Lese-Zeit: Reader Problems

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Puh – diesmal weiß ich wenigstens schon was getaggt bedeutet. Ein Schritt weiter in meinem immer noch recht frischen Leben als Bloggerin. Und zwar war Tinka so lieb mich zu taggen (ööh, ist das jetzt eigentlich die richtige Form??). Es geht um Bücher-Lese-Leidenschaft und da ich darüber genauso leidenschaftlich gern spreche wie übers schreiben, beantworte ich die Fragen natürlich sehr gern. Los gehts!

1. Du hast 20.000 Bücher auf deinem SUB. Wie um alles in der Welt entscheidest du dich, was du als nächstes liest?

Ein Buch auswählen – das liebe ich total. Ich mache es mir irgendwo gemütlich wo ich viel Platz um mich herum habe. Dann verteile ich etliche (von den 20.000…) Büchern um mich herum. Und dann schaue, blättere, genieße ich. Und irgendwann springt mir eins in die Arme, ich fange es auf, halte es einen Moment liebevoll… und dann stürze ich mich in die Geschichte.

2. Du bist halb durch ein Buch durch und es kann dich einfach nicht begeistern. Brichst du ab, oder bist du entschlossen, das Buch zu beenden?

Wenn ich die Hälfte bereits gelesen habe, muss es schon sehr dröge sein, damit ich es aus der Hand lege. In den meisten Fällen „kaue“ ich mich durch.

3. Das Ende des Jahres naht, und du bist soooo dicht dran, die Anzahl der Bücher, die du dir für das Jahr vorgenommen hast, zu schaffen, und doch so weit entfernt… Versuchst du, aufzuholen und wenn ja, wie?

Ich habe mir noch nie eine gewisse Lese-Bücher-Anzahl vorgenommen. Lieber lese ich nach Lust und Laune (hängt sicherlich auch damit zusammen, dass ich eine Weile Bücherabend und Leseseminare veranstaltet habe und dafür „zwangslesen“ musste; und zwar nicht nur nach meinem Geschmack) – allerdings notiere ich die gelesenen Bücher in einer Liste. Und ja – jetzt wirds vielleicht ein bisschen widersprüchlich – am Ende des Jahres schaue ich wie viele es im Vergleich mit dem Vorjahr waren…

4. Die Titelbilder einer Reihe, die du liebst, PASSEN. EINFACH. NICHT. ZUSAMMEN! Wie gehst du damit um?

DAS. IST. MIR. WURSCHT!

5. Jeder – aber auch absolut JEDER! – liiiiieeeebt ein Buch, das du wirklich, wirklich nicht magst. Bei wem heulst du dich aus, wer versteht diese Gefühle?

Ööööh, warum sollte ich mich ausheulen wollen, weil mir ein Buch nicht gefällt? Null problemo wie der gute alte Alf (kennt den noch Jemand?) sagen würde!

6. Du liest ein Buch und plötzlich schießen dir die Tränen in die Augen – in der Öffentlichkeit. Wie gehst du damit um?

Ich bitte den Menschen neben mir um ein Taschentuch und sollte er/sie Interesse zeigen, lese ich die zu Herzen gehende Stelle gerne vor.

7. Die Fortsetzung eines Buches, das du geliebt hast, ist gerade erschienen – aber du hast eine ganze Menge der Handlung des Vorgängers schlicht vergessen. Was jetzt? Liest du den letzten Band einfach nochmal? Suchst eine Zusammenfassung der Handlung im Internet? Sparst dir die Fortsetzung?! Heulst frustriert???!!!

Leute, Leute – wieso denn so oft heulen? Bücher sind für mich ein Grund zum Freuen! Wenn der Vorband nicht Ewigkeiten zurückliegt, dann ist mein Interesse sicherlich noch groß genug den Nachfolger zu lesen. Erst würde ich im Netz nach einer Zusammenfassung schauen und falls das nicht reicht, anfangen den ersten Band nochmal zu lesen. Wobei ich mir bei der Gabaldon Serie jetzt nach zwei Jahrzehnten die Zähne ausgebissen und es aufgegeben habe.

8. Du willst deine Bücher nicht verleihen. Niemandem. NIEMANDEM. Wie lehnst du höflich ab, wenn jemand dich darum bittet?

Ich verleihe meine Bücher nicht, sie sind ausschließlich auf mich fixiert und hätten dann Heimweh.

9. Leseflaute! Du hast im letzten Monat 5 Bücher angefangen und direkt wieder aufgegeben. Wie überwindest du diesen furchtbaren Zustand?

Ich lese z. B. stattdessen eine Weile nur Tageszeitungen und auch gerne mal Comics. Die RICHTIGE Lese-Lust kommt dann schnell zurück.

10. Es gibt diesen Monat so, soooo viele Neuerscheinungen, die du unbedingt lesen willst – wieviele davon kaufst du tatsächlich?

Ich bekomme selten mit, was Neues auf den Markt kommt, insofern kann ich mich da nicht wirklich einfühlen. Sorry…

11. Tja, nun hast du sie gekauft, und du konntest es ja kaum erwarten, sie zu lesen – wie lange sitzen sie jetzt auf deinem Regal rum, bis du sie wirklich liest?

Ich gehe jetzt einfach mal von den Büchern aus, die ich so kaufe. Über Jahre habe ich gekauftgekauftgekauft. Dann ab ins Bald-lesen-Regal. Von dort sind sie von der obersten in die unterste Etage gewandert und dann in meine kleine Bibliothek. Für irgendwann mal. Inzwischen lege ich Wert darauf, einen Teil dieser Bücher auch WIRKLICH zu lesen, ohne ständig nach zu kaufen. Die ganzen ungelesenen Bücher sahen einfach zu traurig aus. Das konnte ich ihnen nicht länger antun!


Ja, soviel also für Heute zu meinem Lese-Verhalten – Fragen? Gerne! Immer her damit! Einiges habt Ihr ja sicherlich auch schon über meine Rubrik Lese-Zeit mitbekommen.

Nun fehlt nur noch jemand anderen zu taggen (richtig?!) Und da ich in der Welt der Blogger noch nicht so viele kenne, bitte ich jetzt einfach Sabi darum, die ganze „Bürde“ zu tragen!

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Lese-Zeit: Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben

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Wie ist das bei Euch, wenn Ihr etwas lernen wollt? Lest Ihr Euch schlau? Besucht Ihr Seminare? Tauscht Ihr Euch mit Leuten aus, die sich mit dem Thema, Bereich auskennen? Macht Ihr learning by doing?

Bei mir ist es eine Mischung aus all dem. Im Leben allgemeinen, aber eben auch beim Thema schreiben. Anfangs habe ich einfach drauflos geschrieben, mich ausprobiert. Dann habe ich es mit einem Fernkurs probiert, habe Seminare besucht, mich mit anderen ausgetauscht. Und gelesen? Ja, über das WIE des schreibens habe ich natürlich auch gelesen.

Worauf ich diesmal hinaus will? Ganz einfach. Für mich muss es am liebsten auch immer ein wenig unterhaltsam und kurzweilig sein. Stures pauken hat mir in der Schule schon nicht gelegen. Ich habe es gern Praxisnah.

Vor einer Weile habe ich das erste Mal einen Roman von Titus Müller gelesen: Die Todgeweihte. Ein historischer Roman, wie alle anderen des Autors. Ich liebe historische Romane, wenn sie spannend geschrieben sind und ich das Gefühl habe, dass der Autor die Zeit und das Thema gut recherchiert hat. Und trotzdem kein halbes Sachbuch daraus gemacht hat. Der Entschluss stand fest: ich werde mir weitere Bücher von Titus Müller anschaffen! Unerwarteter weise landete ich jedoch zunächst erst einmal ganz woanders…

Durch einen Newsletter erfuhr ich, dass er ein Büchlein mit dem Titel Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben geschrieben hat. Ein Link führte mich zu einer Leseprobe und ratzfatz war das Ganze bestellt. Ein Buch über das Schreiben, wie es mir persönlich am besten gefällt – Tipps und Anregungen eingebettet in die eigene Schreib-Geschichte des Autors. Ein unterhaltsamer Stil, der sich locker flockig weg liest. Oft habe ich gelacht und mich einfach auch für den Autoren gefreut, wenn es richtig gut für ihn lief.

Im Anschluss sind noch drei Interviews mit Andreas Eschbach, Rebecca Gablé und Kai Meyer abgedruckt. Seitenschinderei? Für mich nicht! Ich fand es spannend zu lesen , was diese Autoren von hinter-den-Kulissen zu berichten haben. Naja, wie oben schon erwähnt – lebensnahe Tipps sind mir die liebsten.

Wer also ein Buch mit einer ausführlichen Beschreibung des Schreib-Handwerks sucht, ist hiermit wahrscheinlich nicht glücklich. Wer so wie ich „gestrickt“ ist, den wird dieses Büchlein (155 Seiten inkl. der Interviews) ebenso begeistern wie mich.

Rezensionsmonster und andere gefürchtete Kritiker

Vor über 20 Jahren wurde eins meiner Gedichte als mäßig originell bezeichnet. Ich hatte mich nach langem nachdenken und Mut zusammenraffen entschlossen, an einem Gedichtwettbewerb teilzunehmen. Ganz nebenbei kreuzte ich das Kästchen mit Gutachten an. Das Gedicht wurde nicht veröffentlicht, das Schreiben das mich darüber in Kenntnis setzte enthielt neben dem wortgewaltigen Gutachten auch einen Flyer – nehmen Sie an unserem Lyrik-Fernkurs teil.

Eine Weile verkroch ich mich und brachte keine Worte mehr zu Papier – von Einkaufslisten und Urlaubspostkarten mal abgesehen. Hatte ich denn ernsthaft erwartet, dass ich mit meinem kleinen Gedicht groß rauskommen würde? Nein. Aber ich hatte beschlossen, meinem Traum vom Leben als Autorin ein Stückchen näher zu kommen.

Die blauen Flecken vom Aufprall auf dem Boden der Tatsachen verblassten nach und nach. Ich begann wieder zu schreiben. Für mich. Für die Schublade. Nach und nach entwickelte sich bei mir eine Leidenschaft für das Schreiben von Kunstmärchen. Es kam der Tag, an dem ich eine Ausschreibung für eine Märchenanthologie im Netz fand, die mich sofort gefangen nahm. Ich grübelte und grübelte bis ich die Idee zu einem Märchen hatte. Ich schrieb das Märchen, überarbeitete es nach bestem Wissen und Gewissen und schickte es an den Verlag. Bis heute bin ich sicher, dass die Leute beim Öffnen der Mail meinen rasenden Herzschlag hörten.

Einige Wochen später die große Nachricht: MEIN Märchen war ausgewählt worden! Ich war überglücklich! Da es sich um einen kleinen Verlag handelte, sollten alle Autoren gemeinsam die Märchen überarbeiten. Ich war ja noch neu in dem Metier und dachte mir nichts dabei. Man traf sich im Netz und dann ging es zur Sache. Jeder der rund 20 Autoren hatte etwas anderes zu kritisieren, zu bemängeln. Teils war es konstruktive Kritik, die mir und meinem Märchen weiterhalf und die ich bereit war anzunehmen. Und dann gab es die, die MEIN Märchen zu IHREM Märchen machen wollten. Denen es einfach nur darum ging Recht zu behalten. So kam es mir zumindest vor. Und Ihr wisst selber, dass man im Internet unter Pseudonymen wie z. B. Schneewittchen oder ähnliches super draufschlagen kann.

Was tat ich? Ich entschied, mein Märchen zurück zu ziehen. Meine erste Veröffentlichung selbst zu boykottieren. Ja, das tat durchaus weh, aber ich hielt es für richtig. Bis heute.

Ja, ich gebe es zu. Nach dieser Episode habe ich eine ganze Zeitlang jedwede Kritik gemieden wie der Teufel das Weihwasser oder der Vampir angeblich den Knoblauch. Seit einigen Jahren jedoch habe ich konstruktive Kritik zu schätzen gelernt. Wobei ich bei meinen eigenen Geschichten nach wie vor das letzte Wort habe.

Hätte mich damals Jemand freundlich „an die Hand genommen“, anstatt einfach „drauf zu hauen“, dann wäre es vielleicht auch alles anders verlaufen. Daher ist in meinen und unseren Schreibseminaren die oberste Priorität auch stets, die Teilnehmer zu ermutigen. Denn wer  nicht weiterschreibt, der kann sich auch nicht weiter entwickeln. Und da ist es beim Schreiben wie bei vielem anderen: Übung macht vielleicht nicht gleich den Meister, aber einen guten Schreiberling allemal!

Lese-Zeit: Vom Schnee und von der Liebe

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Vor ca. zwei Jahren war ich in Münster (in Westfalen). Ich liebe diese Städtetrips, in denen ich zu Fuß die Gegend erkunden kann. Und wo zieht es mich in jeder Stadt hin? Natürlich! In Buchläden, Antiquariate und hin und wieder – so wie in Münster – in die Stadtbibliothek. Ein architektonisch übrigens ausgesprochen interessantes Gebäude. Aber ich komme lieber zurück zu den Büchern. In einer Ecke wurden ausrangierte Exemplare angeboten und beim durchschauen zog mich ein Titel sofort in seinen Bann: Vom Schnee und von der Liebe.

Die Autorin, Helen Dunmore, war mir bis dato nicht bekannt. Der Klappentext versprach eine Reise nach Finnland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ich mag diese literarischen Zeitreisen, insofern brauchte es nicht viel, um mich vom Kauf des Buches zu überzeugen.

Zuhause verschwand das gute Stück in meinem bald-lesen-Regal. Erst sortierte ich es in die obere Reihe ein, dann wanderte es nach unten – was grundsätzlich kein so gutes Zeichen ist. Aber ich bin der Meinung, dass es für die unterschiedlichen Bücher einfach auch unterschiedliche Zeitpunkte gibt sie zu lesen. Und vor kurzem nun kam der Zeitpunkt für dieses.

Und was soll ich sagen? Ich liebte den Stil von Helen Dunmore von der ersten Seite an. Eine ruhige Erzählweise mit wunderbar beschriebenen Bildern. Anrührende Szenen, die trotzdem nicht kitschig sind.

Also alles gut? Nein. Leider nicht. Der Verlauf der Story machte meinem Lesevergnügen ein zu frühes Ende. Die Geschichte handelt von einem Waisenmädchen, das im Haushalt eines Arztes eine Dienststelle antritt. Dieser lebt nach dem Tod seiner Frau allein und zurückgezogen.

Die Anwesenheit von Eeva, der Protagonistin, ist für ihn – ich zitiere den Klappentext – verstörend und inspirierend zugleich. Ich ahnte im Voraus nicht, dass es sich in der Geschichte eine lange Zeit um die Sehnsucht dieses Arztes nach seine minderjährigen Bediensteten dreht. Um den Lesewilligen nichts vorweg zu nehmen, gehe ich hier nicht in die Tiefe. Aber mir persönlich gefiel dieser Teil des Romanes so gar nicht.

Mein Interesse war erst wieder geweckt, als es um die weitere Zukunft des Mädchens und um die politischen Verwicklungen im Land, der sogenannten Russifizierung ging.

Erst im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass ich noch ein weiteres Buch von Helen Dunmore besitze: Der Duft des Schnees. Diese Geschichte handelt ebenfalls von der Liebe, dieses Mal jedoch zwischen Geschwistern, die sich sozusagen aus der Not heraus zusammen schließen.

Bisher bin ich mir noch nicht sicher, ob ich dieses Buch noch lesen werde. Interessieren würde mich, ob Ihr schon einmal ein Buch von Helen Dunmore gelesen habt. Wenn ja – immer her mit Eurer Meinung! Vielleicht habe ich ja nur den Kern der Sache nicht verstanden.

Schreib-Alltag: Übung macht die Gern-Schreiberin

Autoren lieben es zu schreiben.

Ach ja?

Mmh, ja klar. Aber eben auch nicht immer.

Was mir vorab Niemand gesagt hat: schreiben ist (auch) Arbeit. Und dabei geht es mir gerade mal gar nicht um das Thema Schreibblockaden. Denn die habe ich ehrlich gesagt – glücklicherweise – nicht besonders oft. Bei mir ist es eher die allseits berüchtigte Schreib-Faulenzia. Während es zahlreiche Autoren gibt, die es kaum erwarten können, sich an ihren Schreibtisch zu klemmen, sitzt bei mir doch eher der Schreib-Schweinehund auf meinem Stuhl. Und der macht sich echt wahnsinnig breit.

Am Schlimmsten ist es immer dann, wenn ich – so wie in den letzten Wochen – kaum zum Schreiben gekommen bin. Dann hat er sich eingenistet und ist auch mit vielen Leckerchen nicht weg zu bewegen.

Somit ist mein persönliches Roman-Projekt zwischendurch ein wenig vom Weg abgekommen. Mit terminlich gebundenen Projekten darf das natürlich nicht passieren. Und so musste ich in der vergangenen Woche fleißig und diszipliniert sein. Ob ich wollte oder nicht.

Und was soll ich Euch sagen? Ganz plötzlich war sie wieder da – die Lust am Schreiben, am Spiel mit den Worten, am fabulieren, erzählen. Die Figuren dieser Geschichte durften plötzlich wieder mein Haus betreten. Ich habe sie sogar ausdrücklich eingeladen.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich das so erlebt habe und wie ich mich kenne, wird es auch nicht das letzte Mal gewesen sein (warum aus Fehlern lernen…). Aber ich versuche es mir einfach mal zu merken: Übung macht die Gern-Schreiberin!

Lese-Zeit: Ein Jahr an der Côte d´Azur

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Endlich Urlaub! Frankreich! Die Côte d´Azur! Sonne! Meer!

Nachdem mein letztes Lese-Erlebnis mich doch ziemlich tief in die menschliche Seele geführt hat, brauchte ich dringend Entspannung! Und wie so oft in solchen Moment greife ich auf meine geliebte Ein Jahr in… Reihe zurück.

Annika Joeres hat mich mit viel Humor in ihren neu zu findenden Alltag in Frankreich mitgenommen. Als Leserin habe ich ja immer wieder die Möglichkeit über Probleme z. B. mit Handwerkern oder Behörden schamlos zu lachen, anstatt mich aufzuregen. Das schöne an diesen Büchern ist für mich immer wieder, dieser Blick hinter die Kulissen. Wie ist es tatsächlich, wenn man an die Côte d´Azur auswandert? In ein Land, in dem die Bewohner angeblich der Auffassung sind, dass sie die Krone der Schöpfung seien. Und das wir Deutschen hingegen eher miesepetrige Sauerkraut und Knödel Esser seien, die sich durch ihren Dauer verregneten Alltag kämpfen müssen.

Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Denn auch an der Côte regnet es mal. Und die Laune ist auch nicht immer auf sonnig gestellt. So oder so fühlt sich die Journalistin dort mit ihrem Freund und späterem Ehegatten anscheinend mehr und mehr zuhause. Und wenn ich dann von all den positiven Seiten lese – ja, dann möchte ich vielleicht auch hin und wieder lieber im sonnigen Süden leben.

Auf jeden Fall war diese Lese-Auszeit wieder einmal wunderbar erholsam und sehr empfehlenswert.

Kleiner Hinweis noch: diese Bücher sind KEINE Reiseführer. Wer also lieber eine Aufzählung von Hotels und Restaurants möchte, der sollte lieber nach etwas anderem greifen!

Geschichten-Zeit: Stau auf der Überholspur

Stau auf der Überholspur

von Nicole Vergin

 

Hastig sprang er in den hinteren Waggon der U-Bahn. Direkt hinter ihm schlossen sich die Automatiktüren des grünen Zuges. Sein Atem kroch stoßweise durch seine müden Lungen. Das war knapp gewesen. Nicht auszudenken, wenn er die Bahn verpasst und damit seinen Termin versäumt hätte.Lese-Teddy

Oliver stellte seine schmale Laptoptasche ab, hob sie jedoch umgehend wieder hoch, nachdem er einen Blick auf den schmierigen Boden geworfen hatte. Warum musste sein Auto ausgerechnet an diesem wichtigen Tag den Dienst quittieren? Er hatte nicht einmal Zeit gehabt, ein Taxi zu rufen. Und so war er gezwungen gewesen auf die öffentlichen Verkehrsmittel auszuweichen und sich mit Leuten eine Fahrgelegenheit zu teilen, deren undefinierbare Gerüche seine Nase quälten.

„Entschuldigung“, sagte er, als ihn zwei herum albernde Teenager anrempelten. „Passt doch auf!“ Aber die beiden langhaarigen Mädchen mit den verpickelten Gesichtern kicherten nur noch mehr.

Er schaute sich um, auf der Suche nach einem Sitzplatz. Nachdem er den Mittelgang ein Stück mehr entlang geschwankt als gegangen war, fand er eine freie Sitzecke im vorderen Bereich. Als er die abgewetzte Sitzfläche betrachtete, wägte er ab ob er es wagen könnte, sich mit seinem besten Anzug darauf nieder zu lassen.

Umständlich zog er ein Taschentuch hervor und wischte mit geraden Linien die gesamte Fläche ab, bevor er sich mit einem Seufzer des Ekels hinsetzte.

„Nächste Haltestelle Aegidientorplatz!“

Noch mehr als ein Dutzend weiterer Haltestellen, bevor er dieses Gefährt endlich wieder verlassen konnte. Er zog sein Smartphone aus der Tasche und kontrollierte seine Termine. Den ersten für heute Morgen hatte er bereits verschieben müssen. Dafür wäre er eindeutig zu spät dran gewesen. Außerdem musste er sich vor dem nächsten Termin erst einmal sammeln und beruhigen. So aufgelöst wie er sich innerlich gerade fühlte, konnte Oliver unmöglich vor den künftigen Kunden treten. Falls es überhaupt zu einem Vertrag kommen würde. Aber das musste es. Davon hing seine berufliche Zukunft ab.

Ein Blick aus dem mit Edding beschmierten Fenster zeigte ihm eine Gestalt, die offensichtlich betrunken war. Zumindest schwankte sie auf die Tür der Bahn zu und zog sich nur mit Mühe hinein.

„Is hier noch frei?“, murmelte ebendiese Gestalt einige Momente später.

Mit Erschrecken wanderten Olivers Blicke zwischen der Frau mit den strähnigen Haaren und dem Sitzplatz auf den er seine Tasche gestellt hatte, hin und her.

„Naja, eigentlich…“

Aber da hatte sie schon seine Tasche mit ihren schmuddeligen Händen gegriffen und ihm wortlos auf den Schoss gestellt.

Ihr „Danke“ klang sarkastisch.

Oliver tat so, als vertiefe er sich wieder in die Anzeige seines Smartphones. Vollkommen sinnfrei tippte er darauf herum. Den Kopf hatte er zur Seite gedreht, sein der Frau zugewandtes Auge spazierte immer wieder neugierig in den Winkel. Wie speckig sie aussah. Ungepflegt und noch irgendwas. Krank, ja das war das Wort.

Wie aufs Stichwort begann sie zu husten. Oliver versuchte die Ohren zu schließen und schaute wieder aus dem Fenster. Graffiti auf dem nächsten Bahnsteig. Fliegende Fenster sah er dort. Und Wolken, die direkt über dem Boden schwebten. Und große Müllberge mit Augen, die den Betrachter zu verschlingen drohten.

„Wer erlaubt denn diese Schmierereien?“ Er bemerkte erst durch die Antwort der Frau, dass er laut gedacht hatte.

„Anstatt sich zu aufzuregen, können Sie ja mal darüber nachdenken, was die Bilder Ihnen vielleicht zu erzählen haben.“ Ein weiterer Hustenschauer schüttelte sie.

„Dieser Blödsinn? Fenster können nicht fliegen. Und Wolken gibt es nur am Himmel. Das Müllberge keine Augen haben, wissen Sie wohl auch.“

Das folgende Krächzen sollte wohl ein Lachen darstellen.

„Wie wäre es mit weniger Rauchen?“, konnte sich Oliver nicht verkneifen. Er strich sich mit seinen sorgfältig manikürten Fingern ein unsichtbares Haar aus der Stirn.

„Den Rat hätten Sie besser meinem Vater geben müssen“, Spott lag auf ihrem Gesicht, wo er sich mit den Schweißperlen vermischte. „Ich bin Nichtraucherin.“

Ein heftiger Ruck ging durch die Bahn.

Das kann nicht sein, dachte Oliver noch, bevor die Unbekannte wie eine kraftlose Puppe von ihrem Sitz in seine Richtung geschleudert wurde. Sein Instinkt quittierte vor seinem Ekelgefühl den Dienst, so dass er seine Arme bei sich behielt.

„Au!“

Sie war direkt vor ihm auf die Knie gefallen.

„Geht’s?“, fragte er widerwillig.

Sie hob ihren Kopf und er sah, dass ein dünnes rotes Rinnsal vom Mundwinkel hinab zu ihrem spitzen Kinn lief. Als sie seinen erschrockenen Blick sah, wischte sie sich einmal mit dem Ärmel übers Gesicht.

„Hab mir nur auf die Zunge gebissen“, sagte sie mit einem Grinsen, dass Blutbefleckte Zähne und einige schwarze Löcher zeigte.

Oliver zog sein Taschentuch hervor, mit dem er vorhin gerade noch den Sitz abgewischt hatte und betrachtete es einen Moment.

„Nun geben Sie schon her“, zischte sie und riss ihm das leicht ergraute Stofftuch aus der Hand. „Vornehm“, sagte sie noch, bevor sie sich ein weiteres Mal das Gesicht abwischte.

„Sie können es gern behalten“, lehnte Oliver dankend ab, als sie ihm das frisch gemusterte Tuch zurückgeben wollte.

„Aber sie können es doch waschen!“

Er sparte es sich, ihr zu erklären, dass er diesen Putzlappen nie wieder für sich würde benutzen können.

„Lassen Sie mich raten“, inzwischen hatte sie wieder auf ihrem Sitz Platz genommen und band umständlich ihre hellrot gefärbten Haare mit einem zerfransten Gummi zusammen, „Sie fahren sonst wohl nicht mit der U-Bahn.“

Diesmal nickte Oliver nur. Irgendwie galt es zu verhindern, sich näher mit dieser Person abzugeben. Er musste sich jetzt endlich gedanklich auf seinen Termin vorbereiten. Ein Blick auf die Uhr verstärkte den Druck in seiner Magengegend. Hoffentlich hatte seine Sekretärin inzwischen das Konferenzzimmer vorbereitet.

„Ich heiße übrigens Pamela“, drang die Stimme seines Gegenübers in seinen Konzentrationsversuch ein.

„Nächste Haltestelle Vier Grenzen!“, füllte der Zugführer auch die letzten ruhigen Ecken in Olivers Gehirn.

Das war ja hier wie im Tollhaus! Wie schafften es die Menschen bloß das Tag für Tag über sich ergehen zu lassen?

„Ist nicht leicht was?“

Konnte diese Frau jetzt auch noch Gedanken lesen?

„Entschuldigen Sie bitte“, fuhr er sie unwirsch an, „ich habe gleich einen wichtigen Termin und versuche mich zu konzentrieren. Und das gelingt mir ganz und gar nicht, wenn dieses Chaos hier um mich tobt und Sie zusätzlich versuchen mich in ein Gespräch zu verwickeln.“

Direkt vor seinen Augen wurde diese verrückte Person mit den Rissen in der ausgeblichenen Jeans und den Schmutzstreifen an dem was wohl mal ein T-Shirt gewesen war, plötzlich bleich. Die Farbe fiel ihr förmlich aus dem Gesicht, während sie hörbar nach Atem rang.

Das konnte doch alles nicht wahr sein! Vor seinem inneren Auge sah Oliver wie er seinen Termin verpasste und sein Gesprächspartner gar nicht erst sein Kunde wurde. Die Worte „Kann ich Ihnen helfen?“ kamen nur halbherzig über seine Lippen.

Glücklicherweise schüttelte sie energisch den Kopf, während sie angestrengt nach Atem rang.

„Wissen Sie, ich muss die nächste aussteigen“, hektisch fuhr er sich mit beiden Händen durch die Haare. Eine Bewegung, die er sonst grundsätzlich vermied, da seine sorgfältig frisierten Haare danach keiner Frisur mehr ähnelten. „Mein Termin“, fügte er hinzu, „ich darf ihn nicht versäumen.“

Die Frau, die offensichtlich wieder etwas mehr Luft bekam, winkte bloß ab. „Geht schon“, wisperte sie, während ihre Gesichtsfarbe sich langsam wieder normalisierte.

„Vielleicht kann einer der anderen Herrschaften helfen?“ Oliver sah suchend in die Gesichter der umstehenden Fahrgäste. Aber die bis eben noch offen zur Schau getragene Neugier verwandelte sich umgehend in Teilnahmslosigkeit.

„Nächste Haltestelle Lahe!“

„Hier muss ich raus!“ Hektisch griff Oliver nach seiner Laptoptasche, stellte sie dann doch noch einmal ab, holte aus der Seitentasche sein Portemonnaie und zog einen 50 € Schein heraus.

„Nehmen Sie sich ein Taxi, Paulina“, sagte er und schob den Geldschein mit spitzen Fingern in ihre Jeansjacke.

„Pamela“, korrigierte sie mit zischendem Atem.

Die Automatiktüren öffneten sich und Oliver sprang mit einem Satz hinaus. Wie unter Zwang drehte er sich noch einmal um. Aus der Scheibe sah ihn sein eigenes Spiegelbild nachdenklich an. Beschämt senkte er den Kopf und während der Zug anfuhr verließ er mit eiligen Schritten den Bahnsteig in Richtung seines Termins.