Osterhasen-Aufruf: Das Ergebnis

Mit Eurer Unterstützung habe ich tatsächlich auch in diesem Jahr noch eine Ostergeschichte geschrieben! Nach meinem Aufruf im letzten Beitrag habt Ihr mir Wort-Geschenke gemacht und diese sollten dann in der Geschichte vorkommen. Ideen zu den einzelnen Wörtern waren rasch gefunden, aber mein Hirn weigerte sich anfangs beharrlich diese zu einer kompletten Geschichte zusammen zu setzen. Also war alles wie immer… ich hatte Spaß, habe geflucht wie ein Bierkutscher, wollte das Schreiben für immer und ewig aufgeben… Aber nun ist das alles – auch wie immer – längst vergessen und Ihr findet unten meine Ostergeschichte 2016.

Und auch Veronika hat sich auf die Schreib-Socken gemacht – ich freu mich riesig, dass sie spontan mitgemacht hat! – und aus Euren Wörtern sogar zwei tolle Geschichten gezaubert, die Ihr hier und hier findet.

Also viel Spaß beim Lesen der Geschichten!

Aufruhr im Osterhasenwald
von Nicole Vergin

So schnell ihn seine kleinen Hasenpfoten trugen, hoppelte er den Hügel hinauf. Die Morgensonne schien von einem mit weißen Wolken betupften blauen Himmel und auf den Wiesen blühten gelbe Osterglocken mit roten Tulpen um die Wette, was ein gutes Zeichen dafür war, dass der große Tag nahte.
DSC_0020Die Barthaare des hellbraunen Hasen zitterten vor Anstrengung und seine langen Ohren lagen dicht am Kopf an, als er die letzten Sprünge bis zur Spitze des Hügels machte. Dort hockte er sich einen Moment hin und atmete ein paar Mal tief durch.
Nun wurde es aber Zeit! Die Anderen warteten schon längst auf seine Nachricht. Er stellte sich auf die Hinterpfoten und hielt seine Vorderpfoten in die Luft. Ein Windhauch kam von der Stelle, wo sich die Sonne abends immer schlafen legte. Er ließ sich zurückfallen und hielt nun sein Näschen in die Luft und schnupperte. Ja, da war er – der Duft nach Frühling. Nach sprießenden Blättern und Blüten, nach grünem Gras, das sich aus der dunklen Erde hervor schiebt.

Blitzartig machte er auf den Hinterpfoten kehrt und hoppelte den Hügel vor Aufregung in Zickzacksprüngen hinunter. Am Fuß des Hügels floss ein schmaler Bach. Geschickt sprang er auf einen Stein in der Mitte des Quellklaren Wassers und landete gleich darauf sicher auf der anderen Seite.
Sein kleiner felliger Körper streckte sich und wurde immer flacher, die Ohren waren kaum noch zu sehen, seine Sprünge wurden schneller und weiter. In Windeseile hatte er sein Ziel, den Osterhasenwald erreicht.

„Es ist soweit! Kommt schnell!“
Auf sein Rufen kamen aus allen Richtungen andere Hasen angehoppelt.
„Bist Du Dir sicher?“ „Hast Du Osterglocken gesehen?“ „Und was war mit den Tulpen?“ „Und die Luft. Hat die Luft nach Frühling gerochen?“
„Wie soll Manni denn erzählen, wenn Ihr ihn alle so belagert?“ Barney, der älteste Hase im Osterhasenwald, drängte sich zwischen die wild hüpfende Hasenmeute und sorgte erst einmal für Ruhe. „Also Manni“, wandte er sich an den diesjährigen Osterbeauftragten, „hast Du alle Zeichen gefunden?“
Der kleine hellbraune Hase nickte. „Es gibt keinen Zweifel – Ostern steht vor der Tür, morgen ist es soweit!“
Herrje, was da für ein Jubel ausbrach. Fast ein ganzes Jahr hatten die kleinen und großen Osterhasen auf diesen Moment gewartet.
„Ihr habt es gehört Osterhasen – das Fest steht vor der Tür! Und wie Ihr wisst, haben wir noch jede Menge zu tun. Also, sputet Euch!“
Sie hüpften in alle Richtungen auseinander, nur Barney und Manni blieben zurück.
„Du hast Deine Sache sehr gut gemacht“, lobte Barney, „es war richtig, dass Du in diesem Jahr zum Osterbeauftragten gewählt worden bist. Aber Du weißt auch, dass noch jede Menge Arbeit auf Dich wartet. Also mach Dich auf den Sprung und schau, ob alle Vorbereitungen ihren Gang gehen, damit alles rechtzeitig fertig wird.“
Manni nickte eifrig. Er war sehr stolz gewesen, als ihn die anderen Hasen gewählt hatten. Das war eine große Ehre und er wollte sein Bestes geben. Mit diesem guten Vorsatz hüpfte er los in Richtung Osterhasenwerkstatt, um zu sehen, wie weit die Hasen dort mit dem Bemalen der Eier gekommen waren.

Ping, ping, pong, knacks, knirsch, drang es aus der Werkstatt an seine langen Ohren.
Manni vermutete das schlimmste, stieß die Tür auf und hoppelte in die Werkstatt hinein. Wie die Orgelpfeifen standen die fünf Werkstatthasen plötzlich nebeneinander. Anscheinend hatte einer von ihnen Schmiere gestanden.
„Habt Ihr schon wieder Eierpecken gespielt?“ Streng schaute er den jüngsten der Hasen, den kleinen weißen Mümmi an, dessen Barthaare auch sofort zu zittern begannen.
„I i ich ha ha hab nix… gemacht.“
Manni sah, wie einer der Hasen mit der Pfote zwei kaputte Eier über den Boden schob.
„Und was ist das da?“
„Nur runtergefallen.“ Treuherzig schaute Mümmi ihn an.
„Er hat gesagt, ich würde beim Eierpecken sowieso immer nur verlieren“, platzte Hopsi raus und zeigte mit der Pfote auf den großen schwarzen Waldemar, der schon als kleiner Hase angeblich nur Blödsinn gemacht haben soll.
„Du weißt doch nicht mal, mit welcher Seite man die Eier aneinanderschlägt“, brummte dieser mit seiner tiefen Hasenstimme.
„Und Du haust immer gleich so doll gegen das gegnerische Ei, dass gleich beide kaputtgehen“, wehrte sich der kleine braun-weiße Hopsi.
„Das kann doch alles nicht wahr sein“, Manni klopfte mit den Hinterbeinen auf den Boden, „nun ist hier aber Schluss! Ihr sollt die Eier bemalen und nicht damit spielen. Also, ran an die Pinsel und wenn ich…“

In diesem Moment kam ein weißer Hase mit schwarzen Ohren um die Ecke gesaust und knallte prompt in den diesjährigen Osterbeauftragten hinein.
„Oh, Entschuldigung Manni. Aber Du musst unbedingt, sofort, ganz schnell…“, er japste nach Luft, „der Berthold hat wieder was erfunden!“
Ohne weiter nachzufragen, machte Manni auf seinen Hinterpfoten kehrt und sprang zur Tür hinaus, vorbei an der Osterbäckerei aus der bereits der Geruch der traditionellen Osterpinze herauswehte und ihm für einen Moment den leckeren Geschmack des Hefegebäcks auf die Zunge legte. Aber für eine Kostprobe war jetzt keine Zeit, denn wenn Berthold der selbst ernannte Erfinder des Osterhasenwaldes in seinem Labor tätig wurde, dann bedeutete das selten etwas Gutes.

Einen Eichenslalom und ein Sprint über eine Lichtung später konnte er das Hasenlabor bereits von weitem sehen.
„Es qualmt“, rief hinter ihm eine Stimme und als er kurz über die Schulter zurückblickte erkannte er, dass sich ihm eine ansehnliche Schar Hasen angeschlossen hatte. Nun gut, vielleicht könnte er sie sogar als Helfer gebrauchen.
Als Berthold das letzte Mal mit einer Erfindung baden gegangen war, mussten sie im Umkreis von mehreren Metern die Blätter der Büsche einzeln abputzen. Und das alles nur, weil der Herr Erfinder eine Kompost Beregnungsanlage hatte basteln wollen. Ihm graute davor, was es dieses Mal sein könnte.
Knallpengbumm!
Schwaden kamen ihnen aus den offenen Fenstern des Labors entgegen.
Manni schnüffelte. Es roch süßlich.
„Holsenren“, hörte er drinnen eine trällernde Stimme. Und dann noch einmal: „Hopphasoh“.
Die Tür flog mit einem Knall auf und Luna Löffel, eine ganz entzückende Hasendame kam herausgehüpft. „Hopp… hopp.“
Hinter ihr erschien Berthold der Erfinder mit einem breiten Grinsen auf seinem Hasengesicht. Luna drehte sich zu ihm um und strich mit der Pfote über seine langen Ohren.
„Du hass sooooo schöne Hoppel…“, ihre Zunge stolperte erneut über das Wort, „Hoppelhasenohren.“ Zufrieden wollte sie ihn in die Seite knuffen, verfehlte ihn jedoch und plumpste neben ihm auf den Boden.
Mit Bertholds Unterstützung half Manni der Hasendame wieder auf die Pfoten.
„Berthold, was hast Du mit ihr gemacht?“
„Och, sie wollte unbedingt mein neuestes Experiment testen: Ostereier, die nach dem Essen eine Lebensfreudeexplosion auslösen.“
„Lebensfreudeexplosion? Das darf doch alles nicht wahr sein! Anstatt den anderen bei der Vorbereitung für Ostern zu helfen, bastelst Du hier wieder mit Deinen Kräutern herum. Sieh zu, dass Du Luna heile nach Hause bringst und sorge dafür, dass sie an Ostern wieder fit ist!“

Während Bernhard die hin und her schwankende Luna Löffel nach Hause begleitete, kam Emma, eine etwas behäbige dunkelbraune Hasendame mit weißen Pfoten laut rufend den kleinen Pfad, an dem das Erfinderlabor lag, entlang gehoppelt.
„Manni, Manni!“
„Immer langsam, Emma. Ich bin ja hier!“
„Es ist furchtbar.“
Manni hüpfte Emma entgegen. „Ganz ruhig. Was ist denn passiert?“
„Die Kleinen“, japste sie, als sie endlich vor dem Osterbeauftragten hockte, „die Kleinen. Sie sind alle verschwunden!“
Mit Tränen in ihren braunen Augen, erzählte die Hasendame, dass die Jüngsten des Osterhasenwaldes verschwunden waren. Eben hätten sie noch friedlich beim Eier bemalen geholfen und dann hätte sie nur kurz neue Farben geholt und schon hätten sich alle förmlich in Luft aufgelöst.
Auch das noch, schoss es Manni durch den Kopf. Als hätte er nicht schon genug Arbeit. Nun musste er auch noch Hasenkinder suchen. Rasch trommelte er ein paar Hasen zusammen, die mit ihren eigenen Ostervorbereitungen schon so gut wie fertig waren und dann durchkämmten sie gemeinsam den Osterhasenwald. Sie schauten unter den Büschen nach und befragten die Vögel, die bereitwillig von oben nach den Ausreißern Ausschau hielten.

Endlich, als sie schon dachten, dass sich die kleinen Racker einfach zu gut versteckt hätten, hörten sie Stimmen, denen sie folgten.
„Rundherum und immer wieder, singen wir die Osterlieder. Machen hier den Eiertanz, hoffen, dass das Ei bleibt ganz.“
Manni, Emma und die anderen Hasen glaubten ihren Augen kaum zu trauen. Auf einer Lichtung hüpften und sprangen die Hasenkinder im Kreis und jedes von ihnen balancierte dabei ein Ei zwischen den langen Ohren.
„Was macht Ihr denn da?“, rief Emma halb lachend und halb weinend und stürzte sich auf die Kleinen, die erschrocken zusammen fuhren. Wobei ein Teil der Eier aufgefangen werden konnten, ein Teil jedoch als Rührei auf dem Boden endete.
Rudi, der stets der Erste war, wenn es darum ging Blödsinn zu machen, rief: „Wir wollten Euch morgen mit einem selbst ausgedachten Eiertanz überraschen!“
Alle anderen nickten dazu und da konnte selbst Manni nicht mehr böse auf die Hasenkinder sein. Außerdem war er viel zu erleichtert, dass es allen gut ging.

Als am nächsten Morgen, die Sonne den Ostertag begrüßte, waren tatsächlich alle Vorbereitungen abgeschlossen und alle bunt bemalten Ostereier versteckt. Endlich konnte sich auch Manni eine Pause gönnen und so hockte er sich zu den anderen Hasen, die bereits das Osterfest zu feiern begonnen hatten und schaute dem Eiertanz der Hasenkinder zu.
Und in diesem Moment wurde ihm eines klar – Ehre hin oder her – er würde sich nie wieder zum Osterbeauftragten wählen lassen.

 

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8 Gedanken zu „Osterhasen-Aufruf: Das Ergebnis

  1. Liebe Nicole, diese Ostergeschichte ist wundervoll toll und magisch. Gefällt mir jetzt gleich viel besser als meine. Ich bin selber zu Manni geworden und ich werde mich jetzt auch niemals zum Osterbeauftragten wählen lassen. 😉
    Danke und liebe Grüße, Veronika

    Gefällt 1 Person

    • Danke liebe Veronika!! Tja, da werden die Osterhasen es künftig wohl schwer haben einen neuen Osterbeauftragten zu finden… und sie werden sich vor Kindern in Acht nehmen, die Max und Moritz heißen! 😉

      Liebe Grüße zurück
      Nicole

      Gefällt mir

  2. Ich hätte übrigens gern so ein Osterei, das eine Lebensfreudeexplosion auslöst. Oder denkst du, Hase Berthold verrät mir die Kräuter und das Rezept, mit dem er herumexperimentiert? Und ist das dann legal?
    LG, Veronika

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Schreib-Alltag: Ciao März und Ab ins Camp | Nicole Vergin

  4. Pingback: Frohe Ostern! | vro jongliert

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