Lese-Zeit: Die Winterprinzessin

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Durch Zufall ist mir ein Buch in die Hände geraten, in dem die Brüder Grimm eine Hauptrolle spielen. Die Winterprinzessin von Kai Meyer entdeckte ich in einem Bücherschrank und da zu diesem Zeitpunkt der Eindruck seiner Lesung im Rahmen der Buchmesse noch frisch war, beschloss ich es mitzunehmen.

Es ist länger her, dass ich seine Geschichten las. Frostfeuer hat mir zum Beispiel damals gut gefallen, ebenso Die Alchemistin und die Wellenläufer Trilogie. Aber wie es oft so ist, man liest einige Romane eines Autors und irgendwann geht man dann wieder zu anderen über. Schließlich gibt es so unglaublich viele Bücher zur Auswahl!

Eigentlich wollte ich nach der Lesung ja erst einmal Die Seiten der Welt von ihm lesen. Aber dann entschloss ich mich doch, mir dieses Vergnügen für den Urlaub zu lassen. Also kam Die Winterprinzessin an die Reihe.

Herrje, habe ich mich da durch gekämpft. Dabei ist die Idee durchaus interessant, es ist gut geschrieben… aber trotzdem hat die Geschichte mich nicht in ihren Bann gezogen. Vielleicht liegt es zum Teil daran, dass ich mich für eine Lesung mal eine Zeitlang mit den Brüdern Grimm beschäftigt habe und ihre Darstellung daher nicht mochte.

Die Geschichte handelt von einem Auftrag, den Wilhelm Grimm erteilt bekommt. Gemeinsam mit seinem Bruder Jacob reist er daraufhin nach Karlsruhe, um mit seinem Auftraggeber zu sprechen. Auf dem Weg dorthin lernen sie eine indische Prinzessin kennen, die ihnen von Anfang an zwar äußerst reizvoll aber auch undurchsichtig erscheint.

In Karlsruhe überschlagen sich die Ereignisse. Nichts ist so wie es anfangs den Anschein hatte und die Brüder müssen das eine und andere Mal um ihr Leben fürchten. Kein Wunder, dass sie versuchen wollen heraus zu finden, wer hinter all diese mysteriösen Ereignissen steckt. Und dass Beide ein Auge auf die Prinzessin geworfen haben, macht die Situation nicht gerade leichter. Dabei steht nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft des Napoleonischen Weltreichs auf dem Spiel.

Es gibt übrigens noch einen weiteren Roman von Kai Meyer aus der deutschen Klassik, die Vorgeschichte zu diesem: Die Geisterseher. Wer sich also dafür interessiert, sollte diesen vielleicht vorab lesen.

 

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Lese-Zeit: Ehebrecher und andere Unschuldslämmer

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Mittlerweile habe ich eine beachtliche Sammlung von Büchern der Autorin Kerstin Gier – sowohl Jugendbücher als auch Romane. Und ich muss sagen, ich liebe es nach wie vor, wie witzig-ironisch-sarkastisch-natürlich sie schreibt. Natürlich gibt es Bücher, deren Geschichten ich mehr und einige, die ich weniger liebe. Die Edelstein-Trilogie ist nach wie vor mein absoluter Favorit!

Nicht so sehr hat mich dagegen Ehebrecher und andere Unschuldslämmer begeistert. Klar, das hat natürlich mit der Jugendbuchreihe logischerweise nichts gemein. Aber eben auch von ihren Romanen ist das meiner Meinung nach eher eine schwächere Story.

Warum ich sie trotzdem gelesen habe? Naja, es ist eben Kerstin Gier… witzig-ironisch-sarkastisch-natürlich…

Worum es geht?

Studentin Louisa ist schwanger und als sie eben die alles umstürzende Nachricht dem Kindsvater mitteilen will, bekommt sie einen Anruf: ihr Vater ist gestorben. Anstatt sich nun selber verpäppeln zu lassen, muss sie sich in ihrem Heimatkaff um ihre Mutter kümmern. Und das ist weiß Gott nötig, flirtet diese doch auf Teufel komm raus mit dem neuen bildhübschen Pastor. Der sich ganz nebenbei übrigens auch noch für andere Schäfchen interessiert…

Ein großes Chaos bricht über die ländliche Gegend ein und Louisa muss sehen, wie sie mit all dem und dem größer werdenden Bauch klar kommt.

Eine Geschichte zum zwischendurch-weg-lesen, deren Inhalt zumindest bei mir keine Spuren hinterlassen hat.

Denn manchmal kommt es anders…

Wer kennt das nicht? Man macht Pläne und dann kommt das Leben dazwischen und setzt sich an die erste Stelle.

DSC_0026Eine Situation in meiner Familie macht es im Moment nötig, dass ich alle Schreib-Projekte auf Eis lege und die nächsten Wochen (Monate…?) mich darum kümmere. Und ich bin dankbar, dass ich mir diese Zeit nehmen kann.

Da ich einigen Vorrat an Lese-Zeit Beiträgen habe, werde ich die kommenden Wochen jeweils einen davon einstellen. Ansonsten wird hier fürs Erste Funkstille herrschen.

Ich wünsche Euch für die kommende Zeit von Herzen alles Gute und freue mich darauf Euch danach wieder zu lesen!

Nicole

Schreibkick: Eis – Teil 8

Teil 7 findet Ihr hier!

So, der letzte Teil ist geschrieben. Klar, hatte ich inzwischen ein Bild vor Augen was da passieren sollte. Aber wie ich dahinschreiben sollte war mir komplett unklar. Und vor allem in 10 Minuten. Um es kurz zu machen: ich habe 14 Minuten gebraucht und das diese Geschichte von Anfang bis Ende weder überarbeitet noch durchdacht ist, wisst Ihr ja.

Aber mich haben diese acht Tage wirklich fasziniert. Es hat mir Spaß gemacht, diese mir selbst gestellte Herausforderung anzunehmen und bis auf den heutigen Tag waren es tatsächlich immer nur 10 Minuten.

Ja, dann bleibt mir jetzt nichts mehr, als mich dafür zu bedanken, dass so Viele meinem Experiment lesend gefolgt sind und Euch viel Spaß beim Lesen der letzten Folge zu wünschen! Und vielleicht gibt es ja irgendwann ein Wiedersehen mit Oda und Haakon!

Teil 8

„Egal“, murmelte sie vor sich hin und erschrak vor diesem kleinen Wort. Egal? Wann war ihr jemals etwas einfach egal gewesen? Etwas Kaltes schien in ihr zu wachsen. Etwas, dass ihren Herzschlag verlangsamte und ihre Gefühle aufsog wie ein gieriger Schwamm. Verlor sie den Verstand?
Hilfesuchend sah sie zu Haakon, der aufrecht und mit unbeteiligter Miene neben ihr stand.

„Was passiert mit mir?“, flüsterte sie.
„Keine Sorge“, seine Stimme klang genauso ruhig und rational wie immer. Er schien zu warten. „Es ist bald vorbei.“
„Vorbei?“ Der erwartete Schrecken über dieses Wort blieb aus. „Willst Du mich töten.“ Ihre Stimme klang nun genauso sachlich und distanziert wie sein.
„Nein. Ich verschaffe Dir ein besseres Leben.“

Die Kälte kroch weiter durch ihren Körper, alles fühlte sich nun taub und seltsam leblos an. War sie etwa schon tot? Aber Haakon sprach von Leben.
„Gefühle sind das gefährliche am Menschen. Ohne sie ist man besser dran.“
Sie wollte sich gegen diese Worte wehren, aber es schien auf einmal unnötig. Hatte er nicht sogar Recht?
„Du wirst wie ich sein. Unantastbar. Du wirst Dir nehmen was und wen Du willst. Und Verluste wirst Du nicht mehr spüren, sondern über sie hinweg gehen und weitermachen.“
Ein kleiner Rest Wärme in ihr, vielleicht war es ihr Herz was noch einmal schlug, versuchte sich zu wehren. Aber dann war auch dieses Fitzelchen weg und in ihrer Brust herrschte Kälte.
„Es ist vollbracht. Ich sehe es in Deinen dunkelblau gewordenen Augen.“
„Was ist vollbracht?“
„Komm.“ Dieses Mal musste Haakon sie nicht einmal mehr an die Hand nehmen. Sie durchquerten die Wohnküche und er öffnete einen Raum, der einen Türgriff wie der eines Kühlschranks oder einer Kühlkammer hatte.
„Schau.“
Oda trat hinein und wurde von mehrstimmigem rhythmischem Klopfen begrüßt. Vor ihr in einem Regal lagerten überdimensionale Eiswürfel und in ihnen befanden sich blutrote Herzen.
„Es ist besser so“, hörte sie hinter sich Haakons Stimme.
Oda nickte und verließ ohne ein Gefühl des Bedauerns die Kühlkammer und ihr einsam schlagendes Herz.

ENDE

Schreibkick: Eis – Teil 7

Teil 6 findet Ihr hier!

Der vorletzte Teil? Tatsächlich! Und dabei wüsste ich noch soviel von Oda und Haakon zu erzählen. Aber im Gegensatz zu vielen Geschichten muss ich mich hinsichtlich der zeitlichen Einschränkung hier kurz fassen. Ob ich diese kleine Story morgen tatsächlich innerhalb von 10 Minuten zu einem Ende bringe? Ehrlich gesagt, ich weiß es immer noch nicht und bin selber total gespannt.

Aber hier kommt nun erst einmal

Teil 7

Sie horchte in sich hinein. Irgendetwas war anders. Wiederholt hatte sie das Gefühl, ihr Herz würde langsamer schlagen. Für einen Moment legte sie die rechte Hand flache auf die Stelle unter ihr Brust, da wo es sonst klopfte und pochte. Schlug ihr Herz in Zeitlupe? Ihre Handinnenfläche, die nach dem Herzschlag tastete wurde kälter und kribbelte. Erschrocken zog Oda die Hand zurück und betrachtete.
„Komm reingehen“, riss Haakons Stimme sie aus ihren Gedanken.

Sie sah ihm nach, während er ausstieg, mit einer fließenden Bewegung die Autotür schloss und dann mit großen Schritten um den Wagen herum ging und ihr öffnete. Als sie nach seiner hilfreich ausgestreckten Hand griff, wunderte es sie nicht mehr, dass ein weiterer Kälteblitz sie traf. Auch die Bewegungen ihres restlichen Körpers schienen ihr nun verlangsamt.

Haakon ließ ihre Hand nicht los und so gingen sie nebeneinander auf die schwarz lackierte Haustür zu, die er rasch öffnete, um sie dann wortlos an sich vorbeigehen zu lassen.
Lisa hatte Recht, schoss es Oda plötzlich durch den Kopf, er ist wirklich merkwürdig. Sie machte eine halbe Drehung und wollte wieder in Richtung Haustür gehen, aber als ob er es geahnt hatte, drückte er ihre Hand fester.

„Komm“, war alles was er sagte und sie folgte ihm wie ein Hündchen seinem Herrn. Sie gingen durch den breiten weiß gefliesten Flur in eine große schwarz-weiß eingerichtete Wohnküche.
Ich spüre gar keine Angst, dachte sie und wusste bei diesem Gedanken, dass sie welche haben müsste. Denn dieser wortkarge Typ, der sie nun wie eine Puppe auf einen hohen schwarzen Barhocker schob, war zwar immer noch atemberaubend attraktiv aber auch unheimlich. Und er wirkte kalt. Gefühlskalt. Hatte sie überhaupt schon mal ein Lächeln auf seinen markanten Zügen gesehen? Sie konnte sich nicht erinnern.

Den 8. und letzten Teil findet Ihr hier!

 

 

Schreibkick: Eis – Teil 6

Teil 5 findet Ihr hier!

Ein Typ, der wenig redet und sich mysteriös und unnahbar gibt. Andererseits aber auch den Ton angeben will. Ist es wirklich das, was Frauen wollen? Tja, Oda anscheinend schon. Beim Schreiben merke ich, dass ich keine Oda sein möchte. Aber trotzdem fasziniert sie mich. Wie kann es sein, dass eine Frau ihre ansonsten besonnene und zurückhaltende Art einfach für einen Typen über Bord wirft? Vielleicht sollte ich mich irgendwann näher mit Oda befassen…

Aber heute gibt es einfach erst mal

Teil 6

Als Haakon den Motor seines schwarzen Audi anließ, erwachte Oda aus ihrer Trance, die während des Tanzens erneut nach ihr gegriffen hatte. Sie saß im Auto eines Typen, den sie nicht kannte. Allein diese Situation hätte normalerweise nicht nur Herzklopfen, sondern Herzrasen bei ihr hervorgerufen. Aber je länger sie heute mit ihm getanzt hatte, desto ruhiger war ihr Herz geworden. Obwohl die Sehnsucht weiter an ihr zerrte. Sie verstand die Welt nicht mehr.

„Kannst Du vielleicht die Heizung anmachen?“ Oda zitterte trotz des warmen Sommerabends am ganzen Leib.
Wortlos stellte Haakon die Heizung an, während er geschickt einhändig das Auto durch die Nachtdunklen Straßen Oslos lenkte. Ohne, dass er es ihr gesagt hatte, war ihr klar, dass er sie mit zu sich nach Hause nahm. Obwohl dieser attraktive Mann kaum ein Wort sprach, meinte sie alles zu verstehen, alles zu wissen. Die leise warnende Stimme in ihrem Inneren überhörte sie geflissentlich.

Sie schloss die Augen und ließ sich einfach von ihm durch die Nacht fahren. Hin und wieder zog sie träge die Lider hoch, um einen kurzen Blick auf die Umgebung zu werfen, in der sie sich nun befanden. Elegante und vor allem teuer aussehende Häuser, die trotz der nächtlichen Stunden oft hell erleuchtet waren, ragten an den Straßen auf, an denen sie nun entlangfuhren. Eine Allee von Linden säumte die Straße und nach einer Weile machte Haakon vor einem der Häuser Halt.
Odas Zittern wurde heftiger und sie spürte eine wachsende Müdigkeit, die dafür sorgte, dass sie alle Energie verlor.

Teil 7 findet Ihr hier!

Schreibkick: Eis – Teil 5

Teil 4 findet Ihr hier!

So langsam frage ich mich wirklich, wo das Ganze mit Oda und Haakon hinführt. Noch drei weitere Teile und dann? Schauen wir mal! Auf jeden Fall ist da irgendetwas unerklärliches an diesem attraktiven Kerl und ich bin gespannt, ob Oda sich trotz der aufkommenden Kälte nicht doch noch an Haakon die Finger verbrennen wird.

Aber lest selber in

Teil 5:

…, als eine Hand sich mit leichtem Druck auf ihrer Schulter niederließ.
„Komm tanzen!“ Haakons Stimme schickte Blitze durch ihren Körper und sie fühlte sich willenlos, als sie wortlos aufstand und ihm auf die Tanzfläche folgte. Wie am Vortag tanzten sie, bewegten sich mal getrennt und mal gemeinsam, aber stets meinte sie Haakons tiefdunkelblaue Augen auf sich zu spüren.

Im Gegensatz zum Vorabend gelang es Oda jedoch nicht, sich komplett fallen zu lassen. Sie spürte, wie sie sich mehr und mehr zu ihm hingezogen fühlte und sie war diesmal nicht bereit, ihn einfach wieder gehen zu lassen. Aber wie sollte sie ihn davon abhalten?
Als um Mitternacht ein langsameres Stück gespielt wurde, zog er sie mit Nachdruck in seine Arme und hielt die Hände hinter ihrem Rücken fest verschränkt. Kein Blatt Papier würde mehr zwischen sie passen und trotzdem versuchte Oda ihm noch näher zu kommen.
Eiskalte Schauer liefen über ihren Rücken und die feinen Nackenhärchen stellten sich auf. Sie hatte ihre langen Haare für diesen Abend hochgesteckt, damit das dunkelblaue schmal geschnittene Kleid, dass sie sich extra am Nachmittag gekauft hatte, noch besser zur Geltung kam. Ein kalter Windhauch schien immer wieder an ihr vorbei zu ziehen, obwohl weit und breit keine offene Tür, kein Fenster zu sehen war. Noch nie hatte sie es erlebt, dass sie in dieser Disko fror. Im Gegenteil, meist war sie verschwitzt und nach frischer Luft lechzend, in den Pausen hinausgegangen. Aber sowohl am vergangenen Abend wie auch an diesem war es anders.

Sie blickte zu Haakon auf, der ihr eine vorwitzige Locke aus dem Gesicht pustete. Ein Lächeln suchte sie vergeblich. Er schaute nicht unfreundlich, aber irgendwie distanziert, so als sei er gar nicht wirklich hier, bei ihr. Und trotzdem ließ die Anziehungskraft zwischen ihnen nicht nach.
Plötzlich blieb er stehen: „Komm mit!“

Teil 6 findet Ihr hier!