Das 6. Türchen…

deckblatt

6. Dezember

Der Nikolaustag
– für mich beladen mit vielen Erinnerungen aus ‚Kindheit & Co’ –
von Solveigh Bartholomae (Ökonaturalmente)

Längst vergangen sind die Zeiten, an denen ich noch an den Nikolaus glaubte. Damals, als Kind, kam der Nikolaus ja tatsächlich noch in jedem Jahr in unser Haus. Und mir war immer ein wenig mulmig zumute, denn der Nikolaus wusste Dinge von mir, die er eigentlich nicht wissen konnte. Wenigstens dachte ich das. Und so groß die Freude über nikolausdas Geschenk aus seinem Sack auch war, so unsicher war ich doch über sein Wissen von meinen kleinen Verfehlungen, die er mir gnadenlos aufzählte. Erst Jahre später lichtete sich für mich das Dunkel, als sich der sogenannte Nikolaus als der Werksmeister der Zuckerfabrik entpuppte in der mein Vater arbeitete, der von meinen Eltern die Insider-Infos bekommen hatte – und das Geschenk versteht sich, das er aus seinem Sack gezogen hatte.
Eine schöne Kindheitserinnerung, die den Zauber der Adventszeit noch einmal in mein Herz zurück bringt, wenigstens für einen kurzen Augenblick. Bei diesen Erinnerungen huscht auch jedes Mal ein glückliches Lächeln über mein Gesicht.

Inzwischen bin ich längst erwachsen. Jahre später, wieder am Nikolaustag, befand ich mich dann zum ersten Mal am Nikolaustag in den östereichischen Alpen. Es lag noch kein Schnee, aber es hatte gefroren und dicke Rauhreifkristalle hatten sich überall breit gemacht. Ich war auf der Dorfstraße unterwegs zum Einkaufen, als ich dunkle Gestalten um mich herum wahrnahm. In dunkle Kutten gemummt, mit Masken über dem Kopf und mit langen Ruten „bewaffnet“ haben sie mich am Arm gepackt und auf mich eingeschlagen, allerdings nicht besonders schmerzhaft, eher etwas „robust gestreichelt“. Die Kramperl, wie diese Gesellen im alpenländischen Raum genannt werden, machten sich aber nach kurzem Gebrüll und einigen harmlosen Hieben davon um die anderen Passanten auch noch zu ‚beehren’.
Ich brauchte einen Moment, bis ich mich von meinem Schreck erholt hatte und ging dann weiter. Als ich wieder zu Hause war, beehrten mich dann ‚die Kramperl’ noch einmal: es waren drei Freunde von mir, die jetzt aber die Kutten und Masken überm Arm und die Ruten beiseite gelegt hatten. Wir lachten von Herzen, machten es uns gemütlich und aßen selbstgebackene Plätzchen und tranken Glühwein.
Sie erzählten mir vom Brauchtum im Alpenländischen, wo die Kramperl oft den Nikolaus begleiten und man sagt, die braven Kinder bekommen was vom Nikolaus, während die bösen Kinder die Rute zu spüren bekommen.
In der harmlosen Hieb-Variante finde ich das eigentlich einen ganz witzigen Brauch. Es bleibt nur zu hoffen, dass das auch immer beim eher harmlosen Rutengebrauch bleibt und den Kindern damit nicht allzu viel Angst eingejagt wird!

Besonders schön daran finde ich, dass sich alte Bräuche bis heute halten und in bestimmten Regionen auch tatsächlich noch gelebt werden. Die Kramperl jedenfalls, werde ich auf jeden Fall im Gedächtnis behalten!

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