Das 7. Türchen…

deckblatt

7. Dezember

Bommel und das Weihnachtsfest
von Nicole Vergin

Bommel ist ein rosa Schwein mit genau 13 schwarzen Flecken, die über den ganzen Körper verteilt sind. Auf dem kleinen Hof, wo er geboren ist, lebt er draußen auf einer schönen Wiese, auf der eine Schutzhütte für ihn und die anderen Schweine steht. Seine Lieblingsstelle auf der Wiese ist jedoch das schlammige Loch hinten links in der Ecke, wo er sich nach Herzenslust suhlen kann. Danach hat er dann viel mehr als 13 Flecken.
Bommel ist an einem schönen Sommertag geboren, als alle Bäume ein grünes Laubkleid trugen und auf den Wiesen bunte Blumen blühten. Inzwischen ist der Winter gekommen und das kleine Schwein sieht zum ersten Mal in seinem Leben, nackte Bäume.
Hin und wieder haut Bommel von der Wiese ab. Er möchte nicht wie all die anderen einfach Tag ein, Tag aus immer dasselbe machen. Er möchte etwas erleben, etwas von der Welt sehen. Denn dass diese nicht am Zaun endet, das hat er schon begriffen.

Als er sich eines Tages wieder unter dem Holzzaun hindurch quetscht, läuft er in Richtung des alten Bauernhauses, zu dem die Wiese gehört. Auf einmal bleibt er wie angewurzelt stehen. Irgendwie sieht es hier verändert aus. Die kleine Tanne, die ein paar Meter vor dem Hauseingang steht, ist geschmückt. Bunte Kugeln hängen daran und glitzernde Streifen. Und überall an den Zweigen sind Lichter gesteckt, die an diesem Wolken verhangenen Tag herrlich leuchten.
Bommel schaut sich um, aber es ist Niemand in Sicht und so wagt er sich näher an das Haus heran. Und auch dort ist vieles bunt und glitzernd. Auf den Fensterscheiben sind weiße Bilder und an der Haustür hängt ein Kranz aus Tannenzweigen mit einer großen roten Schleife.
Was das wohl alles zu bedeuten hat? So schnell ihn seine vier kurzen Beine tragen, läuft Bommel zurück zur Weide und steht kurz darauf nach Atem ringend vor seiner Mutter.
„Warum sieht es am Haus alles so anders aus als sonst? Es ist alles bunt und da sind Lichter“, seine Augen glänzen, „das sieht wunderschön aus.“
Die Mutter hat es schon lange aufgegeben, Bommel dafür auszuschimpfen, dass er immer von der Weide verschwindet. „Das Weihnachtsfest steht vor der Tür, Bommel.“
„Das Weihnachtsfest?“ Das kleine Schwein reißt die Augen weit auf.
„Ja, Weihnachten. Das feiern die Menschen in jedem Winter ein Mal. Und an einem Abend kommt der Weihnachtsmann und bringt allen Geschenke.“
„Bekommen wir auch Geschenke?“
Bommels Mutter lacht. „Nein, wir bekommen keine.“
„Aber ich bin auch ein Kind. Ein Schweinekind. Ich will auch ein Geschenk und Weihnachten feiern.“

Das kleine Schwein ist traurig. Wie gerne möchte er auch einmal Weihnachten feiern. Ob sie ihn für einen Abend ins Haus lassen? Vermutlich nicht. Aber vielleicht kann er von draußen ein wenig zuschauen. Aber dann müsste er irgendwie an das Fenster der Wohnstube heranreichen. Von unten konnte er gar nichts sehen.
Bommel tobt an diesem Tag nicht wie sonst auf der Wiese herum. Er liegt in dem kleinen Stall im Stroh und denkt nach. Seine Mutter und seine fünf Geschwister versuchen ihn zum Spielen aus dem Stall zu locken, aber Bommel will nicht.
Als die Sonne an diesem Wintertag am späten Nachmittag vom Himmel verschwindet, rennt Bommel aufgeregt zu seiner Mutter.
„Mama, können wir nicht hier im Stall auch Weihnachten feiern?“ Seine dunklen Augen leuchten vor Aufregung.
„Aber Bommel“, die Mutter knufft ihn liebevoll mit ihrem rosa Rüssel an, „wie stellst du dir das denn vor? Wir können doch nicht Weihnachten feiern?“
„Warum denn nicht?“ Bommel ist nicht bereit aufzugeben.
„Wir haben keinen Weihnachtsbaum und keine Kugeln zum Schmücken. Und auch keine Geschenke.“
„Da wird mir schon was einfallen“, die Augen des kleinen Schweins funkeln unternehmungslustig. Als es kurz danach Schlafenszeit ist, kuschelt sich Bommel tief ins Stroh und träumt von einem Weihnachtsfest im Schweinestall.

Als er am nächsten Morgen aufwacht, springt er blitzschnell auf und will sofort den Stall verlassen.
„Vergiss dein Frühstück nicht“, ermahnt ihn seine Mutter.
Hastig schlingt Bommel ein wenig Futter herunter und ist gleich darauf verschwunden. Die Wiese, auf der sie leben, liegt direkt an einem kleinen Wäldchen. Schon oft ist Bommel dort über Stock und Stein unterwegs gewesen.
Und nun ist ihm die kleine Lichtung in diesem Wäldchen eingefallen. Dort, so hat er es sich überlegt, können sie eine eigene Weihnachtsfeier machen. Und wenn am Weihnachtstag sowieso alle im Haus sind, wird es auch Niemand bemerken, wenn sie eine Weile verschwunden sind.
Während er sich die Lichtung genauer anschaut und Pläne macht, kommt der Hase Fred vorbei gehoppelt und kurz danach taucht auch noch das Reh Elvira auf. Beide Tiere fragen neugierig, was Bommel denn dort vor hat. Sie kennen sich bereits und wissen, dass das kleine Schwein voller Ideen steckt.
„Ich möchte Weihnachten feiern, so wie die Menschen auch. Wollt ihr nicht mitmachen?“ Beide stimmen begeistert zu und fragen auch, ob sie noch Freunde mitbringen können.
„Je mehr, je lustiger“, ist Bommels vergnügte Antwort.

In den nächsten Tagen ist Bommel wann immer er kann auf der Lichtung. Mit Hilfe seiner Freunde Fred und Elvira trägt er Tannenzweige zusammen und legt sie in Herzform auf den Waldboden. Aus dem Stall bringt er Äpfel und Möhren mit, die er von seinem Futter abgespart hat. Und Fred und Elvira tragen Kastanien und Eicheln zusammen. Damit dekorieren sie die Zweige und es sind gleichzeitig Geschenke für Jeden der dabei sein wird. An die Bäume rings um die Lichtung hängt das Eichhörnchen Wilma, das sich ihnen angeschlossen hat, noch Stroh, so dass auch diese geschmückt sind.
Als Bommel sich umschaut fällt ihm auf, dass noch etwas fehlt. Es sind die Lichter, die haben ihm doch besonders gut gefallen. Aber wie sollen sie das machen? Schließlich hat die kleine Wilma eine Idee. Sie ist mit einer Glühwürmchen Familie befreundet und die wird sie fragen.
Bommel ist glücklich. Nun können die Tiere tatsächlich zusammen Weihnachten feiern!

Als der große Tag endlich da ist, staunen die Schweine nicht schlecht, was Bommel da mit seinen Freunden auf der Lichtung alles gezaubert hat. Seiner Mutter laufen Tränen über die rosa Wangen, so gerührt ist sie. Besonders gefallen ihr die kleinen Glühwürmchen Lichter, die sich rundum auf den Bäumen verteilt haben. Dass Wilma die kleinen Käfer erst aus dem Winterschlaf wecken musste, behalten sie für sich. Es wird ein wunderbares Weihnachtsfest, das Bommel und seine Freunde nie vergessen werden.

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