Schreib-Alltag: Der NaNo-Roman

Nun ist der NaNoWriMo bereits fast zwei Monate vorbei. Wie versprochen halte ich Euch weiter auf dem Laufenden, wie es mit meinem Roman „Ausgezogen“ voran geht.

Die gute Nachricht lautet, dass es Stück für Stück vorangeht und ich versuche so regelmäßig wie möglich daran zu schreiben. Allerdings geht die Arbeit daran gezwungenermaßen neben den Schreib-Projekten die Termingebunden sind ein wenig unter. Und so komme ich zur „schlechten“ Nachricht. Nein, die erste Fassung ist noch nicht beendet.

102 Seiten hat das Manuskript bereits und es werden sicherlich noch einige dazu gekommen. Im Laufe des Schreibens hat sich auch immer mal wieder etwas gewandelt. Besonders bei Heike, meiner Protagonistin. Das sie sich im Laufe der Geschichte immer mehr von ihren Mitmenschen abwendet und sich ihre Gedanken fast ausschließlich um den nicht mehr zu Hause lebenden Sohn drehen, war ja von Anfang an klar. Aber welche Auswirkungen das Ganze letztendlich hat, das hat sich nun doch noch verändert und teils auch zugespitzt. Was natürlich auch die Reaktionen von Familie und Freunden wieder verändert und was dann letztendlich natürlich angepasst werden muss.

Insgesamt macht mir die Geschichte nach wie vor Spaß und ich bedaure es sehr, mit z. Zt. nicht mehr Schreib-Zeit dafür nehmen zu können. Andererseits reift das Ganze natürlich auch, während ich nicht aktiv daran schreibe. Es ist ein bisschen wie kompostieren, tut dem Roman also vielleicht auch ganz gut. Mal schauen.

Wie versprochen gibt es heute auch mal wieder eine ungeschminkte Leseprobe:

Der erste Advent. Schon morgen. So stand es jedenfalls auf dem Kalender, der in der Küche neben dem Schrank hing. Heike tippte mit dem Finger immer wieder auf das Datum: 30. November, 1. Advent. Wann hatte sie jemals die Vorweihnachtszeit vergessen? Sie konnte sich nicht daran erinnern. Stets hatte sie schon Tage vorher ihren ganzen Deko Schnick Schnack vom Boden herunter geholt und alles auf Vollständigkeit durchgesehen. Jens hatte darüber immer gelacht. Schließlich räumte Heike nach jedem Weihnachtsfest alles sorgfältig weg und überprüfte dabei auch gleich alles auf Zustand, Vollständigkeit und was es da noch alles zu prüfen gab.

Aber in diesem Jahr war sie an all den Vorboten blicklos vorbei marschiert. Den Spekulatius und Lebkuchen in den Supermärkten, den nach und nach angebrachten Lichtern in der Altstadt von Euskirchen, den Gesprächen über Feiertage, Geschenke und Hektik. Ja, selbst die Weihnachten im Schuhkarton Aktion, die sie sonst in jedem Jahr unterstützt hatte, war durch ihr Raster gefallen. Nun gut, schüttelte sie ungeduldig den Kopf. Es würde schon genug andere Menschen geben, die den Kindern etwas schenkten und der erste Advent war laut Kalender eben erst morgen. Genügend Zeit, um noch alles vorzubereiten.

Sie ging ins Bad, um sich ein paar Klammern für ihre Haare zu holen. In den letzten Wochen hatte sie es versäumt zum Friseur zu gehen und nun hingen ihr etliche der dunklen Strähnen ins Gesicht und störten sie bei der Arbeit. Vielleicht ist es einfach an der Zeit meinen Look zu ändern, dachte sie, als sie das leicht gerupft wirkende Huhn im Spiegelbild entdeckte.

Lustlos kletterte sie die kleine Stiege in Richtung Dachboden hinauf, schob die Klappe hoch und ließ sie nach innen auf den Boden fallen.

„Alles in Ordnung Schatz?“, hörte sie Jens Stimme von unten herauf schallen.

Sie nickte, wobei ihr gar nicht klar war, dass er das aus der Entfernung gar nicht sehen konnte.

Während sie bereits zwischen etlichen Kisten und Kartons nach den richtigen mit der Weihnachtsdekoration suchte, hörte sie Schritte auf der Stiege. Kurz darauf steckte ihr Mann den Kopf durch die Luke.

„Ist alles ok?“

„Das habe ich doch schon gesagt“, schnauzte sie ihn an.

„Entschuldigung“, sein Tonfall klang plötzlich reserviert, „das habe ich wohl nicht gehört.“

Ich habe es auch nicht gesagt, dachte sie und sagte laut: „Tut mir leid. Ja, alles ok. Ich suche die Weihnachtsdekoration zusammen.“

„Oh und ich dachte schon, dass Du in diesem Jahr gar nicht dekorieren wolltest.“

„So, dachtest Du. Vielleicht hättest Du ja auch mal denken können: Hey, Jens, Deine Frau hat so viel um die Ohren mit den Vorbereitungen für ihre erste eigene Ausstellung, mach Dich doch mal auf den Weg und übernimm in diesem Jahr die Weihnachtsdekoration.“

„Nachdem Du all die Jahre darauf beharrt hast, alles selber zu machen? Bin ich lebensmüde oder was?“ Seiner Stimme hörte sie an, dass er langsam die Geduld mit ihr verlor.

Ihr Verstand konnte das ja verstehen, aber alles andere in ihr krampfte sich zusammen und ließ heiße Wut in ihr aufsteigen. „Wann raffst Du endlich, dass ALLES anders ist, als in all den anderen Jahren?“ Ihre Blicke schossen vernichtende Pfeile ab. „Und jetzt lass mich hier in Ruhe arbeiten, sonst hat Benni es nicht schön, wenn er nach Hause kommt.“

„Benni, Benni, Benni… hat in Deinem Kopf und Deinem Leben noch irgendjemand anderer Platz?“

„Wirfst Du mir jetzt mal wieder vor, dass ich mir um meinen Sohn Gedanken mache?“

„Ach, jetzt ist es schon DEIN Sohn?“

„Tja“, sie hielt einen Moment inne. Wollte sie ihn wirklich derart verletzten? „Du machst Dir ja anscheinend keine Gedanken!“

Der Vorwurf stand nicht nur wie eine Mauer zwischen ihnen. Nein, er fror alles um sie herum ein, hielt sie gefangen und gleichzeitig auf Abstand. In all dem Eis gab es keine Möglichkeit der Annäherung in diesem Moment. Und in einem anderen? Heike wusste es nicht.

Betont gelassen wühlte sie weiter in einem der Kartons, während ihr Mann wie versteinert auf dem Dachboden stand. Er bewegte sich nicht. Auch nicht, als sie mehrfach an ihm vorbei die Kisten nach unten trug.

Nachdem etliche Minuten verstrichen waren, sagte er leise: „Das meinst Du nicht ernst, dass ich mir um Benni keine Gedanken mache?“

Sie sah ihn nicht an als sie kurz sagte: „Nein, natürlich nicht.“

Der Vorwurf wurde größer und größer und richtete sich gemütlich im Hause Mersmann ein.

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5 Gedanken zu „Schreib-Alltag: Der NaNo-Roman

  1. Mir geht das im Moment genauso, da ich auch wenig Zeit habe und nicht mehr so konsequent wie zur NANO-Zeit an meinem Buch sitze und trotzdem freut man sich jetzt umso mehr, wenn man sich mal wieder die Zeit fürs Schreiben nimmt und viel dabei raus kommt 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Hi Sabi!

    Freut mich, dass Dir meine ungeschminkten Worte gefallen! Und wegen der Mehrstunden… seien wir mal ehrlich… wären es mehr, wären es immer noch zu wenig. Also, lass uns das Beste aus unserer (Schreib-)Zeit machen! 🙂

    Liebe Grüße
    Nicole

    Gefällt mir

  3. Pingback: Frage & Antwort: Meine kleine Schreibwerkstatt | Nicole Vergin - Autorin

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