Schreib-Alltag: Sauer auf Heike!

In den letzten Wochen fanden die Arbeiten an meinem NaNo-Roman Ausgezogen hauptsächlich in meinem Kopf statt. Genauer gesagt hatte ich ein Problem zu lösen:

Wie mache ich weiter? Mache ich überhaupt weiter? Wie motiviere ich mich an dieser Stelle?

Von vorn. Begonnen habe ich meinen Roman im Oktober. Ich habe meine Idee erst gedanklich hin und her gewälzt und dann als groben Handlungsfaden in meinen Laptop geschrieben. Zu dieser Mischung kamen dann noch nötige Recherche Arbeiten und meine Figuren haben das Licht der Welt erblickt.

Pünktlich am 01. November 2014 startete ich mit dem Schreiben. Richtig, es war mal wieder NaNoWriMo-Zeit! 30 Tage lang schrieb und schrieb und schrieb ich und landete bei ca. 55.000 Wörtern. Während dieser Zeit stellte ich irgendwann fest, dass ich die Geschichte zu schnell vorantrieb. Also entschleunigte ich meine Erzählweise und war Ende November wirklich schon zufrieden mit mir. Und mit der Geschichte.

Ende Dezember sollte im günstigsten Fall bereits das Wort ENDE unter der ersten Fassung stehen. Oder Januar. Oder Februar… Und jetzt endet bereits der März, aber nicht meine Geschichte.

Und nun komme ich zu der Überschrift: Ich bin sauer auf Heike – meine Protagonistin.

Das war ich zwischendurch auch schon mal, weil sie sich mutwillig anders entwickelte, als ich es ihr angedichtet hatte, aber zu dem Zeitpunkt war ich noch sicher, dass dies meinem Roman, meinem Handlungsfaden nicht wirklich schaden könnte.

Ich habe mich geirrt. Ich musste einsehen, dass es so nicht funktioniert. Das ursprünglich geplante Ende, die letzte Szene kann es so nicht geben. Anfangs dachte ich noch, ich wollte einfach nur einer neuen Idee hinterher rennen, weil ich mich mit meiner eigentlichen nicht mehr herum plagen wollte. Aber so ist es nicht.

Fakt ist, dass es so wie Heike sich ohne mein Zutun entwickelt hat, einfach die bessere Geschichte ergibt. Ihr ahnt es schon – nun heißt es umplanen, umschreiben, um… Nein, ich werde nicht alles in die Tonne werfen müssen. Vieles wird so bleiben und Verwendung finden, aber ich muss einen Teil meines wunderschön gestrickten Schals aufribbeln, weil das Muster an einer Stelle einfach so nicht stimmt.

Und ich gebe es zu: ein, zwei Wochen lang habe ich überlegt, ob ich

1. alles hinschmeiße

2. einfach weiterschreibe und mein ursprünglich geplantes Ende mit Gewalt durchsetzen

3. mich in meine Schmollecke zurückziehe und einfach gar nicht mehr schreibe.

Punkt 3 habe ich ein paar Tage voll durchgezogen. Aber nun ist mir klar geworden, dass ich dieses Projekt auf keinen Fall aufgeben will. Die Figuren sind mir ans Herz gewachsen, die Geschichte ist mir wichtig.

Also wieder einmal heißt es: Wenn die Fahrt holperig wird, steigt man nicht aus, sondern schnallt sich an!

Lese-Zeit: Das Jahr, in dem ich dich traf

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Gerade hatte ich die ersten zwanzig Seiten eines Romans von Maria Ernestam gelesen, da bekam ich ein Buch-Geschenk! Nebenbei bemerkt – ich liebe Buch-Geschenke, damit kann man mir wirklich immer eine Freude machen. Trotz allem stürze ich mich nicht immer auf meine neuesten Bücher, sondern sortiere sie je nach aktuellem Interesse entweder in mein baldmöglichst-lesen-Regal oder in unsere heimische Mini-Bibliothek ein.

In diesem Fall jedoch legte ich das Werk von Frau Ernestam rigoros zur Seite (wobei mich die ersten Seiten direkt gefangen hatten!) und begann mit der Lektüre von Das Jahr, in dem ich dich traf von Cecelia Ahern.

Genau – die Cecelia Ahern, die so wunderbare Bücher geschrieben hat wie P.S. Ich liebe Dich und Zwischen Himmel und Liebe. Wobei mein Favorit bis heute Vermiss mein nicht ist.

Alle ihre Bücher habe ich bisher im Urlaub gelesen. In der Zeit des Jahres, in der ich mehr Zeit zum Träumen habe. Und genau dazu haben mich (fast) alle ihre Bücher eingeladen. Zum Träumen, zum Reisen in andere Gedankenwelten. Dieser Hauch von Magie, der immer über ihren Geschichten lag hat mich verzaubert.

Ja, im Laufe der Jahre ließ die Magie durchaus auch schon nach. Da bin selbst ich als erklärter Fan ehrlich, aber trotzdem… ich mochte und mag ihre Geschichten.

Und nun hatte ich also das aktuellste Werk in der Hand.

Es dreht sich hauptsächlich um Jasmin und ihr Leben. Ein Leben, dass komplett aus dem Ruder läuft, als sie nicht nur gekündigt, sondern auch für ein Jahr freigestellt wird, damit sie keine Firmengeheimnisse weitertragen kann.

Aber was macht eine Frau, die sich doch sehr über die Arbeit definiert? Gute Frage! In dieser Zeit hat sie auch das erste Mal Augen und Ohren für ihre Nachbarschaft. Vorrangig für einen versoffenen Radiomoderator, der seine Beliebtheit durch fragwürdige Sendeinhalte gewonnen hat.

Mitten im Text tauchte plötzlich immer wieder das Wort SIE auf. Und IHR. Na und? werdet Ihr vielleicht sagen. Aber es war groß geschrieben, stand in keiner wörtlichen Rede und ich habe den Schuss erst eine Weile später gehört.

Matt, der Nachbar wird so direkt angesprochen. Hää? War mein erster Gedanke. Und dann: Mmmh??!! Irgendwie interessant. Oder doch fragwürdig. Für mich auf jeden Fall neu.

Gut, ich versuche mich jetzt mal kurz zu fassen. Die Leser dürfen Jasmine durch ihr Jahr begleiten, was für mich irgendwie so dahin plätscherte und einige Längen hatte. Trotzdem hatte auch dieses Buch von Cecelia Ahern wieder eine gewisse Faszination auf mich. Ich bereue also in keinster Weise, dass ich es gelesen habe und es schreckt mich auch nicht vor dem Kauf ihrer künftigen Bücher ab.

Aber, es ist nicht mehr so wie es einmal war. Tja, auch Schriftsteller entwickeln sich nun mal weiter und aus dem jungen Mädchen, die den ersten Roman schrieb ist inzwischen eine erwachsene Frau mit Mann und Kindern geworden.

Ich glaube, dass ein Teil ihrer Fangemeinde spätestens nach diesem Buch das Handtuch wirft. Einfach, weil es „anders“ ist. Für mich heißt es jedoch weiterhin: Daumen hoch für Cecelia Ahern!

Geschichten-Zeit: Wie ich dem Teufel die Hölle heiß machte

Wie ich dem Teufel die Hölle heiß machte

von Nicole Vergin

Warum passiert immer mir so etwas?

Ihr wisst nicht, wovon ich rede?Lese-Teddy

Na von diesen Geschichten, die einem Niemand glaubt.

Egal. Am besten ich erzähle einfach, was geschehen ist.

Es war an einem dieser Tage, die weder Fisch noch Fleisch sind. Im Prinzip kann es also jeder gewesen sein. Dank Klimaerwärmung, Globalisierung und all dem neumodischen Schnickschnack sind wir doch sowieso alle gleich und vor allem am selben Ort. Aber, ich schweife ab.

An besagtem Tag, geriet ich mal wieder mit einem meiner lieben Mitmenschen aneinander. Was bei mir nichts Neues und somit nichts Besonderes ist.

„Das ist ein X“, versuchte mir mein Gegenüber ein sicheres U schmackhaft zu machen.

Mein Adrenalinpegel schwang sich in ungeahnte Höhen.

„Ich mach dir die Hölle heiß!“, brüllte ich engagiert und ungeniert.

Während mein Gegenüber seinen Kopf millimeterweise wie eine Schildkröte einzog, blieb die Welt für einen Moment stehen. Nein, ich bin nicht Größenwahnsinnig. Die Welt blieb stehen. Ich war das Einzige oder vielmehr die Einzige, die sich noch bewegte.

„Wow!“, dachte ich gerade noch, völlig begeistert von meiner Wahnsinnsenergie. Da machte es neben mir Puff. Eine kleine, rötliche Wolke, die sich gleich darauf wieder verzog. Zurück blieb eine Gestalt, die mir irgendwie bekannt vorkam. Obwohl ich im gleichen Moment sicher war, dieses Etwas noch nie gesehen zu haben. Klingt unlogisch? Egal.

Die Gestalt war ein Stück größer als ich, hatte eindeutig einen Hang zur Rotgesichtigkeit und trug auf dem Kopf so zwei spitze Dinger.

Karneval!“, dachte ich abschätzig.

Mein Blick wanderte weiter. Schwarze Haare, ein Spitzbart und krumme Beine, an deren Ende ich die schärfsten Schuhe des Universums sah. Sie sahen aus, wie Hufe. Herrje, wie bekam man da bloß seine Füße hinein? Ich dachte für einen Moment an das Märchen Aschenputtel und erschauderte.

Hinter der Gestalt witschte etwas durch die Luft. Ein Schwanz mit einer Quaste wie von einer Kuh oder Ziege.

Und dann machte das Etwas den Mund auf.

„Kannst Du mir auch die Hölle heiß machen?“, fragte es mich.

„Haha“, machte ich gelangweilt, „sehr komisch.“

„Aber Du sagtest doch eben zu dem Mann, dass Du ihm die Hölle heiß machen würdest“, drängte die Gestalt nun und wollte nach meiner Hand greifen.

„Pfoten weg!“, warnte ich lautstark. „Und nun sag mir was hier los ist und vor allem wer Du bist!“

„Du erkennst mich nicht?“, fragte das Etwas erstaunt und eine Spur Beleidigt sein schimmerte durch.

Nun war ich richtig genervt. „Sag mir endlich was hier abgeht… oder ich gehe!“

„Ich bin der Teufel“, kam die Antwort.

Der Teufel. Aha. Ich ließ den Gedanken häppchenweise an mich heran, während ich die Gestalt weiter im Auge behielt. Das war ja nicht gerade das, was ich hören wollte. Aber bei genauerer Betrachtung musste ich es glauben. Darum war mir der Typ so bekannt vorgekommen.

„Gut“, seufzte ich resigniert, „Du bist also der Teufel. Und was willst Du nun von mir?“

Nun war es an ihm zu seufzen. „Hörst Du immer so schlecht zu? Ich habe gefragt, ob Du mir auch die Hölle heiß machen kannst.“

„Klar“, lachte ich ihn an. Leute zur Schnecke machen liegt mir im Blut. Also, warum sollte ich nicht auch mal dem Teufel die Hölle heiß machen.

Puff machte es ein weiteres Mal. Nur dieses Mal stand ich selber inmitten einer rötlichen Wolke. Ich hustete und wedelte mit beiden Händen, bis der nach allen Höllenschlünden stinkende Qualm sich endlich verzogen hatte. Misstrauisch schaute ich mich um und fand mich in einer riesigen Grotte mit Ruß geschwärzten Wänden wieder. Von der Decke hingen unzählige rostige Käfige herunter, in denen traurige Gestalten hockten. Man konnte sie kaum erkennen. Sie sahen aus wie verbrannte Lebkuchenmänner.

„Willkommen in meinem Reich“, grinste mich der Teufel fröhlich an.

„Danke“, antwortete ich verwirrt. Was ja nicht verwunderlich war. Irgendwie hatte ich immer gewusst, dass ich einmal in der Hölle landen würde. Aber, dass es nun schon vor meinem Tod geschah wunderte mich doch. Oder war ich etwa tot?

„Bin ich tot?“, fragte ich vorsichtshalber nach.

„Nein, nein“, der Teufel lächelte beruhigend, hakte sich kumpelhaft bei mir ein und zog mich mit, hin zu einem riesigen Loch, das aussah wie der Krater eines Vulkans.

„Das ist der Höllenschlund!“ Mit großer Geste wies er in den Krater hinein.

Ich beugte mich vor, spähte hinein und fing aus vollem Halse an zu lachen.

„Höllenschlund, haha“, japste ich, „das, haha, soll der Höllen, haha, schlund sein?“ Immer noch laut wiehernd wischte ich mir die Lachtränen vom Gesicht, während der Teufel unsere Kumpel Verschränkung löste und mich mit bitterböser Miene musterte.

„Ich wüsste nicht was daran komisch sein sollte.“

„Ich schon!“, wieherte ich und hielt mir die vom Lachen schmerzenden Seiten.

Nach einer Weile beruhigte ich mich, trat erneut an den angeblichen Höllenschlund heran und spähte in die Tiefe. Ich unterdrückte einen weiteren Lachanfall und wandte mich betont höflich dem Teufel zu.

„Lass mich raten… Dein Problem ist das fehlende Feuer?“

Leicht beschämt nickte der Teufel und blickte mit traurigen Augen auf das schwach glimmende Aschehäufchen am Boden des Höllenschlunds.

„Mein nichtsnutziger Assistent hat das Feuer ausgehen lassen.“ Mitleid heischend sah er mich an. Und wie er so dastand, mit rot unterlaufenen Augen – da tat er mir tatsächlich ein bisschen leid.

„Aber wie zum Teufel, äh, ich meine wie konnte das geschehen?“

„Diese Doktoren, ja die sind es. Diese neumodische Art nur Assistenten mit einem Doktortitel einzustellen. Die haben einfach überhaupt keine praktische Erfahrung. Nur all dies theoretische Geschwafel. Das hat noch nie ein Feuer entzündet oder in Gang gehalten.“

„Warum hast Du dann so einen eingestellt?“, wagte ich eine Zwischenfrage zu stellen.

Der Teufel schnaubte, während sich sein rotes Gesicht in tiefrot verfärbte. „Ich hab mich von meinem Kollegen beschwatzen lassen.“

„Dein Kollege?“ Nun war ich neugierig.

Ohne ein Wort zu sagen, wies mein Gastgeber mit dem Finger nach oben.

Ungläubig folgte mein Blick seinem Fingerzeig. „Du nennst ihn Kollege?“

„Klar“, antwortete er lässig, „schließlich sind wir Beide im gleichen Metier tätig – Human fishing.“

Mir war das alles zu viel für einen Tag. Teufel, Hölle, Doktoren, Kollege, Human fishing, schwirrte es durch meinen Kopf. Völlig erschlagen ließ ich mich am Rand des Höllenschlunds nieder.

Aus den Augenwinkeln sah ich, wie es sich der Teufel ebenfalls am Rand des Kraters bequem machte. Nach einer Weile und vielen, vielen tiefen Atemzügen später, entspannte ich mich wieder und ließ die Beine baumeln. Rechts, links, rechts, links.

Der Teufel kicherte, ich sah auf und bemerkte, dass er ebenfalls am Baumeln war. Nur bei ihm machte es klock, klock, klock, klock. Jedes Mal, wenn seine Hufe gegen den Fels prallten.

Da prustete auch ich los. Gemeinsam lachten wir, bis uns die Tränen über die Gesichter liefen – ja, der Teufel hat durchaus Tränen – und uns auf die Schenkel klopften wie zwei Stammtischbrüder.

„Und haha, was haha machen wir nun?“, prustete der Teufel und versuchte sich gegen die nächste Lachwoge zu wehren.

„Feuer!“, entgegnete ich nur trocken und schon wieder wieherten wir los.

Eine Weile, eine lange Weile, später, als wir uns endlich wieder beruhigt hatten, beschlossen wir das Thema nun mit dem nötigen Ernst zu behandeln.

„Also“, begann der Teufel, „wie willst Du es nun anfangen, mir die Hölle heiß zu machen?“

„Tja“, machte ich und verfiel in dumpfes brüten.

„Tja?“, hakte er nach und sah mich misstrauisch an. „Ich dachte, Du hättest Ahnung vom Hölle heiß machen!“

„Das ist doch nur so ein Spruch in der Menschenwelt.“

„Nur ein…“, dem Teufel fiel alle Farbe aus dem Gesicht. Zufrieden nickte ich. Sicherlich war ich die Einzige auf der ganzen weiten Welt, die den Teufel einmal sprachlos erlebte.

„Ich dachte, Du hättest das Hölle anheizen studiert oder, naja, wenigstens bei einem Studierten in die Lehre gegangen oder, oder wenigstens irgendwann irgendwem dabei zugesehen.“

„Also, für einen, der eben noch über Doktoren geschimpft hat, legst Du aber viel Wert auf eine solide Ausbildung.“

Ich verstand nicht, was er sich daraufhin in seinen Ziegenbart grummelte, aber das war wahrscheinlich auch besser so.

„Pass auf“, begann ich entschlossen, „warum soll es nicht einfach so, wie bei uns oben funktionieren?“

„Häh?“

„Na, irgendwie entzündet man ja in gewissem Sinne schon etwas, wenn man jemandem mit Worten die Hölle heiß macht.“

Der Teufel versuchte seine beginnende Neugier hinter Ironie zu verstecken. „Mit Worten“, spottete er. Aber ich bemerkte das leichte Zögern in seiner Stimme. Was, wenn ich gar nicht so falsch lag?

Ich stand auf, knuffte ihn kumpelhaft in die Seite. „Einen Versuch ist es doch wert, oder?“

Er zuckte mit den Schultern, schwang sich aber ebenfalls auf seine Hufe und sah mich erwartungsvoll an.

„Okay, ich muss also in Wut geraten. Das fällt mir normalerweise nicht schwer. Aber so auf Kommando…“

„Kann es eigentlich sein, dass Du ein paar Pfund zu viel auf den Rippen hast?“ unterbrach mich der Teufel lächelnd.

Ich verschluckte mich an meiner eigenen Spucke, hustete und versuchte zeitgleich ihn anzuschreien. „Du spinnst wohl! Ich habe gerade erst abgenommen!“

„Naja“, meinte er, ging um mich herum und betrachtete mich von allen Seiten. „Das eine und andere Pölsterchen ist aber unschwer…“

Weiter kam er nicht. Mit geballten Fäusten schoss ich auf ihn los und rammte sie ihm ohne Vorwarnung in den Bauch, während mein rechter Fuß wie von selbst nach vorn schoss und ihn punktgenau am Schienbein traf.

Aufjaulend sprang er zurück, nicht ohne jedoch weitere Schmähungen über mich auszugießen, die ich mir natürlich ebenso wenig gefallen ließ.

„Du Hurensohn, Du Bastard eines stinkenden Höllenhundes…“

„Na, na, na, das ist aber nicht ladylike“, grinste er teuflisch.

„Ich geb dir gleich ladylike. Wenn Du glaubst, dass Du so mit mir umspringen kannst. Dann hast Du dich so was von getäuscht!“

Mit jedem Buchstaben, der sich an den anderen reihte, war ich lauter geworden. Meine Gesichtsfarbe konnte es inzwischen durchaus mit der des Teufels aufnehmen. Mein Herz raste, ich hatte das Gefühl als stünde es in Flammen.

Zisch, machte es auf einmal hinter mir. Abrupt drehte ich mich um.

„Na also“, sagte der Teufel und wies mit zufriedenem Blick in die Tiefe des Höllenschlunds. „Das ewige Höllenfeuer ist wieder entzündet.“

Und tatsächlich prasselte ganz unten am Boden ein munteres Feuer, das mit jeder Sekunde größer und gewaltiger wurde.

„Wow!“, war alles was mir dazu einfiel.

„Genau – wow!“, stimmte mir der Teufel zu. Dann sah er mich mit ernster Miene an, taxierte mich von oben bis unten und ging sogar einmal um mich herum.

Misstrauisch beobachtete ich ihn. Auch wenn ich kapiert hatte, dass seine fiesen Sprüche nur zweckdienlich sein sollten, war ich trotzdem noch etwas pikiert. Wer lässt sich schließlich schon gerne vorwerfen, dass er oder sie dick sei.

Anscheinend hatte der Teufel seine Begutachtung abgeschlossen, denn er nickte mit seinem gehörnten Kopf und bot mir eine Stellung im Hause Teufel an.

„Waaaaaaaaaas???????“

„Einen Job, ich biete dir einen Job an. Was ist daran außergewöhnlich?“

Ich sah mich vielsagend um und machte eine alles einschließende Handbewegung.

Der Teufel gähnte ausgiebig und ließ ein kurzes „Und?“ aus seinem weit geöffneten Mund plumpsen.

„Also 1.: man hält die Hand vor den Mund, wenn man gähnt, 2.: wir sind hier in der Hölle, 3.: wir sind hier tatsächlich in der Hölle und 4.: Du kannst mir doch keinen Job in der Hölle anbieten!“

„Doch!“

Aha, warum umständlich, wenn es auch einfach geht. Nun kam ich doch ins Grübeln. Schließlich suchte ich bereits seit einiger Zeit nach einem gut bezahlten Nebenjob, der mir auch noch Spaß machen sollte. Und das hier… ich sah in den Krater und auf das nun wild lodernde Feuer… ja, das hatte Spaß gemacht.

„Aber willst Du deine Kräfte nicht lieber für etwas Gutes einsetzen?“, drang eine Stimme an mein Ohr.

Oh Mann, immer diese zwei kleinen Figuren auf meinen Schultern. Engelchen und Teufelchen. Wieder einmal unterschiedlicher Meinung.

„Nein, ich bin nicht Dein Gewissen.“

Stimmt, die Stimme klang auch ganz anders. Bevor ich mir darüber schlüssig werden konnte, wer denn da nun mit mir sprach hörte ich hinter mir ein lautes knallpengbumm! Erschrocken drehte ich mich um und prallte bei dem unverhofften Anblick der sich mir bot zurück.

Der rotgesichtige Teufel steckte mitten in einer Keilerei mit… ja, mit wem eigentlich? Ich hielt den Kopf schief, kniff ein Auge zu und versuchte die mir unbekannte Gestalt genau ins Visier zu nehmen. Was schwierig war, da die Keilerei wie in einem Comic hin- und herwogte.

Die Gestalt trug ein langes, weißes wallendes Gewand, einen Rauschebart und über dem Kopf schwebte eine Scheibe. Nein, das war keine Scheibe. Dann wäre es vermutlich auch ein Frisbee gewesen. Aber dieses Ding hatte ein Loch. Das konnte ja nur eines bedeuten. Das Ding war ein Heiligenschein. Und wenn das Ding ein Heiligenschein war, dann prügelte sich der Teufel ganz offensichtlich gerade mit seinem Kollegen.

„Ruhe!“, brüllte ich energisch.

Die beiden Kontrahenten hielten mitten in der Bewegung inne und sahen mich entgeistert an.

„So löst man also zwischen Himmel und Erde äh Hölle die Probleme.“ Erbost starrte ich Teufel und Gott an.

„Naja…“, machte Gott.

„Also eigentlich…“, fügte der Teufel hinzu.

„Kein Wunder, dass es auf unserer Erde keinen Frieden gibt, wenn nicht mal ihr zwei Gestalten Euch vertragen könnt.“

„Aber er hat…“, „Nein, Du hast!“, „Immer bin ich…“, „Weil Du ja auch…“

So fielen sie sich gegenseitig ins Wort und wenn ich daran dachte, dass das Ganze schon über Jahrtausende ging, wurde mir ganz schwindelig.

„Kompromiss“, warf ich ein Wort in die Waagschale.

„Kompromiss?“, äfften Beide mich wie aus einem Mund nach.

Ich nickte zufrieden. Anscheinend waren sie bereit, mir zuzuhören. Das war doch schon was.

„Also, Du“, ich zeigte auf den Teufel, „setzt Dich auf die linke Seite des Kraters. Und Du“, dabei wies ich auf Gott, „setzt Dich auf die rechte Seite. Und dann werden wir in Ruhe Eure Probleme klären.“

Leise vor sich hin grummelnd, ließen sich die Herren auf den Steinen nieder und sahen zu mir auf. Vorsichtshalber war ich stehengeblieben, um auch die entsprechende Autorität zu wahren.

„Was ist Euer Problem?“

„Du!“, waren sie sich einig.

Ich fiel aus allen Wolken, also Rauchwolken.

„Ich? Wieso ich?“

„Wir wollen Dir Beide einen Job anbieten.“

Nun ließ ich mich doch am Rande des Kraters nieder. Ich sollte für Gott oder den Teufel arbeiten?

„Moooooment!“

„Ja?“, fragten Beide wie aus einem Mund.

Aber ich wandte mich nur dem Rauschbärtigen zu. „In welcher Funktion soll ich denn für Dich arbeiten?“, wollte ich wissen und versuchte dabei nicht zu interessiert zu wirken.

„Du ziehst das doch nicht wirklich in Betracht?“, zischte der Teufel mir zu.

„Wie kann ich etwas in Betracht ziehen, wenn ich noch gar nicht weiß was es ist?“ Ich bedachte ihn mit einem strengen Blick.

„Schon gut, schon gut“, murmelte er daraufhin, verschränkte die Arme und drehte sich demonstrativ von mir weg.

„Also, um was für eine Art Job geht es da bei Dir?“

Anstelle einer kurzen Antwort, stand Gott auf, hob beide Arme in die Höhe und begann: „Denn siehe, ich bin hier hernieder gekommen, um…“

„Blablabla“, fuhr ich dazwischen, „genau dieses salbadern ist es, was mir in Deinem Verein so auf die Nerven geht!“

„Ja, also ich finde das ja auch ganz schlimm“, nutzte der Teufel die Chance sich erneut ins Spiel zu bringen.

Aber diesmal beachtete ich ihn gar nicht, sondern wartete weiter auf eine Antwort.

„Ich biete Dir einen Job als Gewitterbeauftragte.“

Na bitte, geht doch. Kurz und bündig.

„Und ich als Höllenfeuerbeauftragte.“

Ich nickte und dachte einen Moment nach, bevor ich mich an Gott und Teufel wandte.

„Ehrlich gesagt, klingen Eure Angebote beide interessant.“ Mit großen Augen sahen die Herren erst mich dann sich an.

„Und was bedeutet das nun?“, wollte Gott wissen.

„Für welchen Job entscheidest Du Dich?“, drängte der Teufel.

Genau das war hier die Frage. Wollte ich wirklich im Himmel arbeiten? Wo ich zum Einen noch nie war und zum Anderen unter anderen Umständen wohl auch nie hingelangt wäre. Oder doch lieber in der Hölle? Hier, wo ich mich gleich wohl gefühlt hatte und was von der Hitze her doch eher meinem Temperament entsprach. Wobei ich manchmal ja durchaus auch eine Engelsgeduld besaß.

Also, wenn ich es genau betrachtete, dann eignete ich mich durchaus für beide Posten.

„Teilzeitarbeit“, warf ich wieder mal ein Wort in die Waagschale.

„Teilzeitarbeit?“, äfften mich die Beiden nach.

„Genau“, sagte ich zufrieden. „Ich arbeite einfach mal im Himmel, mal in der Hölle. Das ist auch viel abwechslungsreicher.“

„Wir sollen uns Deine Arbeitskraft teilen?“, hakte der Teufel nach.

Ich nickte lächelnd.

„Und es besteht keine Chance, dass Du Dich doch für einen der beiden Jobs entscheidest?“, wollte Gott wissen.

„Nö“, antwortete ich entschieden. „So oder gar nicht!  Aber“, fügte ich hinzu, während in den Augen der Herren erneut Hoffnung schimmerte, „aber ich bin bereit zu einer Probezeit. Und wenn es dann mit uns allen nicht funktioniert – schwupps, lassen wir es einfach wieder sein und es ist alles beim Alten.“

Mit diesem Vorschlag hatte ich genau ins Schwarze getroffen. Rasch waren wir uns einig und schlossen die Verträge wie in den guten, alten Zeiten per Handschlag.

Seit diesem Tag arbeite ich die eine Hälfte des Tages im Himmel. Ich steuere die Blitze und bin für die Lautstärke des Donners zuständig. In der anderen Hälfte sorge ich dann dafür, dass es all den Seelen in der Hölle immer heiß genug ist.

Und ganz nebenbei tue ich sogar noch etwas für die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Himmel und Hölle. Erst kürzlich sah ich doch tatsächlich einen Engel, der mit einem der Lebkuchenmänner in der Hölle Tee trank. Wenn das mal kein guter Anfang ist!

 

Lese-Zeit: Die unsichtbare Handschrift

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Mein baldmöglichst-lesen-Regal leert sich im Moment mal etwas zügiger als sonst. Ich nehme mir wieder mehr Lese-Zeit und merke, dass es mir gut tut.

Wir Ihr inzwischen schon wisst, lese ich ja bunt gemischt. Ich lege mich auf keinen Autor, kein Genre fest und komme durch zahlreiche Flohmarkt Besuche auch immer mal an Bücher, die sich nicht auf den Bestsellerlisten tummeln.

Dieses Mal habe ich eine Reise in die Vergangenheit gemacht. Ein historischer Roman hat mein Interesse geweckt. Lena Johannson heißt die Autorin. Ich bin bereits bei zwei Lübeck Besuchen über ein Buch von ihr gestolpert: Das Marzipanmädchen. Beide Male war ich kurz davor, den Roman zu kaufen, aber… habe es dann doch nicht getan. Und das obwohl ich Marzipan liebe! Was ja kein wirklicher Kaufgrund ist. Oder sein sollte…

Nun habe ich vor einigen Monaten Die unsichtbare Handschrift von ihr „erbeutet“. Wie auch Das Marzipanmädchen spielt diese Geschichte in Lübeck. Zumindest der Teil, der in der Vergangenheit erzählt ist. Interessanterweise spielt der Roman auch in der Gegenwart, was mir durchaus gefallen hat.

Es beginnt in Köln bei den Arbeiten am eingestürzten Stadtarchiv. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an dieses Unglück, das vor einigen Jahren nicht nur dieses Gebäude, sondern tragischer weise Menschenleben gekostet hat.

Die Lübecker Restauratorin Christa unterstützt in ihrer Freizeit die Stadt Köln gemeinsam mit anderen Ehrenamtlich dabei, die verschütteten Unterlagen soweit als möglich zu retten. Und dabei stößt sie auf ein Pergament, in dem es um die Privilegien der Stadt Lübeck geht. Die Teile in der Gegenwart sind aus Christas Perspektive geschrieben.

Was sich im Jahr 1226 zugetragen hat, ist der zweite Handlungsfaden, der sich durch diese Geschichte zieht. Hierbei spielt Esther, eine junge Frau deren Bruder ein Schreiber ist, die Hauptrolle. Wobei die einzelnen Kapitel aus verschiedenen Perspektiven geschrieben sind, so dass man als Leser unterschiedliche Einblicke bekommt – was mir gut gefallen hat!

Ich fand es spannend zu erfahren, wie sich die Geschichte sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart langsam entwickelt. Wobei der historische Anteil deutlich größer ist. Die Autorin hat eindeutig ein Herz für die Liebe, was für mich völlig in Ordnung ist. Die eine und andere Stelle ist dadurch vielleicht sehr „weich gezeichnet“, aber da hat eben Jeder auch seinen eigenen Stil. Und wenn ich die Rezensionen ihrer anderen Bücher lese, spielt die jeweilige Liebesgeschichte wohl immer eine größere Rolle.

Zum Ende hin kam dann jedoch etwas, was ich so noch aus keinem Buch kannte und was mir persönlich nicht besonders gefiel. Wie ich bereits oben erwähnt habe, wechseln mit den Kapiteln auch die Perspektiven. Soweit so gut. Dann jedoch wurde eine Szene aus der Sicht einer Figur beschrieben. Und dann ein weiteres Mal aus der Sicht einer anderen. Und zwar dermaßen ähnlich, dass ich mich erst fragte, ob es eventuell ein Versehen war – was ich mir jedoch kaum vorstellen konnte – und mich dann ganz schlicht langweilte. Natürlich kann es sich hier um einen „Kunstgriff“ der Autorin handeln und sicherlich findet auch diese Erzähl-art Fans – aber ich gehöre nicht dazu.

Insgesamt jedoch mag ich das Buch, die Geschichte und auch weitestgehend den Erzählstil von Lena Johannson. Und wenn ich das nächste Mal nach Lübeck fahre, dann kaufe ich mir genau dort stilecht Das Marzipanmädchen!

Schreib-ABC: A wie Anfang

A wie Anfang

Und hier beginnt der Beitrag…

Ob Euch dieser erste Satz nun wohl vom Hocker haut? Wohl kaum. Im günstigsten Fall macht er Euch neugierig: was will Nicole wohl mit diesem Blödsinn sagen.

Ganz einfach – egal, wie schlecht ein erster Satz auch sein mag. Er ist allemal besser, als gar nicht anzufangen.

DSC_0001 - KopieSeit Anfang des Jahres plane ich diese neue Kategorie für meinen Blog. Ich möchte mit Euch durch die Welt des Schreibens reisen. Zu jedem Buchstaben bzw. einem Wort, das irgendetwas mit Schreiben zu tun hat, wird es einen Text von mir geben. Ihr werdet darin meine Erfahrungen, meine Meinung und noch ein wenig Drumherum erfahren.

Und was lag nun näher, als mit A wie Anfang zu beginnen.

Anfang bedeutet meist, dass vor Euch ein weißes Blatt liegt. Vielleicht habt Ihr vorab schon einen Plot und sogar schon Figuren entwickelt. Aber nun geht es an den ersten Satz. Den unglaublich wichtigen, ersten Satz. Den ersten Satz, der Eure künftigen Leser süchtig nach Mehr machen soll.

Wie oft habe ich genau an dieser Stelle meines Schreib-Alltags überlegt, ob ich mein Autorinnen Dasein lieber gegen ein Leben als Kuh Hirtin auf einer Alm eintauschen sollte. Was sicherlich ungleich schwieriger wäre!

Auch um diesen Beitrag schleiche ich seit Woche herum und finde – richtig – keinen Anfang. Dabei dachte ich, dass ich in den vergangenen Schreib-Jahren genügend Übung bekomme hätte, um in dieses Schreib-Loch erst gar nicht hinein zu fallen. So kann Frau sich irren.

Aber wie gelingt es mir denn nun, dieses Hindernis aus dem Weg zu räumen?

Ein simpler Trick ist der, den ich oben angewandt habe. Ihr findet keinen ersten Satz? Dann beginnt doch einfach mit: Und hier beginnt die Geschichte…

Klingt blöd, zu einfach? Probiert es doch einfach einmal aus! Der Tipp / Trick ist allerdings nicht von mir. Vor Jahren habe ich dies irgendwo gelesen. Gerne ergänze ich, woher dieser Rat kommt – sofern Ihr das wisst und mir mitteilt!

Und sonst? Ich schreibe gerne mal „auf Zeit“. Backofenuhr auf eine viertel Stunde einstellen, ran an den Laptop oder das Notizbuch und in dieser viertel Stunde wird nur geschrieben. Ohne Wenn und Aber. Und ohne inneren Kritiker.

Damit komme ich auch schon zum letzten Punkt. Den inneren Kritiker einfach mal auf stumm schalten. Sätze wie: „Du kannst doch sowieso nicht schreiben“, „Dein erster Satz ist echt langweilig“ „Was soll das denn werden, wenn´s geschrieben ist?“ habe ich schon zu oft gehört.

Mir macht Schreiben Spaß und den lasse ich mir von so einem Miesmacher auch nicht nehmen. Klingt zu einfach – ich weiß. Aber wir können uns dann ja vielleicht bei K wie Kritiker noch einmal darüber unterhalten.

Und? Wie geht Ihr mit dem „Problem Anfang“ um?

Lese-Zeit: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

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Eigentlich wollte ich mir nach den letzten beiden Büchern ein wenig leichte, lockere Unterhaltungslektüre gönnen. Ich würde sagen – das war wohl nichts.

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki ist eine Geschichte, die ebenfalls nicht gerade Frohsinn verbreitet.

Der japanische Autor Haruki Murakami erzählt von einem Mann, der vor Jahren aus einer Gruppe von Freunden ausgestoßen wurde, die bis zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlich eng miteinander verbunden waren. Den Grund dafür hat er nicht erfahren, so dass dieses Erlebnis ihn – verständlicherweise – für seinen weiteren Weg geprägt hat.

Erst als eine Frau ihn auf die unverheilten Wunden in seiner Seele aufmerksam macht, ist er bereit sich seiner Vergangenheit zu stellen. Und so beginnt für ihn eine Reise, die so manch unerwartete Begegnungen und Erlebnisse mit sich bringt.

Der Roman wird als größtes Werk des Autors gefeiert. Für mich gibt es eindeutig Geschichten von ihm, die mir besser gefallen haben, wie z. B. Kafka am Strand. Trotzdem findet man auch hier den unverwechselbaren Stil von Haruki Murakami, der eine besondere Erzählart hat, die mir persönlich immer wieder gefällt. Seine Geschichten haben stets auch etwas – ich nenne es mal – mystisches im Gepäck.

Baff war ich nur, als ich den Grund für den Ausschluss aus dem Freundeskreis erfahren habe. Da hätte ich mir von dem Autor definitiv eine „bessere Lösung“ gewünscht. Aber das ist natürlich wie immer Geschmackssache. Falls Ihr das Buch ebenfalls gelesen habt, würde mich Eure Meinung dazu interessieren!

Schreibkick: Ergebnis des Experiments

Wie angekündigt habe ich jeweils gestern und heute eine halbe Stunde einfach drauflos geschrieben. Exakt nach meiner Backofenuhr. Na gut, zum Schluss habe ich noch 2 Minuten und 43 Sekunden drauf gelegt. Um zu einem Ende zu kommen.

Das Ergebnis? Ich hatte unwahrscheinlich viel Spaß und es ist tatsächlich eine Geschichte dabei raus gekommen. Diese ist zwar unwahrscheinlich schräg und ganz nebenbei in keinster Weise durchdacht, überarbeitet oder was man Geschichten sonst so Gutes tun kann. Aber ich bin trotzdem zufrieden, dass ich es durchgezogen habe.

Und hier ist sie:

Neulich am Gartenzaun

von Nicole Vergin

„Pst!“

„Hä?“

„PST!!“

„HÄÄÄ??“

„Zwerg! Hier drüben!“

„Ach Du bist´s Gertrud!“

Ein rascheln, als ob kleine Füße durchs Gras tapsen. Kleine Finger schieben sich durch den Jägerzaun und ziehen sich ein wenig daran hoch.

„Was ist denn?“

„Hast Du auch davon gehört?“

„Wovon?“

„Von dieser Apo… dingsda.“

„Apo… was?“

„Na Apo…“, die Gartenzwergin Gertrud kratzt sich unter ihrer mit rosa Röschen verzierten Zipfelmütze.

„Apotheke?“ Gunnar Gartenzwerg blinzelt angestrengt durch die Zaunlücke.

„Quatsch!“ Gertrud dreht sich um und ruft über die Schulter: „Gisbert, komm doch mal!“

Erneutes tapsen durch Nagelscheren gestyltes Gras.

„Ja bitte?“ Ein fragender Blick über eine silberne Nickelbrille.

„Och nee“, murmelt Gunnar, lässt den Zaun los und sich selber zu Boden sinken. „Der Besserwisser.“

„Das habe ich gehört.“ Gisbert zieht seine Denkerstirn in tiefe Falten.

„Mir doch egal, Klugscheißer!“

„Zwergenjungs, nun lasst doch diese blöden Streitereien.“ Gertrud wischt sich ein imaginäres Staubkorn von ihrem Röckchen. Nebenbei bemerkt – sie ist die erste Zwergin in der Schrebergartenkolonie, die ein Röckchen trägt. Kein Wunder also, dass die anderen Zwerge scharf auf sie sind. Aber zurück zur Sache.

„Gisbert, ich wollte Gunnar gerade fragen, ob er auch schon von dieser Sache weiß. Die von der Du mir erzählt hast. Aber ich habe den Namen vergessen. Apo…“, bleibt sie erneut hängen.

„…kalypse.“, ergänzt Gisbert und wirft einen Seitenblick an seiner Nickelbrille vorbei auf Gertruds Röckchen, das günstiger weise gerade von einem Windstoß gelüpft wird.

„Was is´n ne Kalüppse?“

„APOKALYPSE, Du Garten-Gimpel.“

„Wer ist hier ein Garten-Gimpel, Du Giftzwerg.“

Bevor sich die beiden rotmützigen Gartenzwerge durch den Zaun beharken können, schreitet die Gartenzwergin Gertrud – wie schon so oft – beherzt ein und schlägt mit ihrer kleinen gelben Gießkanne warnend gegen den Zaun.

Für einen Moment herrscht Ruhe im Beet.

„Wir haben wichtigeres zu tun“, herrscht sie die Zwergenjungs an. „Es naht nämlich die Apokalypse.“

Gisbert nickt zustimmend, während Gunnar einen Schmollmund zieht. „Verrät mir nun auch mal jemand, was das nun ist?“

Die kleine Gartenzwergin stellt sich kerzengerade hin, um wenigstens ein bisschen größer zu wirken und verkündet dann mit dramatischer Zwergenstimme: „Die Welt wird untergehen.“

Gunnar starrt seine Zwergenfreunde mit großen Augen an. „Untergehen? Versteh ich nicht.“

Gertrud knufft Gisbert in die Seite. „Erklär Du es ihm.“

„Tja, äh“, der Zwerg mit dem sonst so pfiffigen Gesichtsausdruck sieht auf einmal ein wenig hilflos aus. „Also wisst Ihr, ich hab das ja auch nur von unserem Menschen gehört. Und ich weiß auch nichts so richtig Genaues. Er hat von einem Reiter erzählt, der kommen wird. Und dass das was mit Apokalypse und Weltuntergang zu tun hat.“

„Das war ja klar“, giftet Gunnar durch den Zaun, „dass Du hier wieder nur so halbgaren Kompost verbreitest. Du willst Dich doch nur wieder wichtigmachen. Wie soll das denn gehen, dass ein einziger Reiter was mit der ganzen Welt zu tun hat?“

„Dann glaub es eben nicht“, zischt Gisbert so gar nicht weise zurück, „ich habe jedenfalls vorgesorgt und uns ein Plätzchen im Schuppen gesichert.“ Seine Augen funkeln hinter seiner Brille. „Nur für Gertrud und mich.“ Ein weiterer Blick in Richtung des Röckchens lässt so einiges erahnen.

Prompt laufen Gunnars Zwergenbäckchen hochrot an. „Und was ist mit mir?“, stottert er sichtlich aufgeregt.

„Du kommst natürlich mit.“ Gertrud schiebt ihre kleine Hand durch den Zaun und streichelt sanft Gunnars Bäckchen, die mittlerweile förmlich glühen.

„Er schafft es ja gar nicht über den Zaun!“

Die Gartenzwergin knufft ihren Zwergenfreund in die Seite. „Wir helfen ihm, ist doch klar.“

Wie immer schafft Gertrud es, Gisbert um den kleinen Zwergenfinger zu wickeln. Gemeinsam rollen sie einen Holzklotz an den Zaun, klettern darauf und ziehen den armen Gunnar mit Ach und Krach hinüber. Unnötig zu erwähnen, dass ihm die Spitzen des Jägerzauns reichlich zusetzen. Wie gut, dass er diese zumindest mit ein wenig Moos abgedeckt hatte.

„Geschafft!“ Erschöpft hocken sie nach einer scheinbaren Ewigkeit nebeneinander im Gras und verschnaufen, während über dem Garten die Sonne bereits langsam ihren Heimweg antritt.

„Kommt, schnell“, feuert Gertrud ihre Freunde an, „unser Mensch hat gesagt, dass der Reiter noch heute Abend kommen wird.“

So schnell ihre kleinen Zwergenbeine sie tragen, laufen sie über den sattgrünen Rasen hin zum Gartenschuppen, der in einer Ecke des Gartens steht. Wie so oft, ist auch heute die Tür nur angelehnt, so dass sie sich durch den Spalt hindurch quetschen können.

„Schöner Anblick“, murmelt Gunnar, als sich Gertruds Röckchen ein wenig verschiebt und Gisbert scheint ausnahmsweise mal seiner Meinung zu sein.

„Ich halte Wache“, erklärt Gisbert und lugt durch ein Astloch in der Seitenwand.

Nach einer Weile sitzen alle drei Zwerge nebeneinander auf einer ausgebreiteten Decke.

„Ob es schlimm sein wird?“, fragt Gertrud ängstlich.

„Ich beschütze Dich“, erklärt Gunnar und legt einen Arm um ihre Schulter.

„Ich auch“, ruft Gisbert sofort.

Draußen wird es nach und nach dunkler und drinnen in dem kleinen Schuppen hocken die drei Zwerge und einer nach dem anderen beginnt zu gähnen.

„Wachbleiben, ich muss wachbleiben“, ist das letzte was Gisbert murmelt, bevor auch er ins Reich der Zwergenträume entschlummert.

Keiner von den Dreien hört am späten Abend die Schritte in der Dunkelheit.

Erst der Sonnenaufgang am nächsten Morgen weckt die kleine Schar, als ein einzelner Strahl durch das kleine Butzenfenster hineinscheint und Gertrud an der Nase kitzelt.

„Gunnar, Gisbert – wacht auf!“ Hastig springt sie auf, läuft zur Tür und zwängt sich durch den Spalt nach draußen.

„Aaaaah!“ Ein Ohrenbetäubender Schrei dringt an die Ohren ihrer Freunde.

So schnell die Zwerge können, folgen sie ihrer Freundin und bleiben beim Anblick der schwarz gekleideten Gestalt vor dem Schuppen abrupt stehen.

„Entschuldigung“, dröhnt eine tiefe Stimme durch den Garten, „ich wollte Euch nicht erschrecken, sondern mich nur vorstellen.“ Die Freunde starren den schwarz gekleideten Fremden mit den silbernen Sporen an den Schuhen verdutzt an. „Ich bin der neue Gartenzwerg „Black Rider“ aus der Reihe „Apokalypse“.“

Als die Gartenzwergin Gertrud daraufhin filmreif zu Boden sinkt, sind es drei Gartenzwerge, die die schöne Aussicht gemeinsam genießen.

Diesen Monat dabei:
Sabrina 

Silke

Das Thema für den 1.4.2015 ist: Gehässige Schlangen und großartige Städte

(dank dem Buchtitelgenerator)