Schreibkick: Ergebnis des Experiments

Wie angekündigt habe ich jeweils gestern und heute eine halbe Stunde einfach drauflos geschrieben. Exakt nach meiner Backofenuhr. Na gut, zum Schluss habe ich noch 2 Minuten und 43 Sekunden drauf gelegt. Um zu einem Ende zu kommen.

Das Ergebnis? Ich hatte unwahrscheinlich viel Spaß und es ist tatsächlich eine Geschichte dabei raus gekommen. Diese ist zwar unwahrscheinlich schräg und ganz nebenbei in keinster Weise durchdacht, überarbeitet oder was man Geschichten sonst so Gutes tun kann. Aber ich bin trotzdem zufrieden, dass ich es durchgezogen habe.

Und hier ist sie:

Neulich am Gartenzaun

von Nicole Vergin

„Pst!“

„Hä?“

„PST!!“

„HÄÄÄ??“

„Zwerg! Hier drüben!“

„Ach Du bist´s Gertrud!“

Ein rascheln, als ob kleine Füße durchs Gras tapsen. Kleine Finger schieben sich durch den Jägerzaun und ziehen sich ein wenig daran hoch.

„Was ist denn?“

„Hast Du auch davon gehört?“

„Wovon?“

„Von dieser Apo… dingsda.“

„Apo… was?“

„Na Apo…“, die Gartenzwergin Gertrud kratzt sich unter ihrer mit rosa Röschen verzierten Zipfelmütze.

„Apotheke?“ Gunnar Gartenzwerg blinzelt angestrengt durch die Zaunlücke.

„Quatsch!“ Gertrud dreht sich um und ruft über die Schulter: „Gisbert, komm doch mal!“

Erneutes tapsen durch Nagelscheren gestyltes Gras.

„Ja bitte?“ Ein fragender Blick über eine silberne Nickelbrille.

„Och nee“, murmelt Gunnar, lässt den Zaun los und sich selber zu Boden sinken. „Der Besserwisser.“

„Das habe ich gehört.“ Gisbert zieht seine Denkerstirn in tiefe Falten.

„Mir doch egal, Klugscheißer!“

„Zwergenjungs, nun lasst doch diese blöden Streitereien.“ Gertrud wischt sich ein imaginäres Staubkorn von ihrem Röckchen. Nebenbei bemerkt – sie ist die erste Zwergin in der Schrebergartenkolonie, die ein Röckchen trägt. Kein Wunder also, dass die anderen Zwerge scharf auf sie sind. Aber zurück zur Sache.

„Gisbert, ich wollte Gunnar gerade fragen, ob er auch schon von dieser Sache weiß. Die von der Du mir erzählt hast. Aber ich habe den Namen vergessen. Apo…“, bleibt sie erneut hängen.

„…kalypse.“, ergänzt Gisbert und wirft einen Seitenblick an seiner Nickelbrille vorbei auf Gertruds Röckchen, das günstiger weise gerade von einem Windstoß gelüpft wird.

„Was is´n ne Kalüppse?“

„APOKALYPSE, Du Garten-Gimpel.“

„Wer ist hier ein Garten-Gimpel, Du Giftzwerg.“

Bevor sich die beiden rotmützigen Gartenzwerge durch den Zaun beharken können, schreitet die Gartenzwergin Gertrud – wie schon so oft – beherzt ein und schlägt mit ihrer kleinen gelben Gießkanne warnend gegen den Zaun.

Für einen Moment herrscht Ruhe im Beet.

„Wir haben wichtigeres zu tun“, herrscht sie die Zwergenjungs an. „Es naht nämlich die Apokalypse.“

Gisbert nickt zustimmend, während Gunnar einen Schmollmund zieht. „Verrät mir nun auch mal jemand, was das nun ist?“

Die kleine Gartenzwergin stellt sich kerzengerade hin, um wenigstens ein bisschen größer zu wirken und verkündet dann mit dramatischer Zwergenstimme: „Die Welt wird untergehen.“

Gunnar starrt seine Zwergenfreunde mit großen Augen an. „Untergehen? Versteh ich nicht.“

Gertrud knufft Gisbert in die Seite. „Erklär Du es ihm.“

„Tja, äh“, der Zwerg mit dem sonst so pfiffigen Gesichtsausdruck sieht auf einmal ein wenig hilflos aus. „Also wisst Ihr, ich hab das ja auch nur von unserem Menschen gehört. Und ich weiß auch nichts so richtig Genaues. Er hat von einem Reiter erzählt, der kommen wird. Und dass das was mit Apokalypse und Weltuntergang zu tun hat.“

„Das war ja klar“, giftet Gunnar durch den Zaun, „dass Du hier wieder nur so halbgaren Kompost verbreitest. Du willst Dich doch nur wieder wichtigmachen. Wie soll das denn gehen, dass ein einziger Reiter was mit der ganzen Welt zu tun hat?“

„Dann glaub es eben nicht“, zischt Gisbert so gar nicht weise zurück, „ich habe jedenfalls vorgesorgt und uns ein Plätzchen im Schuppen gesichert.“ Seine Augen funkeln hinter seiner Brille. „Nur für Gertrud und mich.“ Ein weiterer Blick in Richtung des Röckchens lässt so einiges erahnen.

Prompt laufen Gunnars Zwergenbäckchen hochrot an. „Und was ist mit mir?“, stottert er sichtlich aufgeregt.

„Du kommst natürlich mit.“ Gertrud schiebt ihre kleine Hand durch den Zaun und streichelt sanft Gunnars Bäckchen, die mittlerweile förmlich glühen.

„Er schafft es ja gar nicht über den Zaun!“

Die Gartenzwergin knufft ihren Zwergenfreund in die Seite. „Wir helfen ihm, ist doch klar.“

Wie immer schafft Gertrud es, Gisbert um den kleinen Zwergenfinger zu wickeln. Gemeinsam rollen sie einen Holzklotz an den Zaun, klettern darauf und ziehen den armen Gunnar mit Ach und Krach hinüber. Unnötig zu erwähnen, dass ihm die Spitzen des Jägerzauns reichlich zusetzen. Wie gut, dass er diese zumindest mit ein wenig Moos abgedeckt hatte.

„Geschafft!“ Erschöpft hocken sie nach einer scheinbaren Ewigkeit nebeneinander im Gras und verschnaufen, während über dem Garten die Sonne bereits langsam ihren Heimweg antritt.

„Kommt, schnell“, feuert Gertrud ihre Freunde an, „unser Mensch hat gesagt, dass der Reiter noch heute Abend kommen wird.“

So schnell ihre kleinen Zwergenbeine sie tragen, laufen sie über den sattgrünen Rasen hin zum Gartenschuppen, der in einer Ecke des Gartens steht. Wie so oft, ist auch heute die Tür nur angelehnt, so dass sie sich durch den Spalt hindurch quetschen können.

„Schöner Anblick“, murmelt Gunnar, als sich Gertruds Röckchen ein wenig verschiebt und Gisbert scheint ausnahmsweise mal seiner Meinung zu sein.

„Ich halte Wache“, erklärt Gisbert und lugt durch ein Astloch in der Seitenwand.

Nach einer Weile sitzen alle drei Zwerge nebeneinander auf einer ausgebreiteten Decke.

„Ob es schlimm sein wird?“, fragt Gertrud ängstlich.

„Ich beschütze Dich“, erklärt Gunnar und legt einen Arm um ihre Schulter.

„Ich auch“, ruft Gisbert sofort.

Draußen wird es nach und nach dunkler und drinnen in dem kleinen Schuppen hocken die drei Zwerge und einer nach dem anderen beginnt zu gähnen.

„Wachbleiben, ich muss wachbleiben“, ist das letzte was Gisbert murmelt, bevor auch er ins Reich der Zwergenträume entschlummert.

Keiner von den Dreien hört am späten Abend die Schritte in der Dunkelheit.

Erst der Sonnenaufgang am nächsten Morgen weckt die kleine Schar, als ein einzelner Strahl durch das kleine Butzenfenster hineinscheint und Gertrud an der Nase kitzelt.

„Gunnar, Gisbert – wacht auf!“ Hastig springt sie auf, läuft zur Tür und zwängt sich durch den Spalt nach draußen.

„Aaaaah!“ Ein Ohrenbetäubender Schrei dringt an die Ohren ihrer Freunde.

So schnell die Zwerge können, folgen sie ihrer Freundin und bleiben beim Anblick der schwarz gekleideten Gestalt vor dem Schuppen abrupt stehen.

„Entschuldigung“, dröhnt eine tiefe Stimme durch den Garten, „ich wollte Euch nicht erschrecken, sondern mich nur vorstellen.“ Die Freunde starren den schwarz gekleideten Fremden mit den silbernen Sporen an den Schuhen verdutzt an. „Ich bin der neue Gartenzwerg „Black Rider“ aus der Reihe „Apokalypse“.“

Als die Gartenzwergin Gertrud daraufhin filmreif zu Boden sinkt, sind es drei Gartenzwerge, die die schöne Aussicht gemeinsam genießen.

Diesen Monat dabei:
Sabrina 

Silke

Das Thema für den 1.4.2015 ist: Gehässige Schlangen und großartige Städte

(dank dem Buchtitelgenerator)

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2 Gedanken zu „Schreibkick: Ergebnis des Experiments

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