Schreibkick: Verliebt, verlobt, ermordet

Schreiben oder nicht schreiben – das ist doch die Frage! Grundsätzlich lautet die Antwort ja bei mir immer: SCHREIBEN! Aber in der letzten Zeit hatte ich eine echte Durststrecke. Aus meinem Schreib-Hirn ließ sich tatsächlich mal gar nichts herausquetschen. Und ich hatte schlicht auch keine Lust! Und JA das kommt auch immer mal wieder vor!

Leider bedeutet das dann auch, dass ich mir so einiges von meiner Disziplin und Willensstärke wieder zurück erkämpfen muss. Und genau an dieser Stelle in meinem aktuellen Schreib-Leben rückte der Schreibkick näher. Prima, dachte ich – mal eben locker eine Geschichte schreiben. Denkste! Die Idee war geboren, die Umsetzung hakte, hakte, hakte…

Auf sowas kann natürlich nur weitermachen, weitermachen, weitermachen folgen. Ich weiß ja aus Erfahrung, dass irgendwo doch die Begeisterung schlummert. Der Spaß am Schreiben. So, genug „geredet“! Die Geschichte ist geschrieben und der Spaß ist zurück!

Wer noch nicht weiß, was sich hinter den Schreibkicks verbirgt bzw. wieso und warum ich daran teilnehme, der möge sich doch gerne mal hier schlau lesen. Ansonsten – viel Spaß beim Lesen der folgenden Geschichte:

Folgenreiche Liebe

von Nicole Vergin

 

Liebe.

Ach ja… So ein wunderbares, besonderes Gefühl.

Ich weiß das, schließlich habe ich erst vor fünf Wochen, zwei Tagen, drei Stunden, elf Minuten und zweiundzwanzig Sekunden die Liebe meines Lebens gefunden. Dabei hatte ich bis zu diesem Moment gedacht, dass keine Frau mich, Balthasar Bodendecker, jemals beachten, geschweige denn lieben würde.

Aber Agathe… was soll ich sagen… ihr Herz flog mir augenblicklich zu, vereinte sich noch in der Luft mit meinem, um dann direkt auf Wolke 7 zu schweben.

 

Während ich hier liege, steigen vor meinen Augen die herrlichsten Bilder auf.

Agathe und ich Hand in Hand bei einem Spaziergang durch den Wald, während das Herbstlaub unter unseren Füßen raschelt.

Agathe und ich beim wöchentlichen Einkauf zwischen Tiefkühltruhe, Gemüsestand und Frischfleischabteilung, während die Schwaden von zu lang gebrutzeltem Sauerbraten durch den Supermarkt wabern.

Agathe und ich beim Abendmahl in der Kirche, wo sie sich an der Oblate verschluckt, weil ich – mit dem Einverständnis des Pastors – einen Verlobungsring darunter geklebt hatte.

Ein Bild treibt mir einen hölzernen Splitter in mein Herz, ich kann den Schmerz fühlen.

Agathe und ich. Schweigend am Küchentisch. Meine Augen um ein `Ja´ flehend, ihre ablehnend.

Der Schmerz wird heftiger. Ein Blick auf meinen Ringfinger. Über dem Verlobungsring ragt tatsächlich ein Splitter aus meiner blassen Haut. Er muss bei dem Versuch sich in der Enge umzudrehen eingedrungen sein.

 

Aber zurück zu meiner Geschichte.

Wo war ich stehengeblieben?

Ach ja – ich wollte es nicht wahrhaben. Dieses Nein. Angst. Ja, nackte Angst hatte aus ihr gesprochen. Da war ich mir sicher!

Und diese Angst, so schwor ich mir, würde ich ihr nehmen.

In den folgenden Tagen überschüttete ich Agathe mit Blumen. Brachte ihr Süßigkeiten. Lud sie zu ihrem Lieblingsitaliener ein.

„Du nimmst mir die Luft zum Atmen.“ So sagte sie es, aber auch aus diesen Worten sprach meiner Meinung nach Unsicherheit. Unsicherheit, die ich ihr nehmen wollte.

Es folgten weitere Geschenke und nebenbei auch Anrufe und kleine Herzchen Nachrichten per Handy. Das böse Wort `Stalker´ fiel. Aber so ist es nun einmal, wenn man auf den Pfaden der Liebe wandelt. Dort begegnen einem Irrungen und Wirrungen.

Und wie glücklich war ich, als Agathe endlich alle Scheu ablegte und zu mir `Ja´ sagte.

Auf meiner derzeit nackten Haut kann ich ihre Umarmung immer noch spüren. Eine Gänsehaut überzieht meine Brust, bewegt sich langsam über den Bauch, die Beine bis sie auch die Füße erobert. Mir ist kalt und das Atmen fällt mir schwerer. Ich muss mich beeilen. Zum Ende kommen.

 

Wir tranken auf unser künftiges, gemeinsames Leben. Der säuerliche Geschmack des trockenen Rotweins nistet noch immer in den Geschmacksknospen meiner Zunge. Ich kann die Gläser hören, wie sie leise beim Anstoßen klingeln.

Während ich im Glück badete, stand Agathe auf, griff nach der halbvollen Rotweinflasche und brachte diese auf meinem Kopf zu Fall.

Als die Schwärze aus meinen Gedanken wich, öffnete ich die Augen. Was ich sah, war die dunkle Seite der Liebe. Sorgfältig zusammen gezimmert aus den Weinkisten unserer Lieblingsmarke. Den Wein, der vor meiner Ohnmacht noch meine Kehle hinunter gelaufen war.

Wie akribisch musste sie dies geplant und durchgeführt haben. Latte für Latte aneinander genagelt und für meine Größe zurecht gesägt. Ein Ausdruck ihrer Liebe, wie ich meine, die sie unwissend in ihrem Herzen trägt.

 

Und nun liege ich hier. In meinem ganz persönlichen Sarg. Noch sehe ich durch die Ritzen ein wenig Licht hindurchscheinen. Aber auch dies wird wohl bald ein Ende haben, da Agathe wohl beim letzten Teil ihres Planes angelangt ist. Erdklumpen klatschen auf das Holz. Krümel davon rieseln in meine Augen. Ich schließe diese und verabschiede mich in Gedanken von meiner großen Liebe.

Wie war das noch? Die Hoffnung stirbt zuletzt? Ich schätze diesen Rang werde ich ihr gleich streitig machen.

 

Diesen Monat dabei:

Sabi-writing-whatever

Das Thema für den 01.01.2016 lautet: Familienglück an Weihnachten

 

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4 Gedanken zu „Schreibkick: Verliebt, verlobt, ermordet

    • Wem sagst Du das…
      Hey, das freut mich, dass sie Dir gefällt! Bisher haben alle gesagt (oder geschrieben), dass sie mit dem Ende nicht gerechnet hätten. Dabei dachte ich beim Schreiben immer wieder: Hoffentlich sind die Hinweise nicht zu offensichtlich, hoffentlich sind die Hinweise nicht zu offensichtlich… So kann Frau sich irren! 😀

      Gefällt 1 Person

  1. Hey Nicole,

    ja, die Sache mit der lieben Motivation… manchmal läuft sie davon und es braucht einiges an Überzeugungsarbeit, sie zurück zu locken.

    Deine Geschichte ist wunderbar zu lesen und mit DER Wendung hätte ich auch nicht gerechnet *Gänsehaut*. Gefällt mir gut!

    Liebe Grüße,
    Sabi

    Gefällt 1 Person

    • Hi Sabi,

      glücklicherweise stand mir ja Deine Muse zur Seite! Hat sie sich eigentlich inzwischen von dem Zuckerschock erholt? 😉 Danke nochmal fürs vorbei schicken!

      Ich staune, dass anscheinend Niemand mit dieser Wendung rechnet. Ich dachte echt, die Spuren dahin sind so DICK und FETT. Danke jedenfalls für Deine lieben Worte und ich freu mich RIESIG, dass sie Dir gefällt!

      Liebe Grüße zurück,
      Nicole

      Gefällt mir

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