Geschichten-Zeit: Wie ich dem Teufel die Hölle heiß machte

Wie ich dem Teufel die Hölle heiß machte

von Nicole Vergin

Warum passiert immer mir so etwas?

Ihr wisst nicht, wovon ich rede?Lese-Teddy

Na von diesen Geschichten, die einem Niemand glaubt.

Egal. Am besten ich erzähle einfach, was geschehen ist.

Es war an einem dieser Tage, die weder Fisch noch Fleisch sind. Im Prinzip kann es also jeder gewesen sein. Dank Klimaerwärmung, Globalisierung und all dem neumodischen Schnickschnack sind wir doch sowieso alle gleich und vor allem am selben Ort. Aber, ich schweife ab.

An besagtem Tag, geriet ich mal wieder mit einem meiner lieben Mitmenschen aneinander. Was bei mir nichts Neues und somit nichts Besonderes ist.

„Das ist ein X“, versuchte mir mein Gegenüber ein sicheres U schmackhaft zu machen.

Mein Adrenalinpegel schwang sich in ungeahnte Höhen.

„Ich mach dir die Hölle heiß!“, brüllte ich engagiert und ungeniert.

Während mein Gegenüber seinen Kopf millimeterweise wie eine Schildkröte einzog, blieb die Welt für einen Moment stehen. Nein, ich bin nicht Größenwahnsinnig. Die Welt blieb stehen. Ich war das Einzige oder vielmehr die Einzige, die sich noch bewegte.

„Wow!“, dachte ich gerade noch, völlig begeistert von meiner Wahnsinnsenergie. Da machte es neben mir Puff. Eine kleine, rötliche Wolke, die sich gleich darauf wieder verzog. Zurück blieb eine Gestalt, die mir irgendwie bekannt vorkam. Obwohl ich im gleichen Moment sicher war, dieses Etwas noch nie gesehen zu haben. Klingt unlogisch? Egal.

Die Gestalt war ein Stück größer als ich, hatte eindeutig einen Hang zur Rotgesichtigkeit und trug auf dem Kopf so zwei spitze Dinger.

Karneval!“, dachte ich abschätzig.

Mein Blick wanderte weiter. Schwarze Haare, ein Spitzbart und krumme Beine, an deren Ende ich die schärfsten Schuhe des Universums sah. Sie sahen aus, wie Hufe. Herrje, wie bekam man da bloß seine Füße hinein? Ich dachte für einen Moment an das Märchen Aschenputtel und erschauderte.

Hinter der Gestalt witschte etwas durch die Luft. Ein Schwanz mit einer Quaste wie von einer Kuh oder Ziege.

Und dann machte das Etwas den Mund auf.

„Kannst Du mir auch die Hölle heiß machen?“, fragte es mich.

„Haha“, machte ich gelangweilt, „sehr komisch.“

„Aber Du sagtest doch eben zu dem Mann, dass Du ihm die Hölle heiß machen würdest“, drängte die Gestalt nun und wollte nach meiner Hand greifen.

„Pfoten weg!“, warnte ich lautstark. „Und nun sag mir was hier los ist und vor allem wer Du bist!“

„Du erkennst mich nicht?“, fragte das Etwas erstaunt und eine Spur Beleidigt sein schimmerte durch.

Nun war ich richtig genervt. „Sag mir endlich was hier abgeht… oder ich gehe!“

„Ich bin der Teufel“, kam die Antwort.

Der Teufel. Aha. Ich ließ den Gedanken häppchenweise an mich heran, während ich die Gestalt weiter im Auge behielt. Das war ja nicht gerade das, was ich hören wollte. Aber bei genauerer Betrachtung musste ich es glauben. Darum war mir der Typ so bekannt vorgekommen.

„Gut“, seufzte ich resigniert, „Du bist also der Teufel. Und was willst Du nun von mir?“

Nun war es an ihm zu seufzen. „Hörst Du immer so schlecht zu? Ich habe gefragt, ob Du mir auch die Hölle heiß machen kannst.“

„Klar“, lachte ich ihn an. Leute zur Schnecke machen liegt mir im Blut. Also, warum sollte ich nicht auch mal dem Teufel die Hölle heiß machen.

Puff machte es ein weiteres Mal. Nur dieses Mal stand ich selber inmitten einer rötlichen Wolke. Ich hustete und wedelte mit beiden Händen, bis der nach allen Höllenschlünden stinkende Qualm sich endlich verzogen hatte. Misstrauisch schaute ich mich um und fand mich in einer riesigen Grotte mit Ruß geschwärzten Wänden wieder. Von der Decke hingen unzählige rostige Käfige herunter, in denen traurige Gestalten hockten. Man konnte sie kaum erkennen. Sie sahen aus wie verbrannte Lebkuchenmänner.

„Willkommen in meinem Reich“, grinste mich der Teufel fröhlich an.

„Danke“, antwortete ich verwirrt. Was ja nicht verwunderlich war. Irgendwie hatte ich immer gewusst, dass ich einmal in der Hölle landen würde. Aber, dass es nun schon vor meinem Tod geschah wunderte mich doch. Oder war ich etwa tot?

„Bin ich tot?“, fragte ich vorsichtshalber nach.

„Nein, nein“, der Teufel lächelte beruhigend, hakte sich kumpelhaft bei mir ein und zog mich mit, hin zu einem riesigen Loch, das aussah wie der Krater eines Vulkans.

„Das ist der Höllenschlund!“ Mit großer Geste wies er in den Krater hinein.

Ich beugte mich vor, spähte hinein und fing aus vollem Halse an zu lachen.

„Höllenschlund, haha“, japste ich, „das, haha, soll der Höllen, haha, schlund sein?“ Immer noch laut wiehernd wischte ich mir die Lachtränen vom Gesicht, während der Teufel unsere Kumpel Verschränkung löste und mich mit bitterböser Miene musterte.

„Ich wüsste nicht was daran komisch sein sollte.“

„Ich schon!“, wieherte ich und hielt mir die vom Lachen schmerzenden Seiten.

Nach einer Weile beruhigte ich mich, trat erneut an den angeblichen Höllenschlund heran und spähte in die Tiefe. Ich unterdrückte einen weiteren Lachanfall und wandte mich betont höflich dem Teufel zu.

„Lass mich raten… Dein Problem ist das fehlende Feuer?“

Leicht beschämt nickte der Teufel und blickte mit traurigen Augen auf das schwach glimmende Aschehäufchen am Boden des Höllenschlunds.

„Mein nichtsnutziger Assistent hat das Feuer ausgehen lassen.“ Mitleid heischend sah er mich an. Und wie er so dastand, mit rot unterlaufenen Augen – da tat er mir tatsächlich ein bisschen leid.

„Aber wie zum Teufel, äh, ich meine wie konnte das geschehen?“

„Diese Doktoren, ja die sind es. Diese neumodische Art nur Assistenten mit einem Doktortitel einzustellen. Die haben einfach überhaupt keine praktische Erfahrung. Nur all dies theoretische Geschwafel. Das hat noch nie ein Feuer entzündet oder in Gang gehalten.“

„Warum hast Du dann so einen eingestellt?“, wagte ich eine Zwischenfrage zu stellen.

Der Teufel schnaubte, während sich sein rotes Gesicht in tiefrot verfärbte. „Ich hab mich von meinem Kollegen beschwatzen lassen.“

„Dein Kollege?“ Nun war ich neugierig.

Ohne ein Wort zu sagen, wies mein Gastgeber mit dem Finger nach oben.

Ungläubig folgte mein Blick seinem Fingerzeig. „Du nennst ihn Kollege?“

„Klar“, antwortete er lässig, „schließlich sind wir Beide im gleichen Metier tätig – Human fishing.“

Mir war das alles zu viel für einen Tag. Teufel, Hölle, Doktoren, Kollege, Human fishing, schwirrte es durch meinen Kopf. Völlig erschlagen ließ ich mich am Rand des Höllenschlunds nieder.

Aus den Augenwinkeln sah ich, wie es sich der Teufel ebenfalls am Rand des Kraters bequem machte. Nach einer Weile und vielen, vielen tiefen Atemzügen später, entspannte ich mich wieder und ließ die Beine baumeln. Rechts, links, rechts, links.

Der Teufel kicherte, ich sah auf und bemerkte, dass er ebenfalls am Baumeln war. Nur bei ihm machte es klock, klock, klock, klock. Jedes Mal, wenn seine Hufe gegen den Fels prallten.

Da prustete auch ich los. Gemeinsam lachten wir, bis uns die Tränen über die Gesichter liefen – ja, der Teufel hat durchaus Tränen – und uns auf die Schenkel klopften wie zwei Stammtischbrüder.

„Und haha, was haha machen wir nun?“, prustete der Teufel und versuchte sich gegen die nächste Lachwoge zu wehren.

„Feuer!“, entgegnete ich nur trocken und schon wieder wieherten wir los.

Eine Weile, eine lange Weile, später, als wir uns endlich wieder beruhigt hatten, beschlossen wir das Thema nun mit dem nötigen Ernst zu behandeln.

„Also“, begann der Teufel, „wie willst Du es nun anfangen, mir die Hölle heiß zu machen?“

„Tja“, machte ich und verfiel in dumpfes brüten.

„Tja?“, hakte er nach und sah mich misstrauisch an. „Ich dachte, Du hättest Ahnung vom Hölle heiß machen!“

„Das ist doch nur so ein Spruch in der Menschenwelt.“

„Nur ein…“, dem Teufel fiel alle Farbe aus dem Gesicht. Zufrieden nickte ich. Sicherlich war ich die Einzige auf der ganzen weiten Welt, die den Teufel einmal sprachlos erlebte.

„Ich dachte, Du hättest das Hölle anheizen studiert oder, naja, wenigstens bei einem Studierten in die Lehre gegangen oder, oder wenigstens irgendwann irgendwem dabei zugesehen.“

„Also, für einen, der eben noch über Doktoren geschimpft hat, legst Du aber viel Wert auf eine solide Ausbildung.“

Ich verstand nicht, was er sich daraufhin in seinen Ziegenbart grummelte, aber das war wahrscheinlich auch besser so.

„Pass auf“, begann ich entschlossen, „warum soll es nicht einfach so, wie bei uns oben funktionieren?“

„Häh?“

„Na, irgendwie entzündet man ja in gewissem Sinne schon etwas, wenn man jemandem mit Worten die Hölle heiß macht.“

Der Teufel versuchte seine beginnende Neugier hinter Ironie zu verstecken. „Mit Worten“, spottete er. Aber ich bemerkte das leichte Zögern in seiner Stimme. Was, wenn ich gar nicht so falsch lag?

Ich stand auf, knuffte ihn kumpelhaft in die Seite. „Einen Versuch ist es doch wert, oder?“

Er zuckte mit den Schultern, schwang sich aber ebenfalls auf seine Hufe und sah mich erwartungsvoll an.

„Okay, ich muss also in Wut geraten. Das fällt mir normalerweise nicht schwer. Aber so auf Kommando…“

„Kann es eigentlich sein, dass Du ein paar Pfund zu viel auf den Rippen hast?“ unterbrach mich der Teufel lächelnd.

Ich verschluckte mich an meiner eigenen Spucke, hustete und versuchte zeitgleich ihn anzuschreien. „Du spinnst wohl! Ich habe gerade erst abgenommen!“

„Naja“, meinte er, ging um mich herum und betrachtete mich von allen Seiten. „Das eine und andere Pölsterchen ist aber unschwer…“

Weiter kam er nicht. Mit geballten Fäusten schoss ich auf ihn los und rammte sie ihm ohne Vorwarnung in den Bauch, während mein rechter Fuß wie von selbst nach vorn schoss und ihn punktgenau am Schienbein traf.

Aufjaulend sprang er zurück, nicht ohne jedoch weitere Schmähungen über mich auszugießen, die ich mir natürlich ebenso wenig gefallen ließ.

„Du Hurensohn, Du Bastard eines stinkenden Höllenhundes…“

„Na, na, na, das ist aber nicht ladylike“, grinste er teuflisch.

„Ich geb dir gleich ladylike. Wenn Du glaubst, dass Du so mit mir umspringen kannst. Dann hast Du dich so was von getäuscht!“

Mit jedem Buchstaben, der sich an den anderen reihte, war ich lauter geworden. Meine Gesichtsfarbe konnte es inzwischen durchaus mit der des Teufels aufnehmen. Mein Herz raste, ich hatte das Gefühl als stünde es in Flammen.

Zisch, machte es auf einmal hinter mir. Abrupt drehte ich mich um.

„Na also“, sagte der Teufel und wies mit zufriedenem Blick in die Tiefe des Höllenschlunds. „Das ewige Höllenfeuer ist wieder entzündet.“

Und tatsächlich prasselte ganz unten am Boden ein munteres Feuer, das mit jeder Sekunde größer und gewaltiger wurde.

„Wow!“, war alles was mir dazu einfiel.

„Genau – wow!“, stimmte mir der Teufel zu. Dann sah er mich mit ernster Miene an, taxierte mich von oben bis unten und ging sogar einmal um mich herum.

Misstrauisch beobachtete ich ihn. Auch wenn ich kapiert hatte, dass seine fiesen Sprüche nur zweckdienlich sein sollten, war ich trotzdem noch etwas pikiert. Wer lässt sich schließlich schon gerne vorwerfen, dass er oder sie dick sei.

Anscheinend hatte der Teufel seine Begutachtung abgeschlossen, denn er nickte mit seinem gehörnten Kopf und bot mir eine Stellung im Hause Teufel an.

„Waaaaaaaaaas???????“

„Einen Job, ich biete dir einen Job an. Was ist daran außergewöhnlich?“

Ich sah mich vielsagend um und machte eine alles einschließende Handbewegung.

Der Teufel gähnte ausgiebig und ließ ein kurzes „Und?“ aus seinem weit geöffneten Mund plumpsen.

„Also 1.: man hält die Hand vor den Mund, wenn man gähnt, 2.: wir sind hier in der Hölle, 3.: wir sind hier tatsächlich in der Hölle und 4.: Du kannst mir doch keinen Job in der Hölle anbieten!“

„Doch!“

Aha, warum umständlich, wenn es auch einfach geht. Nun kam ich doch ins Grübeln. Schließlich suchte ich bereits seit einiger Zeit nach einem gut bezahlten Nebenjob, der mir auch noch Spaß machen sollte. Und das hier… ich sah in den Krater und auf das nun wild lodernde Feuer… ja, das hatte Spaß gemacht.

„Aber willst Du deine Kräfte nicht lieber für etwas Gutes einsetzen?“, drang eine Stimme an mein Ohr.

Oh Mann, immer diese zwei kleinen Figuren auf meinen Schultern. Engelchen und Teufelchen. Wieder einmal unterschiedlicher Meinung.

„Nein, ich bin nicht Dein Gewissen.“

Stimmt, die Stimme klang auch ganz anders. Bevor ich mir darüber schlüssig werden konnte, wer denn da nun mit mir sprach hörte ich hinter mir ein lautes knallpengbumm! Erschrocken drehte ich mich um und prallte bei dem unverhofften Anblick der sich mir bot zurück.

Der rotgesichtige Teufel steckte mitten in einer Keilerei mit… ja, mit wem eigentlich? Ich hielt den Kopf schief, kniff ein Auge zu und versuchte die mir unbekannte Gestalt genau ins Visier zu nehmen. Was schwierig war, da die Keilerei wie in einem Comic hin- und herwogte.

Die Gestalt trug ein langes, weißes wallendes Gewand, einen Rauschebart und über dem Kopf schwebte eine Scheibe. Nein, das war keine Scheibe. Dann wäre es vermutlich auch ein Frisbee gewesen. Aber dieses Ding hatte ein Loch. Das konnte ja nur eines bedeuten. Das Ding war ein Heiligenschein. Und wenn das Ding ein Heiligenschein war, dann prügelte sich der Teufel ganz offensichtlich gerade mit seinem Kollegen.

„Ruhe!“, brüllte ich energisch.

Die beiden Kontrahenten hielten mitten in der Bewegung inne und sahen mich entgeistert an.

„So löst man also zwischen Himmel und Erde äh Hölle die Probleme.“ Erbost starrte ich Teufel und Gott an.

„Naja…“, machte Gott.

„Also eigentlich…“, fügte der Teufel hinzu.

„Kein Wunder, dass es auf unserer Erde keinen Frieden gibt, wenn nicht mal ihr zwei Gestalten Euch vertragen könnt.“

„Aber er hat…“, „Nein, Du hast!“, „Immer bin ich…“, „Weil Du ja auch…“

So fielen sie sich gegenseitig ins Wort und wenn ich daran dachte, dass das Ganze schon über Jahrtausende ging, wurde mir ganz schwindelig.

„Kompromiss“, warf ich ein Wort in die Waagschale.

„Kompromiss?“, äfften Beide mich wie aus einem Mund nach.

Ich nickte zufrieden. Anscheinend waren sie bereit, mir zuzuhören. Das war doch schon was.

„Also, Du“, ich zeigte auf den Teufel, „setzt Dich auf die linke Seite des Kraters. Und Du“, dabei wies ich auf Gott, „setzt Dich auf die rechte Seite. Und dann werden wir in Ruhe Eure Probleme klären.“

Leise vor sich hin grummelnd, ließen sich die Herren auf den Steinen nieder und sahen zu mir auf. Vorsichtshalber war ich stehengeblieben, um auch die entsprechende Autorität zu wahren.

„Was ist Euer Problem?“

„Du!“, waren sie sich einig.

Ich fiel aus allen Wolken, also Rauchwolken.

„Ich? Wieso ich?“

„Wir wollen Dir Beide einen Job anbieten.“

Nun ließ ich mich doch am Rande des Kraters nieder. Ich sollte für Gott oder den Teufel arbeiten?

„Moooooment!“

„Ja?“, fragten Beide wie aus einem Mund.

Aber ich wandte mich nur dem Rauschbärtigen zu. „In welcher Funktion soll ich denn für Dich arbeiten?“, wollte ich wissen und versuchte dabei nicht zu interessiert zu wirken.

„Du ziehst das doch nicht wirklich in Betracht?“, zischte der Teufel mir zu.

„Wie kann ich etwas in Betracht ziehen, wenn ich noch gar nicht weiß was es ist?“ Ich bedachte ihn mit einem strengen Blick.

„Schon gut, schon gut“, murmelte er daraufhin, verschränkte die Arme und drehte sich demonstrativ von mir weg.

„Also, um was für eine Art Job geht es da bei Dir?“

Anstelle einer kurzen Antwort, stand Gott auf, hob beide Arme in die Höhe und begann: „Denn siehe, ich bin hier hernieder gekommen, um…“

„Blablabla“, fuhr ich dazwischen, „genau dieses salbadern ist es, was mir in Deinem Verein so auf die Nerven geht!“

„Ja, also ich finde das ja auch ganz schlimm“, nutzte der Teufel die Chance sich erneut ins Spiel zu bringen.

Aber diesmal beachtete ich ihn gar nicht, sondern wartete weiter auf eine Antwort.

„Ich biete Dir einen Job als Gewitterbeauftragte.“

Na bitte, geht doch. Kurz und bündig.

„Und ich als Höllenfeuerbeauftragte.“

Ich nickte und dachte einen Moment nach, bevor ich mich an Gott und Teufel wandte.

„Ehrlich gesagt, klingen Eure Angebote beide interessant.“ Mit großen Augen sahen die Herren erst mich dann sich an.

„Und was bedeutet das nun?“, wollte Gott wissen.

„Für welchen Job entscheidest Du Dich?“, drängte der Teufel.

Genau das war hier die Frage. Wollte ich wirklich im Himmel arbeiten? Wo ich zum Einen noch nie war und zum Anderen unter anderen Umständen wohl auch nie hingelangt wäre. Oder doch lieber in der Hölle? Hier, wo ich mich gleich wohl gefühlt hatte und was von der Hitze her doch eher meinem Temperament entsprach. Wobei ich manchmal ja durchaus auch eine Engelsgeduld besaß.

Also, wenn ich es genau betrachtete, dann eignete ich mich durchaus für beide Posten.

„Teilzeitarbeit“, warf ich wieder mal ein Wort in die Waagschale.

„Teilzeitarbeit?“, äfften mich die Beiden nach.

„Genau“, sagte ich zufrieden. „Ich arbeite einfach mal im Himmel, mal in der Hölle. Das ist auch viel abwechslungsreicher.“

„Wir sollen uns Deine Arbeitskraft teilen?“, hakte der Teufel nach.

Ich nickte lächelnd.

„Und es besteht keine Chance, dass Du Dich doch für einen der beiden Jobs entscheidest?“, wollte Gott wissen.

„Nö“, antwortete ich entschieden. „So oder gar nicht!  Aber“, fügte ich hinzu, während in den Augen der Herren erneut Hoffnung schimmerte, „aber ich bin bereit zu einer Probezeit. Und wenn es dann mit uns allen nicht funktioniert – schwupps, lassen wir es einfach wieder sein und es ist alles beim Alten.“

Mit diesem Vorschlag hatte ich genau ins Schwarze getroffen. Rasch waren wir uns einig und schlossen die Verträge wie in den guten, alten Zeiten per Handschlag.

Seit diesem Tag arbeite ich die eine Hälfte des Tages im Himmel. Ich steuere die Blitze und bin für die Lautstärke des Donners zuständig. In der anderen Hälfte sorge ich dann dafür, dass es all den Seelen in der Hölle immer heiß genug ist.

Und ganz nebenbei tue ich sogar noch etwas für die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Himmel und Hölle. Erst kürzlich sah ich doch tatsächlich einen Engel, der mit einem der Lebkuchenmänner in der Hölle Tee trank. Wenn das mal kein guter Anfang ist!

 

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