NaNoWriMo / Tag 26 – 92,31 %

Keine Sorge, dies wird kein Beitrag über höhere Mathematik. Aber als ich vorhin bei meiner täglichen Eingabe des WordCount auf der offiziellen NaNo-Seite entdeckt habe, dass ich bereits 92,31 % von den 50.000 geschafft habe, da war ich doch stolz auf mich. Und bin es ehrlich gesagt noch.

Rein theoretisch müsste ich also gar keine 1.667 Wörter mehr pro Tag erreichen, um an das 50-er Ziel zu kommen. Aber mein Zweitziel hieß (und heißt) eben auch mindestens 1.667 Wörter pro Tag zu schreiben. Und zwar vom 01. – 30. November – an JEDEM Tag.

Und nun sind es plötzlich nur noch vier Tage und es kommt mir komisch vor, dass diese Zeit dann vorbei ist. Irgendwie kommt dann der Alltag wieder. Nicht, dass es den in diesem Monat nicht gab, aber es war doch anders.

Aber bevor ich hier nun noch wehmütig werde: mein WordCount liegt heute bei 46.157 was einen Zuwachs von 1.741 Wörtern bedeutet.

Und hier noch eine ungeschminkte Leseprobe (Heike hat die verrückte (?) Idee nach Hannover zu fahren, um ihren Sohn nur mal kurz zu sehen, heimlich wohl bemerkt…):

Dieser Morgen schien nicht enden zu wollen. Normalerweise fuhr Jens immer überpünktlich los zur Schule. Aber heute nahm er sich aus ihr unbekannten Gründen mehr Zeit. Ausgerechnet heute, wo sie selber einen Ausflug plante, von dem ihr Mann nichts wissen sollte. Ein Blick auf die Uhr sagte Heike, dass es bereits zehn Minuten über der normalen Zeit war. Fahrig räumte sie den Küchentisch ab, als sie endlich seine Schritte vom Bad, den Flur hinunter bis in die Küche hörte.

„Bis heute Abend, Schatz“, Jens gab seiner Frau einen Kuss auf die Stirn und griff nach seiner Aktentasche, die auf dem Küchentisch lag, „denk dran, dass es heute Abend später wird“, er zog die Stirn in Falten, „ein weiterer Elternabend zum Thema Klassenfahrten. Ich kann das Thema langsam nicht mehr hören.“

Ich auch nicht, dachte Heike und sagte laut: „Vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm wie Du denkst. Sicher findet Ihr eine Lösung.“

„Haha“, machte er nur und es klang verdammt unlustig.

Heike zuckte mit den Schultern. Sie konnte die Situation schließlich auch nicht ändern. Und wenn sie ehrlich war, fand sie das Alles auch nicht so dramatisch. Dann würde es eben künftig keine Klassenfahrten mehr geben. Welcher Schüler war da schon wirklich scharf drauf.

Sie selber hatte es immer gehasst. Allein schon die Vorbereitungen. Wenn es darum gegangen war, wer mit wem in einem Zimmer schlafen sollte. Es waren doch immer die gleichen Schüler gewesen, die keiner wollte. Und sie hatte auch immer dazu gehört. Zu den Außenseitern.

Besonders „gut“ war ihr ein Landschulaufenthalt im Gedächtnis geblieben, der damals in die Nähe von Celle geführt hatte. Das Landheim, so nannte man das früher noch, hatte den Charme einer Kaserne gehabt. Nüchtern, kahl, lieblos. Ein Bolzplatz vor der Tür, dessen einstige Rasenfläche sich ängstlich in wenigen Ecken versteckt hielt.

Gleich am Tag ihrer Ankunft hatten die Lehrer mit großartiger Geste eine Schnitzeljagd angekündigt. Stöhnen, seufzen und jammern war die Antwort gewesen. Aber es hatte alles nichts geholfen, Jeder musste bei diesem „Spaß“ dabei sein. Eine Stunde hatte es geheißen, nicht länger. Ungeplant war damals die Ortsunkenntnis der Lehrer gewesen. Auf einer Karte ließ sich so eine Aktion eben leichter planen, als sie dann in der Realität aussieht. Sie hatten sich alle gnadenlos verlaufen.

„Gleich sind wir da. Nicht mehr lange“, hatte es immer wieder geheißen. Waren es letztendlich drei oder vier Stunden gewesen. Heike wusste es nicht mehr. Aber es war furchtbar gewesen und hatte die Klasse mehr entzweit als vereint. Ziel verfehlt!

Letztendlich konnte ihr dieses ganze Gerede über Klassenfahrt ja oder nein doch auch egal sein. Sie selber war Lichtjahre von diesem Thema entfernt, ihr einziger Sohn hatte diese Zeiten auch bereits hinter sich und Jens, ja, für Jens gehörte es eben zum Job. Heike zuckte mit den Schultern und schämte sich im nächsten Moment für ihre Gleichgültigkeit. Sie hatten sich in ihrer Ehe immer für die Sorgen des anderen interessiert.

Aber das tue ich ja auch, rechtfertigte sie ihre Gedanken vor sich selber, nur heute habe ich einfach keinen Kopf dafür.

Sie wischte noch schnell ein paar Krümel vom Tisch und lief dann hinüber ins Schlafzimmer, wo sie die schlabberige Wohlfühlhose gegen eine Jeans tauschte. Brauchte sie etwas zum Umziehen? Ach was! Für einen Tagesausflug doch nicht. Andererseits brauchte es nur zu regnen und schon – nein, sie nahm lieber Wechselkleidung mit. Sie schmiss eine zusätzliche Jeans und einen Pullover in eine Tasche, die sie aus dem Schrank hervor gezerrt hatte.

Kurz darauf verließ sie mit großen Schritten das Haus und wollte gerade ins Auto einsteigen, als eine ihr bekannte Stimme erklang.

„Guten Morgen Heike. Du bist ja früh auf den Beinen.“

Sie biss die Zähne so fest zusammen, dass es wehtat. Nein, stöhnte sie leise, nicht jetzt. Unwillig drehte sie sich um: „Guten Morgen Rosie. Entschuldige bitte, aber ich habe es heute wirklich eilig.“

Die alte Dame sah sie mit ihrem durchdringenden, scheinbar alles wissenden Blick an unter dem sich Heike gerade ein wenig in die Enge gedrängt fühlte. Aber Rosie sagte nur: „Dann wünsche ich Dir eine gute Fahrt, Liebes.“ Damit drehte sie sich um, winkte noch kurz über die Schulter und verschwand wieder in den Tiefen ihres Gartens.

Heike seufzte erleichtert. Sie hatte sich tatsächlich wie eine bei einem Streich ertappte Schülerin gefühlt. Dabei tat sie absolut nichts Unrechtes.

Ich bin erwachsen, sagte sie sich selbst, ich kann tun und lassen was und wann ich es will.

Mit diesen Gedanken schloss sie rasch ihr Auto auf, schaute sich nochmal um, als erwarte sie, dass hinter dem Rhododendrenbusch an der Ecke ein Spitzel hocken würde und stieg dann ins Auto ein.

Ist das wirklich richtig, was ich hier tue? Ein bisschen verrückt kam Heike sich nun schon vor, aber bevor dieses Gefühl die Oberhand gewinnen konnte, ließ sie den Motor an und gleich darauf rollte ihr kleines Auto vom Hof.

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