Lese-Zeit: Es geht uns gut

DSC_0026 - Kopie

Im Nachhinein betrachtet hätte es auch der Titel sein können, der mich bei diesem Buch anlockt. Schlicht in seiner Aussage. Und doch hätte er mich neugierig gemacht. Aber so war es nicht. Mir fiel als erstes der Name des Autors ins Auge:

Arno Geiger – ein österreichischer Schriftsteller, der mir auf ganz anderen Wegen begegnete. Seit einigen Jahren befasse ich mich mit dem Thema Demenz. 2012 las ich dann das Buch Der alte König in seinem Exil, in dem Arno Geiger über das Leben mit seinem an Alzheimer-Demenz erkrankten Vater erzählt. Im selben Jahr war ich dann auch bei einer Lesung des Autors mit anschließender Gesprächsrunde. Ein interessanter Abend!

Aber nun zu Philipp, der in dem Roman Es geht uns gut das Haus seiner Großeltern erbt und damit, ebenso wie mit seinem kompletten Leben, nicht so richtig etwas anfangen kann. Jammern auf hohem Niveau, so wird das heute oft genannt, wenn Menschen über ihr Leben klagen, ohne zu bemerken, dass es ihnen doch gut geht.

Der gute Philipp ist auch so einer. Er langweilt sich, was teilweise zu abstrusen Szenen führt, in denen er über die Gartenhecke späht, um Gäste für eine Grillparty aufzutreiben. Um seine eigene Geschichte herum, wird immer wieder aus dem Leben sowohl seiner Eltern als auch seiner Großeltern erzählt. Und das mit wechselnden Perspektiven. Andere Zeiten bringen andere Herausforderungen mit sich. Die Großeltern, die 1938 gerade ihre Tochter Ingrid – Philipps Mutter – bekommen haben, während zur selben Zeit die Deutschen in Wien einmarschieren. Peter – Philipps Vater – der als 15-jähriger Soldat verwundet wird. Situationen, über die man tatsächlich hätte jammern und klagen können. So man denn überhaupt die Zeit dafür gehabt hätte.

Während Philipp das Haus der Großeltern entrümpeln lässt – was seine verheiratete Freundin organisiert hat – bekommt er hin und wieder Einblicke in das Leben der Verstorbenen. Ob ihn das letztendlich weiterbringt?

Durch die wechselnden Perspektiven bekommt man als Leser Einblicke in die verschiedenen Denkweisen, was ich persönlich immer sehr spannend finde. Es ist auf jeden Fall keines dieser ich-les-es-mal-schnell-weg-Bücher. Mich beschäftigt diese Geschichte auch nach der letzten Seite noch, wobei ich auf ein Wiederlesen mit Philipp gut verzichten kann. Während er immer wieder abwartend auf der Vortreppe des Hauses saß, hätte ich ihm am liebsten zugerufen: „Hey Du, raff es doch endlich: Es geht uns gut!“

Randbemerkung: Gerade ist Arno Geigers aktuellstes Buch erschienen: Selbstporträt mit Flusspferd. Obwohl die Kritiker es für einen Geiger Roman heftigst in der Lese-Luft zerreißen, werde ich auch diesem Buch irgendwann gerne eine Chance geben und mir meine eigene Meinung bilden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s