Wagen langsam hinüber rollen ließ, sah sie plötzlich im Scheinwerferlicht ein paar gelbe Augen aufleuchten.
„Scheiße!“ Reflexartig trat ihr Fuß auf die Bremse und das Auto reagierte auf dem nassen Asphalt mit einem beleidigten Schlenker.
Als der Wagen stand, trommelte ihr Herz einen wilden Alarm. Nora stützte sich mit beiden Armen auf dem Lenkrad ab und versuchte durch gleichmäßiges Atmen ihr Herz zu besänftigen. Das hätte schief gehen können. Im Licht des Scheinwerfers erkannte sie, wie dicht sie davor gewesen war, auf den nebenliegenden Acker zu rutschen. Und bei dem Schlammwetter – da machte sie sich nichts vor – hätte sie das Auto allein nie wieder auf die Straße bringen können.

Es half alles nichts. Sie musste weiterfahren. Hier stehenbleiben war definitiv keine Alternative. Immerhin schien sich das Tier – was auch immer es gewesen war – in Sicherheit gebracht zu haben.
Obwohl ihr Pulsschlag sich immer noch in Rekord verdächtiger Höhe befinden musste, gab Nora wieder behutsam Gas und fuhr zurück in die Mitte der Straße.
„Ok, Nora ganz ruhig jetzt. Du schaffst das! Irgendwo muss ja auch diese Straße ein Ende haben.“
Meter für Meter schlich sie nun dahin, während sie versuchte ein wenig von ihrer sonstigen Gelassenheit zurück zu erobern. Aber erst, als sie nach einer gefühlten Ewigkeit, das Ende der Straße vor sich sah, war ihr Herz bereit wieder einen normalen Takt aufzunehmen.

Sie war auf der anderen Seite des Ortes angelangt. Und obwohl auch dort kein Mensch zu sehen war, gab es Bürgersteige, Straßenlaternen. Leben.
Nora setzte den Blinker, bog rechts ab und schaute ein weiteres Mal auf die Uhr.
Pünktlich würde sie tatsächlich nicht mehr ankommen, aber dafür heil und unversehrt.

Diesen Monat waren dabei:

Eva

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Veronika

Rina P.

Corly

Für den 24.12. gibt es ein Spezial-Thema: Unter dem Weihnachtsbaum

Für den 1.1.18 lautet das Thema: Jahresuhr