NaNoWriMo / Tag 12 – Was macht Heike denn da?

21.943 ist der Stand der Dinge. Oder vielmehr der Wörter. Heute sind also 1.853 dazu gekommen. Woran man auch ganz klar erkennen kann, dass es wieder etwas besser lief und ich nicht nur am lesen und Szenen-basteln war.

Zeitweilig bin ich auch immer nochmal mit Recherche beschäftigt, wobei ich einiges was mir an Wissen fehlt auch einfach auf später verschiebe. Wie z. B. mein Wissen über Malerei bzw. das Leben und Schaffen einer Malerin. Genau das ist Heike nämlich. Und beim Schreiben habe ich gemerkt, dass da meinerseits noch mächtige Lücken klaffen. Egal, lässt sich alles klären.

Auf jeden Fall fand nun endlich Heikes langersehnte erste eigene Ausstellung statt. Bisher hat sie sich immer mit anderen Künstlern zusammen getan, daher sollte dies nun ihr großer Tag werden. Wer hätte vorher geahnt, dass sie diese Chance wie Sand durch ihre Finger rinnen lässt? Bei der Vernissage war sie leider gedanklich nicht ganz anwesend. Wie auch die Zeit vorher schon. Die Kunst scheint ihr auf einmal nicht mehr wichtig zu sein. Alles verschwindet in dem schwarzen Loch, in das sie nach dem Auszug ihres Sohnes gefallen ist. Wie wird das bloß enden?

Ungeschminkte Leseprobe:

Klingkling.

Jetzt ging es also los. Die Eröffnungsrede des Galeristen, dann ein paar Worte von ihr und der Kulturbeauftragten und dann stieß man an. Auf die Kunst, die Kreativität, das Besondere und auf all den anderen Mist.

Heike straffte die Schultern und setzte ihr professionellstes Lächeln auf, das den Charme einer Gefriertruhe hatte.

„Herzlich Willkommen zur Vernissage „Grenzen-Los“, liebe Freund der Kunst!“

Liebe Freunde, dass sie nicht lachte. War ihr eigentlich jemals aufgefallen, wie heuchlerisch sich alle in so einem Rahmen benahmen. Sie selbst eingeschlossen. Es widert mich an, dachte sie, während sie beobachtete, das einige der Kunstverständigen bereits recht verständig und vor allem gierig zum Büffet schielten. Gib den Affen Futter und alles ist gut, dachte sie ironisch.

„… wieder einmal mit besonders aussagekräftigen Werken aufwarten kann, deren Genuss der Betrachtung ich Ihnen nur wärmstens ans Herz legen kann. Lassen Sie sich Zeit, genießen sie. Aber vorab lassen wir die hiesige Kulturbeauftragte und die Künstlerin selber noch zu Wort kommen.“

Der Applaus erklang in ihren Ohren ohne dass er wie sonst ihr Herz berührte. Da hatte sie doch tatsächlich den Großteil der Rede versäumt. Wenigstens ihrer Freundin Anja sollte sie nun die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdient hatte. Bei all der Mühe, die sie sich wieder einmal gemacht hatte. Weitaus mehr, als ihr Job ihr vorschrieb.

Aber auch bei diesen Worten schweiften Heikes Gedanken immer wieder ab, so dass sie wie in einem schlechten Film förmlich geweckt werden musste, als sie selber an der Reihe war.

„Danke“, begann sie und blickte durch die anwesenden Gäste hindurch. „Danke, dass sie Alle hier sind und…“, sie stockte für einen Moment, „und sich für meine Bilder interessieren… Guten Appetit!“ Sie hob ihr Glas, prostete allen zu und achtete gar nicht auf das Gemurmel und die fragenden Gesichter. Sollten sie doch von ihr denken, was sie wollten.

Anja steuerte schnurstracks auf sie zu, griff nach ihrem Arm und zog sie an die Seite. „Was ist los mit Dir?“, zischte sie zwischen den Zähnen hervor. „Guten Appetit?“

„Die interessieren sich doch sowieso nur für das Büffet.“ Heike riss sich aus dem Griff der Freundin los. „Da drüben die Großgeblümte, die hat nicht ein Wort von all dem gehört, was gesprochen wurde. Sie hat sich nur schon die besten Bissen rausgepickt.“

Mit sichtlichem Unverständnis starrte Anja sie an. „Das ist doch nichts Neues, dass es auch solche Besucher gibt. Aber bisher haben wir uns gemeinsam über sie lustig gemacht. Und sie nicht beschimpft.“

„Tut mir leid, wenn ich nicht mehr so funktioniere wie sonst. Ich werde mir ab sofort wieder mehr Mühe geben.“ Mit diesen Worten stolzierte sie hoch erhobenen Hauptes und mit breitem Grinsen auf die Großgeblümte zu, wies mit der Hand auf den voll beladenen Teller und sagte: „Ich hoffe es ist alles zu Ihrer Zufriedenheit.“

Während sie weiter marschierte, hörte sie die Frau in ihrem Rücken husten und nach Luft japsen.

Gut, dachte sie, da ist ihr wohl der Bissen im Halse stecken geblieben.

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