Schreibkick: Experiment

Morgen ist es schon wieder so weit – der monatliche Schreibkick ist „fällig“. Für mich ist es der dritte Monat, in dem ich dabei bin und es macht mir total Spaß. Unterschiedlichste Inspirationen, tolle Mitschreiber – also falls Ihr Lust habt Euch anzuschließen schaut doch auch einfach mal in der facebook Gruppe von Sabrina vorbei. Und zwar HIER!

So, warum schreibe ich nun heute noch außer der Reihe zu diesem Thema? Ganz einfach – ich habe noch keinen Beitrag, keine Geschichte, Szene, Songtext sowieso nicht, das ist nicht meine Welt. Somit hatte ich in der Gruppe auch schon geschrieben, dass es bei mir in diesem Monat leider nichts wird.

ABER – das Ganze ist eben kein Zwang sondern Spaß und als ich heute Morgen aus dem warmen Bettchen gekrochen bin, fand in meinem Kopf folgender Monolog statt:

Schade, ich habe gar nichts für diesen Schreibkick beizutragen.

Warum eigentlich nicht?

Keine Zeit, gesundheitlich ein wenig angeschlagen und den Hintern habe ich dann auch nicht so richtig hoch bekommen.

Und wenn ich noch was schreibe?

Jetzt noch? Ich muss heute noch zuhause liegen gebliebenes erledigen, morgen arbeiten und dazwischen hätte ich auch liebend gerne mal ein wenig Freizeit.

Ok, aber wie wäre es mit einem Experiment?

Was´n für eins?

Heute und morgen jeweils eine halbe Stunde einfach drauflos schreiben und das Ergebnis, egal was es geworden ist, einfach einstellen.

Ups.

Genau.

Super – mach ich!

Naja, so oder ähnlich war das wohl. Also, morgen stelle ich meine Gedanken, meinen Text, meine Geschichte – was immer es wird hier ein.

In diesem Monat ist die Vorgabe, dass der Text folgende Wörter enthalten muss: Gartenzwerg, Sonnenaufgang und Apokalypse.

Herrje, bin ich gespannt!

Frage & Antwort: Liebster Award

Wie ich ja in einem Beitrag schon berichtete – der Februar ist in diesem Jahr offensichtlich nicht mein Monat. Ich hinke mit allem und jedem aus den unterschiedlichsten Gründen hinterher. So auch mit der Nominierung der lieben Tinka Beere für den Liebster Award.

Daher erstmal an dieser Stelle: DANKE für die Nominierung liebe Tinka und sorry für die verspäteten Antworten!

Es wäre toll, wenn sich von Euch anderen „Schreiberlingen“ ebenfalls welche anschließen – ich mag diese Blicke hinter die Schreib-Kulissen!

So, hier nun aber zu den Fragen und meinen Antworten:

Tinka´s Fragen:

Was war/ist dein Lieblingsfach in der Schule?

Eindeutig „war“… meine Schulzeit ist erfreulich lange her. Spaß gemacht hat mir nur die Grundschulzeit. Alles easy, super Noten ohne zu lernen – Klasse! Dann kam die Orientierungsstufe und ich hätte mit dem lernen anfangen müssen. Aber grau ist ja bekanntlich alle Theorie. Es kam wie es kommen musste, meine Noten wurden schlechter. Irgendwie gelangte ich dennoch an eine Empfehlung für das Gymnasium. Aber auch dort hatte ich keine Lust zu irgendwas. Ich blieb in der 8. Klasse hängen und im Halbjahreszeugnis der 10. sah das dann schon wieder ähnlich aus. Was tun? Ganz einfach! Ein halbes Jahr ordentlich lernen, zwei Fünfen und eine Fünf minus vertreiben (in Geschichte bin ich tatsächlich von 5 auf 3 gekommen, obwohl meine Geschichtslehrerin behauptet hat, das würde ich NIE schaffen – merke: reize nie eine NICOLE!) und dann nur weg von der Schule und ab in eine Ausbildung.

Wie lautete nochmal die Frage? Ach ja, welches Schulfach ich mochte. Mmmh, das Fach Deutsch fiel mir immer leicht und ich hatte ohne lernen zu müssen immer gute Noten – ja, das mochte ich!

Wurde dir als Kind vorgelesen? Wenn ja, welches war dabei dein liebstes Buch?

Oha – gute Frage… ja, ich glaube schon. Hauptsächlich wohl von meiner älteren Schwester. Und schon damals waren Märchen ganz mein Ding. An ein Lieblingsbuch kann ich mich nicht erinnern. Wobei ich den Struwwelpeter sehr geliebt habe und das schon auswendig kannte bevor ich selbst lesen konnte. Die Geschichten haben bei mir im übrigen keinen seelischen Schaden hinterlassen…

Welches Buch hat dein Leben verändert?

Mein Leben verändert… mmh… ich habe schon immer viel und gerne gelesen. Die unterschiedlichsten Autoren, Genre – man kann das gut in meiner Rubrik Lese-Zeit sehen – und verschiedene Bücher haben auch immer unterschiedlichstes bei mir bewirkt. Manchmal fühle ich mich durch sie einfach besser, weil sie mir schöne Stunden bereiten. Oft lerne ich etwas aus ihnen. Manchmal nehme ich mir durch sie vor, selber etwas zu ändern. Und manchmal wünschte ich mir auch einfach ich hätte ein bestimmtes Buch selber geschrieben! Aber DAS einzigartige Buch – nein, das habe ich nicht.

In welchem Buch würdest du den Rest deines Lebens verbringen, wenn du dich für eines entscheiden müsstest? Und warum?

Auch da ist mir die Auswahl viel zu groß, als das ich mich für eines entscheiden könnte. Ich liebe meine Bücher, verbringe viel Zeit mit ihnen, sortiere sie liebevoll in meine Regale, führe eine ausführliche Excel Datei über sie, stöbere auf Flohmärkten nach neuen Schätzen, lungere in Buchhandlungen und Büchereien herum. Und wann, welches – das hängt ja auch immer viel von der Stimmung und der jeweiligen Situation ab in der ich gerade stecke. Zur Zeit habe ich eine Phase in der ich viel über Menschen lese, die in schwierigen Situationen stecken und das Leben trotzdem oder gerade deswegen wunderbar meistern.

Liest du Bücher, die dir gefallen haben, ein zweites Mal?

Ganz, ganz selten.

Du müsstest alle Bücher aus deinem Regal weggeben und dürftest nur drei behalten. Welche wären dies? Und warum genau diese?

PANIK! HILFE! DAS GEHT NICHT! Ich würde erstmal nach einem möglichen anderen Weg suchen!

Hast du mal in der Schule/ Uni ein Buch im Unterricht gelesen, weil dir so langweilig war? Wurdest du erwischt?

Gelesen ja, erwischt nein. Religionsunterricht hat sich immer wunderbar angeboten…

Was hat dich dazu gebracht, einen Blog zu schreiben?

Mir macht es Spaß nicht immer allein im Kämmerchen vor mich hin zu wurschteln – wobei ich ja auch das Glück habe, viele Projekte mit meiner lieben Kollegin Petra Fuhrmann (Autoren-Duo La Piuma) gemeinsam zu schreiben – es ist eine Möglichkeit des Austausches, es motiviert mich am Schreib-Ball zu bleiben und ich habe dadurch auch schon viele andere Schreib-Begeisterte kennen- und schätzen gelernt.

Was müsste passieren, damit du aufhörst Geschichten zu schreiben/ zu bloggen?

Weltuntergang?! Nein, mal im Ernst. Ich hoffe, dass ich noch lange Gelegenheit habe weiter zu schreiben und auch zu bloggen. Manchmal, wie in diesem Monat verlässt mich auch mal ein wenig der Mut und dann habe ich Moment in denen ich alles hinschmeißen möchte. Aber – wer hat das nicht mal. Ich schätze die Meisten. Also – ich mache weiter, so lange es mir Spaß macht! Den Punkt finde ich nämlich immens wichtig.

Führst du manchmal Selbstgespräche? Worüber redest du mit dir?

Oh ja, wenn ich einsame Spaziergänge mache und schlecht drauf bin. Dann fluche ich wie ein Bierkutscher. Und manchmal murmele ich einfach vor mich hin und schimpfe über Leute die mir auf die Nerven gehen.

Eine Freundin/ ein Freund von dir hat ein Buch geschrieben und will dich dazu überreden, es zu lesen, obwohl es so gar nicht dein Genre ist. Liest du es trotzdem, auch wenn du dich durch das Buch quälen musst?

Für Freunde tue ich (fast) alles. Also ja, ich würde es lesen. Aber wenn er / sie dann nach meiner Meinung fragt, würde ich die auch ehrlich sagen. Natürlich nicht mit der Holzhammer Methode.

So, ich hoffe der Blick hinter die Kulissen hat Euch genauso viel Spaß gemacht wie mir gerade und wie schon geschrieben – wer Lust hat schließt sich einfach an und beantwortet diese Fragen ebenfalls. Wenn ja – lasst es mich wissen – ich bin schließlich auch neugierig!

Lese-Zeit: zu lieben was ist

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In meinem letzten Lese-Zeit Beitrag ging es um das Buch Es geht uns gut. Wobei der Titel Programm war und die Frage aufwarf, wie es denn um die heutigen Befindlichkeiten in dieser Zeit, in diesem Land bestellt ist.

zu lieben was ist führte mich ein weiteres Mal in eine ähnliche Richtung. Nehmen wir es heute als zu selbstverständlich, wenn wir gesund sind? (Und zudem ein Dach über dem Kopf haben und einen vollen Magen). Aber dieses Mal geht es nicht um das Thema Krieg, sondern um das Thema Krankheit.

Die amerikanische Autorin Alix Kates Shulman beschreibt offen und mit klaren Worten was ihrem Mann Scott zugestoßen ist. Eine autobiografische Geschichte, die tief in das Leben dieses Ehepaares blicken lässt.

Bereits in jungen Jahren haben sich Alix und Scott kennen gelernt, sind jedoch damals nicht zusammen geblieben. Erst viele Jahre später treffen sie sich erneut und beschließen letztendlich ihr Leben gemeinsam zu verbringen. Wichtig ist Beiden dabei, dass sie sich ihre Freiräume geben.

Was aber passiert mit Freiräumen, wenn eine Krankheit bzw. wie in diesem Fall ein Unfall mitten ins Leben platzt? Scott stürzt, verletzt sich schwer am Kopf und ist danach nicht mehr der Alte. Sein Kurzzeitgedächtnis funktioniert nicht mehr und etliche andere Schwierigkeiten kommen hinzu. Plötzlich ist das Ehepaar Tag und Nacht zwangsläufig aneinander gekettet.

Zwangsläufig? Nicht ganz. Alix entscheidet sich bewusst dafür für ihren Mann da zu sein, opfert sich teils bis an ihre eigenen Grenzen gehend auf. Tut Dinge, die sie sich vorher nicht hätte vorstellen können.

Im Hintergrund erzählt Alix Kates Shulman auch von der gemeinsamen Vergangenheit, so dass der Leser die Möglichkeit hat durch die Vorgeschichte einen anderen Zugang zu bekommen.

Für mich ein Buch, dass mich nachdenklich zurück gelassen hat. Nachdenklich und auch dankbar für das was ich zur Zeit habe und bin.

Geschichten-Zeit: Die ungleichen Schwestern

Die ungleichen Schwestern

von Nicole Vergin

Es waren einmal zwei Schwestern, die hießen Hilde und Nelly. Die Mutter hatte ihre liebe Not mit ihnen, denn sie zankten und stritten ohne Unterlass. Sie waren derart verschieden, dass sie sich einfach nicht verstehen konnten. Während Hilde ihr Leben ruhig und beschaulich mochte, liebte Nelly es wild und abenteuerlich. Hildes Tage glichen einander, so wie sich auf einer Kette eine Perle an die andere reihte. Nelly hingegen versuchte stets etwas Neues und langweilte sich, wenn sie etwas mehrfach tun musste.

Lese-TeddyWieder und wieder versuchte die Mutter zwischen den ungleichen Schwestern Frieden zu stiften. Aber vergeblich.

Eines Abends, Hilde und Nelly lagen bereits in ihren Betten und schliefen, saß die Mutter noch eine Weile am Kamin und dachte über ihre Mädchen nach.

„Ach, wenn sie einander doch verstehen könnten“, seufzte sie aus tiefstem Herzen, „das wäre mein größter Wunsch.“

Aus dem Kamin sprang ein Funke heraus und fiel der Mutter vor die Füße. Gerade wollte sie ihn austreten, als er  heller und heller glühte, bis der ganze Raum in weißes Licht getaucht war. Die Mutter hielt sich die Augen zu, so sehr war sie geblendet. Als es wieder schwächer wurde, nahm sie ihre Hände vom Gesicht fort und erschrak. Vor ihr stand eine hochgewachsene Frau, deren rötlich glänzende Haare bis über ihre Schultern herab hingen. Sie trug ein langes blaues Gewand und an den Füßen silberne Schnallenschuhe.

Verängstigt warf sich die Mutter auf den Boden. „Oh, bitte tut mir nichts, edle Dame.“

„Hab keine Angst“, antwortete diese, streckte der Mutter ihre Hände hin und half ihr auf. „Ich bin eine Fee und ich bin gekommen, um dir deinen Wunsch zu erfüllen.“

Die Mutter traute ihren Ohren nicht. „Ihr wollt mir meinen Wunsch erfüllen?“

„So ist es. Seit langer Zeit schon bin ich an deiner Seite und nie hast du einen Wunsch für dich geäußert. Daher möchte ich dir nun diesen erfüllen, um ein wenig Frieden in dein Leben zu bringen.“

„Oh, ihr seid zu gütig. Habt vielen Dank, gute Fee. Aber sagt, wie wollt ihr es anstellen, dass sich meine Mädchen endlich gegenseitig Verständnis entgegenbringen? Ich habe es bereits all die Jahre vergeblich versucht.“

Die Fee lächelte. „Macht dir keine Gedanken. Leg dich nur schlafen und wenn du morgen früh erwachst, ist es bereits getan.“

Die Mutter tat wie ihr geheißen, bedankte sich noch einmal bei der Fee und legte sich in ihr Bett. Während sie bereits tief und fest schlief, stand die Fee im Zimmer der Schwestern und blickte auf sie hinab.

„So friedlich wie ihr hier nebeneinander schlaft, so friedlich soll künftig euer Miteinander sein“, sprach die Fee leise.

Dann legte sie sanft eine Hand auf Hildes und die andere auf Nellys Schulter.

„Nelly, du wirst nun in einen tiefen Schlaf fallen, aus dem du erst um Mitternacht wieder erwachen wirst. Und du, Hilde, wach auf und höre mir gut zu.“

Augenblicklich öffnete Hilde die Augen und sah zu der Fee auf.

„Was ist geschehen?“, fragte sie verwirrt.

„Schau auf deine Schwester. Sie schläft tief und fest. Nur du kannst sie aus diesem tiefen Schlaf zurück ins Leben holen.“

Hilde sah ängstlich auf Nelly. „Ich soll sie zurückholen? Aber wie soll ich das machen?“

„Schnür dein Bündel, nimm nur das nötigste mit. Du hast einen langen Weg vor dir.“

„Ich soll das Haus verlassen?“, rief Hilde erschrocken. „Aber das kann ich nicht. Ich bin nicht so abenteuerlustig, wie meine Schwester. Kann ich nicht etwas anderes tun, um ihr zu helfen?“

Aber die Fee schüttelte den Kopf. „Nein, du musst dich auf den Weg machen und das Ende der Welt finden. Dort wächst eine Blume, die du hierher bringen musst. Wenn deine Schwester daran riecht, wird sie  aus ihrem Schlaf erwachen“

Abermals blickte Hilde Nelly an, richtete sich dann auf und sagte: „Wenn es nur so geht, dann will ich es für meine Schwester tun!“

Rasch schlich sie in die Küche, packte Brot, ein Stück Schinken und einen Schlauch gefüllt mit Brunnenwasser in ein Bündel, hing es sich um und verließ das Haus.

Im fahlen Mondlicht ging Hilde den Weg zwischen den Feldern entlang, den sie schon unzählige Male am Tage gegangen war. Aber des Nachts sah alles anders aus. Wie oft hatte ihr Nelly schon von den geheimnisvollen Geräuschen und Stimmen der Nacht erzählt. Stets war es ihr zu unheimlich gewesen, sich ebenfalls in die Dunkelheit hinauszuschleichen. Und nun setzte sie einen Fuß vor den anderen und versuchte, ihr vor Angst laut pochendes Herz zu beruhigen.

„Meine Füße“, stöhnte sie nach einer Weile. Sie setzte sich an den Wegesrand, zog ihre Schuhe aus und befühlte die schmerzenden Stellen. Was hatte Nelly sich immer auf ihre wunden Stellen gelegt? Hilde wusste, dass es eine Pflanze gab, die Blasen heilen konnte. Wenn sie doch nur besser zugehört hätte.

So biss sie die Zähne zusammen, zog die Schuhe wieder an und ging weiter. Irgendwann war sie so müde, dass sie die Angst und die Schmerzen nicht mehr spürte. Sie wollte sich nur noch ausruhen.

Als am nächsten Morgen die Sonne aufging, fand sie das Mädchen schlafend unter einem Busch. Behutsam kitzelte sie sie mit einem Sonnenstrahl an der Nase.

„Hatschi“, machte Hilde, schlug die Augen auf und sah sich um.

„Das war alles kein Traum. Ich habe mich tatsächlich heute Nacht auf den Weg gemacht, um ans Ende der Welt zu gelangen. Ach“, seufzte sie, „wie soll ich das nur schaffen?“

„Nur du kannst sie aus diesem tiefen Schlaf zurück ins Leben holen“, hörte sie plötzlich die Stimme der Fee in ihrem Kopf.

„Ich muss es schaffen!“, entschlossen stand sie auf, klopfte sich den Staub von ihrem Kleid, nahm einen Schluck aus dem Wasserschlauch, biss ein Stück von Brot und Schinken ab und setzte ihre Reise fort.

Als die Sonne immer höher am Himmel wanderte, tauchte am Horizont eine Gestalt auf.

„Das ist bestimmt ein Wegelagerer“, murmelte Hilde, „hoffentlich will er mir nichts Böses.“

Die Gestalt kam näher und näher und schließlich sah das Mädchen, das es sich um eine alte Frau handelte, die ein schweres Bündel mit sich trug.

„Oh, wie gut das ich dich treffe, mein Mädchen.“ Erschöpft ließ die alte Frau ihr Bündel fallen. „Kannst du mir wohl meine Last nach Hause tragen? Meine Arme sind müde und mein Mund von der Hitze ausgetrocknet.“

Hilde sah die Frau an und wusste nicht was sie tun sollte. Ihre Aufgabe war es doch, das Ende der Welt und die Blume zu finden. Durfte sie sich vom Weg abbringen lassen? Aber die arme alte Frau hilflos zurücklassen?

„Wenn doch bloß Nelly hier wäre“, dachte sie verzweifelt, „sie weiß immer was zu tun ist.“

Aber Nelly war nicht hier, um wie sonst für Hilde die Entscheidungen zu treffen. Und so tat sie es selbst.

„Komm, gute Frau. Ich trage dir deine Last nach Hause. Aber danach muss ich  meinen Weg fortsetzen.“

Und während sie zu der Hütte der Frau gingen, erzählte sie ihr von der Schwester und der Aufgabe, die sie lösen musste. Die alte Frau hörte Hilde aufmerksam zu und sagte dann: „Ich weiß, wie du ans Ende der Welt gelangst.“

Hilde war überglücklich, hatte sie doch die ganze Zeit die Angst gequält, dass sie den Weg nicht finden würde. Aber dank der Entscheidung, die sie getroffen hatte, bekam sie nun von der alten Frau den Weg zum Ende der Welt gut beschrieben.

Sie bedankte sich herzlich und setzte ihre Reise fort. Während Hilde bereits um die nächste Biegung verschwand, verwandelte sich die alte Frau in die gute Fee, die zufrieden dem Mädchen hinterher schaute.

Mit jedem Tag der verging, wurde Hilde mutiger. Als ihre Vorräte zur Neige gingen, machte sie in einem Dorf halt, in dem gerade Markttag war. Sie ging von Stand zu Stand, suchte sich für ihr Geld die frischeste Ware heraus und ließ sich nicht mehr wie sonst das welke Gemüse aufschwatzen.

Wenn der Abend nahte, klopfte sie an fremde Türen und bat um ein Strohlager für die Nacht. Und als ihr das Geld ausging, arbeitete sie eine Weile bei einem Bauer auf dem Feld, bevor sie weiterzog.

Und endlich gelangte sie am Ende der Welt an. Sie sah das erste Mal das Meer, den endlosen Horizont und das Spiel der Wellen. Als sie einen vorbeikommenden Wanderer nach der Blume fragte, zeigte er auf die Klippen, die tief hinab an den Strand führten.

„Den Pfad musst du hinabklettern und unter den Felsvorsprüngen, da wirst du die Blume finden.“

„Hab Dank“, erwiderte Hilde und machte sich auf den Weg hinab in die Tiefe.

Oben auf der Klippe verwandelte sich der Wanderer in die Fee, die zufrieden nickend dem Mädchen hinterher schaute.

Hilde fand die Blume, grub sie vorsichtig aus und wollte sie dann in ihr Bündel einwickeln.

In diesem Moment kam Wind auf. Eine heftige Böe erfasste das Mädchen, hob es auf und trug es mit sich. Hilde schwanden die Sinne, während es vor ihren Augen dunkler wurde, presste sie die Blume fest an sich.

„Nun war alles umsonst“, dachte sie, bevor die Dunkelheit sie verschluckte.

Ein weiteres Mal stand die Fee zwischen den Betten der Mädchen, während die Uhr in der guten Stube Mitternacht schlug.

„So friedlich wie ihr hier nebeneinander schlaft, so friedlich soll künftig euer Miteinander sein“, sprach die Fee leise.

Dann legte sie sanft eine Hand auf Hildes und die andere auf Nellys Schulter.

„Hilde, nun wirst du in einen tiefen Schlaf fallen, aus dem du erst im Morgengrauen wieder erwachen wirst. Und du, Nelly, wach auf und höre mir gut zu.“

Augenblicklich öffnete Nelly die Augen und sah zu der Fee auf.

„Was willst du von mir?“, fragte sie gespannt.

„Schau auf deine Schwester. Sie schläft tief und fest. Nur du kannst sie aus diesem tiefen Schlaf zurück ins Leben holen.“

Nelly sprang augenblicklich aus dem Bett. „Was soll ich tun?“, verlangte sie zu wissen, „soll ich auf Berge steigen, oder ein Meer durchschwimmen? Ich tue alles für meine Schwester.“

„Das ist gut“, sagte die Fee, „denn du wirst all deine Geduld brauchen, um deine Aufgabe zu lösen.“

„Sag mir endlich was ich tun muss, um Hilde zu erlösen!“ Ungeduld sprach aus Nellys Stimme.

„Draußen im Schuppen findest du Wollfäden. Sie alle sind miteinander verknotet und verwirrt. Du musst all die Fäden entwirren und säuberlich zu Knäueln aufwickeln. So lange, bis kein Faden mehr lose herum liegt.“

„Das kann ich nicht“, sagte Nelly entsetzt, als sie mit der Fee im Schuppen stand und das Meer an Wolle betrachtete. „Wie soll ich damit jemals fertig werden? Gibt es keine andere Möglichkeit, Hilde von dem Fluch zu erlösen?“

Aber die Fee schüttelte den Kopf.

„Nun gut, für meine Schwester will ich es tun.“ Mit diesen Worten hockte sich Nelly auf den Boden, griff nach dem ersten Fadenende und zog es mal durch diese dann durch jene Schlaufe.

Die Nacht wich bereits dem Morgen, als Nelly wutentbrannt aufsprang und mit den Füßen auf der Wolle herumtrat.

„Ich kann es einfach nicht!“, rief sie aus, „nicht ein Knäuel habe ich aufgewickelt bekommen. Hätte ich mir doch bloß ein wenig von Hildes Geschick in derlei Arbeiten abgeschaut. So oft hat sie es mir angeboten.“

Enttäuscht wollte sie den Schuppen verlassen, als sie plötzlich die Stimme der Fee in ihrem Kopf hörte: „Nur du kannst sie aus diesem tiefen Schlaf zurück ins Leben holen.“

„Also gut, so leicht lasse ich mich nicht entmutigen. Ich werde jetzt hinausgehen und Atem schöpfen, bevor ich mich erneut an die Arbeit mache.“

Mit diesen Worten öffnete sie das Tor des Schuppens, trat in das Licht der aufgehenden Morgensonne hinaus und atmete tief die frische Luft ein.

Sie war gerade ein paar Schritte gegangen, da hörte sie ein winseln zu ihren Füßen. Ein Hund lag vor ihr im Gras und leckte seine Vorderpfote. Nelly bückte sich zu dem kleinen schwarz-weiß gefleckten Hund hinunter.

„Was ist denn mit dir geschehen?“

Behutsam nahm sie seine Pfote in ihre Hände und besah sie sich.

„Du bist ja verletzt.“ Mit sanfter Stimme sprach sie zu ihm. „Komm, ich nehme dich mit und versorge deine Wunde.“

Nelly trug den Hund in den Schuppen, bereitete ihm dort ein Krankenlager, versorgte seine Wunde und stellte ihm schließlich Wasser und Futter hin. Der Hund ließ sich genüsslich verwöhnen.

„Weißt du“, sagte Nelly nachdenklich, „du kannst mir Gesellschaft leisten und ich dir. Dann ist uns beiden nicht langweilig und meine Arbeit wird mir auch rascher von der Hand gehen.“

Und so wandte sie sich wieder der Wolle zu, begann die Schnüre zu entwirren und pfiff dabei fröhlich vor sich hin. Als sie das erste Knäuel aufgewickelt hatte, legte sie es stolz an die Seite und machte sich gleich an das nächste.

So vergingen die Stunden damit, dass Nelly die Wolle aufwickelte und den Hund versorgte. Und je mehr Zeit verging, desto zufriedener und ruhiger wurde sie.

„Weißt du“, erzählte sie dem Hund, „ich habe gar nicht mehr das Gefühl, das ich jetzt irgendwo anders sein müsste. Wir haben es doch wirklich schön auf unserem Hof.“

Der Hund bellte zustimmend und Nelly lächelte.

Als das Mädchen das letzte Knäuel aufgewickelt und zu den anderen gelegt hatte, stand sie auf, reckte und streckte sich und schloss dabei die Augen. Als sie sie wieder öffnete, fand sie sich in ihrem Bett wieder.

In diesem Moment erwachte auch Hilde und die Schwestern sahen sich erstaunt an.

„Du bist wieder wach!“, riefen sie wie aus einem Munde und lachten glücklich.

Sie erzählten sich gegenseitig von ihren Erlebnissen und staunten darüber, was die jeweils andere getan hatte.

Währenddessen schob sich der kleine Hund durch das Tor des Schuppens, schüttelte sich einmal und verwandelte sich in die Fee, die lächelnd zum Fenster der Mädchen hinüber schaute.

Am nächsten Morgen gingen Hilde und Nelly Hand in Hand in die Küche zu ihrer Mutter, die sich von Herzen darüber freute, ihre Mädchen so einträchtig zu sehen. Und während sich alle Drei glücklich umarmten, schaute die Fee ein letztes Mal durchs Fenster herein, nickte zufrieden und zog mit dem Nebel der eben noch über den Feldern lag davon.

Schreib-Alltag: Sollte-Zustand

Hätte, wäre, könnte, sollte…

Tatsache: Der Ist-Zustand meiner Februar-Schreib-Ziele ist lausig und ich bin unzufrieden.

Hätte es besser laufen können? Teil, teils. Zum einen hat mir das Leben an und für sich in den letzten zwei Wochen immer mal wieder einen Strich durch meine Schreib-Rechnung gemacht. Zum anderen habe ich mich dadurch aber auch runterziehen lassen. Und was passiert, wenn ich mich runterziehen lasse? Genau! Nichts!

Sind Euch solche Zeiten auch bekannt? Das Ihr Euch einfach ein Stück weit treiben lasst, weil es ja nun gerade mal nicht zu ändern ist? Anstatt das Geschehene abzuschütteln – vor allem das Gefühl so vieles nicht geschafft zu haben – und EINFACH weiter zu machen?

WEITERMACHEN! Genau das werde ich tun und die restlichen 14 Februar Tage so gut wie möglich nutzen. AUFGEBEN gilt ja wohl nicht! Und dann werde ich erst am Ende des Monats schauen, was ich tatsächlich von meinen Schreib-Zielen erreichen konnte.

Auf jeden Fall ist in den nächsten Tagen wieder GESCHICHTEN-ZEIT! In diesem Monat wird es ein Märchen sein, dass ich bereits vor einigen Jahren geschrieben habe. Aber mehr möchte ich noch nicht verraten. Wenn Ihr Lust habt, lest doch einfach wieder rein!

Lese-Zeit: Es geht uns gut

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Im Nachhinein betrachtet hätte es auch der Titel sein können, der mich bei diesem Buch anlockt. Schlicht in seiner Aussage. Und doch hätte er mich neugierig gemacht. Aber so war es nicht. Mir fiel als erstes der Name des Autors ins Auge:

Arno Geiger – ein österreichischer Schriftsteller, der mir auf ganz anderen Wegen begegnete. Seit einigen Jahren befasse ich mich mit dem Thema Demenz. 2012 las ich dann das Buch Der alte König in seinem Exil, in dem Arno Geiger über das Leben mit seinem an Alzheimer-Demenz erkrankten Vater erzählt. Im selben Jahr war ich dann auch bei einer Lesung des Autors mit anschließender Gesprächsrunde. Ein interessanter Abend!

Aber nun zu Philipp, der in dem Roman Es geht uns gut das Haus seiner Großeltern erbt und damit, ebenso wie mit seinem kompletten Leben, nicht so richtig etwas anfangen kann. Jammern auf hohem Niveau, so wird das heute oft genannt, wenn Menschen über ihr Leben klagen, ohne zu bemerken, dass es ihnen doch gut geht.

Der gute Philipp ist auch so einer. Er langweilt sich, was teilweise zu abstrusen Szenen führt, in denen er über die Gartenhecke späht, um Gäste für eine Grillparty aufzutreiben. Um seine eigene Geschichte herum, wird immer wieder aus dem Leben sowohl seiner Eltern als auch seiner Großeltern erzählt. Und das mit wechselnden Perspektiven. Andere Zeiten bringen andere Herausforderungen mit sich. Die Großeltern, die 1938 gerade ihre Tochter Ingrid – Philipps Mutter – bekommen haben, während zur selben Zeit die Deutschen in Wien einmarschieren. Peter – Philipps Vater – der als 15-jähriger Soldat verwundet wird. Situationen, über die man tatsächlich hätte jammern und klagen können. So man denn überhaupt die Zeit dafür gehabt hätte.

Während Philipp das Haus der Großeltern entrümpeln lässt – was seine verheiratete Freundin organisiert hat – bekommt er hin und wieder Einblicke in das Leben der Verstorbenen. Ob ihn das letztendlich weiterbringt?

Durch die wechselnden Perspektiven bekommt man als Leser Einblicke in die verschiedenen Denkweisen, was ich persönlich immer sehr spannend finde. Es ist auf jeden Fall keines dieser ich-les-es-mal-schnell-weg-Bücher. Mich beschäftigt diese Geschichte auch nach der letzten Seite noch, wobei ich auf ein Wiederlesen mit Philipp gut verzichten kann. Während er immer wieder abwartend auf der Vortreppe des Hauses saß, hätte ich ihm am liebsten zugerufen: „Hey Du, raff es doch endlich: Es geht uns gut!“

Randbemerkung: Gerade ist Arno Geigers aktuellstes Buch erschienen: Selbstporträt mit Flusspferd. Obwohl die Kritiker es für einen Geiger Roman heftigst in der Lese-Luft zerreißen, werde ich auch diesem Buch irgendwann gerne eine Chance geben und mir meine eigene Meinung bilden.

Frage & Antwort: Meine kleine Schreibwerkstatt

Hört Ihr Leut und lasst Euch sagen… nein, mal im Ernst. Ich wurde von Sabrina Fessler getagt – DANKE Sabi! – . Wow, war ich erstaunt! Vor allem, weil ich so überhaupt keine Ahnung habe was getagt wohl bedeutet. Ja, lacht ruhig. Ich bin und bleibe ein Dinosaurier, ein Überbleibsel aus der guten (?) alten Zeit, in der man sich mit Internet noch nicht auskannte. Das gab es da nämlich noch nicht.

Was ich verstanden habe ist, dass ich – wenn ich Lust habe – doch einfach mal die Fragen, die sich Juliana Fabula ausgedacht hat, beantworten kann. Und das mache ich natürlich gerne!

Ach ja, das Ganze ist so ein Blick hinter die Schreib-Kulissen und Jeder der selber schreibt kann dabei natürlich gerne mitmachen. Also schließt Euch doch einfach an!

Und schon gehts los…

[Tag] Meine kleine Schreibwerkstatt

Ich bin stolze Besitzerin von unzähligen Notizbüchern in den unterschiedlichsten Größen, Formen und Farben. Eine Sammelleidenschaft, die mich seit Jahrzehnten begleitet. Hin und wieder beginne ich mit großer Begeisterung diese Bücher mit meinen Worten zu füllen. Und dann? Dann tut mir die Hand weh, dann geht mir das zu langsam, dann… also, ich schreibe meine Texte und Geschichten am Laptop und hin und wieder mache ich Gehirnjogging durch das Schreiben per Hand.
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Tja, da bin ich wohl mit meiner ersten Antwort ein wenig voraus geeilt… Aber wenigstens noch ein Bild von meinem aktuellsten Schatz – am Samstag erst frisch gekauft …
Notizen in jeder Form, Farbe und Größe und die hänge ich dann an meine Pinnwand. Und da hängen sie dann meist, bis sie vergilbt und in Vergessenheit geraten sind und ich längst bei einem anderen Projekt bin.

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An Ideen mangelt es mir glücklicherweise nicht. Lange Zeit fiel es mir schwer, etwas auch zu Ende zu bringen. Weil ja noch so viele andere schöne Geschichten auf mich warteten. Also habe ich mir mit viel Mühe so etwas wie Disziplin und Willensstärke antrainiert – klingt unromantisch, ist es auch. Aber wirkungsvoll! So habe ich dann auch Erfolgserlebnisse und die geben mir Schwung weiter zu machen. Bei Auftragsarbeiten ist das leichter – das muss einfach getan werden ohne Wenn und Aber und dadurch habe ich sehr viel gelernt, u. a. das ich viel mehr schaffen kann, als ich irgendwann mal geglaubt habe. Und was ich noch erwähnen will: ich liebe es einfach Geschichten zu erzählen!

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Ich esse grundsätzlich beim Schreiben nicht (ist besser so…) und trinke ganz simpel warmes Leitungswasser. Da ich das nicht anders kenne, fehlt mir glücklicherweise auch nichts…

Ich schreibe gerne mal z. B. in Cafés oder Bibliotheken, da ist dann genügend „Rummel“. Zuhause ist dafür dann einfach nur Schreib-Still angesagt.

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Das Buch „Schreiben in Cafés“ von Nathalie Goldberg begleitet mich jetzt schon fast zwei Jahrzehnte. Für mich ein echter Glücksgriff!

Mein Schreib-Alltag ist immer unterschiedlich, je nachdem an welchen Projekten ich arbeite. Ich setze mir für jeden Monat Schreib-Ziele, wie z. B. in diesem Monat die Überarbeitung unseres Kinderbuches vorantreiben, zwei Beiträge für den Städteblog Hannover zu schreiben, meinen NaNo-Roman fortzusetzen… Damit nichts davon zu kurz kommt, schaue ich jeden Morgen kurz was anliegt und was ich dann an diesem Tag genau erreichen will. Und meist funktioniert es…

Meine Projekte sind immer eine Mischung aus Auftragsarbeiten und den „eigenen“ Geschichten. Die eigenen Geschichten bestehen im Moment aus dem Kinderbuch des Autoren-Duos La Piuma (Petra Fuhrmann und Nicole Vergin), das wir aktuell überarbeiten und ich schreibe nach wie vor so regelmäßig wie möglich an meinem NaNo-Roman „Ausgezogen“ vom letzten Jahr. Und ansonsten gibt es noch etliches an Plänen und Ideen, die aber (leider…) warten müssen.