Das 11. Türchen…

deckblatt

11. Dezember

Olga und die Weihnachtsmaus
von Nicole Vergin

„Hohoho…“, drang es piepsig an Olgas lange, weiche Ohren. Erstaunt hob die Hündin ihren Kopf. Da, genau vor ihrer Nase stand sie. Eine kleine Maus mit einer roten Mütze auf dem Kopf.
„Wer bist denn du?“
„Ich bin die Weihnachtsmaus!“
„Aha…“ Vorsichtig schob Olga ihre Nase näher und schnüffelte.
„Hey, das kitzelt“, piepste die Maus und machte einen Satz zur Seite.
Irgendwie roch diese Maus anders, als alle die sie bisher gerochen hatte.
„Ist doch klar“, sagte die Maus.
„Was ist klar?“ Olga wurde es ein wenig unheimlich. Konnte dieses kleine Tier etwa Gedanken lesen?
„Na, das ich anders rieche. Schließlich bin ich die Weihnachtsmaus. Und wenn du jetzt mal aufhören könntest, an mir herum zu schnüffeln, dann könnte ich dir dein Geschenk geben.“
„Geschenk?“ Die Hündin wurde immer verwirrter. „Was denn für ein Geschenk?“
„MannMannMann“, schnaufte die Maus, schob einen winzig kleinen Jutesack von ihrer Schulter herunter und tippte mit der Pfote einmal drauf.
Puff, machte es und schon wuchs und wuchs der Sack bis er viel größer als die Hündin war.
„Huch“, machte Olga und sprang auf.
„Alles in Ordnung?“, fragte die Maus.
Olga schüttelte den Kopf. „Nein, nichts ist in Ordnung. In meinem Wohnzimmer ist eine kleine Maus, mit einer roten Mütze und einem Zaubersack. Da kann doch was nicht stimmen!“

Die Weihnachtsmaus schaute die Hündin von oben bis unten an und legte beruhigend ihre winzig kleine Pfote auf die große Hundepfote. „Aber Olga, es ist Weihnachten. Die Heilige Nacht. Da geschehen nun einmal solche magischen Dinge.“
„Aber ich habe so etwas noch nie erlebt!“ Olga winselte leise.
„Ja, ich weiß. Der Menschen Weihnachtsmann kommt jedes Jahr. Aber der für Tiere. Naja, wie soll ich sagen. Wir hinken da etwas mit unserer Organisation hinterher.“
Die Hündin mit dem kurzen braunen Fell riss die Augen weit auf. Menschen Weihnachtsmann? Organisation? Was wurde hier eigentlich gespielt?
„Also“, die Weihnachtsmaus reckte und streckte sich, um ein wenig größer zu wirken. „Dann wollen wir mal mit der Bescherung beginnen.“ Ein kurzes Räuspern. „Hohoho“, piepste sie ein weiteres Mal, schüttelte dann den Kopf. „Bitte entschuldige, eigentlich sollte Bruno der Bernhardiner zu Dir kommen. Aber wie gesagt – die Organisation.“ Sie hustete energisch, klopfte sich auf ihre winzig kleine Brust und setzte erneut an: „Hohoho! Warst du denn auch immer artig in diesem Jahr, liebe Olga?“
„Öh“, machte Olga, und dann zögernd: „Nööö, naja, aber meist.“
Die Maus überlegte einen Moment. „Das reicht!“, beschloss sie, krabbelte in den riesigen Sack und zog beim heraus kommen einen Hundekuchen hinter sich her.
Mit einem Tock fiel er vor die Hündin, die die Augen gleich noch ein Stück weiter aufriss.
„Für mich?“, fragte sie verdattert, während ihr der Sabber bereits über die Lefzen lief.
„Natürlich“, nickte die Maus. Dann hob sie kurz ihre rote Mütze an und zog einen winzig kleinen Zettel hervor. „Entschuldige, aber ich bin mit dem Prozedere noch nicht so vertraut. Ich mache meine Prüfung erst im kommenden Jahr und bin bisher als Aushilfsweihnachtsmaus unterwegs.“
„Dafür machst Du das aber schon sehr gut“, versuchte Olga der Maus Mut zu machen.
„Wirklich?“, strahlte diese auch prompt.
Olga nickte.
„Ja, also dann“, sie las kurz auf dem Zettel nach, „dann wünsche ich dir noch ein schönes Weihnachtsfest, liebe Olga und ein gesundes Neues Jahr.“
„Danke“, entgegnete die Hündin, „das wünsche ich dir auch. Und vielen Dank für das tolle Geschenk.“
Die Weihnachtsmaus tippte erneut auf den Sack, der sofort wieder schrumpfte und den sie sich gleich darauf wieder über die Schulter warf. „Nun muss ich mich aber beeilen“, sagte sie, „ich muss noch zu einem Elefanten und zu einer Giraffe.“
Mit diesen Worten stiegen winzig kleine Rauchwolken auf, es machte Puff und die Weihnachtsmaus war verschwunden.

Olga machte es sich auf dem Teppich bequem und begann an ihrem Hundekuchen herum zu nagen.
„Weihnachtsmaus“, murmelte sie vor sich hin und ihre Lefzen zogen sich dabei nach oben, ganz so als würde sie lächeln.

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