Schreibkick: Es wird einmal?

Anfang Dezember habe ich mich der facebook Gruppe Schreibkick angeschlossen. Dort wird jeden Monat ein Thema vorgegeben von dem man sich inspirieren lassen kann. Geschichten, Songtexte, Gedichte… alles ist möglich!

Das Thema für den Dezember lautet: Prinzessin ohne Pflichten.

Wer mich kennt weiß, dass ich ein absoluter Märchenfan bin. Insofern war mein Gedanke gleich: endlich wieder mal ein Märchen schreiben! Kein Problem!

Aber bekanntlich kommt ja Hochmut vor dem Fall – was jetzt ein wenig dramatisch ausgedrückt ist… Fakt ist jedoch, dass durch meinen Kopf Ideen geisterten, aber keine davon mich wirklich mitgerissen hat.

Da dieser Blog ja auch immer wieder einen Blick hinter meine Schreib-Kulissen bietet, findet Ihr nachstehend meine drei Versuche:

1. Versuch – eine Gedankenansammlung

  • Eine Prinzessin
  • Sie langweilt sich
  • Klischees
  • Blonde, lange Haare
  • Schlank
  • Lange Kleider
  • Sie repräsentiert
  • Muss auf ihrem Thron sitzen
  • Die Welt bleibt ihr verschlossen
  • Im Thronsaal läuft den ganzen Tag klassische Musik
  • Ihr Vater will nichts ändern
  • Mutter lebt nicht mehr
  • Vater muss das Schloss für eine Weile verlassen
  • Sie hat die Befehlsgewalt
  • Ihre Tante, die böse Schwester der Mutter, kommt vorbei
  • Sie hatte damals den König heiraten wollen
  • Sie schmeißt sich an die Prinzessin ran
  • Sie stachelt sie zu einer Rebellion an
  • Sie soll das Schloss verkaufen und in die Welt hinausziehen
  • Die Tante ist eine Hexe
  • Das Schloss liegt auf einer Anhöhe
  • Zu Füßen ein liebliches Tal
  • Weite grüne Wiesen
  • Leuchtend gelbe Weizenfelder
  • Herrliche Wälder
  • Selbsthilfegruppen für gelangweilte Prinzessinnen?
  • Lack und Leder?
  • Domina mit Peitsche?
  • Heavy Metal statt Klassik?

2. Versuch – der erste Absatz einer möglichen Geschichte

Die alte Dame saß aufrecht auf der mit edlem rotem Stoff bezogenen Bank. Vor ihr auf dem marmornen Tisch mit dem dicken beinahe klobig wirkendem Fuß stand eine Tasse über deren Rand sahniger Milchschaum auf die Untertasse tropfte. Der Gold umrahmte Spiegel hinter ihr zeigte ihre sorgfältig aufgedrehten kleinen weißen Löckchen. Contenance war das Wort, das einem zu diesem Bild einfiel. Aber ihr Gesicht, ihr strahlendes Lächeln sprachen eine andere Sprache. Erzählten von einer Frau, die gerne lachte und die das Leben stets geliebt hatte.

3. Versuch – die ersten eineinhalb Seiten einer möglichen Geschichte

„Das ist doch zum Kotzen!“

Kotzen, kotzen, kotzen… warfen die Wände des riesigen Thronsaals die sonst so sanfte Stimme der liebreizenden Prinzessin zurück.

„Aber Prinzessin!“ Der Hofmarschall quirlte mit den Armen die Luft, so als könne er das eben gesagte aus dem Schloss vertreiben.

„Ist doch wahr.“ Die Prinzessin ließ sich auf den mit rotem Samt bezogenen Thronsessel fallen und zog vollkommen undamenhaft die Beine unter sich. Was bei ihrem langen Kleid durchaus eine Kunst war. „Ich langweile mich hier noch zu Tode!“

Der Hofmarschall zupfte einen unsichtbaren Fussel von der Goldborte seiner langen schwarzen Jacke und warf auch gleich noch einen kritischen Blick auf seine Schnallenschuhe, die jedoch wie stets funkelten und blinkten als sei ein Diener noch eben mit einer Bürste daran zugange gewesen.

„Aber das Fest Eurer Königlichen Hoheit“, versuchte er erneut sein Glück.

„Ich scheiße auf das Fest“, die Prinzessin stampfte mit dem Fuß auf, so dass der Absatz ihres zierlichen Schuhs zerbrach. Wütend riss sie ihn herunter und warf ihn gegen den mit einem goldenen Rahmen eingefassten Spiegel, der die Wand des Thronsaals zierte.

„So dürfen Prinzessin aber nicht sprechen.“

Nun rügte dieser Kerl sie tatsächlich auch noch. Die Prinzessin kochte vor Wut. Innerlich wie äußerlich. Neunzehn Jahre zählte sie nun mittlerweile. Und was hatte sie in diesen knapp zwei Jahrzehnten schon erlebt? Nichts und wieder nichts. Langweilige Gesellschaften mit Gästen bei denen nicht nur der Kragen steif und spießig war. Prinzen, die in ihr nur ein zu erlegenes Wild sahen, dass sie zu weiterer Macht im Königreich führen könnte. Und dann das Personal am Hofe.

„Langweilig“, fauchte sie, „Ihr seid allesamt langweilig!“ Ohne den Hofmarschall weiter zu beachten, verließ sie mit großen Schritten den Thronsaal und überhörte die verzweifelten „Aber Eurer Vater wird sogleich eintreffen“, Rufe.

Sie knallte die riesige mit zahlreichen Ornamenten versehene Tür hinter sich zu und rannte den Gang entlang hin zu einer der vielen Treppen, die das riesige Schloss, in dem sie nicht nur geboren sondern auch aufgewachsen war, mit all den Zimmer, Gängen und Türmen verband.

Die Prinzessin kannte sich hier bestens aus. Als sie noch ein kleines Mädchen war, hatte sie mit Vorliebe all die kleinen und großen Winkel erkundet. Sie hatte gedacht, dass es sich bei dem Schloss um die große weite Welt handeln würde. Bei dem Gedanken daran, schnaubte sie verächtlich.

Große weite Welt – von wegen! Ein Käfig. Ein steinerner Käfig. Mehr war dieses Schloss nicht für sie. Dabei wollte sie hinaus und etwas erleben. Sie wollte, dass ihr Leben einen Sinn bekam. Aber wie sollte sie das bloß anstellen?

Wütend trat sie gegen einen dicken Steinquader aus dem der Turm bestand auf den sie wie so oft hinauf gelaufen war. Erst der Schmerz in ihrem großen Zeh erinnerte sie daran, dass sie einen ihrer Schuhe im Thronsaal gegen die Wand geklatscht hatte. Ein Blick nach unten bestätigte ihre Befürchtungen – der Zeh schwoll im Nullkommanichts zu doppelter Größe an und die Färbung bewegte sich zwischen schwarz, grün, blau und rot.

Tränen lief über ihr wutverzerrtes sonst so schönes Gesicht.

„Scheiße, tut das weh“, fluchte sie undamenhaft. Noch nie hatte sie einen solchen Schmerz empfunden. Ihre Sinne vernebelten sich. Oder nein, der Nebel den sie sah stieg von ihrem pochenden Zeh auf.

Die Prinzessin wischte sich über die Augen. Das musste ein Trugbild sein. Aber weit gefehlt. Der Nebel breitete sich aus und dann machte es puff und ein altes Weib mit einem dürren Haarschopf und einer dicken Warze im Gesicht stand vor ihr.

„Ich bin der Geist des Schmerzes.“ Sie verbeugte sich linkisch und taumelte einen Moment hin und her.

Eine Atemwolke, die verflucht nach alkoholischen Genüssen stand, waberte auf die Prinzessin zu und bohrte sich in ihre Nasenlöcher.

„Iiih“, schrie sie auf, „bist Du besoffen? Und was machst Du überhaupt hier?“

„Ich erfülle Dir zwei Wünsche… hicks… aber gib gut Acht… hicks… was Du Dir wünschst, denn…“, sie zog ihre buschigen Augenbrauen zusammen und schien angestrengt nachzudenken, „… keine Ahnung. Hab ich vergessen.“

Die Prinzessin starrte die zerlumpte Gestalt mit großen Augen an. Sollte das ein Witz sein? Wollte sie Jemand auf den Arm nehmen?“

Vorsichtshalber griff sie schob sie ihre Hand unter den Ellenbogen der alten Frau, damit diese nicht doch noch auf ihre spitze Nase fiel. Mit der freien Hand hielt sie sich ihre eigene zu. Das war ja wirklich kaum zum aushalten!

Was dann passierte??

Frust und Schreib-Unlust kamen über mich. Ich hatte schon fast beschlossen, dieses Thema einfach auszulassen und im Januar einen erneuten Versuch zu starten. Allerdings wurmte mich das Ganze so lange, bis ich eine weitere Idee ausgebrütet hatte. Leider fiel mir auch diese Umsetzung schwer. Vor allem, weil ich – ungewohnt für mich – in der Gegenwart geschrieben habe. Warum ich mir das dann auch noch angetan habe? Keine Ahnung! Egal, das Ganze läuft für mich unter der Rubrik: durchbeißen und ausprobieren!

Das Ergebnis veröffentliche ich am 01. Januar…

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2 Gedanken zu „Schreibkick: Es wird einmal?

  1. Hey Nicole,

    oh man, das kommt mir sooo bekannt vor!
    Aber ich finds richtig cool, hier schonmal ein paar deiner „Gedankenfetzen“ zu lesen. Die Ideen gefallen mir auch wirklich gut. Ich bin echt neugierig, wie es mit dem Geist des Schmerzes weiter gegangen wäre *lach*.
    Auf den fertigen Beitrag bin ich auch echt gespannt. Hört sich ja so an, als würdest du es noch schaffen! *daumendrück*

    Liebe Grüße,
    Sabi

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Sabine! 🙂 Wie schön, dass Frau im Schreib-Schmerz nicht allein ist… ja, ich habs geschafft – oder vielmehr das Thema hat mich geschafft. Das Ergebnis…pfff… egal, ich bin fertig geworden! Bin auch auf Deine Geschichte sehr gespannt! Happy new Year!! Liebe Grüße, Nicole

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