Geschichten-Zeit: Von einer Schriftstellerin, die auszog ihre Geschichten unter die Leute zu bringen

Von einer Schriftstellerin, die auszog ihre Geschichten unter die Leute zu bringen

von Nicole Vergin

Es war einmal eine kleine nette Dame, die wollte ihr ganzes Leben lang nur eines sein. Eine Schriftstellerin, deren Geschichten die Leute gerne lasen. So nahm sie eines Tages ihren ganzen Mut zusammen und begann, das Schreiben zu üben. Anfangs fiel es ihr schwer, die Worte auf das weiße Blatt Papier zu bringen. `Welches sind bloß die richtigen Worte´, fragte sie sich immer wieder. Und je mehr sie sich das fragte, desto größer wurde die Angst keine Geschichten schreiben zu können.Lese-Teddy

Eines Tages jedoch sprach sie mit einer guten Freundin über ihr Problem. Und siehe da, diese wusste Rat. Es gab eine alte Schrift, in der niedergeschrieben war wie aus einem Menschen ein Schriftsteller wurde. Die kleine nette Dame bedankte sich herzlich bei ihrer Freundin und machte sich eilig auf die Suche nach dieser Schrift. Wie glücklich war sie, als sie diese endlich in Händen hielt. Wieder und wieder las sie die Zeilen und begann jeden Tag Schreibübungen zu machen. So, wie es geschrieben stand.

So entstanden dann auch die ersten kleinen Geschichten. Geschichten, die über all das berichteten was der kleinen netten Dame am Herzen lag. Auch jetzt gab es noch Zeiten, in denen es ihr schwer fiel die Verbindung zu all den schönen Worten zu finden. Aber nun wusste sie auch, dass wenn sie immer weiter schrieb, sich nach und nach die Worte erneut zu Geschichten zusammen finden würden.

Und so kam es, dass sie eines schönen Tages zufrieden auf ihr Werk blickte, entschlossen mit dem Kopf nickte und sich auf den Weg machte. Sie wollte zu einem Buchdrucker. Der sollte ihr all die schönen Geschichten drucken, damit auch andere Leute sie lesen konnten. All ihr Erspartes trug sie in ihrem kleinen Täschchen zusammen mit ihrer Entschlossenheit. Tatsächlich war der Buchdrucker bereit, die Arbeit zu übernehmen und auch dafür zu sorgen, dass die Bücher wunderschöne Kleider bekamen.

Die Wochen vergingen, die kleine nette Dame füllte die Zeit mit schreiben, und dann war der große Tag da. In der Werkstatt des hiesigen Buchbinders stapelten sich 100 Exemplare ihres ersten eigenen Buches. Wie stolz war sie da auf sich! Sie bezahlte die Arbeit und lud gemeinsam mit dem Buchbinder alle Bücher auf einen Karren den sie sich geborgt hatte. Und so zog sie fröhlich nach Hause.

Ihre Freude währte einige Tage, doch dann als sie gerade wieder inmitten all der schönen Ausgaben ihrer Geschichten saß, stellte sie sich die Frage wie die Bücher denn nun den Weg zu den Lesern finden sollten. Ja, da war guter Rat teuer.

Um ihren Gedanken freien Lauf zu lassen, machte sich die kleine nette Dame auf den Weg durch die Gassen der kleinen Stadt in der sie lebte. Sie schlenderte von einer Ecke zur nächsten und dachte nach. Auf einmal drang eine Stimme an ihr Ohr. Eine schöne Stimme, die eine Geschichte erzählte. Und tatsächlich, an der nächsten Ecke scharten sich einige Leute um einen Geschichtenerzähler. Eine Weile stellte sie sich dazu und warf bevor sie weiterging eine Münze als Dank in die Mütze des Erzählers.

Rasch ging sie nach Hause. Sie hatte eine Idee. Bereits am nächsten Tag machte sie sich auf den Weg und suchte sich auf dem Marktplatz eine kleine Ecke. Dort stellte sie ein Tischchen auf, legte eine Decke darauf und ein paar ihrer Bücher. Dann ließ sie sich auf einem Stuhl nieder, klappte eines ihrer Bücher auf und begann laut vorzulesen. Anfangs kam es nicht nur ihr sondern auch den Leuten komisch vor, aber nach einiger Zeit scharten sie sich um sie und lauschten neugierig. Ihre Stimme malte aus den Wörtern Bilder und zog so alle in ihren Bann.

Jedes Mal wenn sie eine Geschichte beendet hatte, erzählte sie ihren Zuhörern von ihrem Traum eine Schriftstellerin zu sein. Und natürlich, dass sie die Geschichten auch selber lesen könnten, wenn sie denn eins ihrer Bücher erstehen würden.

Am Ende des Tages war die kleine nette Dame ein wenig heiser, aber unglaublich glücklich. Ganze fünf Bücher hatte sie verkauft. Fünf Bücher, in denen ihr Name und ihre Geschichten standen.

Und so war ihr Traum Wirklichkeit geworden. Aus der kleinen netten Dame war durch viel Mut und Arbeit eine Schriftstellerin geworden.

Schreib-Alltag: Die Zeit vor der Schreib-Woche

Amsterdam… eine tolle Stadt! In der vergangenen Woche habe ich dort einen Kurzurlaub DSC_0192genossen und bin nun randvoll mit Eindrücken, Erlebnissen, Bildern, Inspirationen… zurück.

Und eigentlich auch schon fast wieder weg.

Die Schreib- und Recherche Woche in der Eifel steht vor der Tür. Ein Packen Touri-Material liegt bereits neben mir auf dem Schreibtisch, so dass ich mich schon mal gedanklich auf den Weg machen kann. Am 12. Oktober geht es los und bis dahin habe ich mir noch so einiges vorgenommen.

Da wäre die Überarbeitung des Kinderbuches des Autoren-Duos La Piuma, die mittlerweile zügig voran schreitet und richtig viel Spaß macht! Die Figuren begleiten uns inzwischen auf Schritt und Tritt und haben jede Menge Ideen im Gepäck. Das eine und andere Kapitel wird bis zu meiner Abreise auf jeden Fall noch durchgearbeitet und dann gemeinsam mit meiner Kollegin Petra Fuhrmann besprochen. Habt Ihr eigentlich schon mal zu Zweit geschrieben? Also ich kann es nur empfehlen!

Mein Sorgenkind ist im Moment meine Märchen Adaption. So leicht es mir gefallen ist, die Geschichte zu planen und zu schreiben – bei der Überarbeitung tue ich mich sehr schwer. Warum? Das wüsste ich im Moment selber gerne. Den größten Teil der Geschichte bin ich inzwischen durchgegangen und habe zumindest die offensichtlichen „Dinge“ verbessert. Danach – so habe ich es letzte Woche beschlossen – werde ich mir Unterstützung holen. Manchmal sieht man einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht. Und meiner Meinung nach sollte man sich nicht scheuen, um Rat und Hilfe zu bitten. Wie haltet Ihr es, wenn Ihr mal nicht weiterkommt?

Ab morgen werde ich dann meinen Roman anfangen zu lesen, um so langsam wieder in die Geschichte reinzukommen. Wobei Heike mich auch in den letzten Wochen nie wirklich allein gelassen hat. Sie ist schon sehr anhänglich und ich habe sie mitsamt ihren Eigenarten in mein Autoren-Herz geschlossen. Naja, bald werde ich ja schon eine Woche mit ihr alleine sein!

Lese-Zeit: Die Sünde der Engel

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Es ist bestimmt schon 10 oder sogar 15 Jahre her, dass ich Charlotte Links Bücher geradezu verschlungen habe. Die Rosenzüchterin oder Das Haus der Schwestern – ich kann mich bis heute an meine Lesebegeisterung erinnern. Irgendwann wanderten ihre Geschichten in Richtung Thriller. Unsere Wege trennten sich. Meine Begeisterung für dieses Genre hält sich bis heute in Grenzen. Nichts destotrotz sammelte ich – so quasi nebenbei – ihre Bücher weiter. Ich bin eben eine Sammlerin – was soll ich tun…

Nun „lief“ mir vor einigen Wochen auf einem Flohmarkt das Buch Die Sünde der Engel über den Weg. Gekauft und inzwischen auch gelesen. Anfangs kam mir die Geschichte unwahrscheinlich bekannt vor. Eine angesehene Familie mit Zwillingssöhnen, die ein dunkles Geheimnis hegen. Es brauchte eine ganze Anzahl an Seiten, um festzustellen, dass ich diese Story doch nicht kannte. Und ich weiß ehrlich gesagt auch immer noch nicht, wer denn nun eine ähnliche geschrieben hat. Naja, das Thema „Zwillinge“ zu beleuchten ist ja nun wahrlich nicht neu.

Egal, die Geschichte ist spannend und gut erzählt. Ich habe die frühere Charlotte Link durchaus wieder erkannt. Was mir damals noch nicht aufgefallen war – sie wechselt fröhlich mitten im Absatz die Perspektive bzw. zeitweise schreibt sie als ob sie die auktoriale Erzählweise gewählt hätte. Damit hat sie mir durchaus einen Teil der Spannung geklaut. Wenn ich in alle Köpfe hineinschauen kann, dann bleibt für mich nicht mehr viel zum mitdenken.

Trotzdem hat mir Charlotte Link auch nach all den Jahren immer noch Lese-Spaß bereitet und ich werde sicherlich mal wieder einen Roman von ihr in mein Bald-lesen-Regal stellen. Sofern ich mal wieder Lust auf einen Thriller habe…

Schreib-Lust – ein Wochenende voller Worte

Eben noch geplant und vorbereitet und schon ist es wieder Geschichte. Am vergangenen DSC_0106 - KopieWochenende habe ich zum 5. Mal Schreib-Begeisterte durch die Welt der Worte begleitet. Von
Freitag bis Sonntag fand in der ev. Heimvolkshochschule Loccum die Schreib-Lust 2015 statt.

Zehn TeilnehmerInnen suchten und fanden Worte, die sie zu wunderbaren Texten verwebten. Unter dem Titel KOMMEN und BLEIBEN war Raum für Erinnerungen, Gedichten und Kurzgeschichten, über die im Anschluss ein reger Austausch stattfand.

DSC_0105 - KopieDas besondere Ambiente der Heimvolkshochschule trug einmal mehr zum Erfolg des Seminars bei, das im kommenden Jahr vom 16. – 18. September erneut seinen Platz im Veranstaltungskalender gefunden hat.

Nebenbei bemerkt: obwohl der Alltag bei mir bereits wieder an die Tür klopft, wird mich all die Motivation, Kreativität und Inspiration, die ich in den letzten Tagen aufsaugen durfte noch eine Weile begleiten.

Lese-Zeit: Der Sommer der Blaubeeren

Ist Euch schon einmal aufgefallen, dass es von Juni bis September verdächtig viele Romane mit dem Wort Sommer im Titel gibt? Wenn Ihr so wie ich Leseratten, Bücherwürmer oder ähnliche „Seitenfresser“ seid, dann bestimmt. Und? Erliegt Ihr hin und wieder diesem „unwahrscheinlich geschickten“ Marketing? Ich ganz offensichtlich ja!

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Vor einigen Wochen war es der Sommer der Frauen und diesmal Der Sommer der Blaubeeren. Allein in das Cover hatte ich mich schon vor etlichen Wochen verliebt. Blau-weiß-rot – Blaubeeren, Blüten und weißes Holz. Trotzdem habe ich mir das Buch nicht gekauft, da ich mir mal wieder einen Bücherkaufstopp auferlegt hatte. Und dann kam ein Flohmarkt…
Kurz darauf folgte ich der Protagonistin Ellen Branford bereits in einen abgelegenen Küstenort, der sich Beacon nennt. Abgelegen, Küstenort. Ich war auf der richtigen Spur!

Ich las die ersten Seiten und mit jeder Seite wurde mein Enthusiasmus kleiner. Die Autorin Mary Simses hat es geschafft, dass ich auf den ersten 30 Seiten um ein Haar eingeschlafen wäre. Lange Szenen, die so ausführlich beschrieben wurden, dass ich das Buch am liebsten zur Seite gelegt hätte. Dazu muss man sagen, dass ich ein Fan von Beschreibungen bin. Bisher habe ich auch noch nicht heraus gefunden woran es gelegen hat.

Da ich mich aber ursprünglich in dieses Buch (oder vielmehr sein Kleid) verliebt hatte, las ich weiter. Und was soll ich sagen? Mein Lese-Spaß nahm zu, während die Geschichte langsam Fahrt aufnahm.

Insgesamt hatte die Geschichte mit meinen Vorstellungen – nach dem Lesen des Klappentextes – so rein gar nichts zu tun. Was ja oft passiert und was mich schon zu Lese-Überraschungen geführt hat, die ich nicht mehr missen möchte.

Dennoch schließe ich mich Tinkas Fazit in ihren Buchgedanken an (die Ihr hier finden könnt und in denen auch eine schöne Beschreibung der Geschichte zu lesen ist): eine lohnende Geschichte!