Leben ohne Dich

In acht Tagen ist es bereits vier Monate her, dass ich das Fenster Deines Zimmers weit öffnete, damit Deine Seele in den schönen Frühlingsmorgen hinausfliegen konnte.

DSC_0083Mir kommt es vor, als sei es erst gestern gewesen, dass ich an Deinem Bett saß, Deine Hände, Dein so vertrautes Gesicht streichelte und Abschied nahm.

Monate waren diesem Tag voraus gegangen. Monate, die zwei Aufenthalte auf der Intensivstation, scheinbar ewiges liegen, Schmerzen und Angst mit sich brachten. Aber auch zahlreiche glückliche Momente, in denen wir uns nah waren und gemeinsam gelacht haben.

Es war ein Abschied auf Raten. Stück für Stück bist Du vor meinen Augen kleiner geworden, hast Dich immer mehr in Deine eigene, teils erfundene, Welt zurückgezogen. Du warst traurig, weil mein Bruder Dich gar nicht besucht hat, obwohl er doch eine Etage über Dir wohnt. Ich ließ Dich in dem Glauben, dass es diesen Bruder wirklich gab, denn ich hatte schnell gelernt, dass ich Deine Welt nur noch mehr durcheinander bringe, wenn ich versuche etwas richtig zu stellen. „Wenn er nicht kommen will, bleibt er eben weg“, habe ich zu Dir gesagt, „Du hast doch uns und wir sind für Dich da.“ Ein Lächeln auf Deinem wunderschönen Gesicht und ein Kopfnicken war die Antwort.

Ja, zahlreiche dieser Momente gab es. Traurige, aber eben auch wundervolle. Sie alle sind in mein Gedächtnis eingebrannt und ich bin dankbar dafür, dass ich diese Zeit mit Dir haben durfte.

In der Realität findet mein Leben nun ohne Dich statt. Aber in meinem Herzen bist Du immer bei mir und die Liebe, die wir uns gegenseitig in über vier Jahrzehnten geschenkt haben – ja, sie wird die Zeit überdauern und immer ein starkes Band zwischen uns sein.

Danke für alles – ich liebe Dich.

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