Das 15. Türchen…

deckblatt

15. Dezember

Bommel trifft den Weihnachtsmann
von Nicole Vergin

Bommel ist ein Weihnachtsschwein. So haben ihn seine Geschwister und seine Freunde genannt, nachdem er im letzten Jahr ein Weihnachtsfest für die Tiere im Wald veranstaltet hat.

In diesem Jahr, als die Weihnachtszeit näher rückt, überlegt Bommel ob sie so etwas nicht wieder machen können. Das rosa Schwein mit den genau 13 schwarzen Flecken hat sich in die Weihnachtszeit verliebt. Kein Wunder also, dass er gerne wieder feiern möchte.
Bevor er sich jedoch in neue Pläne stürzen kann, hört er ein Gespräch der Menschenkinder, die sich über den Weihnachtsmann unterhalten. Bommel stellt seine kleinen rosa Schlappohren auf. Da gibt es also einen Mann, der am Heiligen Abend Geschenke verteilt.

Bommel rennt zu seiner Mutter, die er bis heute fragt, wenn er nicht weiter weiß.
„Der Weihnachtsmann?“, sie zieht die rosa Stirn in Falten, „ja, von dem habe ich gehört. Der soll am Nordpol wohnen. Zusammen mit seinen Wichteln bereitet er da das ganze Jahr über die Geschenke für den Heiligen Abend vor.“
„Und was passiert dann?“ Bommel ist ganz aufgeregt.
„Dann belädt er einen Schlitten, spannt ein paar Rentiere davor und dann sausen sie durch die Luft zu all den Kindern auf dieser Welt.“
„Was sind denn Rentiere?“, will Bommel noch wissen.
Aber das kann seine Mutter ihm auch nicht sagen. Auf jeden Fall müssen sie ja Flügel haben, denkt Bommel, sonst könnten sie ja wohl nicht fliegen.

Die Sache mit dem Weihnachtsmann geht ihm gar nicht mehr aus dem Kopf. Warum kommt er eigentlich nicht zu den Tieren? Oder kommt er vielleicht zu Tieren, die in den Häusern von Menschen leben? Kurz entschlossen fragt er Kalle, den Hund der Familie zu der auch die Schweine gehören.
Aber Kalle meint, der Weihnachtsmann kommt tatsächlich nur zu den Menschenkindern. Wobei er ihn nicht einmal da wirklich gesehen hat, sondern immer nur die Geschenkeberge, die hinterher unter dem Weihnachtsbaum liegen.
Das wird ja immer spannender, denkt sich Bommel. Für diesen Tag hat er genug zum Nachdenken. Er zieht sich in seine Ecke im Stall zurück und überlegt, wie er es schaffen kann, den Weihnachtsmann zu treffen. Denn, dass er ihn kennenlernen will, steht inzwischen für ihn fest.

Am nächsten Morgen beschließt er, alle die er kennt nach dem Weihnachtsmann zu fragen. Vielleicht kann ja irgendwer ihm etwas erzählen, dass ihm weiter hilft. Als erstes läuft er in den Wald und besucht seine Freunde Elvira, das Reh, Fred, den Hasen und das Eichhörnchen Wilma. Elvira erzählt, dass der Weihnachtsmann anscheinend immer durch den Schornstein in die Häuser der Menschen rutscht.
Bommel kommt das merkwürdig vor. Ist denn der Weihnachtsmann so klein, dass er da durch passt? Fred meint, dass der Weihnachtsmann rote Sachen trägt und an seiner Mütze ein riesiger weißer kuscheliger Bommel hängt. Ein Bommel? Ein Schwein? An einer Mütze?
Bommel wird immer verwirrter. Aber Wilma weiß etwas ganz anderes zu erzählen. Nämlich, dass man sich vom Weihnachtsmann etwas wünschen darf. Die Kinder schicken ihm Wunschzettel und dann bringt er all das was da draufsteht.
Man darf sich etwas wünschen? Bommel ist begeistert, denn sein Wunsch steht ja fest. Er möchte den Weihnachtsmann treffen. Aber wie soll er das mit dem Wunschzettel machen? Er hat ja weder Papier, noch Stift, noch kann er schreiben. Wie so oft, wenn er gar nicht weiter weiß, geht er zu seiner Mutter. Und die hat tatsächlich eine Idee. Sie hat gehört, dass man sich auch um Mitternacht etwas wünschen kann, in dem man es laut ausspricht. Allerdings darf Niemand dabei sein und man muss ganz fest daran glauben. Ob das allerdings auch der Weihnachtsmann hört, weiß sie nicht. Aber einen Versuch ist es ja auf jeden Fall wert!

In der nächsten Nacht, als der Mond schon oben über der Wiese leuchtet und die Sterne blank geputzt am Himmel hängen, schleicht sich Bommel aus dem Stall und schiebt sich kurz darauf unter dem Zaun hindurch. Er läuft eine Weile durch die Dunkelheit, bis er an eine Wiese kommt, die im Moment nicht genutzt wird. Bommel schaut sich um und hofft, dass wirklich keiner hier ist. Dann schaut er hoch ins Mondlicht und als die Glocke des Kirchturms im Ort zwölf Mal schlägt, sagt er drei Mal laut: „Ich wünsche mir, den Weihnachtsmann zu treffen.“
Das mit dem drei Mal sagen ist eine Vorsichtsmaßnahme, für den Fall, dass der Weihnachtsmann ihn die ersten beiden Male nicht hört.
Zufrieden läuft er wieder nach Hause und lässt sich bald darauf müde ins Stroh plumpsen. In dieser Nacht träumt er, dass er am Heiligen Abend den Weihnachtsmann von weitem sieht, aber immer wenn er näher kommt, ist dieser schon verschwunden.
Traurig wacht Bommel am nächsten Morgen auf. Wahrscheinlich wird er niemals den Weihnachtsmann treffen.

Und dann ist der Heilige Abend, der 24. Dezember endlich da! Bommel erwacht schon ganz früh morgens, springt auf und rennt aus dem Stall, wobei er über zwei der anderen Schweine stolpert und sie dadurch aufweckt. Begeistert sind die Zwei nicht, aber das Weihnachtsschwein lässt sich dadurch nicht aufhalten.
Draußen bleibt Bommel stehen und schaut sich um. Obwohl er gehört hat, dass der Weihnachtsmann erst abends oder vielleicht sogar nachts auf seiner Runde hier vorbei kommt, hat er ein wenig gehofft, er würde gleich morgens vor der Tür stehen.
Aber weit und breit ist kein Mann mit langem weißen Bart und einem roten Mantel zu sehen. Wie soll er nun bloß den Tag herumkriegen? All die vielen Stunden, bis es endlich Abend wird? Bommel knabbert lustlos an seinem Frühstück herum und als die anderen ihn fragen, ob er mit zum suhlen kommt, lehnt er ab. Nicht einmal zu einem Schlammbad hat er heute Lust. Mal abgesehen davon, dass er ja dem Weihnachtsmann nicht mit einer Dreckkruste am Körper gegenüber stehen möchte.
Einige der anderen Schweine machen sich schon über ihn lustig. Sie haben es noch nie erlebt, dass der Weihnachtsmann bei ihnen am Schweinestall vorbei gekommen ist. Und sie können sich das auch gar nicht vorstellen.
Bommel jedoch kann sich das sehr gut vorstellen und glaubt nach wie vor fest daran, dass sein Weihnachtswunsch in Erfüllung gehen wird. Als dann jedoch der Abend endlich da ist und er nach wie vor am Zaun steht und Ausschau hält, da kommt doch ein ganz kleiner Zweifel in ihm auf. Ist es vielleicht doch so, wie eins der Schweine gesagt hat, nämlich das es den Weihnachtsmann überhaupt nicht gibt?

Inzwischen ist es Nacht geworden und da der Mond von dicken Winterwolken verdeckt ist, steht Bommel im Stockdunkeln und kann rein gar nichts mehr erkennen. Als er gerade überlegt, ob er in den Stall geht und sich schlafen legt, hört er plötzlich Hufgetrappel. Es kommt von oben. Bommel legt den Kopf in den Nacken und schaut zum Nachthimmel hoch. Hat er sich geirrt? Nein, ein silberner Streifen taucht dort plötzlich auf und kurz danach saust dort oben ein großer Schlitten mit acht Tieren davor auf.
Mit weit offenstehendem Maul starrt Bommel auf die Szene, die sich ihm da am Himmel bietet.
„Ho, ho, ho“, dröhnt es plötzlich an seine kleinen rosa Ohren.
Und dann landet der Schlitten auch schon direkt neben der Wiese auf der Bommel sehnsüchtig seit Stunden gewartet hat.
Ein großer, rundlicher Mann mit langem weißen Bart, schwarzen Stiefeln und roter Kleidung, die am Kragen und an den Ärmeln weiß abgesetzt ist, springt vom Schlitten herunter und stapft auf Bommel zu, dessen Herz wie verrückt in seiner Brust herum springt.
„Guten Abend Bommel“, begrüßt ihn der Weihnachtsmann freundlich.
Bommel würde so gerne freundlich „Guten Abend Weihnachtsmann“, sagen, aber er bekommt vor Aufregung kein Wort heraus.
„Ich habe gehört, dass du das Weihnachtsfest liebst und letztes Jahr sogar eine Feier für die Tiere hier im Wald veranstaltet hast.“
Bommel, dem es inzwischen immerhin gelungen ist, unter dem Zaun hindurch zu schlüpfen und der nun vor dem Weihnachtsmann steht, nickt nur.
„Ich freue mich sehr, dich kennen zu lernen.“
„Ich auch“, krächzt Bommel verlegen.
„Und ein Geschenk habe ich für dich und die anderen Schweine natürlich auch mitgebracht.“ Ein riesiger Korb mit Obst, Kartoffeln, Mohrrüben und Brot wird vor dem kleinen Weihnachtsscheinchen abgestellt.
„Aber, aber“, stottert Bommel, „mein Wunsch war doch nur, den Weihnachtsmann zu treffen.“
Dieser lächelt nur.
„Danke“, ruft Bommel, nun gar nicht mehr so schüchtern.
„Ich danke dir. Wenn alle so sehr an mich glauben würden wie du Bommel, dann wäre mein Job viel leichter. Und nun muss ich weiter. Meine Rentiere scharren schon mit den Hufen. Wir haben noch viel zu tun in dieser Nacht. Ich wünsche dir noch ein wunderschönes Weihnachtsfest. Leb wohl!“ Mit diesen Worten steigt der Weihnachtsmann wieder in seinen Schlitten, die Rentiere legen sich ins Geschirr und kurz darauf heben sie ab und sausen hinauf zurück an den Nachthimmel.
Während Bommel noch „Frohe Weihnachten“ und „Danke nochmal“ hinterher ruft, dreht der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten noch winkend eine letzte Schleife und ist dann hinter dem nächsten Stern verschwunden.
Und für Bommel ist eins gewiss, diesen Heiligen Abend wird er nie vergessen.

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