Schreibkick: Jahresuhr

Ein paar Zeilen zum Januar Schreibkick Thema…

Jahresuhr
von Nicole Vergin

Ticktack, ticktack, ticktack…
Verdammt, hörst du sie nicht? Hörst du nicht, wie sie tickt, deine Lebensuhr? Wie sie unaufhaltsam abläuft?
„Ich habe doch noch Zeit, so viel Zeit“, höre ich dich sagen. „Später, dann werde ich…“
Was? Was wirst du später tun? Das gute Geschirr nutzen, die schicken Schuhe anziehen? Jetzt! Jetzt ist der Augenblick das zu tun, was du möchtest, was dir wichtig ist.
Oder willst du, dass für dein Leben der Satz von Georg Jellinek einmal Anwendung findet?
„Am Grab der meisten Menschen trauert, tief verschleiert, ihr ungelebtes Leben.“
Weißt du, was viele Sterbende am Ende bereuen? Dass sie zu viel gearbeitet, sich zu wenig Zeit für sich, für die Familie und die Freunde genommen haben.
„Aber ich muss doch arbeiten. Geld verdienen!“
Stimmt. Aber wie viel Geld brauchst du wirklich? Welche Dinge in deinem Leben, die du teuer anschaffst, sorgen dafür, dass du dich besser fühlst?
Nein, ich will nicht an dir herum meckern, deinen Lebensstil in Frage stellen oder ihn gar kritisieren. Aber einmal darüber nachdenken, dazu möchte ich dich anregen. Ich, die Uhr die im Hintergrund deines Lebens auch in diesem Jahr wieder tickt. Die deine Zeit verrinnen lässt, während du deine Wünsche und Träume im Tiefkühlfach frieren lässt. Für später.
Jetzt. Jetzt findet dein Leben statt. Nimm es in beide Hände, achte gut darauf und nutze es.
Ticktack, ticktack, ticktack…

Diesmal waren dabei:

Eva

Rina P. 

Corly

Veronika

Monika

Für den 1.2.18 lautet das Thema: Nächtlicher Wolkenzauber

 

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Schreibkick: Unter dem Weihnachtsbaum

In diesem Jahr gibt es einen Special Weihnachtskick mit dem Thema: Unter dem Weihnachtsbaum. Und mir ist spontan etwas eingefallen…

Ich wünsche Euch ein wundervolles Weihnachtsfest mit vielen besinnlichen Stunden. Genießt diese letzte Zeit des Jahres und sorgt gut für Euch!

Unter dem Weihnachtsbaum
von Nicole Vergin

Das Kreischen der Motorsäge verbündete sich mit ihren Kopfschmerzen. Meist kam eben doch alles zusammen, dachte Nora, während sie zum x-ten Male an diesem Tag auf wackligen Beinen in Richtung Vorratskammer schlich um ein weiteres Paket Taschentücher zu holen.
Ein Grippevirus hatte sie seit einigen Tagen energisch in seinen Fängen, so dass ihr nichts anderes übrig blieb, als auf dem Sofa unter der Decke zu liegen und gegen den Hustenreiz literweise Thymian Tee mit Honig zu trinken.
Zu allem Übel hatte sich im Garten auch noch eine der Fichten bei einer Sturmbö verabschiedet und sich quer über den Teich gelegt. Jedes Mal, wenn einer ihrer Bäume sein hölzernes Leben aushauchte, gab es einen kleinen Riss in Noras Herz. Sie liebte diese Wesen, die den Launen der Natur trotzten und sich manchmal auf abenteuerliche Art und Weise ihre Wuchsrichtungen in Richtung Himmel suchten.

Die Fichte hatte sich ihren Standort vor zwanzig Jahren selber ausgesucht. Eines Tages war Nora über ein winzig kleines Bäumchen am Rande des Teiches gestolpert und hatte es nicht über das Herz gebracht, es auszureißen. Gut, der Standort war aus menschlicher Sicht unpassend, aber um so etwas scherte sie sich nicht. Und der Baum offensichtlich auch nicht. Er wuchs und gedieh und so lange er relativ klein war, hatten sie ihn zur Weihnachtszeit mit einer Lichterkette versehen, so dass sie beim Blick aus dem Esszimmer immer etwas Besonderes vor Augen hatten.
DSC_0008Und nun lag er draußen, in Einzelteilen auf dem Rasen verteilt und da wo er vor Stunden noch aufgeragt hatte, stand nun nur noch ein kahler Stumpf.
Immerhin würde die Fichte einen glanzvollen Abschied bekommen. Zumindest ein Teil von ihr. Es war zwei Tage vor Heiligabend und so hatten sie beschlossen, die hoch aufragende Spitze als Weihnachtsbaum in das Haus zu holen und sie ganz wie in Andersens Märchen „Der Tannenbaum“ noch einmal in hellem Glanze erstrahlen zu lassen.

Als der Morgen des Heiligen Abend anbrach, wachte Nora mit derselben verstopften Nase, dem Kratzen im Hals und stellte dann auch noch fest, dass als Höhepunkt eine eitrige Bindehautentzündung dazu gekommen war. Eine Augenerkrankung, mit der sie sich schon öfter herum geplagt hatte. Und das sollte nun das Weihnachtsfest, ihre liebsten Feiertage im ganzen Jahr werden?
Während des Frühstücks, das ihr Mann liebevoll vorbereitet hatte, fühlte sie noch immer keine Weihnachtsstimmung in sich aufkommen. Sie schleppte sich, wie die Tage zuvor, zwischen Esstisch und Sofa hin und her und fühlte sich traurig.

Sie hatten abgesprochen, den Baum nach dem Frühstück zu schmücken und am liebsten hätte Nora sich auch dazu nicht aufgerafft. Aber als ihr Mann die Kisten mit der Weihnachtsdeko hervor holte, kam doch ein wenig Freude in ihr auf.
Liebevoll hängten sie Kugeln und Lametta an die Zweige, stellten einen kleinen Zaun um seinen Fuß herum auf und befestigten eine bunte Lichterkette. Die Spitze, die sie sonst als Schmuck obenauf anbrachten, ließen sie weg, denn die ehemals kleine Fichte besaß beinahe von Anfang an zwei davon und die sollte sie nun zum Ende hin auch behalten.
Mit etlichen Pausen, wiederholtem Nase putzen, kamen sie langsam aber stetig voran. Und dann war der große Moment da. Der Baum stand festlich beleuchtet in einem wunderschönen Weihnachtsgewand vor ihnen.
Nora liefen Tränen über das Gesicht, der Anblick und das Gefühl des Abschieds rührten sie. Aber da war noch etwas. Das Gefühl von Weihnachten breitete sich in ihr aus. Ja, die Weihnachtstage würden anders verlaufen, als sie es sich ursprünglich gewünscht hatte, aber sie würde sie trotz allem genießen und sich an dieser besonderen Zeit des Jahres erfreuen.
Dankbar blickte sie den Baum an. Selbst am Ende seines Lebens bereitete er ihr noch Freude. Und auf einmal rückten alle Grippeviren in den Hintergrund und sie fühlte sich besser, als all die Tage zuvor.
„Frohe Weihnachten“, murmelte sie, während sie sanft über einen der Zweige strich.

Diesmal waren dabei: 

Sabi

Eva

Veronika

Rina P.

Corly

surf your inspiration

Für den 1.1.18 lautet das Thema: Jahresuhr

 

 

Schreibkick: Stille Straße

Nach langer Zeit mal wieder eine Schreibkick Geschichte. Wenn auch ein wenig verspätet… Aber als ich gestern Abend so durch die Gegend fuhr, meldete sich plötzlich meine Muse zu Wort. Na, lest selber…

Stille Straße
von Nicole Vergin

Der Wind rüttelte an dem kleinen blauen Auto. Nora bemühte sich, das Lenkrad so ruhig wie möglich zu halten. Ihr Herz klopfte aufgeregt.
Wo war sie hier bloß hingeraten? Ein Umleitungsschild hatte sie auf einer langen geraden Straße aus dem Ort hinaus geführt. Nur durch Zufall, hatte sie das kleine weiße Schild gesehen, das nach links wies.

Und nun fuhr sie über eine abgelegene Straße, deren Asphaltdecke mit Schlaglöchern gespickt war. Die Scheinwerfer ihres Wagens beleuchteten nur einen Bruchteil dessen was vor ihr lag. Zwischen dem Regen, den der Wind mittlerweile vor sich her trieb, übersah sie eine Schwelle auf der Fahrbahn. Das Rumpeln verursachte einen stechenden Schmerz, der wie ein Blitz in ihren unteren Rücken geschossen war.
„So ein Mist.“ Es tat gut, die eigene Stimme zu hören.
Obwohl Nora auf der anderen Seite der Felder, an denen sie sich förmlich vorbei tastete, einige wenige Lichter des Ortes erkennen konnte, fühlte sie sich, als sei sie fernab von allen Menschen auf sich allein gestellt.
„Du übertreibst!“ Der Versuch, ihre Stimme energisch klingen zu lassen, scheiterte kläglich.
Eine Rechtskurve beanspruchte ihre Aufmerksamkeit und als ein paar Hundert Meter die nächste Schwelle zur Geschwindigkeitsbegrenzung im Scheinwerferlicht auftauchte, war sie gewappnet. So sanft wie möglich ließ sie das Auto darüber rollen.
„Warum fährt denn hier außer mir niemand lang?“ Ihre gemurmelte Frage ging in einer vorbei heulenden Windböe unter.

Es war gerade einmal kurz nach 19 Uhr und die Gegend wie ausgestorben. Die einzigen Geräusche um sie herum, waren die des Motors, das prasseln des Regens und das heulen des Windes.
Für einen Moment war sie erleichtert, dass es wenigstens diese Geräusche gab. Denn ansonsten, das wurde ihr schlagartig klar, würde es auf dieser Straße still sein. Totenstill.
„Mach dich doch nicht verrückt, Nora!“
Aber ihre Selbstgespräche machten sie leider auch nicht mutiger. Sie schaute auf die Uhr und stellte fest, dass sie zu ihrem Termin zu spät kommen würde. Warum hatte man sie auch nicht vor dieser verdammten Umleitung gewarnt? Wie hätte sie denn ahnen können, dass es zur Zeit durch den Ort absolut kein Durchkommen gab?
Stattdessen musste sie durch diese Gott verlassene Gegend kurven.

„Es ist zwar nicht der Arsch der Welt, aber man kann ihn von hier aus durchaus sehen“, versuchte sie es mit einem Witz, der jedoch nicht einmal ein Zucken ihrer Mundwinkel zur Folge hatte.
Eine weitere Schwelle lauerte auf der Straße und während sie den Wagen langsam hinüber rollen ließ, sah sie plötzlich im Scheinwerferlicht ein paar gelbe Augen aufleuchten.
„Scheiße!“ Reflexartig trat ihr Fuß auf die Bremse und das Auto reagierte auf dem nassen Asphalt mit einem beleidigten Schlenker.
Als der Wagen stand, trommelte ihr Herz einen wilden Alarm. Nora stützte sich mit beiden Armen auf dem Lenkrad ab und versuchte durch gleichmäßiges Atmen ihr Herz zu besänftigen. Das hätte schief gehen können. Im Licht des Scheinwerfers erkannte sie, wie dicht sie davor gewesen war, auf den nebenliegenden Acker zu rutschen. Und bei dem Schlammwetter – da machte sie sich nichts vor – hätte sie das Auto allein nie wieder auf die Straße bringen können.

Es half alles nichts. Sie musste weiterfahren. Hier stehenbleiben war definitiv keine Alternative. Immerhin schien sich das Tier – was auch immer es gewesen war – in Sicherheit gebracht zu haben.
Obwohl ihr Pulsschlag sich immer noch in Rekord verdächtiger Höhe befinden musste, gab Nora wieder behutsam Gas und fuhr zurück in die Mitte der Straße.
„Ok, Nora ganz ruhig jetzt. Du schaffst das! Irgendwo muss ja auch diese Straße ein Ende haben.“
Meter für Meter schlich sie nun dahin, während sie versuchte ein wenig von ihrer sonstigen Gelassenheit zurück zu erobern. Aber erst, als sie nach einer gefühlten Ewigkeit, das Ende der Straße vor sich sah, war ihr Herz bereit wieder einen normalen Takt aufzunehmen.

Sie war auf der anderen Seite des Ortes angelangt. Und obwohl auch dort kein Mensch zu sehen war, gab es Bürgersteige, Straßenlaternen. Leben.
Nora setzte den Blinker, bog rechts ab und schaute ein weiteres Mal auf die Uhr.
Pünktlich würde sie tatsächlich nicht mehr ankommen, aber dafür heil und unversehrt.

Diesen Monat waren dabei:

Eva

surf your inspiration

Veronika

Rina P.

Corly

Für den 24.12. gibt es ein Spezial-Thema: Unter dem Weihnachtsbaum

Für den 1.1.18 lautet das Thema: Jahresuhr

Schreibkick: Freibad

Meine Muse hat zur Zeit Urlaub – was hin und wieder auch sein muss! Trotzdem kam sie gestern Abend vorbei geschlendert und meinte so ganz nebenbei: „Hey, morgen ist doch der Schreibkick zum Thema Freibad fällig.“ „Ich weiß“, entgegnete ich, „aber ich will diesen Monat nicht mitmachen, keine Zeit.“ Aber sie ließ sich nicht abwimmeln, beugte sich zu mir herunter und flüsterte mir etwas ins Ohr… Und nachstehend findet Ihr das Ergebnis!

Freibad
von Nicole Vergin

„Setz dich zu mir, Froschmann!“ Aus der Vergangenheit wehte ihre Stimme zu ihm herüber. Er griff neben sich, da wo damals ihre Hand gewesen war und jetzt nur der Wind über seine Haut strich.
„Pippilotta“, flüsterte er. Immer hatte sie die Welt so gemacht, wie sie ihr gefiel. Nicht nur ihre eigene, sondern auch seine. Und jetzt, wo sie beschlossen hatte, aus seinem Leben zu verschwinden, da hatte er keine Welt mehr, in der er leben konnte.
Nicht einmal seine beiden blauen Pfeilgiftfrösche konnten ihn nun noch trösten. Vorbei die Zeiten, in denen ihre Existenz ihm neben dem atmen, essen und schlafen, genügt hatten.

Der graue, rutschfeste Kunststoffbelag des 10 m Sprungturms drückte sich unbequem in seine Oberschenkel. Hier oben hatten sie gesessen, nebeneinander und die im Licht des Vollmonds vorbeiziehenden Wolken beobachtet. In der Nacht, in der sie über den Zaun geklettert und das Freibad für sich erobert hatten.
„Das gehört jetzt alles uns.“ Und wenn Pippilotta so etwas sagte, dann glaubte der Froschmann ihr.

Er ließ sich zurück auf den Rücken fallen und schaute nach oben in den Nachthimmel, an dem nur vereinzelte Sterne wie Glühwürmchen glimmten. Seine Beine baumelten knieabwärts von der Kante herunter.
„Sie kommt nicht zu mir zurück“, rief er den Sternen zu. Aber denen war das egal. Genauso wie es Pippilotta egal war, dass sie seine Welt mitgenommen hatte. Oder hatte er zum Schluss gar keine eigene mehr gehabt? Er setzte sich kurz auf, dachte einen Moment nach und kam zu dem Ergebnis, das er es sich einfach in ihrer Welt bequem gemacht hatte. Und das war der Fehler gewesen. Jetzt sah er es ganz klar. Seine eigene Welt war ihm damals Scheißegal gewesen. Ihre bunte, aufregende Welt hatte ihn angezogen, eingesogen. Seine eigene war ihm plötzlich fad erschienen. Und nun hatte er keine Welt mehr, egal wie er es auch drehte und wendete. Da war nur noch ein großes Nichts, ein gähnender Schlund.
Stück für Stück schob er sich nach vorn, blickte in die Tiefe, die ebenso dunkel dalag, wie der Nachthimmel über ihm schwebte. Vielleicht gab es da unten für ihn eine neue Welt. Eine, in die er eintauchen konnte, wenn er es nur mutig genug versuchte.
Entschlossen ließ er auch das letzte Stück grauen Kunststoffs hinter sich und stürzte sich mutig durch die wirbelnden Schneeflocken hinunter auf den Boden der Tatsachen.

Diesen Monat waren dabei:

Veronika
Eva
Sabi
Rina P.
Corly

Das Thema für den 01.06.17 lautet: Hitze

Schreibkick: Platzregen

Mit ein paar Tagen Verspätung, kommt hier nun mein Beitrag zum aktuellen Schreibkick Thema Platzregen. Viel Spaß beim Lesen!

Platzregen
von Nicole Vergin

Wochenlanges Training lag hinter mir. Kilometer um Kilometer war ich gelaufen, hatte Tempoeinheiten trainiert und mit langen Strecken meine Ausdauer weiter verbessert. All das mit einem Ziel: die Teilnahme an einem 15 km Lauf.
Mit einem Seufzer wende ich mich von meinem Wohnzimmerfenster ab, öffne die Tür und gehe in den Wintergarten. Missmutig schmeiße ich meine Laufsachen in eine Kiste und lege ein paar Handtücher dazu. Über mir prasseln dicke Regentropfen auf das Dach des Wintergartens. Aus Erfahrung weiß ich, dass sich das Ganze schlimmer anhört als es tatsächlich ist. Mein Blick nach draußen sagt mir, dass es zwar reichlich feucht aus den dunklen Wolken herab rieselt, aber dass das noch lange kein Grund ist nicht an den Start zu gehen.

Zwei Stunden später ist es soweit. Meine Laufschuhe sind nach drei Versuchen gut geschnürt, nicht zu fest und nicht zu locker. Das ist wichtig, denn im ersten Fall bekomme ich eine Druckstelle und im zweiten das Gefühl keinen Halt im Schuh zu haben. Die Laufwetterfee ist inzwischen gnädiger gestimmt. Das was nun noch vom Himmel herunter kommt, ist kaum mehr Feuchtigkeit als man an einem nebligen Herbsttag bei einem Spaziergang abbekommt.

Da, der Startschuss. Endlich geht oder vielmehr läuft es los. Um mich herum flitzen die anderen Läufer los, als gebe es an der nächsten Ecke etwas umsonst. Das einzige was ich dort umsonst bekäme, wären die ersten Seitenstiche an diesem Tag. Also halte ich mich streng an mein läuferisches Potenzial, was definitiv eher im langsamen Bereich liegt, und lausche dem tapptapptapp meiner Laufschuhe auf dem Gehsteig, der nach Verlassen des Sportplatzes durch den Ort führt.
Kurz darauf gelange ich als eine der letzten Läufer am Ortsrand an und mache mich auf den Weg durch die Felder. Inzwischen ist der Regen eindeutig stärker geworden. Die Tropfen sind größer und wenn sie auf meine nackten Arme platschen habe ich das Gefühl, das sie sich nach einer Weile auf meiner Haut zu einer Wasserfläche zusammenschließen.
Warum habe ich heute bloß meine Kontaktlinsen eingesetzt? Ich zwinkere mit den Augen und wische gleichzeitig mit dem ebenfalls nassen Handrücken vorsichtig darüber. Immer mit der leisen Furcht im Nacken, sie heraus zu spülen. Und halbblind durch die Gegend zu laufen, wäre sicherlich kein Vergnügen. Vorsichtshalber ziehe ich das Cappy, das ich heute aufgrund der Wetterverhältnisse trage, etwas tiefer in die Stirn. Was zwar einerseits meine Sicht ein behindert, aber meine Augen und somit die Kontaktlinsen ein wenig vor Überflutung schützt.

Inzwischen scheinen die Regentropfen sich noch mehr zusammen getan zu haben. Sie fühlen sich härter auf meiner Haut an. Bei jeder Landung sticht und prickelt es und ich wünschte ich hätte meine Laufjacke angezogen. Unwillkürlich laufe nun auch ich schneller, was den Vorteil hat, dass ich doch noch einige Mitläufer überhole. Und erstaunlicherweise geben meine Beine und meine Kondition dieses Tempo auch her. Einen Moment grinse ich über das ganze Gesicht und freue mich, dass mein Training offensichtlich erfolgreich war.
Wenige Minuten später vergeht mir das Grinsen. Aus den großen, harten Wassertropfen ist ein einziger Guss geworden. Wer in drei Teufels Namen hat denn da oben den Wasserhahn so weit aufgedreht? Ich bin pitschnass, bis auf die Unterwäsche. Ich kann es genau fühlen und dieses rundum nass Gefühl ist keinesfalls schön. Von meinem Cappy tropft es so beständig, dass ich mir wiederholt über das Gesicht wische ohne irgendetwas dadurch zu verbessern.
Ich setze einen Fuß vor den anderen, fühle das quietschen und quatschen in meinen Laufschuhen, die ebenfalls durch und durch nass sind. Und dann kommt dieser eine entscheidende Moment, in dem ich ganz sachlich darüber nachdenke, dass nun nichts weiter passieren kann. Ich bin nass, so nass wie vermutlich noch nie in meinem Leben. Mir ist trotz des für mich recht schnellen Laufes kalt, da mir der Wind im Moment erbarmungslos entgegen stürmt. Und ich kann gegen all das nichts, aber auch gar nichts tun.
Doch, eines. Es akzeptieren. Als ich das beschließe, fällt der Groll über das Regenwetter, über diese ach so unfaire Situation, dass es ausgerechnet an diesem Tag so ist, von mir ab. Ich kann es sowieso nicht ändern. Ich kann den himmlischen Wasserhahn nicht zudrehen und da weit und breit außer ein paar anderen Läufern niemand in der Nähe ist, bleibt mir nichts anderes übrig, als bis ins Ziel weiter zu laufen.
Ich verlängere meine Schritte noch ein wenig, vorsichtig, damit ich nicht noch auf dem letzten Stück schlapp mache. Auf einmal fühle ich mich glücklich. Die Anstrengung des Laufens ist in den Hintergrund gerückt, rigoros von der Freude an der Laufbewegung verdrängt. Meine Mundwinkel wandern nach oben und ich bin sicher, dass meine Augen glänzen. Und das nicht nur von all dem Wasser.

Als ich nach der 15 km Runde wieder auf den Sportplatz einbiege, bin ich fast traurig, dass dieser grandiose Regenlauf nun zu Ende geht. Ich habe sogar noch Kraft für einen kurzen Sprint ins Ziel. Und während die Zuschauer mir und den anderen Läufern beim Überqueren der Ziellinie zujubeln, reiße ich beide Arme hoch, halte mein Gesicht in den Wind und tanze ausgelassen mit dem strömenden Regen um die Wette.

Diesen Monat waren dabei:

Veronika
Eva
Sabi

Das Thema für den 01.05.17 lautet: Kuriose Geschichten aus dem Freibad

Schreibkick: Frühlingsblüten

Wer näheres über die Schreibkicks erfahren möchte, kann sich hier schlau lesen!

Im Februar lief schreibtechnisch nichts so, wie ich es geplant hatte. Wie gut, dass ich den Schreibkick bereits spontan in den ersten zwei Tagen des Monats geschrieben hatte.

Frühlingsblüten
von Nicole Vergin

Gestatten? Von und zu Erle lautet mein Name und ich bin ein Pollenkorn. Und um ihrer Frage vorzubeugen: gemeinsam mit den anderen Pollenkörner bin ich das männliche Erbgut einer hervorragend gewachsenen Erle. Genauer gesagt einer Schwarz-Erle. Wir sind der Blütenstaub dieses Baumes und wenn unsere Zeit gekommen ist, trägt der Wind uns zum Zwecke der Befruchtung davon.
Bleibt bloß weg? Ich höre wohl nicht recht! Gehören sie etwa zu diesen zartfühlenden Menschen, bei denen wir eine Allergie auslösen? Scheuen sie sich etwa vor einer laufenden Nase und triefenden roten Augen? Verstehen sie doch: ohne uns, würden die Erle aussterben. Ich bin sicher, dass dies nicht in ihrem Sinne ist!
Ist es doch? Sie sehen mich entsetzt! Ob ich schon einmal eine Allergie bei einem Menschen miterlebt hätte? Wie sollte ich? Schließlich werde ich nur geboren, um meine Pflicht zu tun, um einer großen Verantwortung gerecht zu werden. Und habe ich dies getan, verschwinde ich. So wie der Wind weiterzieht und das menschliche Auge ihm nicht mehr folgen kann.
Wie können sie es wagen zu behaupten, ich hätte keinerlei Ahnung von dem wahren Leben? Ich trage dazu bei, Leben zu erschaffen! Mein, wenn auch kurzes Leben, hat einen Sinn, einen Zweck. Können sie das von ihrem auch behaupten?
Nein, ich habe durchaus nicht im Sinne frech zu werden, wie sie es nennen. Aber blicken sie doch einmal den Tatsachen ins Auge. Ohne Bäume, egal ob es nun die wunderbaren Erlen oder auch Birken, Eichen, Kastanien und all die anderen sind, sorgen für den Sauerstoff den alle Lebewesen auf der Erde zum Überleben benötigen. Da müssen sie doch das große Ganze sehen.
Das ist schwierig, wenn die Augen verquollen sind? Nun, da haben sie natürlich unbestreitbar recht. Und glauben sie mir, ich wünsche ihnen nur das Beste. Aber wie ich bereits erwähnte: es gibt nun einmal keinen anderen Weg.
Und jetzt wo die Sonne bereits seit Tagen ihre Strahlen vom Himmel herunter sendet, sind auch etliche von uns bereits auf dem Luftweg unterwegs. Gesundheit! Oh, ich höre sie wissen dies bereits. Jedenfalls kann auch ich jeden Moment auf den Flügeln des Windes davon getragen werden. Die Sehnsucht tief in mir ist bereits unerträglich. Oh Wind, nimm mich mit!
Da, ich fühle es. Er kommt und dieses Mal darf ich ihn begleiten. Ich spüre seinen Atem, ich rieche die laue Frühlingsluft, ich fliiiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeegeeeeeeeeeee….

Diesen Monat waren dabei:

Veronika
Eva
Sabi

Das Thema für den 01.04.17 lautet: Platzregen

Schreibkick: Inspiration

Wer näheres über die Schreibkicks erfahren möchte, kann sich hier schlau lesen!

Ich habe im Januar mit einer Challenge begonnen. Täglich 200 Wörter schreiben, egal worüber. Ideal, um z. B. an den Schreibkicks teilzunehmen. Hier also meine Gedanken zum Thema Inspiration!

Inspiration
von Nicole Vergin

Inspiration!
Ich wache auf und als erstes schießt mir dieses Wort durch den Kopf: Inspiration!
Wie es dazu kommt? Es ist das Thema für den nächsten Schreibkick. Und offensichtlich lässt es mich nicht los, verfolgt mich sogar bis in den Schlaf. Wer weiß, was es in der vergangenen Nacht in meinen Träumen angerichtet hat!

Ich kann mich nicht daran erinnern, was ich geträumt habe. Aber vielleicht war alles bunter als sonst. Vielleicht bin ich mit einem Raumschiff, oder vielmehr einem Schiffchen, nur so eines für zwei Personen – oder nennt man das dann Raumgleiter? – durch den dunklen Weltraum geflitzt. Vorbei an der Milchstraße, die in Wirklichkeit gar nicht aus Sternen, sondern – wie es der Name schon sagt – aus Milch besteht. Und genau wie hier auf der Erde ist die Milch flüssig. Und plötzlich schaue ich vorne aus der Frontscheibe meines Raumgleiters hinaus und sehe wie sich ein dicker weißer Tropfen bildet. Rasch lasse ich den Gleiter einen kleinen Linksschwenk machen, um nicht von diesem Tropfen getroffen zu werden, wenn ich gleich unter der Milchstraße hindurch fliege.
Upps, da ist wohl meine Fantasie mit mir durchgegangen.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, ich will etwas zum Thema Inspiration schreiben.
Am besten mache ich mich erst einmal auf meine Morgenrunde. Bewegung setzt ja bekanntlich die Hirnaktivitäten in Gang. Ich schlüpfe in meine Stiefel, setze mir angesichts der frostigen Temperaturen eine Pudelmütze auf den Kopf und auch der Rest des Körpers wird ordentlich verpackt.
Draußen wartet schon die Sonne auf mich. Sie will wissen, wo ich so lange war. Normalerweise stehe ich im Winter vor ihr auf, so dass wir uns meist erst im Laufe des Tages begegnen. Aber heute habe ich tatsächlich verschlafen. Sie lacht, was ich ausgesprochen ungerecht finde. Schließlich schläft sie selber im Winter grundsätzlich länger. Aber wer will sich schon mit der Sonne anlegen!
Gemütlich schlendere ich los. Nur keine Hektik am Morgen ist meine Devise. Zumindest nicht vor dem Frühstück. Ich biege um die Ecke und sehe die weiten Felder vor mir. Eine helle Eisdecke liegt auf ihnen, die in der Sonne glitzert. Neben mir taucht plötzlich eine lang gezogene schwarze Gestalt auf. Ich nicke ihr freundlich zu. Es ist mein Schatten, der sich die letzten Tage bei all den Regenwolken nicht hat blicken lassen. Aber nun ist er guter Dinge und als ich um die nächste Ecke biege läuft er fröhlich voran.

Ich stelle mir vor, eine Geschichte über meinen Schatten zu schreiben. So wie Andersen und einige andere schon Schattengeschichten geschrieben haben. Aber anders. Mein Schatten will sich nicht losgelöst von mir in ein eigenes Leben stürzen, sondern er tut sich mit mir zusammen. Hat er doch eigentlich schon mein ganzes Leben lang meint Ihr? Nein, ich stelle mir das anders vor. Dass er hin und wieder ohne mich agiert, aber trotzdem nicht gegen mich, sondern mit mir. Ihr wisst nicht wovon ich schreibe? Naja, es ist ja bisher auch nur ein Grundgedanke.

Inzwischen stehe ich wieder vor unserem Gartentor, erstaunt, dass meine Morgenrunde so rasch vorbei ist. Ja, so ist das, wenn man in Gedanken ist und die Inspiration einen einfach so einholt, festhält, begeistert. Ohne, dass man sie krampfhaft sucht.
Zufrieden gehe ich ins Haus und starte in meinen täglichen Schreib-Alltag.

Diesen Monat waren dabei:

Veronika
Sabi
Eva

Das Thema für den 01.03.17 lautet: Frühlingsblüten