Das 19. Türchen…

deckblatt

19. Dezember

Harrys Weihnachtswunder
von Nicole Vergin

Leise rieselte der Schnee. Harry folgte den dicken, weißen Flocken mit den Augen. Eine einzelne Schneeflocke wirbelte gegen das Wintergartenfenster. Harry hob seine Pfote, drückte sie gegen die Scheibe und folgte der Flocke, bis sie aus seinem Blickfeld verschwunden war.
Er gähnte und zeigte dabei seine kleinen spitzen Zähne. Ja, es war ein langer Tag gewesen. Bereits in der Frühe hatten seine Menschen mit den Vorbereitungen für den Heiligen Abend begonnen. Der Tisch wurde in eine weiß-goldene Decke gehüllt und feierlich gedeckt.
Später war dann der Rest der Familie gekommen. Gemeinsam hatten sie gegessen, img_5427gesungen, geschwiegen und gelacht. Wie jedes Jahr.
Und auch die Bescherung hatte sich nicht groß von anderen unterschieden. Das Menschenkind hatte sich ein weiteres Mal als Weihnachtsmann verkleidet und Geschenke verteilt. Und wieder einmal war für ihn, den Hauskater, nichts dabei gewesen.
Harry schüttelte seinen schwarz-weißen Kopf und leckte sich die Pfoten. Und nun war der Heilige Abend auch schon wieder vorüber und er lag im Wintergarten auf seinem Kissen, eingekuschelt in ein Schafsfell.
Klingeling…
Neugierig hob Harry den Kopf und ließ seinen Blick durch den dunklen Garten wandern. Aber da war niemand.
Klingeling…
Vor der Scheibe, genau in Augenhöhe tauchte ein goldenes Glöckchen auf, dessen Griff einen Engel darstellte.
Klingeling…
Erneut hatte sich das Glöckchen bewegt. Harry starrte verwundert auf das Glöckchen. Wieso bewegte es sich, wenn doch niemand da war? Langsam stand Harry auf, streckte sich und machte dann einen Buckel. Er fauchte leise.
Im nächsten Moment sah er, dass vor dem Fenster eine Gestalt auftauchte. Ganz langsam, nach und nach. Erst ein schwarzer Handschuh, der das Glöckchen hielt. Dann eine rote Mütze mit einem weißen Rand und einem dicken weißen Bommel. Darunter erschien ein freundliches, rundes Gesicht mit Apfelbäckchen.
Während Harry sich mit der Pfote über die Auge wischte, tauchte der Rest der Gestalt auf.
„Hohoho!“, ertönte es vor dem Fenster und schon im nächsten Moment öffnete sich die Wintergartentür und herein trat der Weihnachtsmann. Nein, kein verkleideter Mensch. Harry fühlte ganz genau, dass es sich hier um den echten Weihnachtsmann handelte. Dabei hatte er nie an ihn geglaubt und die Menschen immer von oben herab belächelt. Aber hier stand er nun direkt vor ihm.
Der Weihnachtsmann stellte das Glöckchen neben Harrys Kissen, griff in eine Tasche seiner rot-weißen Jacke und holte ein goldenes Schälchen hervor, das mit einem Deckel verschlossen war.
Harry konnte sein Glück kaum fassen. Wie oft hatte er abends auf dem Sofa liegend im Abendprogramm die Werbung mit der eleganten grauen Katze gesehen. Und wie ihr ein besonderes Futter auf einem schönen weißen Teller vorgesetzt wurde. Ob das alles hier ein Traum war?
Aber der Weihnachtsmann zauberte aus der anderen Tasche ebenso einen Teller hervor, riss den Deckel der Schale auf, drehte sie um und ließ das Futter vorsichtig auf den Teller gleiten. Mit großen Augen sah Harry zu, wie der Weihnachtsmann den Teller vor ihn hinstellte.
„Das ist für dich“, sagte er, strich ihm liebevoll über sein glänzendes Fell und war im nächsten Moment verschwunden.
Harry drehte sich zurück zum Fenster und schaute in den nun wieder verlassen daliegenden Garten.
„Hohoho!“, hörte Harry die Stimme ein weiteres Mal, „Frohe Weihnachten, Harry!“ Während am Himmel ein Licht vorüberflog, beugte sich Harry über seinen Teller und fraß genüsslich einen Bissen nach dem anderen.

In Erinnerung an unseren geliebten Harry! 

 

 

 

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