Das 25. Türchen…

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25. Dezember

Ein 25. Türchen beim Adventskalender?

JA, denn dieser Kalender ist für mich – wie anfangs erwähnt – etwas Besonderes, ein Herzensprojekt. Und daher habe ich auch beschlossen, dass er ein Türchen mehr haben soll!

Warum? Ganz einfach: ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal von ganzem Herzen DSC_0039bei all denen bedanken, die mich spontan bei diesem Projekt mit ihren wundervollen Beiträgen unterstützt haben!

DANKE – Holger und Julian Vergin, Frau Vro, Solveigh Bartholomae, Julika Szabó, Birgit Gantze, Beate Ney-Janßen. Ihr seid ganz wunderbar und ich bin so froh, Euch begegnet zu sein!

Und ich möchte mich natürlich auch bei all denen bedanken, die sich an den letzten 24 Tagen die Zeit genommen haben, all die Beiträge zu lesen. Ich freue mich, dass so Viele daran Spaß hatten!

Euch Allen: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in ein gesundes Neues Jahr!

Das 24. Türchen…

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24. Dezember

Solltet Ihr Sabine noch nicht kennen, findet Ihr hier den 1. Teil der Geschichte!

Lichter in der Nacht – 4. Teil
von Nicole Vergin

… des Lebens.

Als Sabine am nächsten Morgen erwachte, stellte sie erstaunt fest, dass es bereits 9.00 Uhr war und sie zehn Stunden durchgeschlafen hatte. Sie konnte sich nicht erinnern, wann das das letzte Mal der Fall gewesen war. Voller Tatendrang sprang sie aus dem Bett, warf sich nach einer Katzenwäsche schnell in Jeans und Pullover, und flitzte zum Bäcker. Heute wollte sie sich Brötchen holen, ganz in Ruhe an ihrem Esstisch sitzen, und sich alle möglichen Frühstücksleckereien gönnen. Nachdem Sabine zwei Brötchen und ein 4-Minuten-Ei gegessen hatte, räumte sie den Tisch ab und fegte, entgegen ihrer sonstigen Gründlichkeit, die Krümel achtlos beiseite.
Kurz darauf machte sie sich auf den Weg in die nächste Stadt, wo sie sich voller Begeisterung durch sämtliche Geschäfte wühlte, die Weihnachtsartikel führten. Stolz schleppte sie gegen Mittag vier Tüten zu ihrem Auto, fuhr nach Hause und begann sofort mit der Dekoration. Schließlich würde es nicht mehr lange dauern, bis Herr Krumpholz kam, und bis dahin wollte sie fertig sein.

Pünktlich um 15.00 Uhr läutete die Türglocke. Sabine warf einen zufriedenen Blick auf ihr weihnachtlich geschmücktes Wohnzimmer und den hübsch gedeckten Esstisch. Sicher würde es ein schöner Nachmittag werden.
„Hallo Herr Krumpholz“, begrüßte sie ihren Nachbarn fröhlich. „Wie schön, dass sie da sind. Kommen sie doch bitte herein.“
„Einen schönen Tag, Frau Marquardt“, entgegnete Herr Krumpholz. „Vielen Dank für ihre Einladung. Ich habe ihnen ein kleines Gastgeschenk mitgebracht. Hoffentlich mögen sie es!“ Freundlich lächelte er sie an, und der Blick aus seinen gütigen Augen gab ihr einmal mehr das Gefühl, ihm auf irgendeine Art nahe zu sein.
„Oh, vielen Dank, Herr Krumpholz.“ Sabine freute sich über die Gabe und nestelte auf dem Weg ins Wohnzimmer bereits neugierig an der Schleife. In einer kleinen Schachtel, die mit silbernen Sternen verziert war, lag eine kleine gläserne Engelsfigur. Ein Namenskärtchen lag unter dem Engel. Als Sabine dieses hervorzog, meinte sie bereits zu wissen, welcher Name dort vermerkt war.

Abrupt blieb sie stehen und fand sich für einige Momente weit in die Zeit ihrer Kindheit zurück versetzt. Sie sah sich selber auf dem Sofa neben ihrer Großmutter sitzen, ein zerknülltes Taschentuch in der Hand. Wieder einmal hatte es daheim Streit gegeben und wie so oft hatte sie sich zu ihrer geliebten Omi geflüchtet. Obwohl sie damals erst sechs Jahre alt war, hatte sie nichts vergessen. Liebevoll hatte die Großmutter sie an sich gedrückt und ihr von den Schutzengeln erzählt die über die Menschen wachen würden.
„Wie heißt denn mein Engel?“ Als sei es gestern gewesen, hörte Sabine in ihrer Erinnerung die eigene Klein-Mädchen-Stimme und den beruhigenden Tonfall der Großmutter als sie antwortete: „Dein Schutzengel heißt Anthriel. Er ist der Engel der Harmonie und Balance. Du kannst dich an ihn wenden, wenn du Angst hast, dein Gleichgewicht zu verlieren. Er wird dir helfen, es wiederzufinden.“
Damals hatte sie die Worte der Großmutter noch nicht verstanden, aber der Gedanke, einen `eigenen´ Engel zu haben, hatte sie getröstet. Besonders als kurz darauf ihre Omi starb, und sie sich einsam und verlassen fühlte. Wie oft hatte sie als kleines Mädchen in ihrem Zimmer gesessen, das Büchlein in der Hand, in der die Großmutter ihr den Namen `Anthriel´ geschrieben hatte. Auf die leeren Seiten hatte sie nach und nach immer mehr Engel gemalt und so ein Stückchen Halt und Geborgenheit gefunden.
Und nun stand sie hier in ihrem Flur, 28 Jahre später, und drückte einen kleinen gläsernen Engel mit dem Namen Anthriel an sich. Welch wunderbares Geschenk war damit durch Zufall ins Haus gekommen!

Kurz darauf saßen sich die beiden Nachbarn am Esstisch gemütlich gegenüber. Sabine hatte Kaffee eingeschenkt und jedem ein Stück der köstlichen Marzipantorte auf den Teller gelegt. Genüsslich fingen sie an, zu essen, wobei die dadurch entstandene Stille in keiner Weise unangenehm war. Es schien, als säßen langjährige Freunde beisammen. Während des Genusses eines weiteren Tortenstücks entspann sich ein Gespräch. Herr Krumpholz interessierte sich für das Leben im und um das Dorf herum. Es ging ihm dabei nicht um belanglosen Klatsch, sondern um die Dorfgeschichte.

Sabine erzählte ihm, dass sie in diesem Ort aufgewachsen war, und so konnte sie ihm auch schildern, was sich hier in den vergangenen 34 Jahren verändert hatte. Ein Beispiel war der Supermarkt, der im vergangenen Jahr den kleinen Tante-Emma-Laden direkt am Marktplatz ergänzen sollte. In dieser wichtigen Angelegenheit hatten die Dorfbewohner fest zusammengehalten, da nicht nur der Charme ihres Dorfes gelitten hätte, sondern sicherlich wäre auch der Kaufmannsladen pleitegegangen. Viele Einwohner fuhren zwar regelmäßig in die nächste Stadt, um dort auch in größeren Supermärkten einzukaufen, aber genügend Menschen blieben `ihrem Laden´ treu. Sie wollten nicht auf die persönliche Ansprache und das nette Miteinander verzichten.
Neu hinzugekommen war vor fünf Jahren ein Dorfkindergarten. Ein leerstehendes Gebäude, das früher die Post beherbergt hatte, war mit viel Eigenarbeit in ein schmuckes Häuschen mit direkt anliegendem Spielplatz umgebaut worden. Dafür hatte ein hiesiger Landwirt sogar seine angrenzende Wiese zur Verfügung gestellt. Da Sabine selber keinen Bezug zu Kindern hatte, verfolgte sie den Verlauf lediglich im örtlichen „Käseblatt“, so nannte sie die kleine Zeitung, die wöchentlich über ihr Dorf und weitere umliegende Ortschaften berichtete.

Was ihr persönlich Freude bereitete, war, dass die teilweise schon sehr alten Fachwerkhäuser über die Jahre hinweg nach und nach instandgesetzt wurden. Sie liebte die wunderschönen, von dunklen Balken durchsetzten Fassaden und konnte sich an ihnen nicht sattsehen. Hin und wieder stand eines dieser Schmuckstücke zum Verkauf, so dass sie des öfteren überlegte, sich ebenfalls ein Häuschen zu kaufen.
Da sie über die Jahre einen Teil ihres ansehnlichen Gehaltes zurückgelegt hatte, wäre ihr dies durchaus möglich gewesen. Aber wozu? Und für wen? Nein, sie blieb einfach in ihrer Wohnung, die ihr vollkommen genügte. Außerdem – diesen Gedanken gestand sie sich jedoch nur selten ein – hatte sie nie aufgehört, von ihrem Traumhaus zu träumen.
Und nun saß sie hier mit dem Mann, der dieses Haus gekauft hatte. Erstaunlicherweise fühlte sie weder Enttäuschung noch Neid, dass er nun das Zuhause besaß, von dem sie immer geträumt hatte. Im Gegenteil, in ihrem Herzen war Frieden eingekehrt, und das erste Mal nach endlosen Jahren blickte sie voller Vorfreude in die Zukunft.

„Du siehst glücklich aus.“ Ihr Besucher lächelte sie an, während er nach ihrer Hand griff und sie einen Moment in der seinen hielt.
„Ja!“, antwortete Sabine, ohne sich darüber zu wundern, dass Herr Krumpholz sie plötzlich duzte. Ohne weiter nachzudenken, sprach auch sie ihn derart vertraut an. „Wieso habe ich von Anfang an das Gefühl, dich bereits zu kennen? Wo kommst du her?“ Fragend sah sie ihn an.
„Du warst zu lange ohne Hoffnung“, sprach er sanft. „In deinem Leben war Licht, aber du lebtest trotzdem im Dunklen. Die Narben, die deine Kindheit in deinem Herzen hinterlassen haben, nahmen dir die Kraft, dich der Helligkeit zuzuwenden. Du wolltest keine weiteren Verletzungen riskieren, hast lieber einen Schritt zurückgemacht, wenn jemand auf dich zukam.“
Während er diese Worte sprach, ging ein Licht von ihm aus. Keines, das blendete, sondern ein warmes, sanftes Licht. Es hüllte sie ein, und brachte ihren Eispanzer zum Schmelzen.
Einen Wimpernschlag danach war es verschwunden. So, wie vorher, saß Walter ihr gegenüber – ganz selbstverständlich nannte sie ihn nun beim Vornamen – und schmauste noch ein Stück von der Torte. Aber es war da gewesen, genau wie seine Worte, die ihre Seele und ihr Herz gestreichelt hatten. Sabine fragte nicht nach dem Warum oder Wie. Das erste Mal in ihrem Leben nahm sie etwas hin, ohne es zu hinterfragen.

Lange, nachdem Walter nach Hause gegangen war, hockte Sabine eingekuschelt in einer Decke auf dem Sofa, ihren Engel Anthriel in der Hand, und blickte zum Fenster hinaus in den Sternenhimmel. Sie wusste nun, dass sie ihren Weg im Leben finden würde.

Das 23. Türchen…

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23. Dezember

Solltet Ihr Sabine noch nicht kennen findet Ihr hier den 1. und hier den 2. Teil!

Lichter in der Nacht – Teil 3
von Nicole Vergin

… über den herabstürzenden Bach …

Soweit zu der Vorgeschichte von Sabine und Herrn Krumpholz. Seit diesem Kennenlernen vor nunmehr fast vier Wochen hatte sich Sabine bemüht, ihm aus dem Weg zu gehen. Warum? Sie wusste es selber nicht. Es war ein Gefühl, das ihr sagte, dass dieser Herr mehr über sie wusste, als ihr lieb war.
Immer wieder schüttelte sie über sich selber den Kopf, wenn sie solche Gedanken hatte. Wahrscheinlich hing es nur mit diesem Haus zusammen und mit ihrer Kindheit, ihren Träumen.

Wie seltsam, dass sie heute ausgerechnet mit ihm zusammen gestoßen war. In Gedanken versunken war sie das kurze Stück nach Hause gegangen und bemerkte erst dort, dass eine ihrer Einkaufstüten fehlte. Sabine seufzte, als ihr einfiel dass sie die Tüte mitten auf dem Markplatz hatte stehen lassen. Sicherlich war sie in der Zwischenzeit zugeschneit. Egal, sie wollte ihre Wohnung heute nicht mehr verlassen. Wer weiß, was ihr ansonsten noch widerfahren würde.
Der restliche Tag verlief wie unzählige andere davor. Von montags bis freitags stand Sabine jeden Morgen um 5.00 Uhr auf, duschte sich rasch, trank, während sie sich anzog, schnell eine Tasse Kaffee und machte sich kurz vor 6.00 Uhr auf den Weg ins Büro. Die Fahrt in die Stadt, wo sie einen Job als Bürovorsteherin in einer Anwalts- und Notariatskanzlei hatte, dauerte eine knappe Stunde. Meist schloss sie als erste die Büroräume auf und verschwand eilig in ihrem Büro, um sich an die Arbeit zu machen. Die Tage vergingen mit dem Aufsetzen von notariellen Verträgen, den üblichen Auseinandersetzungen mit den Auszubildenden, sowie den Besuchen ihrer zwei Chefs, die immer noch schnell etwas erledigt haben wollten. Vor 19.00 Uhr verließ sie das Büro selten. Anstelle einer Mittagspause flitzte sie schnell zum Bäcker, besorgte sich dort Brötchen und einen Salat und aß während sie weiterarbeitete.

Anfangs hatten ihre Kollegen sie noch gefragt, ob sie mittags mit ihnen essen gehen wollte, aber da sie grundsätzlich die Arbeit vorschob, war auch das verblieben.
Ihr war es recht. Sie liebte ihre Arbeit, die ihr ein Gefühl von Sicherheit gab. Bis auf eine Freundin, die ihr seit der Schulzeit treugeblieben war, hatte sie weder Freunde noch Bekannte. Sabines Vater war vor knapp zehn Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen, den er Alkoholbedingt selbst verursacht hatte. Ihre Mutter starb vor zwei Jahren, nachdem sie Jahre lang vergeblich gegen eine Krebserkrankung ankämpfte, die sich nach und nach ihres ohnehin schwachen Körpers bemächtigte.

Die Nacht als ihre Mutter starb, blieb Sabine unauslöschlich im Gedächtnis haften. Stundenlang hatte sie an ihrem Bett gesessen und sich gefragt, ob die Mutter spürte, dass ihre Tochter da war. Die Ärzte hatten ihr geraten, dass es der Sterbenden gut tun würde, in diesen Stunden einen nahestehenden Menschen bei sich zu haben.
Sabine ließ in dieser Nacht nicht nur ihr eigenes bisheriges Leben, sondern auch das ihrer Mutter an sich vorbeiziehen. Immer war die Mutter für andere dagewesen, hatte sich aufgeopfert und alles gegeben. Bis sie für sich selbst nicht mehr genug hatte und förmlich zusammengefallen war. Nie hatte es einen Dank für sie gegeben. Der Vater hatte alles für selbstverständlich angesehen und seine Frau all die Jahre zu allem Übel auch noch belogen und betrogen.
Aber das würde nun bald hinter ihr liegen. Sabine hatte sich oft gefragt, zu welchem Zeitpunkt sich die Mutter aufgegeben hatte. Auf jeden Fall kam sie ihr jetzt friedlicher vor, als jemals zuvor. Sie schien bereit zu sein, zu gehen, hatte ihr dies auch in den vergangenen Wochen gesagt. Was ihr jedoch immer noch Gedanken machte, war, dass Sabine ihr Leben so an sich vorbeiziehen ließ – ohne Freunde, ohne Familie. Sabine hatte ihr versprechen müssen, daran etwas zu ändern.
Als sie in dieser Nacht endgültig Abschied nehmen musste, war sie auch zu Veränderungen bereit. Im Alltag hatte sich jedoch herausgestellt, dass sich dieser Vorsatz nicht so einfach umsetzen ließ. Man kann nicht über Nacht aus seiner Haut heraus. Das Misstrauen gegenüber den Mitmenschen saß zu tief. Als kleine Versuche, dem Trott zu entfliehen, im Sande verliefen, schlich sich schnell die alte Gewohnheit und somit die Einsamkeit ein.

Und nun war – so wie in ihrer Kindheit – das Traumhaus wieder in ihr Leben zurückgekehrt. Immer wieder versuchte sie, die Fortschritte an der Instandsetzung dieses Hauses nicht zu beachten. Aber häufig ertappte sie sich dabei, wie sie bei jeder Heimkehr als erstes einen Blick darauf warf. Jedes Mal schien sich etwas zu verändern. An einem Tag war der Vorgarten aufgeräumter, an einem anderen hatte Herr Krumpholz den Zaun repariert. Wobei sie sich fragte, wieso er bei dieser Eiseskälte freiwillig draußen arbeitete. In ihrer eigenen Wohnung hatte sie noch nie das Gefühl gehabt, nach Hause zu kommen. Obwohl sie die Wohnung Stück für Stück nach ihrem Geschmack hatte renovieren lassen. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, diese nach dem Tode der Eltern zu übernehmen. Seit jedoch ihr Traumhaus wieder bewohnt war, fühlte sie sich unerklärlicherweise jeden Tag ein Stück mehr daheim.

Am nächsten Nachmittag kam Sabine im Gegensatz zu sonst einige Stunden früher und ungewohnt fröhlich nach Hause. Sie hatte sich spontan für den Rest der Woche freigenommen, und da heute erst Dienstag war, lag der Großteil der Woche noch vor ihr.
Vergangenen Sonntag war bereits der 2. Advent unbeachtet an ihr vorübergegangen, so dass sie sich kurzfristig entschlossen hatte, ihre Wohnung nun auch weihnachtlich zu schmücken. Da Sabine sich sonst aus Festtagen nichts machte, war diese Idee für sie ungewöhnlich und sie war entsprechend aufgeregt. Einen Moment lang hatte sie sich gefragt, für wen sie das überhaupt machen würde. Die Antwort ergab sich überraschend schnell: – für sich selbst würde sie die Wohnung schmücken, einfach weil es ihr gefiel. Gleich am nächsten Tag wollte sie sich auf den Weg machen und alles Nötige besorgen.
Ein kurzer Blick aus dem Fenster sagte ihr, dass auch ihr Nachbar in weihnachtlicher Stimmung war. In liebevoller Kleinarbeit hatte er in den vergangenen Wochen Lichter im Garten an den Bäumen verteilt, so dass zusammen mit dem warmen Kerzenschein, der durch die Fenster des Hauses nach draußen schimmerte, alles genauso gemütlich aussah, wie in ihrer Kindheit.
Gerade eben befand sich Herr Krumpholz im Garten, eingepackt in eine rote Winterjacke mit weißem Fell an der Kapuze, an den Händen rote Fäustlinge schwang er vergnügt die Schneeschaufel und räumte den Weg zu seinem Haus frei. Es hatte in der Mittagszeit erneut angefangen zu schneien, so dass alle Wege wieder zugedeckt waren.
Wie immer, wenn sie ihn sah, wunderte sich Sabine über die sanfte, gelassene und auch so fröhliche Ausstrahlung des Nachbarn.
Spontan hatte sie die Idee, ihn für den nächsten Nachmittag zu einem Advents-Kaffeetrinken einzuladen. Sie könnte Kekse besorgen oder vielleicht einen leckeren Marzipankuchen, den sie selber zur Weihnachtszeit immer gern aß.
Bevor sie es sich anders überlegen konnte, schlüpfte sie in ihren Mantel, riss die Haustür auf und ging schnellen Schrittes zum Nachbarhaus. Herr Krumpholz hatte sie bereits gehört und winkte ihr fröhlich zu. Sie winkte zurück und blieb kurz darauf vor ihm stehen.
„Schönen guten Tag, Herr Krumpholz. Ich möchte sie gerne für morgen zum Adventskaffeetrinken einladen. Das heißt, wenn sie Zeit haben und wenn sie mögen natürlich.“ Erstaunlicherweise war Sabine aufgeregt. Sie freute sich auf einmal über die Möglichkeit, mit dem netten Herrn zusammenzusitzen und vielleicht auch mehr über ihn und das Haus zu erfahren. Erwartungsvoll schaute sie ihn an.
„Auch ihnen einen schönen guten Tag, Frau Marquardt“, lachte er sie freundlich an. „Das ist aber schön, dass sie mich einladen. Ich komme sehr gern. Wann passt es ihnen denn?“
Sabine strahlte über das ganze Gesicht, als hätte sie ein Geschenk erhalten. Oder galt es heutzutage nicht mehr als Geschenk, wenn man mit seinen Mitmenschen Zeit verbrachte?
„Wie wäre es mit 15.00 Uhr?“, schlug sie fröhlich lachend vor, „ist ihnen das recht?“
Ja, es war Herrn Krumpholz recht. Ganz offensichtlich schien auch er sich auf den gemeinsamen Nachmittag zu freuen. Wieder einmal hatte Sabine das Gefühl, dass sie sich schon länger kannten. Dieses Mal jedoch hinterfragte sie es nicht, sondern freute sich darüber. „Dann bis morgen, ich freu mich schon!“, sagte Sabine zum Abschied.
„Warten sie“, hielt Herr Krumpholz sie noch zurück. „Ihr Haustürschlüssel ist ihnen runtergefallen.“ Er drückte ihn ihr in die Hand, hob noch mal die Hand zum Gruß, und schwang fröhlich pfeifend seine Schneeschaufel weiter.

Als Sabine kurz darauf in ihrer Wohnung den Mantel auszog, blickte sie verwundert auf den Schlüssel in ihrer Hand. Sie war sich sicher, dass sie ohne den Schlüssel das Haus verlassen und die Tür einfach hinter sich hatte zufallen lassen. Das war ihr schon oft passiert, daher hatte sie auch im Eingangsbereich immer einen Ersatzschlüssel deponiert. Aber wo hatte Herr Krumpholz dann ihren Schlüssel her? Sie musste sich irren! Wahrscheinlich hatte sie ihn doch mitgenommen. Oder etwa nicht?

Den 4. Teil findet Ihr hier!

Das 22. Türchen…

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22. Dezember

Solltet Ihr Sabine noch nicht kennengelernt haben, findet Ihr hier den 1. Teil!

Lichter in der Nacht – Teil 2
von Nicole Vergin

… ist der Regenbogen …

Die Jahre vergingen, Sabine wurde erwachsen und dachte nun selber kaum noch über das Haus und ihre damit verbundenen Träume nach. Sie hatte sich im Laufe der Jahre eine harte Schale zugelegt, damit niemand sie erneut im Innersten verletzen konnte. Warf sie im vorbeigehen doch einmal einen Blick darauf, dann schüttelte sie nur geringschätzig den Kopf über soviel kindliche Naivität. Und irgendwann, ja irgendwann war es auch für sie nur noch eine Bruchbude, die ein Schandfleck auf dem malerischen Gewand ihres Dorfes war.

Bis vor einigen Wochen dieser kauzige alte Herr eingezogen war. Mit Sack und Pack stand er eines Tages an der Eingangstür, zog einen rostigen, altmodischen Schlüssel aus seinem langen Mantel und schloss mit Mühe die Tür auf. Sabine kam gerade müde von der Arbeit nach Hause, stand wie vom Donner gerührt vor ihrer Haustür und traute ihren Augen nicht. Anstatt eine Abrissbirne zu bestellen, hatte jemand diese Bruchbude gekauft. Verwirrt starrte sie auf den Rücken des Mannes, bis er sich unvermutet umdrehte und ihr scheinbar genau in die Augen blickte.
Tiefrot im Gesicht, drehte sie sich, wie ertappt, um, schloss ihre eigene Tür auf und verschwand ohne einen Gruß in ihrer Wohnung. Hastig schob sie die Tür zu, verhakte sich noch mit einem Ärmel am Türknauf und hätte sich beim Losreißen um ein Haar ihren Wintermantel zerrissen. Aufatmend lehnte sie sich gegen die geschlossene Tür. Das war ihre erste Begegnung mit dem neuen Nachbarn.

Etwas später hatte sie sich dann für ihr rüdes Verhalten geschämt. Während sie noch hin und her überlegte, ob sie einfach hinübergehen und ihn in der Nachbarschaft willkommen heißen sollte, klingelte es an ihrer Tür.„Einen schönen guten Abend wünsche ich Ihnen.“ Vor der Tür stand der fremde Herr.
Sabine sehnte sich ein Mauseloch herbei, in dem sie verschwinden könnte. Aber es half nichts. Obwohl sie für einen Moment die Augen fest zukniff, stand ihr neuer Nachbar noch immer vor der Tür und lächelte sie freundlich an. Wieder dieser Blick, der etwas in ihrem Innersten berührte. Sie räusperte sich und streckte verlegen die Hand aus. „Ich wollte.. ich.. entschuldigen sie…“, stotterte sie. Mit einem Ruck streckte sie sich und sagte, äußerlich wieder völlig gefasst: „Herzlich willkommen in unserem Dorf. Eigentlich wollte ich sie zuerst begrüßen, aber nun sind sie mir zuvor gekommen. Bitte…“ Sabine machte einen Schritt zur Seite, um den Besucher hereinzulassen.
Ihre Hand noch immer in seiner, ein fester, ruhiger Griff, antwortete er: „Vielen Dank, ihre Gastfreundschaft würde ich gerne ein anderes Mal genießen. Für heute möchte ich mich vorstellen. Mein Name ist Krumpholz, Walter Krumpholz.“ Er ließ nun endlich ihre Hand los und deutete eine kleine Verbeugung an.
„Tja, dann vielleicht das nächste Mal. Ach ja, Sabine, Sabine Marquardt.“ Aus einem unerfindlichen Grund war Sabine immer noch verwirrt. Irgendetwas ging von diesem Herrn Krumpholz aus, das ihr… Ja, was eigentlich?
„Wie bitte?“
Vor lauter Verwirrung hatte sie die nächsten Worte verpasst. Herr Krumpholz, nach wie vor freundlich lächelnd, wiederholte seine Worte bereitwillig. „Ich sagte, ich müsse mich jetzt verabschieden, da im Haus noch eine Menge Arbeit auf mich wartet. Frau Marquardt, ich freue mich, dass wir uns kennengelernt haben. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend.“
Mit diesen Worten deutete er abermals eine Verbeugung an und verschwand danach. Sabine schauderte ein wenig. Die Nacht schien heute schwärzer als sonst. Anscheinend waren einige der Straßenlaternen ausgefallen. Obwohl sein Haus genau gegenüber ihrer Wohnung lag, konnte sie Herrn Krumpholz bereits nach wenigen Schritten nicht mehr erkennen.

Der Gedanke an den neuen Nachbarn ließ sie erst los, als sie sich – wie jeden Abend – an die übrig gebliebene Tageskorrespondenz machte. Erst gegen Mitternacht löschte sie das Licht und schlief – im Gegensatz zu anderen Nächten – sofort tief und fest ein.

Den 3. Teil findet Ihr hier

Das 21. Türchen…

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21. Dezember

Lichter in der Nacht – Teil 1 von 4
von Nicole Vergin

Die Hoffnung …

Wochenlang hatten die Kinder auf diesen Moment gewartet. Darauf, dass sich der winterliche Himmel mit Schneewolken schmückte, aus denen die ersehnten Flocken in Zeitlupe auf die Erde fielen und nach und nach alles zudeckten. An diesem Nachmittag war es soweit. Nicht nur die Kinder des kleinen Dorfes in Norddeutschland blieben wie verzaubert auf dem Marktplatz stehen, nach und nach hielten auch die Erwachsenen in der Hektik ihres Alltags inne und richteten ihren Blick hinauf – entrückt nahezu. Sabine streckte ihre Hand aus, fing eine Flocke auf und hielt sie sich dicht vor die Augen. Gebannt schaute sie zu, wie der kleine Eiskristall schmolz, bis nur noch ein winziger Tropfen Wasser zurückblieb. Hastig wischte sie den Tropfen ab, blickte sich kurz um, und schüttelte über ihre rührselige Anwandlung den Kopf.

Mit entschlossenen Schritten ging sie weiter, ohne jedoch auf die umstehenden Menschen zu achten. Beinahe hätte sie ihren Nachbarn, Herrn Krumpholz, umgerannt.
„Herrje, können sie nicht aufpassen?“, rief sie entrüstet.
Genau wie die anderen hatte er bis eben nach oben geblickt und sich offenbar ganz den vorweihnachtlichen Gefühlen hingegeben.
„Was stehen sie hier mitten im Weg?“, fauchte Sabine ihn an.
Vor Schreck wich der ältere Herr einen Schritt zurück und stieß beinahe gegen den Brunnen, der sich mitten auf dem Dorfplatz befand. Mit einem schnellen Griff hielt er sich an den eisernen Pflanzenornamenten fest, die sich kunstvoll um den Brunnen rankten. Einen Moment lang blickte er die junge Frau unter seinen buschigen Augenbrauen hervor an. Der Blick ging ihr durch und durch. Bevor Herr Krumpholz noch etwas erwidern konnte, stolperte Sabine schon von ihm weg und rannte los. Einige Male drehte sie sich im Laufen um und erst, als sie außerhalb seiner Sichtweite war, blieb sie stehen. Nach Luft ringend stemmte sie die Hände in die Hüften und schaute sich abermals um. Wer war dieser Mann, der vor einigen Wochen in das Nachbarhaus eingezogen war?

Lange Zeit hatte dieses Haus leer gestanden. Der Zahn der Zeit hatte ihm den letzten Rest der einstigen Schönheit genommen. Sabine konnte sich noch genau erinnern, wie es in ihrer Kindheit ausgesehen hatte. Das große Fachwerkhaus mit den kleinen Sprossenfenstern erschien ihr immer heimelig. Oft hatte sie in der beginnenden Dämmerung am Fenster der elterlichen Wohnung gestanden, die sich genau gegenüber befand. Teilweise verdeckt von dem Vorhang ihres Zimmers, beobachtete sie, über den blau gestrichenen Gartenzaun hinweg, den Glanz von gemütlich flackernden Kerzen hinter den Sprossenfenstern. Sie stellte sich vor, wie die Familie, es war ein Ehepaar mit einem Mädchen, in der Stube zusammen saß und wie sie vielleicht gemeinsam ein Buch lasen oder `Mensch ärgere dich nicht´ spielten. Vielleicht genossen sie es auch einfach, dass sie zusammen waren.

Im Gegensatz zu dieser Familie gab es in ihrer eigenen nicht viele Gemeinsamkeiten. Ihr Vater war Bäcker, musste jede Nacht um 1.00 Uhr aufstehen, um rechtzeitig in der Backstube den Ofen vorzuheizen. Wenn er mittags nach Hause kam, fiel er ins Bett und wollte seine Ruhe haben. Wehe es störte ihn jemand!
Sobald Sabine an ihre Mutter dachte, sah sie das Bild vor sich, wie diese auf Zehenspitzen durch die Wohnung schlich und, wenn Sabine den kleinsten Mucks von sich gab, den Finger beschwichtigend an die Lippen legte. „Pst“ brauchte sie da schon lange nicht mehr machen. Sabine wusste auch so Bescheid. So kam es, dass das Mädchen immer häufiger still in seinem Zimmer hockte und sich dort in seiner Phantasie eine eigene Welt ausdachte. Eine, in der Eltern Zeit für ihre Kinder hatten und in der man zusammen lachte und vergnügt war. Und diese Welt fand augenscheinlich in dem schönen alten Haus statt, das sie so manche Stunde anschaute, nur um sich hineinzuträumen.

Eines Tages zog die Familie aus dem Haus aus. Die Tochter war erwachsen geworden und hatte inzwischen ein eigenes Heim. Den Eltern war das Haus zu groß geworden, so dass sie beschlossen, sich eine Wohnung zu suchen. Sabine hatte beim Einkaufen gehört, wie sich die Nachbarn darüber unterhielten. Tja, und dann – dann stand das Haus lange leer. Man sah ihm an, dass es den Besitzern in den letzten Jahren nicht mehr gelungen war, der anfallenden Arbeiten Herr zu werden. Erst blätterte die schöne blaue Farbe am Zaun ab, dann wucherten die Beete im Eingangsbereich zu, und zuletzt wurde auch das Haus immer unansehnlicher.
Aber vor allem fehlte das Licht. Das war es, was Sabine immer angezogen hatte. Nun war das Haus ausgestorben, es wirkte einsam und verlassen – alle schienen es vergessen zu haben. Keiner hielt mehr für einen kleinen Schwatz am Gartenzaun an. Niemand steckte Post in den selbstgezimmerten, hölzernen Briefkasten. Auch der altmodische Türklopfer fand nun keine Verwendung mehr.

Hier findet Ihr den 2. Teil!

Das 20. Türchen…

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20. Dezember

Schnee
von Holger Vergin

Warum ist es so schön, wenn Schnee vom Himmel fällt?

Diese weiße, flockige Pracht, die doch eigentlich nur aus Feuchtigkeit besteht. Aus Wasser, das in der Atmosphäre gefriert und zu einem kunstvoll gezackten Kristall wird, der img_4433aufgrund dieser Eigenschaft besonders lange braucht um zu Boden zu fallen. Sind es die Kindheitserinnerungen, die in jedem von uns schlummern und dafür sorgen, das sich auch 80-jährige wie kleine Kinder fühlen können?

Besonders schön ist die Überraschung, wenn der Abend noch feucht und klamm war, und die Nacht dafür gesorgt hat, das die fallenden Temperaturen aus den Regentropfen diese herrlichen Kristalle geformt haben, die leise zu Boden sinken und innerhalb kürzester Zeit aus der grauen trüben Landschaft eine wie mit Puderzucker übertünchte Märchenlandschaft zaubern. Und wenn man dann morgens die Augen aufmacht und feststellt, das die Welt eine andere ist, und man sich manchmal wünscht, das dem wirklich so wäre. Das manches, was gestern noch schlimm und grausam war, das Zustände, unter denen Menschen litten, über Nacht und allein durch das Fallen von Schnee, von einem zum anderen Tag sich geändert haben. Wäre das nicht schön?

Das 19. Türchen…

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19. Dezember

Harrys Weihnachtswunder
von Nicole Vergin

Leise rieselte der Schnee. Harry folgte den dicken, weißen Flocken mit den Augen. Eine einzelne Schneeflocke wirbelte gegen das Wintergartenfenster. Harry hob seine Pfote, drückte sie gegen die Scheibe und folgte der Flocke, bis sie aus seinem Blickfeld verschwunden war.
Er gähnte und zeigte dabei seine kleinen spitzen Zähne. Ja, es war ein langer Tag gewesen. Bereits in der Frühe hatten seine Menschen mit den Vorbereitungen für den Heiligen Abend begonnen. Der Tisch wurde in eine weiß-goldene Decke gehüllt und feierlich gedeckt.
Später war dann der Rest der Familie gekommen. Gemeinsam hatten sie gegessen, img_5427gesungen, geschwiegen und gelacht. Wie jedes Jahr.
Und auch die Bescherung hatte sich nicht groß von anderen unterschieden. Das Menschenkind hatte sich ein weiteres Mal als Weihnachtsmann verkleidet und Geschenke verteilt. Und wieder einmal war für ihn, den Hauskater, nichts dabei gewesen.
Harry schüttelte seinen schwarz-weißen Kopf und leckte sich die Pfoten. Und nun war der Heilige Abend auch schon wieder vorüber und er lag im Wintergarten auf seinem Kissen, eingekuschelt in ein Schafsfell.
Klingeling…
Neugierig hob Harry den Kopf und ließ seinen Blick durch den dunklen Garten wandern. Aber da war niemand.
Klingeling…
Vor der Scheibe, genau in Augenhöhe tauchte ein goldenes Glöckchen auf, dessen Griff einen Engel darstellte.
Klingeling…
Erneut hatte sich das Glöckchen bewegt. Harry starrte verwundert auf das Glöckchen. Wieso bewegte es sich, wenn doch niemand da war? Langsam stand Harry auf, streckte sich und machte dann einen Buckel. Er fauchte leise.
Im nächsten Moment sah er, dass vor dem Fenster eine Gestalt auftauchte. Ganz langsam, nach und nach. Erst ein schwarzer Handschuh, der das Glöckchen hielt. Dann eine rote Mütze mit einem weißen Rand und einem dicken weißen Bommel. Darunter erschien ein freundliches, rundes Gesicht mit Apfelbäckchen.
Während Harry sich mit der Pfote über die Auge wischte, tauchte der Rest der Gestalt auf.
„Hohoho!“, ertönte es vor dem Fenster und schon im nächsten Moment öffnete sich die Wintergartentür und herein trat der Weihnachtsmann. Nein, kein verkleideter Mensch. Harry fühlte ganz genau, dass es sich hier um den echten Weihnachtsmann handelte. Dabei hatte er nie an ihn geglaubt und die Menschen immer von oben herab belächelt. Aber hier stand er nun direkt vor ihm.
Der Weihnachtsmann stellte das Glöckchen neben Harrys Kissen, griff in eine Tasche seiner rot-weißen Jacke und holte ein goldenes Schälchen hervor, das mit einem Deckel verschlossen war.
Harry konnte sein Glück kaum fassen. Wie oft hatte er abends auf dem Sofa liegend im Abendprogramm die Werbung mit der eleganten grauen Katze gesehen. Und wie ihr ein besonderes Futter auf einem schönen weißen Teller vorgesetzt wurde. Ob das alles hier ein Traum war?
Aber der Weihnachtsmann zauberte aus der anderen Tasche ebenso einen Teller hervor, riss den Deckel der Schale auf, drehte sie um und ließ das Futter vorsichtig auf den Teller gleiten. Mit großen Augen sah Harry zu, wie der Weihnachtsmann den Teller vor ihn hinstellte.
„Das ist für dich“, sagte er, strich ihm liebevoll über sein glänzendes Fell und war im nächsten Moment verschwunden.
Harry drehte sich zurück zum Fenster und schaute in den nun wieder verlassen daliegenden Garten.
„Hohoho!“, hörte Harry die Stimme ein weiteres Mal, „Frohe Weihnachten, Harry!“ Während am Himmel ein Licht vorüberflog, beugte sich Harry über seinen Teller und fraß genüsslich einen Bissen nach dem anderen.

In Erinnerung an unseren geliebten Harry!