Lese-Zeit: Meine wundervolle Buchhandlung

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Ich war ein Pferdemädchen. Die Welt der Tutus und Laufstege kam in meinen Gedanken überhaupt nicht vor. Ställe ausmisten, Pferde füttern, putzen und reiten. Das war es, was mich glücklich gemacht hat. Eine Steigerung meines Glücks hätte es nur noch durch das Leben auf einem Hof gemeinsam mit den Pferden, sozusagen Tür an Stalltür, geben können.

Irgendwann verblasste dieser Traum. Vermutlich zu dem Zeitpunkt, als ich begriff wie viel Arbeit das alles machen würde. Und das man sich auf einem eigenen Hof jeden Tag um seine Tiere kümmern muss. Nicht, dass Ihr mich jetzt falsch versteht. So lange ich eigene Pferde hatte, was immerhin 15 Jahre lang der Fall war, habe ich sie mit Hingabe gepflegt und versorgt. Aber dann schnupperte ich in die Welt hinaus und stellte fest, was es noch alles zu entdecken gab.

Der nächste Traum war dann eine eigene Buchhandlung. Oder vielmehr ein Laden mit Second Hand Büchern, ein Antiquariat. Natürlich sollte es dort Lesungen geben. Und man könnte sich zum gemeinsamen Schreiben zusammen finden. Undundund.

Heute bin ich mehr als froh, dass ich die damals besichtigten Räumlichkeiten nicht angemietet habe. Ich schätze, ich wäre mit Pauken und Trompeten und einem Sack voll Schulden untergegangen. Und das obwohl ich sicherlich all mein Herzblut, meine Zeit in dieses Projekt hinein gesteckt hätte. Während das Leben Drumherum an mir vorbei gerauscht wäre.

Nein, für derlei Träume fehlt mir wohl so einiges an Hingabe und vielleicht sogar Opferbereitschaft. Und hier komme ich nun endlich zu dem gerade gelesenen Buch –  Meine wundervolle Buchhandlung.

Die Inhaberin einer Buchhandlung in Wien, Petra Hartlieb, beschreibt wie sie ungeplanter Weise gemeinsam mit ihrem Mann das Abenteuer eigene Buchhandlung erlebt hat. Eben noch in Hamburg, zieht sie mit einem Teil der Familie in ihre österreichische Heimat zurück und beginnt dort einen alten Laden wieder flott zu machen. Da wird renoviert und geplant, Geld aufgetrieben und versucht einen Kindergartenplatz für die Tochter zu finden. Vorläufig zieht man mal eben bei Freunden ein, was den Vorteil hat, dass man sich die Kinderbetreuung teilen kann. Der Mann muss derweil noch seinen Job in Hamburg zu Ende bringen, wie gut, dass es immer wieder Menschen gibt, die einfach aus Spaß an der Freude mit anpacken.

Beim Lesen war ich hin- und hergerissen zwischen Bewunderung für all die Energie und Kreativität, die das Paar aufgebracht hat und andererseits dem Erstaunen darüber, worauf sie dafür bereit waren zu verzichten.

Klar, eine Buchhandlung halte ich nach wie vor für einen wunderbaren Ort und ich verlasse eine Stadt, die ich besuche nie ohne auch in den dortigen Buchläden herum zu stöbern. Aber das tue ich aus Spaß an der Freude und nicht weil ich dort sein muss. Wenn ich das nicht sowieso schon gewusst hätte, dann hätte es mir dieses Buch definitiv noch einmal deutlich gemacht. Wie schön, dass da Jeder seine eigenen Wege gehen kann und ich dafür seit zehn Jahren meinen Autorin-Traum leben darf – was sicherlich auch nicht jedermanns Sache wäre.

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Schreib-Alltag: Ich bin Autorin – lasst mich ins Camp!

Wer mich kennt, der weiß, dass ich Campen hasse. Naja, das ist vielleicht zu viel gesagt. Aber ein richtiges Bett ist mir einfach lieber, als eine Luftmatratze und ein muffiger Schlafsack.

Aber bei diesem Camp geht es um das Camp NaNo, das zwei Mal jährlich stattfindet. Vor einiger Zeit flatterte mir eine Einladung zu dieser Veranstaltung auf meinen facebook Account. Ich Kleines Bannerbedankte mich und schrieb, dass ich aus Zeitmangel wohl leider nicht dabei sein könnte. Mit echter Wehmut in meinem Schreib-Herzen. Ja, lacht ruhig! Aber meine Erfahrungen beim NaNoWriMo im vergangenen Jahr haben so viele positive Spuren hinterlassen, dass ich nur allzu gern auch mal an einem Camp teilnehmen möchte.

Der April kam dafür überhaupt nicht in Frage und – wie oben geschrieben – der Juli eigentlich auch nicht, denn zur Zeit befinde ich mich hauptsächlich im Überarbeitungs- und Planungsmodus was das Schreiben betrifft. Klar kann ich mir auch da für das Camp gewisse Ziele setzen, aber NEIN, wenn schon NaNo, dann möchte ich auch schreiben. Da kommt mein Dickkopf mal wieder zu Tage.

Und nun bin ich auf Umwegen bei einer Ausschreibung des Waldhardt Verlages gelandet. Es geht um die Adaption von bekannten Märchen. Da ich ja sowieso ein Faible für Märchen habe, schaltete ich natürlich all meine Schreib-Sender sofort auf Empfang. Zudem gab es vor einigen Jahren schon einmal eine ähnliche Ausschreibung an der ich dann aus zeitlichen Gründen – immer die gleiche Ausrede?? – nicht teilnahm.

Also addierte ich flink 2 + 5 + 7 und bekam als Ergebnis 23 heraus. Unverständlich und falsch? Egal! Genau für solche Situationen ist doch ein NaNo Camp wie geschaffen, oder?! Natürlich stehen die Überarbeitungen ganz oben und die weiteren Planungen für meinen NaNo Roman aus 2014 (dazu gibt es in Kürze einen gesonderten Blog Beitrag) ebenso. Aber mal ehrlich, dazwischen findet sich doch bestimmt noch ein wenig Zeit. Schließlich geht es hier nur um 80 – 100 Normseiten, das sind dann ca. 25.000 Wörter, die ich mir als Ziel für das Camp setze.

Im Juli geschrieben, im August überarbeitet und dann bei Gefallen – ab an den Waldhardt Verlag. Und sollte es mir nicht so gelingen, wie ich es mir vorstelle, dann ist das auch kein Beinbruch. So oder so habe ich dann eine Geschichte geschrieben, die mir eine Herzensangelegenheit ist und die ich nicht einfach zu all den anderen nicht umgesetzten Ideen in eine Ecke verbannt habe.

Natürlich werde ich Euch im Juli auf dem Laufenden halten! Und ich bin sehr gespannt, wer von Euch ebenfalls im Camp dabei sein wird – morgen geht’s übrigens schon los! Ich freue mich auf regen Austausch – ich werde auf jeden Fall wieder in der facebook Gruppe von Tinka dabei sein. Würde mich freuen, wenn wir uns da mal auf einen Kaffee oder Tee treffen würden! Oder was trinkt man so in einem richtigen Camp?!

Lese-Zeit: Das Haus in den Zuckerbergen

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Jeder, der meinen Blog schon ein wenig länger verfolgt weiß, wie sehr ich Bücher liebe. Richtige Bücher. Bücher, die man anfassen und deren Seiten man umblättern kann. Daraus könnt Ihr zu Recht schließen, dass mich bisher nichts in Richtung ebook getrieben hat.

Ja, ich weiß, dass ein ebook auch Vorteile hat. Sowohl für den Leser, als auch für den Autoren. Trotzdem. Apropos trotzdem. Trotzdem habe ich mir nun mein erstes ebook angeschafft. Ihr denkt, ich habe still und heimlich die Seiten gewechselt? Weit gefehlt! Aber manchmal hat Frau einfach Gründe. Gute Gründe!

Meine beginnen mit dem lesen eines Blog Romans, der den schönen Titel Das Haus in den Zuckerbergen trägt. Dem dazu gehörigen Blog folge ich bereits seit dem NaNo 2014. Und genau dort bin ich darüber gestolpert, dass man heutzutage seine Romane auch als Blog Roman veröffentlichen kann. Nach und nach, sozusagen häppchenweise. Wieder etwas dazu gelernt.

Dummerweise hatte ich von diesem Roman so einige Folgen verpasst. Ich schnupperte also hin und wieder mal rein und war neugierig genug, die Geschichte in Gänze lesen zu wollen. Und plötzlich stand das Wort ebook im Raum. Tinka Beere, die Autorin von Das Haus in den Zuckerbergen plante die Veröffentlichung der ersten 40 Teile ihres Blogromans. Welch eine Chance für mich, die Geschichte zu lesen, ohne mich durch den ganzen Blog zu klicken.

Ich lud mir das Ganze auf meinen PC – nein, ich besitze keinen reader – und begann die Geschichte von Lena zu lesen. Eigentlich wollte ich dies in vielen kleinen Schritten tun – ich lese sehr, sehr ungern am PC – aber was soll ich sagen… ich musste einfach wissen, wie es denn nun mit der Protagonistin, die mal eben von ihren Eltern nach Kanada verfrachtet wird, weitergeht. Also las ich das Ganze in wesentlich kürzerer Zeit, als gedacht. Und habe es nicht bereut. Glücklicherweise standen mir danach noch weitere Folgen auf dem Blog zur Verfügung, so dass ich direkt weiterschmökern konnte. Und ich kann Euch sagen, es warten dort noch so einige Überraschungen auf Lena und die Leser!

Die von der Autorin gemalten Wortbilder sind es, die mich immer wieder begeistern. Außerdem finde ich es wunderbar, wenn man einer Geschichte anmerkt, dass sie mit Liebe und Begeisterung zum geschriebenen Wort verfasst wurde. Aber nun entschuldigt mich bitte, ich habe die aktuelle Folge noch nicht gelesen!

Bepflanzte Kloschüssel und ungewöhnliche Liebe – ein bunter Urlaub!

Zurück aus dem Urlaub stürze ich mich direkt in den Alltag. Drei bunte Wochen liegen hinter mir, die angefüllt waren mit einer Mischung aus wir-renovieren-und-reparieren und zahlreichen schönen Erlebnissen.DSC_0162

Unter anderem waren wir eine Woche im Harz und – sofern ich mit dem Auto reise – habe ich natürlich immer ordentlich Lesestoff dabei, wie Ihr an dem Bild und an den noch folgenden Lese-Zeit Beiträgen unschwer erkennen könnt.

Einiges am Wegesrand inspiriert mich vielleicht auch zu künftigen Geschichten, wie z. B. die kleine Bank wo man auf die Frage „Ist hier noch frei?“ doch ganz klar nur „Nein!“ antworten kann. DSC_0184Auch die bepflanzte Kloschüssel DSC_0215mitten im idyllischen Bergstädtchen St. Andreasberg lässt ja wohl einige Fragen offen. Ganz besonders hat mir die Liebesgeschichte zwischen Frau Holle und dem Gott Odin gefallen, der die wunderbare Holzskulptur auf dem letzten Bild gewidmet ist. Inspiration pur, oder? Vielleicht fallen Euch ja dazu Geschichten ein?!DSC_0325

Ganz nebenbei habe ich Schreib-Pläne für die nächsten Monate gemacht. Aber davon erzähle ich Euch dann in den nächsten Beiträgen. Nun werde ich erstmal die aufgelaufene Post erledigen und schauen was sich ansonsten alles so angesammelt hat.

Urlaub, Schreib-Bäume und die Geschichte einer Gurke

Die Sonne lacht von einem herrlich blauen Himmel herunter – ganz klar, es ist Urlaubszeit! DSC_0140Nachdem ich nun noch so einiges erledigt, geschrieben, diverse Stapel abgearbeitet habe, heißt es 3 Wochen Pause! Naja fast, ein wenig renovieren steht auf dem Plan, aber ebenso wird es eine richtige Auszeit geben, in der ich einfach nur tun werde wonach mir ist. Wandern, auf grünen Wiesen liegen, gemütlich in Cafés hocken, lesen, lesen, lesen (mein Bücherstapel ist riesig!) und vielleicht, wer weiß, auch schreiben. Einfach so, zum Spaß. Mir ist da nämlich ein Gedanke gekommen, als ich das Thema für den nächsten Schreibkick gelesen habe: Nebel. Da war doch mal vor etlichen Jahren eine Geschichte, die ich unfertig zurück gelassen habe. Mal schauen… Im Moment habe ich jedenfalls das Gefühl, dass ich was das Schreiben betrifft, Bäume ausreißen könnte. Und dieser Lust und Leidenschaft folge ich doch nur allzu gern!

Also Adieu, bis in drei Wochen. Ich wünsche Euch eine wunderbare Zeit und freue mich aufs Wiederlesen!

Und hier noch eine kleine Geschichte, die ich gestern geschrieben habe, inspiriert von einer wunderbaren Schreibgruppe in der ich mich seit einigen Monaten tummle. Viel Spaß beim Lesen!

Die Abenteuer einer Salatgurke
von Nicole Vergin

Der Sommerwind schob die leichte Gardine zur Seite und ließ die Sonnenstrahlen in das Zimmer hineinschlüpfen. Eine Frisierkommode stand gegenüber an der Wand und sie strahlten vor Begeisterung als sie sich im Spiegel sahen.

„Entschuldigen Sie mein Fräulein, darf ich mich Ihnen vorstellen?“

Die tiefe Stimme gehörte zu einer Salatgurke, die auf der hölzernen Ablagefläche vor dem Spiegel lag. Daneben thronte in einer geöffneten Schatulle auf bordeauxfarbenem Samt eine Perlenkette. Wunderbar anzusehen mit ihren einzelnen perfekt polierten Elfenbeinfarbenen Perlen.

„Wenn es denn sein muss“, kam es leicht pikiert zurück.

„Mein Name ist Gürke. Gürke von und zu Salat. Habe die Ehre.“

„Ph, Sie meinen wohl Gurke. Sie sind doch nichts besseres, als eine ordinäre Salatgurke.“

„Aber nein, mein Fräulein. Wissen Sie, ich bin befördert worden. Gerade heute, genauer gesagt vor wenigen Minuten erst. Ich bin daher ebenso gut wie Sie. Und schließlich haben wir ja auch Gemeinsamkeiten.“

Ein Hüsteln und dann war es eine Weile still. Die Sonnenstrahlen, die sich immer wieder im Spiegel verfingen, beobachteten die zarten Annäherungsversuche der Salatgurke, konnten sich jedoch ein Schmunzeln nicht verkneifen.

„Wie ist es denn zu Ihrer Beförderung gekommen?“ Neugier sprach aus der Stimme der Perlenkette. Schließlich wusste man so manches Mal nicht, mit wem man es zu tun hatte. Und sie wollte sich auf keinen Fall eine Möglichkeit zum eigenen Aufstieg verbauen.

„Ja, wissen Sie mein Fräulein. Noch vor kurzer Zeit lag ich in der Küche und war eine einfache Salatgurke. Die Köchin hatte mich bereits gewaschen und wollte mich zu einem Salat verarbeiten. Mein grünes Herz pochte auf Aufregung und auch vor Angst. Man scheidet schließlich nicht an jedem Tag aus dem Leben.“

Zwei Seufzer wehten durch den Raum. Einer von der Salatgurke, die im Übrigen dachte, dass der andere von dem Perlen Fräulein kam. Aber weit gefehlt, er kam von dem Poliertuch, das wenige Zentimeter neben der Kette auf seinen Einsatz wartete und sich durch das Zuhören die Zeit vertrieb.

„Das Küchenmesser schwebte bereits über mir, ich konnte beinahe schon fühlen, wie es in meinen weichen Leib eindrang, da wurde die Küchentür mit einem Ruck geöffnet und herein kam die Zofe von Madame. Halt ein!, rief sie aufgeregt.“

„Was sollte denn Madames Zofe mit einer gewöhnlichen Salatgurke zu tun haben?“, ließ sich die Perlenkette nun doch zu weiteren Worten herab.

„Genau da liegt unsere Gemeinsamkeit liebes Fräulein. Sie benötigt mich, um Madame zu verschönern. Insbesondere geht es da wohl um Gesicht und den Hals. Also ebenso wie Sie liebes Fräulein es ja auch tun.“

„Verschönern? Madame? Mit einer Salatgurke?“ Das Lachen der Perlenkette war hämisch und grausam anzuhören. Aber die Gurke machte sich nichts daraus, wusste sie doch, dass sie zu höherem berufen worden war.

„Ich berichte hier nur, wie es dazu gekommen ist, dass ich zum Gürke von und zu Salat befördert worden bin. Nicht mehr und nicht weniger.“

„Nein!“, die Perlen klackerten leise aneinander, so schüttelte es die Kette vor Widerwillen und Entsetzen.

„Warten wir es einfach ab.“

In diesem Moment wurde ein weiteres Mal in dem Verlauf dieser Geschichte eine Tür schicksalsträchtig geöffnet. Herein kam der Sohn von Madame, ein Schlingel sondersgleichen. Hatte er sich doch eben noch in der Küche herum gedrückt, um noch vor dem Abendessen etwas Nahrhaftes zu ergattern.

Als er sah, dass seine Mutter nicht anwesend war, wollte er bereits den Raum wieder verlassen. Doch dann fiel unglücklicherweise sein Blick auf die Ablage der Frisierkommode.

Die Sonnenstrahlen, die eben noch hell geleuchtet hatten, waren dank einer Wolke, die an der Sonne vorbeiwanderte, verdunkelt. Und so musste die Perlenkette den grausamen Anblick der sterbenden Salatgurke nicht in allen Einzelheiten über sich ergehen lassen.

„Wer weiß“, flüsterte sie, als der Junge zufrieden kauend den Raum verlassen hatte, „vielleicht war etwas Wahres dran, an dem was die Salatgurke gesagt hatte. Nun werde ich nie erfahren, ob er wirklich ein Gürke von und zu Salat war.“

Lese-Zeit: Die letzten Tage von Rabbit Hayes

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Ein Cover mit Blümchen drauf und den Titel in Schreibschrift. Nein, danke! Soviel zum Thema, ob Bücherkleider für mich wichtig sind. Das die Hintergrundfarbe schwarz ist, hätte mir zu denken geben können. Hätte. Hat aber nicht. Immer wieder bin ich an diesem Buch vorbei gelaufen, es fiel mir immer wieder ins Auge, aber ich hielt es nicht einmal für nötig es in die Hand zu nehmen und den Klappentext zu lesen.

Und dann kam der Blog-Beitrag von Tinka und ich las erstmals etwas über dieses Buch. Die Autorin Anna McPartlin hat über das Sterben, die letzten Tage einer Mutter, Tochter, Schwester, Tante und Freundin geschrieben. Leben. Sterben. Tod. Themen mit denen ich mich schon lange befasse, die sozusagen mein Steckenpferd sind. Klingt das zu makaber für Euch?

Es war klar, dieses Buch wollte und musste ich lesen. Aber mein Bald-lesen-Regal sollte aktuell keinen Zuwachs bekommen. Erst lesen, dann neu kaufen. Kaufpause. Und dann war da dieser Flohmarkt am 1. Mai. Und plötzlich lag dieses so aktuelle Buch vor mir auf einem Tisch, neben vielen anderen Büchern. Aber die sah ich gar nicht mehr. Und ich sag Euch, der Standbesitzer hat es mir zum halben Preis verkauft, obwohl es wirklich noch fast ungelesen aussah. EIN ZEICHEN! Folgt der Sandale! Oder in dem Fall: dem Buch! NATÜRLICH kaufte ich es!

Ein geliebter Mensch liegt im Sterben. Diese Geschichte zeigt, wie sich in den letzten Tagen (und der Zeit davor) das Leben von Rabbit und ihren Angehörigen verändert. Wut, Trauer, Hoffnung, die man irgendwann ebenso los lassen muss, wie den Menschen der dann gehen muss. Ob er will oder nicht. Geschrieben ist es aus mehreren Perspektiven, so dass der Leser die Möglichkeit hat, die einzelnen Blickwinkel kennen zu lernen. Im Hintergrund wird die Vergangenheit von Rabbit erzählt.

Das Alles in einer klaren, wunderbaren Sprache, die kein Pathos braucht, um auf sich aufmerksam zu machen. Ich habe während des Lesens noch einmal vieles für mich überdacht und hinterfragt. Ich habe geweint und gelacht. Ich habe anderen Stellen daraus vorgelesen, weil ich sie für so wichtig hielt.

Ein unglaubliches Buch, das einen festen Platz in meiner kleinen Bibliothek erhalten hat.

Geschichten-Zeit: Der Abt und der Baum

Der Abt und der Baum

von Nicole Vergin

Es war einmal ein Dorf zu dem gehörte ein altes Kloster, das sich durch eine hohe Steinmauer vom Ort und den Menschen, die dort lebten, abgrenzte. Viele Jahrhunderte hatten dort Mönche gelebt, die mit vereinten Kräften eine massive Kirche und alles was ein Kloster benötigte errichtet hatten.Lese-Teddy

Vor der Kirche wuchs ein Baum, der im Sommer vielen Menschen Schatten bot. Lange Zeit hatte er dort gestanden und dem Kirchenschiff seinen Schutz und seine Schönheit dargeboten.

Eines Tages jedoch stand der Abt des Klosters vor dem Eingang der Kirche und traf eine einsame Entscheidung. Er beschloss, dass der alte Baum weichen musste, damit er künftig freie Sicht auf die Kirche habe. Sein Prior, der einzige, den er vorab einweihte, wagte es ein winzig kleines „Aber“ zu äußern, der Abt jedoch, gewohnt seinen Willen durchzusetzen, zwang ihn mit einem Blick aus seinen kalten Augen nieder.

Und so geschah es, dass starke Männer mit ihren Werkzeugen anrückten, um dem Baum das Leben zu nehmen. Hieb um Hieb durchdrangen die Äxte erst seine Rinde und fraßen sich dann in das Innerste des Baumes.

Der alte Baum seufzte und ächzte, während dicke Harztränen aus ihm hervorquollen. Bis endlich ein Rauschen die Luft erfüllte, die Männer beiseite sprangen und der Baum auf dem harten Boden aufschlug.

Eine alte Frau beobachtete vom nebenliegenden Friedhof aus das Ende des Baumes. Ihre runzeligen Hände zerknüllten ein Taschentuch und als der Baum zu Boden sank, wischte sie sich damit die Tränen weg, die über ihre faltigen Wangen rollten.

Es dauerte noch eine Weile bis die Männer, die abgehackten Äste und den klein gehauenen Stamm fortgebracht hatten. Unbeweglich stand die alte Frau auf dem Friedhof und wartete.

Als alle verschwunden waren, ging sie zu dem übrig gebliebenen Stumpf, strich mit den Händen liebevoll darüber, als wolle sie sich verabschieden.

„Was ist mit dem Baum passiert?“, erklang plötzlich eine Stimme hinter ihr.

„Er war dem Abt im Weg“, antwortete die alte Frau, ohne sich umzudrehen.

Eine junge Frau trat neben sie und legte ebenfalls eine Hand auf den Stumpf.

„Schauen sie“, sagte die alte Frau, „über 100 Jahresringe nannte er sein Eigen.“

„Der arme alte Baum.“ Die Stimme der jungen Frau klang traurig und wütend zugleich.

Die alte Frau legte ihr beruhigend die Hand auf den Arm.

„Man trifft sich immer zwei Mal im Leben“, sagte sie, nickte der jungen Frau noch einmal zu, drehte sich um und verschwand durch das schmiedeeiserne Tor auf den Friedhof.

„Was die Alte wohl damit gemeint hat?“, murmelte die junge Frau, während auch sie sich auf den Heimweg machte. „Man trifft sich immer zwei Mal im Leben?“

Am nächsten Tag stand der Abt zufrieden neben dem Stumpf des alten Baumes und genoss den freien Blick auf die Kirche, als die alte Frau erneut durch das Friedhofstor trat.

Der Abt beachtete sie jedoch gar nicht, sondern beglückwünschte sich insgeheim zu seiner Entscheidung.

„Man trifft sich immer zwei Mal im Leben“, flüsterte die Alte plötzlich neben ihm.

Erschrocken blickte der Abt zur Seite, aber die alte Frau hatte sich bereits umgedreht und verschwand so leise wie sie gekommen war.

„Man trifft sich immer zwei Mal im Leben?“, murmelte der Abt vor sich hin, während er die Kirche durch das große hölzerne Tor betrat. Aber schon im nächsten Moment vergaß er die alte Frau und ihre Worte und machte sich auf den Weg zu seinem Prior, um auch ihm von seiner großen Tat zu berichten.

Die Zeit ging dahin, der Stumpf des alten Baumes war bereits dunkel von zahlreichen Regenfällen geworden, als der Frühling wieder einmal seinen Einzug feierte.

Auch der Abt hatte allen Grund für Frohsinn, denn alles was er in der letzten Zeit anfing, das gelang ihm auch. Und so stand er eines Tages im Klostergarten und sah zu, wie dort ein Kirschbaum gepflanzt wurde. In Gedanken sah er bereits die zarten weiß-rosa Blüten, die der Baum sicherlich im kommenden Frühjahr hervorbringen würde. Er konnte den Geschmack saftiger Kirschen im Mund schmecken und leckte sich voller Vorfreude die Lippen.

„Wir sind fertig, ehrwürdiger Abt“, sagte der Gärtner und machte eine angedeutete Verbeugung vor dem gestrengen Kirchenmann.

„Ja, ja, schon gut“, entgegnete dieser zerstreut, da er sich noch ganz seinen Wunschträumen hingab und sich gestört fühlte. „Nun gehen sie schon“, fuhr er die Männer an und wedelte mit beiden Händen in Richtung des Gartentores.

Rasch verschwanden die Männer und ließen den Abt im Klostergarten allein.

Dieser setzte sich auf eine hölzerne Bank, die er extra zu diesem Zwecke hatte aufstellen lassen und genoss den Blick auf seinen kleinen Kirschbaum. Genüsslich schloss er die Augen und wandte sein Gesicht der Sonne zu.

Ein leichter Ruck an seinen Füßen ließ ihn aus seinen Träumen auffahren.

„Was ist das?“, rief er entsetzt, als er sah, dass sich um seine Fußgelenke eine Wurzel geschlungen hatte. Eine Wurzel, die von dem eben gepflanzten Kirschbaum kam.

„Aber“, stotterte er, „aber, das kann nicht sein.“

Vor seinen Augen wuchs und wuchs die eben noch so kleine Wurzel, wurde größer und größer, während sie sich von seinen Fußknöcheln nach oben um seine Beine schob und immer höher und höher kroch.

„Hilfe“, rief der Abt, „zu Hilfe!“

Aber in der Stille und Einsamkeit, die er eben noch für sich beansprucht und genossen hatte, hörte ihn nun niemand.

Als die Wurzel ihn bis über die Arme und Schultern umschlungen hatte, zog sie den Abt auf den Boden und hinab in das frisch aufgeworfene Erdreich. Dunkelheit umgab ihn, Erde quoll in seinen zum Schrei geöffneten Mund. Stück für Stück durchdrang die Wurzel erst die Haut des Abtes und fraß sich dann in sein Innerstes.

Während sie sein Herz durchbohrte, hörte er die Stimme der alten Frau: „Man trifft sich immer zwei Mal im Leben!“

Im folgenden Jahr fand der Frühling im Kloster einen neuen Abt vor. Und einen kleinen Kirschbaum, der von Allen bestaunt wurde. Die Besucher waren sich einig, dass sie noch nie so wunderschöne Blüten an einem Kirschbaum gesehen hatten.

Und als der Sommer an das Gartentor klopfte, trug der kleine Kirschbaum stolz seine ersten Früchte. Der neue Abt schenkte sie dem Gärtner des Klosters. Er erhielt die Kirschen als Dank für die liebevolle Pflege des kleinen Kirschbaumes. Als der Mann in die runden, saftigen Früchte biss, schloss er genüsslich die Augen, während ihm der Saft über das Kinn lief.

Im hellen Schein der Mittagssonne kam es dem neuen Abt vor, als liefe süßes, rotes Blut über das Gesicht des Gärtners.