Urlaub, Schreib-Bäume und die Geschichte einer Gurke

Die Sonne lacht von einem herrlich blauen Himmel herunter – ganz klar, es ist Urlaubszeit! DSC_0140Nachdem ich nun noch so einiges erledigt, geschrieben, diverse Stapel abgearbeitet habe, heißt es 3 Wochen Pause! Naja fast, ein wenig renovieren steht auf dem Plan, aber ebenso wird es eine richtige Auszeit geben, in der ich einfach nur tun werde wonach mir ist. Wandern, auf grünen Wiesen liegen, gemütlich in Cafés hocken, lesen, lesen, lesen (mein Bücherstapel ist riesig!) und vielleicht, wer weiß, auch schreiben. Einfach so, zum Spaß. Mir ist da nämlich ein Gedanke gekommen, als ich das Thema für den nächsten Schreibkick gelesen habe: Nebel. Da war doch mal vor etlichen Jahren eine Geschichte, die ich unfertig zurück gelassen habe. Mal schauen… Im Moment habe ich jedenfalls das Gefühl, dass ich was das Schreiben betrifft, Bäume ausreißen könnte. Und dieser Lust und Leidenschaft folge ich doch nur allzu gern!

Also Adieu, bis in drei Wochen. Ich wünsche Euch eine wunderbare Zeit und freue mich aufs Wiederlesen!

Und hier noch eine kleine Geschichte, die ich gestern geschrieben habe, inspiriert von einer wunderbaren Schreibgruppe in der ich mich seit einigen Monaten tummle. Viel Spaß beim Lesen!

Die Abenteuer einer Salatgurke
von Nicole Vergin

Der Sommerwind schob die leichte Gardine zur Seite und ließ die Sonnenstrahlen in das Zimmer hineinschlüpfen. Eine Frisierkommode stand gegenüber an der Wand und sie strahlten vor Begeisterung als sie sich im Spiegel sahen.

„Entschuldigen Sie mein Fräulein, darf ich mich Ihnen vorstellen?“

Die tiefe Stimme gehörte zu einer Salatgurke, die auf der hölzernen Ablagefläche vor dem Spiegel lag. Daneben thronte in einer geöffneten Schatulle auf bordeauxfarbenem Samt eine Perlenkette. Wunderbar anzusehen mit ihren einzelnen perfekt polierten Elfenbeinfarbenen Perlen.

„Wenn es denn sein muss“, kam es leicht pikiert zurück.

„Mein Name ist Gürke. Gürke von und zu Salat. Habe die Ehre.“

„Ph, Sie meinen wohl Gurke. Sie sind doch nichts besseres, als eine ordinäre Salatgurke.“

„Aber nein, mein Fräulein. Wissen Sie, ich bin befördert worden. Gerade heute, genauer gesagt vor wenigen Minuten erst. Ich bin daher ebenso gut wie Sie. Und schließlich haben wir ja auch Gemeinsamkeiten.“

Ein Hüsteln und dann war es eine Weile still. Die Sonnenstrahlen, die sich immer wieder im Spiegel verfingen, beobachteten die zarten Annäherungsversuche der Salatgurke, konnten sich jedoch ein Schmunzeln nicht verkneifen.

„Wie ist es denn zu Ihrer Beförderung gekommen?“ Neugier sprach aus der Stimme der Perlenkette. Schließlich wusste man so manches Mal nicht, mit wem man es zu tun hatte. Und sie wollte sich auf keinen Fall eine Möglichkeit zum eigenen Aufstieg verbauen.

„Ja, wissen Sie mein Fräulein. Noch vor kurzer Zeit lag ich in der Küche und war eine einfache Salatgurke. Die Köchin hatte mich bereits gewaschen und wollte mich zu einem Salat verarbeiten. Mein grünes Herz pochte auf Aufregung und auch vor Angst. Man scheidet schließlich nicht an jedem Tag aus dem Leben.“

Zwei Seufzer wehten durch den Raum. Einer von der Salatgurke, die im Übrigen dachte, dass der andere von dem Perlen Fräulein kam. Aber weit gefehlt, er kam von dem Poliertuch, das wenige Zentimeter neben der Kette auf seinen Einsatz wartete und sich durch das Zuhören die Zeit vertrieb.

„Das Küchenmesser schwebte bereits über mir, ich konnte beinahe schon fühlen, wie es in meinen weichen Leib eindrang, da wurde die Küchentür mit einem Ruck geöffnet und herein kam die Zofe von Madame. Halt ein!, rief sie aufgeregt.“

„Was sollte denn Madames Zofe mit einer gewöhnlichen Salatgurke zu tun haben?“, ließ sich die Perlenkette nun doch zu weiteren Worten herab.

„Genau da liegt unsere Gemeinsamkeit liebes Fräulein. Sie benötigt mich, um Madame zu verschönern. Insbesondere geht es da wohl um Gesicht und den Hals. Also ebenso wie Sie liebes Fräulein es ja auch tun.“

„Verschönern? Madame? Mit einer Salatgurke?“ Das Lachen der Perlenkette war hämisch und grausam anzuhören. Aber die Gurke machte sich nichts daraus, wusste sie doch, dass sie zu höherem berufen worden war.

„Ich berichte hier nur, wie es dazu gekommen ist, dass ich zum Gürke von und zu Salat befördert worden bin. Nicht mehr und nicht weniger.“

„Nein!“, die Perlen klackerten leise aneinander, so schüttelte es die Kette vor Widerwillen und Entsetzen.

„Warten wir es einfach ab.“

In diesem Moment wurde ein weiteres Mal in dem Verlauf dieser Geschichte eine Tür schicksalsträchtig geöffnet. Herein kam der Sohn von Madame, ein Schlingel sondersgleichen. Hatte er sich doch eben noch in der Küche herum gedrückt, um noch vor dem Abendessen etwas Nahrhaftes zu ergattern.

Als er sah, dass seine Mutter nicht anwesend war, wollte er bereits den Raum wieder verlassen. Doch dann fiel unglücklicherweise sein Blick auf die Ablage der Frisierkommode.

Die Sonnenstrahlen, die eben noch hell geleuchtet hatten, waren dank einer Wolke, die an der Sonne vorbeiwanderte, verdunkelt. Und so musste die Perlenkette den grausamen Anblick der sterbenden Salatgurke nicht in allen Einzelheiten über sich ergehen lassen.

„Wer weiß“, flüsterte sie, als der Junge zufrieden kauend den Raum verlassen hatte, „vielleicht war etwas Wahres dran, an dem was die Salatgurke gesagt hatte. Nun werde ich nie erfahren, ob er wirklich ein Gürke von und zu Salat war.“

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