Schreibkick: Zufall

Wer näheres über die Schreibkicks erfahren möchte, kann sich hier schlau lesen!

So, in diesem Monat gibt es mal wieder einen Schreibkick von mir. Bis heute Morgen wusste ich gar nicht, dass ich mitmachen würde. Und dann kam der Zufall… oder?? Viel Spaß beim Lesen meines autobiografischen Textes!

Zufall
von Nicole Vergin

Zufall.
„Ein Ereignis, das so nicht geplant oder erwartet war.“ Das ist es was Google mir an erster Stelle ausspuckt.
Mein Onkel besaß früher Pferde. Hauptsächlich große, schwere Kaltblüter. Arbeitstiere, die im Wald Holz rückten. Hin und wieder gingen sie auch vor der Kutsche. Welch ein Ereignis, wenn wir ihn besuchten und ich die Nüstern dieser wunderbaren Tiere streicheln, ihnen Möhren und Äpfel geben und auch hin und wieder eine Runde über den Hof auf ihnen reiten durfte. Ich erinnere mich an ein Foto auf dem ich als 3-jähriger Knirps über das ganze unter einem Kopftuch strahlende Gesicht auf dem breiten Pferderücken beinahe einen Spagat machte.
Die Liebe zu diesen Tieren war also früh geboren. Wen wundert es da, dass ich unbedingt reiten lernen wollte. Wieder und wieder wollte ich auf Pferderücken klettern und nicht nur die wenigen Male, die wir den Onkel besuchten. Ich wollte all das lernen, was das Reiten und die Pflege dieser wunderbaren Tiere ausmachte.
Aber damals hieß es noch, dass es die Gesundheit beeinträchtigen würde, wenn man vor dem Erreichen des 10. Lebensjahres Reitunterricht nehmen würde. Ja, lacht ruhig darüber. Meine Mutter war damals fest davon überzeugt und da sie das Beste für mich wollte, hieß es: „Warte bis du 10 Jahre alt bist!“
Immerhin durfte ich schon in der Zeit davor bei einem Bekannten meiner Eltern hin und wieder auf seinen Ponys herum rutschen. Wie das zusammenpasste wissen sicherlich nicht einmal die Götter. Aber für mich waren diese Ausnahmestunden definitiv ein Geschenk des Himmels.
Und dann, mit 10 Jahren fuhren wir endlich in den Reitstall und ich wurde zu meinen ersten Reitstunden angemeldet. Der Geruch der Ponys, das striegeln, Hufe auskratzen, sie im Sommer draußen grasen lassen. Und ja, natürlich auch das reiten. Anfangs die holperigen Versuche im Abteilungsreiten, irgendwann dann das ersehnte Dressurreiten in den Stunden der Fortgeschrittenen Reiter, noch später die erste Springstunde. Ich erinnere mich bis heute daran, wie Monty, ein kleiner pfiffiger Brauner mich elegant allein über das Hindernis fliegen ließ. Was deutlich machte, wie viel ich noch zu lernen hatte.
Mit 13 bekam ich tatsächlich ein Pony. Django. Mein Leben war perfekt. Wenn ich gedurft hätte, hätte ich neben den Tagen auch die Nächte im Stall, in seiner Box verbracht. In den Ferien stand ich morgens ab 6 Uhr bereits neben der Pferdepflegerin, mistete Boxen aus, striegelte, ritt, probierte beim Grasen lassen, ob Grashalme und Kleeblätter wirklich schmecken und teilte mir auch mal die Leckerlis mit meinem Pony.
Später hatte ich dann auch Großpferde. Trantalus. Amonith. Coraggio. Pferde waren lange Zeit ein Teil meines Lebens. Ohne sie? Undenkbar. Aber dann kam unser Sohn in unser Leben und bereicherte es auf eine uns unbekannte, wundervolle Weise. Eine Zeitlang versuchte ich noch alles unter einen Hut zu bekommen. Aber ich stellte – zu meinem Erschrecken und zu meiner Verwunderung – fest, dass ich innerlich einen Schritt in eine andere Richtung gemacht, einen neuen Weg eingeschlagen hatte. Und auf diesem Weg war für lange Zeit kein Pferd in Sicht, so sehr ich auch Ausschau hielt.
Wie ich es schaffte, meinen geliebten Coraggio loszulassen? Er, der nicht einfach ein Pferd, sondern ein Familienmitglied war? Er blieb in der Familie, wenn auch nicht in meinen Händen, dann aber in den allerbesten die ich mir nur wünschen konnte. Und an einem kalten Februar Tag im vergangenen Jahr haben wir ihn dann gemeinsam an den Anfang der Regenbogenbrücke begleitet und tragen ihn seit dem in unseren Herzen.
In all den Jahren dazwischen gab es den Versuch einer Reitbeteiligung. Ansonsten sah ich Pferde meist nur noch von weitem und ich dachte, ich hätte endgültig dieses Lebenskapitel abgeschlossen. Aber das Leben hält doch immer noch etwas parat.
Seit dem vergangenen Jahr darf ich mich um ein zauberhaftes Schimmelpony kümmern, der bereits in einem Alter ist, in dem er seinen Lebensabend genießt. Er wird von mir gnadenlos bekuschelt, verwöhnt. Bekommt Leckerchen zugesteckt, wird geputzt und wir erkunden gemeinsam den Hof auf dem er lebt. Er hat die Pferdeecke meines Herzens, die Tür wieder weit aufgestoßen und ich habe ihm dort schon eine schöne Ecke für den Rest meines Lebens eingerichtet.
Den Gedanken wieder zu reiten, schob ich jedoch weit von mir. Mir genügte der liebevolle Kontakt, das Vertrauen das wir zueinander nach und nach aufgebaut haben.
Aber das Leben hatte mit mir als Reiterin noch nicht abgeschlossen. Und so kam es, dass vor einiger Zeit aus dem Familienkreis die Frage an mich heran getragen wurde, ob ich nicht doch wieder in den Sattel steigen wolle. Eine Pferdedame sei zwecks besonders schöner Umstände derzeit ohne Training. Ich könne jedoch in Ruhe darüber nachdenken.
Das brauchte ich nicht! Ja! Ja! Ja!, war und ist die Antwort. Beinahe umgehend zogen eine Reithose, Reitstiefel, verschiedene Sorten Leckerlis, Möhren und Äpfel in meinem Haushalt ein. Und es war von meiner Seite aus Liebe auf den ersten Blick. Ebenso wie bei dem kleinen Schimmel, dem selbstverständlich nach wie vor ebenso mein Herz gehört. Denn dort ist Platz für zwei Pferdenasen. Und glaubt mir, wenn ich mit diesen Beiden Zeit verbringe, dann fühle ich mich wie im 7. Reiter- und Pferdehimmel.
Und ob das nun Ereignisse waren, die „so nicht geplant und erwartet waren“ und somit als Zufälle gelten oder ob es doch vielleicht Schicksal – laut Google „Eine höhere Macht, die das Leben beeinflusst“ – ist, das ist mir ehrlich gesagt egal. Ich genieße!

Diesen Monat waren dabei:

Sabi

Veronika

Eva

Surf your Inspiration

Das Thema für den 01.11.16 lautet: Höhe

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5 Gedanken zu „Schreibkick: Zufall

  1. Oh wow, was für schöne Erinnerungen, mit denen ich sehr viel anfangen kann, da ich selber lange leidenschaftlich gerne geritten bin. ❤ ❤ Die Liebe zu diesen Tieren lässt einen einfach nicht los, egal, wie viel man sich zu einer bestimmten Zeit tatsächlich mit ihnen beschäftigt.

    Liebe Grüße,
    Sabi ❤

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  2. Liebe Nicole,

    da hat sie dich also wieder gepackt, die Liebe zu den Pferden. Das klingt einfach super. So schön.
    Auch wenn ich mit Pferden nicht viel anfangen kann. Die sind mir zu groß. Ich bestaune sie lieber aus der Ferne, je mächtiger, umso besser. Mein erster Pferdekontakt war ein wilder und schmerzhafter und auch schon wieder letzter.

    LG, Veronika

    Gefällt 1 Person

    • Ja, liebe Veronika, und zwar mit Haut und Haaren! ❤ Und Du kannst mir glauben, dass ich heute auch wesentlich vorsichtiger im Umgang bin als früher. Da hielt ich mich ja noch für unverwundbar… Und die Lockerheit in der Bewegung muss ich mir auch erst wieder erarbeiten. Immerhin habe ich es schon mal AUF das Pferd geschafft! 😉
      Tut mir leid, dass Dein erster und letzter Pferdekontakt negativ war… kein Wunder, dass Du ihnen lieber fern bleibst.
      Liebe Grüße zurück ❤
      Nicole

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  3. Pingback: Schreibkick: Zufall | Evas Geschichten

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