Frühlings-Pause

Wie in jedem Jahr, werde ich auch 2017 eine 3-wöchige Frühlings-Pause genießen. Ich DSC_0042finde in dieser Zeit, wenn die Natur gerade so richtig in Schwung gekommen ist, dann ist es besonders schön, dies auch genießen zu können.

Meine letzte „Amtshandlung“ wird heute um 17.00 Uhr Marthas Führung in der Romantik Bad Rehburg sein, und wenn diese gestrenge Dame mich dann aus ihren Fängen entlässt, dann lasse ich Arbeit inkl. Internet und allem was so dazu gehört, hinter mir.

Ich wünsche Euch eine wunderbare Zeit und ich freue mich darauf, Euch im Anschluss wieder zu lesen!

Alles Liebe
Nicole Wanda

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Ein besonders lieber Liebster Award!

liebster AwardOh, ich bin nominiert worden und zwar von der lieben Frau Vro – die Beschreiberin von vrojongliert, ein Blog der täglich buntes-vermischtes-lustig-trauriges in unser Leser-Leben bringt und den Ihr hier nicht nur findet sondern unbedingt besuchen solltet! – wofür ich mich ganz herzlich bedanke!

10 Fragen stehen zur Beantwortung und ich lege direkt los!

  1. Warum bloggen?Der Auslöser für meinen Start ins Blogger-Leben war der NaNoWriMo (National Novel Writing Month) 2014. Mein erster Versuch an diesem Schreib-Monat teilzunehmen, war damals erfolglos verlaufen und im zweiten Anlauf wollte ich die 50.000 Wörter in einem Monat unbedingt schaffen. Also überlegte ich, wie ich mich am besten dafür motivieren könnte. Öffentlich machen. Live Farbe bekennen.Kurz entschlossen rief ich diesen Blog ins Leben und ließ mich 30 Tage lang durch meine wunderbaren LeserInnen motivieren. Es hat fantastisch funktioniert und ich bin bis heute für die Unterstützung dankbar!

    Und dann habe ich weiter gebloggt, immer mal wieder etwas geändert und auch in diesem Jahr ändert sich das eine und andere noch. Denn inzwischen hat sich bei mir so einiges getan und darüber möchte ich nun hier auch schreiben bzw. tue es auch schon. Und das alles macht mir einfach SPASS – und das ist und bleibt für mich der Hauptgrund warum ich blogge!

  2. Was hat sich dadurch bei dir geändert?
    Speziell durch das bloggen? Mh, gute Frage. Kann ich so gar nicht beantworten, weil ich denke, dass die Veränderungen die in dieser Zeit bei mir stattgefunden haben, nicht nur dadurch passiert sind. Aber auf jeden Fall habe ich tolle Menschen getroffen, Anregungen bekommen, Motivation erhalten. Und all das ist für mich inzwischen wirklich wichtig geworden.
  3. Beschreibe dich in drei Worten. Zuwenig? Okay, dann eben in fünf.Buchstaben-Hexe. Wort-Geliebte. Buch-Jägerin.
  4. Worüber freust du dich?
    Ein Lächeln, ein liebes Wort, ein Dankeschön, eine helfende Hand, eine Umarmung, die ersten Gänseblümchen im Frühling, der Geruch umgegrabener Felder, sich im Sommerwind wiegender Weizen, Sand unter meinen nackten Fußsohlen, Meeresrauschen in der Nacht, geringelte Leuchttürme…
  5. Wahre Schönheit
    …… kommt aus dem Herzen.
  6. Welche berühmte/bekannte Person würdest du gerne treffen? Und worüber würdet ihr reden?
    Da fällt mir niemand ein.
  7. Mit welcher Märchenfigur würdest du gerne um die Häuser ziehen?
    Mit der Hexe aus Hänsel und Gretel – ums Knusperhaus!
  8. Was beeindruckt dich?
    Ich mach daraus mal WER: meine Mutter, die nie aufgegeben hat und sich trotz aller Kämpfe ein liebendes Herz bewahrt hat.
  9. Interessierst du dich für Geschichte?
    Ja.
  10. Selbstgespräche? Seltsam oder nicht?
    Ob ich das mit dem beantworten wohl ganz gut hinbekommen habe? Ich weiß nicht. Ein einfaches Ja auf die vorletzte Frage. Aber in meinen Augen ist das eine Ja oder Nein Frage. Warum immer kompliziert denken? Nein Nicole, dass ist schon völlig ok so. Oder was meinst Du, Wanda? Naja klar, es wäre auch ausführlicher gegangen. Aber ansonsten? Bist Du zufrieden? Das ist schön! Also, dann gehe ich doch jetzt mal in den Feierabend. Herrje, schon kurz nach 20 Uhr. Nun aber hurtig… (leiser werdend) warum muss ich auch immer so rumbummeln…

    So, Ihr Lieben. Das war es mit meinen Antworten. Wer mich kennt weiß, dass ich niemanden nominiere, aber mich über all die freue, die Lust haben diese Fragen auch zu beantworten. Also, stürzt Euch auf Eure Tastaturen – ich bin neugierig!!!

Experiment: Die 3. Geschichte

In einer Woche drei Kurzgeschichten für Kinder schreiben – das hatte ich mir als Ziel gesetzt (den Beitrag dazu findet Ihr hier). Ihr wart so lieb, mir für jede Geschichte zwei Wort-Geschenke zu machen. Und hier kommt nun eins der Ergebnisse. Allerdings noch nicht überarbeitet und auch deutlich länger als die anvisierten 9.500 Zeichen. Aber da mir dieses Schreib-Experiment auch Spaß machen sollte, sehe ich das jetzt mal nicht so eng.

Und hier ist die 3. Geschichte mit den Worten Wuppstitätsfaktor und Regenwurmtunnel.

Es war ein ganz gewöhnlicher Donnerstag. Hannes war gerade erst von der Schule nach Hause gekommen und überlegte nun was er mit dem Nachmittag anfangen sollte. Die Hausaufgaben hatte er bereits in der Schule während einer Freistunde gemacht und Klassenarbeiten standen im Moment nicht an.
Eigentlich hatte er sich mit Marlon treffen wollen. Aber der war heute nicht in der Schule gewesen, vermutlich war er krank. Und nun lag ein langer Nachmittag vor ihm, mit dem er nichts anzufangen wusste. Auf seinem Dachfenster klopften dicke Regentropfen und er hörte den Wind ums Haus heulen. Also auch kein Wetter zum Radfahren, was er sonst immer gern machte.
Von seinem Elternhaus in der Ortsmitte von Winzlar, waren es nur wenige Minuten bis man auf den Rundweg kam, der um das Steinhuder Meer führte. Hannes war schon oft mit seinen Freunden oder mit seinen Eltern dort Rad gefahren und es gab immer etwas zu entdecken.

Er warf sich auf sein Bett und starrte an die Decke. Für einen Moment fielen ihm die Augen zu, aber dann gab es plötzlich einen lauten Knall und Hannes wäre beinahe vor Schreck aus dem Bett geplumpst.
Herrje, was war das denn? Er sprang auf und lief hinaus in den Flur, aber da war alles in Ordnung. Ein weiterer Knall war zu hören. Hannes rannte die Treppe hinunter, öffnete vorsichtig die Haustür und da sah er sie. Eine grünliche Wolke, die aus einem Fenster des Nachbarhauses nach draußen drängte.
Vor zwei Wochen war dort erst Jemand eingezogen. Hannes hatte am Umzugstag ein knallbuntes Auto vorfahren sehen, aus dem ein Mann ausstieg, der einen weißen Kittel trug der mit Flecken übersät war. Auf der Nase hatte er eine große dunkelbraune Hornbrille und seine Haare standen zu Berge, als hätte er in eine Steckdose gefasst. Hannes hatte sich das Lachen nur mühsam verkneifen können.
Und als der Typ auch noch allen möglichen Kram in sein neues Heim schleppte, von alten Radios über kaputte Autoreifen bis hin zu durchsichtigen Plastikkisten in denen sich zahlreiche Gläser stapelten, da hatte er sich schon überlegt, ob das so ein Mensch war der vielleicht Müll sammelte.

In den letzten Tagen hatte er ihn wieder vergessen. Man sah und hörte ja nichts von ihm. Aber dieser Knall kam aus seinem Haus. Ob er doch einmal rübergehen und nachschauen sollte? Vielleicht brauchte der Nachbar Hilfe. Blöd, dass seine Eltern noch nicht von der Arbeit zuhause waren, in diesem Fall hätte er sie schon gerne um Rat gefragt. Aber nun musste er selber handeln.

Gleich darauf stand Hannes vor der Haustür des neuen Nachbarn und überlegte, ob er klingeln sollte. Vielleicht war gar nichts und er würde sich nur Ärger einhandeln. Andererseits, wenn er nichts tat und dem Nachbarn war etwas passiert? Mit diesem Gedanken drückte er auf den Klingelknopf und schon ertönte ein lautes oinkoinkoink, so als würde das Haus den drei kleinen Schweinchen gehören. Der Nachbar war offensichtlich noch merkwürdiger als er gedacht hatte.
„Moment! Bin auf dem Weg“, hörte er eine krächzende und hustende Stimme.
Dann wurde die Tür geöffnet und der Nachbar stand dort, wieder mit einem weißen Kittel bekleidet, der diesmal zu den zahlreichen Flecken auch noch Brandspuren aufwies. Und das Gesicht seines Trägers hatte ebenfalls einen leicht schwärzlichen Schimmer, als würde er im Kohlebergwerk arbeiten.
„Ja?“, war alles was sein Gegenüber sagte, während er versuchte seine Hornbrille mit einem Taschentuch abzuwischen.
Hannes schluckte. Hoffentlich war es kein Fehler gewesen, hier einfach so zu klingeln. Dann nahm er seinen ganzen Mut zusammen: „Entschuldigung, ich heiße Hannes, ich wohne mit meinen Eltern nebenan und ich wollte nur fragen, ob bei ihnen alles in Ordnung ist.“ Er räusperte sich. „Also, ich meine wegen des lauten Knalls und den grünlichen Wolken.“
Ein fröhliches Lachen erschien auf dem Gesicht des Nachbarn. „Oh, das ist ja sehr aufmerksam. Ja, ich hätte längst bei euch vorbei kommen sollen. Aber ich befinde mich gerade in einer wichtigen Phase… Entschuldigung, ich sollte mich erst einmal vorstellen. Ich heiße Tiberius. Tiberius Erfindus.“
„Erfindus?“, Hannes sah seinen Nachbarn ungläubig an. „Sie heißen wirklich Erfindus?“
„Öh, ehrlich gesagt nein. Es ist so etwas wie, naja, ein Künstlername. Also, ich bin Erfinder und wollte gerne, dass mein Name ein kleiner Hinweis darauf ist. Meinst du das ist mir gelungen?“
Ob er diese Frage ernst meinte? Hannes antwortete vorsichtshalber mit einem „Ja“, woraufhin der Erfinder erneut über das ganze Gesicht strahlte.
„Wunderbar, wunderbar. Aber möchtest du nicht reinkommen? Dann kann ich dir zeigen, woran ich gerade arbeite.“
„Gern, Herr Erfindus“, Hannes musste sich das Lachen verbeißen.
„Ach, sag doch einfach Tiberius zu mir. Und nun komm rein. Hier geht’s lang in mein Labor“, Tiberius wies mit der Hand den Flur entlang und Hannes quetschte sich an etlichen Kisten vorbei, aus denen jede Menge Krempel herausschaute. „Du musst entschuldigen, ich bin noch nicht richtig eingerichtet. Aber meine derzeitige Erfindung nimmt mich einfach zu sehr in Anspruch.“

Der Raum, den sie betraten, sah eigentlich aus wie eine ganz normale Küche. Nur die zahlreichen Reagenzgläser, Messzylinder und Laborflaschen wiesen darauf hin, dass hier nicht ausschließlich gekocht wurde. Hannes kam sich vor, wie in der Schule im Chemielabor.
„Vorsicht, tritt nicht in die Glassplitter“, warnte Tiberius ihn. Kein Wunder, dass es zwei Mal einen lauten Knall gegeben hatte. Allein die vielen Scherben auf dem Boden erzählten davon. Ebenso wie die grüne Flüssigkeit, die nicht nur an den Wänden klebte, sondern auch von der Küchentheke herunter tropfte und sich dort in einer Pfütze sammelte.
Tiberius Grinsen wirkte verlegen. „Ja, so ganz will mir der Durchbruch noch nicht gelingen. Aber ich bin sicher, dass es bald so weit sein wird!“
„Was erfindest du denn gerade?“ Hannes sah sich neugierig um. Aus all dem was hier rumlag und stand konnte er nichts erkennen.
„Ich stehe kurz davor, den WTF zu erfinden“, erklärte Tiberius sichtlich stolz.
„Was ist denn ein WTF?“
„Das ist der Wuppstitätsfaktor“, war die erstaunliche Antwort. „Es wird sich hierbei um eine Flüssigkeit handeln, die man auf etwas drauftropft und das vergrößert sich dann. Also wenn ich zum Beispiel“, Tiberius legte die Stirn in Falten und überlegte einen Moment, „ja, genau, wenn ich einen Regenwurmtunnel vergrößern möchte. Dann tropfe ich ein, zwei Tropfen meines WTF auf die Stelle, natürlich sollte der Regenwurm gerade nicht in der Nähe sein, und schwupps ist es auf einmal ein großer Regenwurmtunnel.“
Skeptisch sah Hannes den Erfinder an. „Und was soll ein großer Regenwurmtunnel bringen? Dann kriecht da so ein kleiner Regenwurm herum…“
Noch bevor Hannes seinen berechtigten Einwand näher erklären konnte, unterbrach Tiberius ihn.
„Ja, du hast natürlich Recht. Das war kein kluges Beispiel. Dann stell dir vor, du hast eine Portion Eis und überlegst, dass du doch gerne ein größeres Eis hättest. Einmal kurz den Wuppstitätsfaktor draufträufeln und schon hast du eine Riesenportion!“
Ja, mit diesem Beispiel ließ sich doch etwas anfangen. Nun strahlte auch Hannes über das ganze Gesicht bei der Vorstellung was er demnächst alles vergrößern wollte. Seine Lieblingsnussschokolade zum Beispiel. Oder vielleicht konnte er selber auf die Art ein wenig größer werden, denn zu seinem Leidwesen war er nach wie vor der kleinste in der Klasse.

Die Langeweile, die Hannes noch vor einer halben Stunde verspürt hatte, war zusammen mit der grünlichen Wolke verschwunden. Dieser neue Nachbar versprach ja spannende Einblicke in das Leben eines Erfinders. Wer weiß, vielleicht konnte er ihm ja sogar bei irgendetwas helfen. Als sein Assistent oder so. In Chemie hatte er im letzten Jahr immerhin eine zwei im Zeugnis gehabt.
„Wahnsinn! Und wann ist es wohl soweit, dass es funktioniert?“ Hannes schaute sich mit leicht zweifelndem Blick in der ramponierten Küche um.
„Oh, genau kann man das nie sagen. Aber“, Tiberius rieb sich die Hände, „vielleicht schon heute. Ich habe ein gutes Gefühl.“
Schon heute? Das wäre ja wahnsinnig spannend. Ob er vielleicht dabei sein könnte? Er müsste sich nur trauen, zu fragen.
„Möchtest du vielleicht dabei sein?“, der Erfinder zwinkerte Hannes zu, so als hätte er seine Gedanken gelesen. Und wer weiß, vielleicht hatte er ja auch schon einmal eine Gedankenlese Maschine erfunden.
„Das wäre toll! Kann ich dir denn irgendwie helfen?“
„Naja“, Tiberius sah sich um und zuckte mit den Schultern, „ich befürchte, als erstes müssen wir ein wenig aufräumen.“
Glücklicherweise geht das aufräumen zu Zweit wesentlich schneller, so dass bereits nach kurzer Zeit die Arbeit an dem Wuppstitätsfaktor fortgesetzt werden konnte.
Noch nie hatte Hannes so viele Flüssigkeiten gesehen und abgefüllt und zusammen gemischt. Unter den wachsamen Augen von Tiberius mahlte er mit einem Mörser Pfefferkörner, ein Stück Zimtstange und eine Kräutermischung klein. Im stillen fragte er sich in diesen Augenblicken schon, ob sie hier wirklich etwas erfanden oder nicht doch nur das Abendessen für Tiberius kochten.

Aber all das kam letztendlich in ein Becherglas, wo Tiberius es mit einem langen gläsernen Stab umrührte. Dann schüttete er es behutsam durch ein Sieb und als letzten Schritt nahm Tiberius einen Bunsenbrenner zur Hand.
Aus dem Schulunterricht wusste Hannes, das dieser mit Gas betrieben wurde und auch, dass es nicht ungefährlich war ihn zu benutzen. Und wenn er an den Knall und die grünliche Wolke dachte, ging er vorsichtshalber ein paar Schritte zurück. Tiberius reichte ihm wortlos eine Schutzbrille, die den größten Teil seines Gesichts verdecken würde.
Offenbar hatte der Erfinder den Regler des Bunsenbrenners zu weit aufgedreht, so dass eine große helle Flamme hervorschoss, die voller Begeisterung versuchte eine von Tiberius Haarsträhnen zu erwischen.
„Upps“, machte der Erfinder nur, drehte an dem Regler und schon wenig später blubberte die mittlerweile pinkfarbene Flüssigkeit munter vor sich hin. Tiberius stellte den Bunsenbrenner beiseite und starrte auf den Behälter mit der Flüssigkeit.
Worauf er jetzt wohl wartete? Die Antwort bekam Hannes in Form eines weiteren Knalls, der ihn so erschreckte, dass er über einen der Küchenstühle stolperte, diesen umriss und mit ihm gemeinsam zu Boden stürzte. Als er sich wieder aufgerappelt hatte und sich den schmerzenden Oberschenkel rieb, wo sich die Stuhllehne hinein gebohrt hatte, hüpfte Tiberius jubelnd durch die Küche. Wobei er über den Mülleimer stolperte und beinahe auch noch hingefallen wäre.
„Es ist vollbracht, es ist vollbracht“, rief er immer wieder.
„Aber woher weißt du das?“, Hannes sah skeptisch auf das immer noch brodelnde und blubbernde Gebräu.
„Ach“, Tiberius piekste sich mit dem Finger in den Bauch, „das sagt mir mein Bauchgefühl.“
„Ein Wissenschaftler, der auf seinen Bauch hört? Ich hätte gedacht, dass bei euch alles nur mit Logik und nachdenken funktioniert.“
Der Erfinder grinste. „Ich weiß nicht, wie das bei anderen ist, aber bei mir ist es eine Mischung. Aber jetzt komm, lass uns das WTF ausprobieren.“ Er sah an sich selber herunter, hob dann die linke Hand und wackelte mit den Fingern. „Na, da haben wir ja schon ein Versuchskaninchen. Ich träufle mir einfach was auf meinen Daumen.“
Hannes riss erschrocken die Augen auf. Der gute Tiberius war ja wirklich ein bisschen verrückt. Er griff nach einem Apfel, der in einer Schale auf dem Küchentisch lag. „Vielleicht ist es besser hiermit anzufangen. Deine Hand brauchst du doch noch zum erfinden. Wenn da etwas schiefgehen würde…“
„Oh ja, du hast Recht. Nun denn, dann hat also ein Vertreter aus der Familie der Malus die Ehre als erstes meine bahnbrechende Erfindung zu testen.“
„Malus?“, irritiert sah Hannes den Erfinder an.
„Aus dem lateinischen für Äpfel“, erklärte Tiberius, während er ihm den Apfel aus der Hand nahm und ihn liebevoll betrachtete. Dann holte er aus einer der Küchenschubladen eine Pipette, tauchte sie beinahe andächtig in die rosafarbene Flüssigkeit und füllte diese damit. „Nun heißt es Daumen drücken!“ Er nickte Hannes zu, atmete tief ein und drückte auf die Gummikappe.
Gemeinsam starrten sie auf den Tropfen, der langsam aus der Öffnung der Pipette hinausquoll und dann nach unten auf den Apfel fiel. Es vergingen ein, zwei Sekunden, dann ertönte ein sattes plopp und vor ihren Augen wuchs der Apfel auf seine doppelte Größe.

„Juchhu“, rief Tiberius und tanzte mit dem Apfelwunder übermütig durch die Küche.
Hannes schloss sich den Jubelrufen an und trommelte voller Begeisterung auf dem Küchentisch herum. Er konnte es noch gar nicht fassen. Gerade war er Zeuge davon geworden, wie der Wuppstitätsfaktor das allererste Mal zum Einsatz kam. Es war unglaublich. Am liebsten würde er sich gleich etwas von dem WTF auf den Kopf tropfen, damit er endlich größer als seine Klassenkameraden werden würde, aber zu seiner großen Enttäuschung stellte Tiberius die restliche Flüssigkeit in den Küchenschrank und schloss sorgfältig die Tür.
„Aber willst du nicht noch weitere Versuche machen?“ Hannes sah den Erfinder bittend an.
„Oh, wollen schon, mein lieber junger Freund. Aber es ist nicht ratsam, einen Versuch zu überstürzen. Ich warte bis morgen ab, was mit dem Apfel passiert und dann können wir uns an andere Versuchskaninchen heranwagen. Magst du morgen früh wiederkommen?“
„Ich kann nicht“, Hannes war maßlos enttäuscht, „ich habe doch Schule.“
Tiberius überlegte einen Moment. „Dann warte ich mit Teil zwei des Experiments auf dich. Da kommt es auf die eine und andere Stunde nicht an. Kannst du gleich nach der Schule herkommen?“
„Klar“, strahlte Hannes, „direkt vom Bus aus. Wenn ich die Nordstraße runterlaufe, bin ich in fünf Minuten hier. Das habe ich mal gestoppt!“
Mit dieser Absprache, trennten sich die Beiden und Hannes lief rasch nach Hause. Es war inzwischen Abendbrotzeit und seine Eltern würden gleich von der Arbeit kommen. Da wollte er lieber zurück sein.

Den ganzen Abend hatten seine Eltern kaum ein Wort von ihm gehört. Hannes war ganz in die Gedanken an die Erfindung vertieft gewesen. Als er später ins Bett gehen sollte, war er immer noch total aufgekratzt. Kein Wunder, dass er sich von einer Seite zur anderen wälzte und nicht einschlafen konnte.

Plötzlich sah er durch sein Dachfenster einen blauen runden Lichtfleck, der immer näher kam, so als wollte er sich durch die Scheibe bohren. Vielleicht war er doch eingeschlafen und träumte jetzt? Hannes kniff sich in den Oberarm.
„Autsch!“, Er rieb sich die schmerzende Stelle. Ok, anscheinend träumte er nicht. Und der Lichtfleck kam immer noch näher. Plötzlich erschienen in dem Fleck Worte, wie auf einem Anstecker. Er setzte sich im Bett auf und beugte sich nach vorn, um besser sehen zu können.
Komm rüber!, stand dort.
Komm rüber? Was sollte das denn nun schon wieder? Aber klar! Hannes sprang hastig auf und zog sich seine Sachen an. Das war bestimmt eine Nachricht von Tiberius, die er mit irgendeiner Erfindung hierher projiziert hatte. Er schlich auf Socken die Treppe hinunter, zog sich im Flur die Schuhe an und öffnete dann leise die Haustür. Glücklicherweise schienen seine Eltern schon zu schlafen, zumindest war unter der Schlafzimmertür kein Licht mehr zu sehen gewesen.

Als er vor dem Haus stand, sah er, dass das blaue Licht tatsächlich von Tiberius Haus herüber schien. Um Zeit zu sparen, nahm er den kürzesten Weg über den kleinen Zaun, der die beiden Grundstücke voneinander trennte.
Der Erfinder wartete bereits auf ihn und wedelte wild mit den Armen, als Zeichen, dass er hereinkommen sollte. Nachdem er die Tür hinter Hannes geschlossen hatte, atmete er aus.
„Gut, dass du mein Hey-bemerk-mich-Licht bemerkt hast. Ich konnte ja schlecht mitten in der Nacht bei euch klingeln.“
„Was ist denn passiert?“
„Sieh selbst!“ Tiberius öffnete die Küchentür und ließ ihn an sich vorbeigehen.
Hannes betrat die Küche. Was war denn das?
„Ist… ist das etwa der Apfel, den du mit dem WTF beträufelt hast?“
„Allerdings. Als ich gestern Abend ins Bett ging, habe ich nochmal hier reingeschaut und da kam er mir schon größer vor. Aber ich habe es auf die Aufregung geschoben und darauf, dass ich müde war. Aber nun…“
Gemeinsam schauten sie auf das was gestern noch ein ganz normaler Apfel gewesen war und jetzt locker die Hälfte der Küche einnahm. Zwei Stühle und den Küchentisch hatte er unter seinem Fruchtfleisch begraben. Und der Kühlschrank hatte vorne eine Delle, als hätte King Kong persönlich sich dagegen gelehnt.
„Hört der irgendwann auf zu wachsen?“, fragte Hannes, ohne den Blick von dem leuchtend grünen Apfel, ein Granny Smith seine Lieblingssorte, abzuwenden.
„Ich befürchte nein. Und genau deswegen habe ich dich gebeten rüber zu kommen. Wir müssen ihn klein schneiden und abtransportieren. Und dann irgendwo…“
„Verbrennen?“, ergänzte Hannes.
„Gute Idee! Also, hilfst du mir?“ Tiberius sah ihn bittend an.
„Klar. Aber wir müssen aufpassen, dass uns niemand beobachtet. Nicht, dass sie deine Erfindungen noch für etwas Gefährliches halten.“
Der Erfinder nickte, zog aus der Küchenschublade, die sich glücklicherweise noch öffnen ließ, ein großes Messer heraus und begann gleich darauf wie ein Wilder an dem riesigen Apfel herum zu schneiden.
„Kannst du die einzelnen Stücke rausbringen? Ich habe schon den Anhänger an mein Auto gehängt, so können wir das ganze hinterm Ort auf eines der Felder bringen.“
„Ok“, Hannes wollte schon zugreifen, als ihm noch etwas einfiel. „Aber was ist mit dem WTF? Ist es nicht zu gefährlich, es aufzubewahren? Wenn es umfällt ist auf einmal das ganze Haus riesig oder so.“
Tiberius hielt einen Moment inne und legte die Stirn in Falten. „Du hast Recht. Dieser Fehlversuch muss vernichtet werden. Am besten nehmen wir es mit und schütten es dann auf eins der Apfelstücke, bevor wir es ins Feuer werfen.“

Genau so machten sie es. Nachdem Hannes und der Erfinder alles aufgeladen hatten, die riesigen Apfelstücke passten gerade so in den Anhänger, fuhren sie es zu einem der Felder, die hinter Winzlar lagen. Glücklicherweise waren sie zu dieser nächtlichen Stunde die einzigen, die hier unterwegs waren.
Mit einem wehmütigen Gesichtsausdruck nahm Tiberius das Becherglas mit dem WTF, kniff die Augen zusammen und goss es über eines der Apfelstücke. Ein sattes plopp später war dieses doppelt so groß wie zuvor. Und bevor auch dieses nun weiterwachsen konnte, warfen sie alles nach und nach ins Feuer. Tiberius hatte extra ein paar große Feldsteine um den Apfelhaufen gelegt, um nicht versehentlich halb Rehburg-Loccum und Umgebung abzubrennen.

Der Geruch des bratenden Apfels erinnerte Hannes an die Weihnachtszeit, wenn seine Oma Bratäpfel mit Marzipanfüllung machte. Er musste grinsen, als er sich vorstellte, wie sie diesen riesigen Apfel gefüllt hätte. Und wie viel Vanillesoße dafür erst nötig wäre!
„Danke, dass du mir so toll geholfen hast“, der Erfinder klopfte Hannes auf die Schulter. „Vielleicht hast du ja mal wieder Lust, mich beim erfinden zu unterstützen.“
Hannes grinste. „Klar, wenn es nicht wieder damit endet, dass ich große Apfelstücke durch die Gegend schleppe.“
Auch Tiberius grinste. „Nein, das nächste Mal wird es etwas wirklich…“ Er stoppte mitten im Satz und überlegte einen Moment. „Eine Schubkarre.“
Hannes sah ihn nur fragend an. Schubkarren gab es ja nun wohl schon Ewigkeiten.
„Eine, die sich selbst belädt und dann alleine fährt.“ Ohne ein weiteres Wort machte Tiberius auf dem Absatz kehrt und marschierte den Feldweg zurück den sie gekommen waren.
„Aber dein Auto“, rief Hannes hinterher. Dann zuckte er mit den Schultern. Er konnte ihn nicht aufhalten. Soviel hatte er inzwischen begriffen. Am besten lief er einfach hinterher und versuchte das Schlimmste zu verhindern. Während er den Feldweg entlang lief, grinste er. Egal, was da noch auf ihn zukam, so einen Erfinder zum Freund zu haben, das war schon was ganz Besonderes.

Die 1. Geschichte des Experiments findet Ihr hier und die 2. hier!

Experiment: Die 1. Geschichte

In einer Woche drei Kurzgeschichten für Kinder schreiben – das hatte ich mir als Ziel gesetzt (den Beitrag dazu findet Ihr hier). Ihr wart so lieb, mir für jede Geschichte zwei Wort-Geschenke zu machen. Und hier kommt nun eins der Ergebnisse. Allerdings noch nicht überarbeitet und auch deutlich länger als die anvisierten 9.500 Zeichen. Aber da mir dieses Schreib-Experiment auch Spaß machen sollte, sehe ich das jetzt mal nicht so eng.

Und hier ist die 1. Geschichte mit den Worten Baumhaus und Himbeersahnesirupsoße.

Sonnenstrahlen tanzten auf der Wasseroberfläche des Ententeichs. Die gelb blühenden Seerosen wiegten sich gemütlich im Sommerwind, während die Enten die Schnäbel unter ihr Gefieder schoben und ein Mittagsschläfchen machten.

Sarina und Finn hatten sich schon die ganze Woche auf den Ausflug in den Klosterwald gefreut. Glücklicherweise waren die Regenwolken, die am Vortag noch für Pfützen auf den Wegen gesorgt hatten, über Nacht verschwunden und hatten einen blank geputzten blauen Himmel zurück gelassen.
Auf den Bänken am Ententeich hatten sie ein Picknick veranstaltet. Während ihre Eltern dort noch gemütlich sitzen blieben, rannten Sarina und Finn voller Begeisterung am Ufer entlang, fütterten die plötzlich wieder sehr munteren Enten mit trockenem Brot und begannen dann an dem kleinen Bach, der durch den Wald floss, einen Staudamm zu bauen.

„Schau mal, da sind noch ein paar größere Steine, die können wir bestimmt gebrauchen“, Sarina, die mit ihren 11 Jahren zwei Jahre älter war als ihr Bruder, wies auf eine Ansammlung von Steinen, die am Ufer verstreut lagen.
„Aber wir werden ganz nass, wenn wir sie rausholen“, Finn sah skeptisch von den Steinen zu seiner Schwester, die jedoch nur lachend die Hände in die Hüften stemmte.
„Hast du etwa Angst davor, ein paar Spritzer Wasser abzubekommen?“
Mit älteren Schwestern war das immer so eine Sache. Einerseits konnten sie einem in vielen Dingen helfen, aber andererseits machten sie sich auch schnell über einen lustig.
„Nee, ich hab gar keine Angst davor, nass zu werden“, rief Finn, während er sich bereits die Turnschuhe auszog, um in den Bachlauf steigen zu können. Glücklicherweise war jetzt im Sommer das Wasser nur ganz flach, sonst wäre ihm vermutlich doch mulmig geworden.

Gerade wollte er den großen Zeh seines rechten Fußes probehalber in das Wasser tauchen, da hörten sie über sich eine Stimme.
„Verflixt, wo sind denn nun die Himbeeris?“
Die Geschwister blickten verwundert auf. Sie schauten in die Richtung aus der die Stimme gekommen war, konnten jedoch niemanden sehen.
„Auaaaaaa!“, hörten sie die Stimme erneut.
„Hallo?“, rief Sarina und begann gleichzeitig durch den Bach zu waten, um dann die Uferböschung hinauf zu klettern. Finn sah ihr mit großen Augen hinterher und seufzte dann. Nun blieb ihm mal wieder nichts anderes übrig, als hinterher zu klettern. Er zog sich am anderen Ufer seine Schuhe wieder an, warf dann einen Blick über die Schulter zurück und winkte seinen Eltern zu, die nach wie vor auf der Bank saßen.
„Bleibt in Sichtweite“, hörte er die Stimme seiner Mutter. Er winkte ihr zu, als Zeichen dass er sie gehört hatte.
Als er endlich neben seiner Schwester anlangte, staunte er nicht schlecht. In einem Gewirr aus dichten Zweigen, hockte ein Mädchen mit langen braunen Zöpfen, in die Blätter und kleine Zweige hineingeflochten waren. Ihre Füße waren nackt und sie trug ein knielanges Kleid in verschiedenen Grüntönen, das sie gerade versuchte von einer Dornenranke zu befreien.
„Hallo“, rief sie und lachte fröhlich über ihr sommersprossiges Gesicht.
„Hallo“, antworteten Sarina und Finn im Chor.
„Wer bist du und was machst du hier?“ Finn hatte sich ein wenig an seiner Schwester vorbeigeschoben und sah das Mädchen neugierig an.
„Ich bin Milli und ich sammle Himbeeris“, Milli zeigte auf den kleinen Weidenkorb, den sie in der Hand trug und der mit einem blau-weiß karierten Tuch ausgelegt war auf dem bereits etliche von den roten Früchten lagen.
„Darf ich mal eine probieren?“ Finn begann bereits die Hand auszustrecken. Die Himbeeren sahen aber auch so lecker aus.
„Klar“, lachte Milli, „aber dann muss ich zurück. Meine Mutti macht nämlich gerade meine Lieblingsspeisi – Himbeersahnesirupsoßi.“
„Mutti, Speisi, Soßi? Kann es sein, dass du den Buchstaben I magst?“ Sarina grinste Milli an, die zurück grinste. „Stimmt! Ist das schlimm?“
„Nö“, lachten die Geschwister im Chor und Finn fügte hinzu, „aber lustig klingt es ja irgendwie schon. Aber sag mal was ist denn diese Himbeersirupirgendwas?“
„Himbeersahnesirupsoßi. Och ich weiß gar nicht, wie meine Mutti die macht. Aber ich esse das zu absolut allem. Löwenzahnsalati, Bärlauch Bratkartoffeli…“ Milli zählte noch etliches auf, während sie ein Stück weiter in den Wald hinein ging. „Kommt doch einfach mit. Meine Mutti freut sich, wenn wir Besuch haben.“
„Aber das geht nicht“, begann Finn, der an die Worte der Mutter dachte, dass sie in der Nähe bleiben sollten.
Sarina knuffte ihn in die Seite. „Wir gehen nur ganz kurz mit. Oder ist es weit bis zu dir nach Hause, Milli?“ Fragend sah sie ihre neue Freundin an.
„Nein, wir sind schon fast da. Nur noch ungefähr fünf Schritte, dann sind wir an unserem Baumhausi.“
Finn schaute nach oben in die Baumkronen. „Aber da ist nichts.“
„Warum sollte es da oben sein?“, fragte Milli und sah ihn erstaunt an.
„Na, du hast gesagt es ist ein Baumhaus und die sind doch oben in den Bäumen.“
„Unseres nicht. Es steht da hinten, neben dem“, sie brach mitten im Satz ab und sah sich verwirrt um. „Also eigentlich müsste es“, sie drehte sich ein paar Mal um die eigene Achse, „eigentlich müsste es hier irgendwo sein.“
„Also ich sehe auch hier unten nichts, das wie ein Haus aussieht“, stellte Sarina fest.
„Kannst du auch nicht. Es ist unsichtbar“, erklärte Milli, während sie sich weiter suchend umblickte. „Zumindest für euch. Ich kann es natürlich sehen, sonst würde ich ja nicht mehr nach Hausi finden. Aber irgendwie“, das Gesicht des eben noch so fröhliche Mädchens wurde mit einem Mal so weiß wie die Laken von Sarinas und Finns Großeltern. Dann starrte sie die Geschwister mit großen Augen an. „Unser Baumhausi ist weg!“
Gemeinsam versuchten sie die arme Milli zu beruhigen, die vollkommen aufgelöst immer wieder ein paar Meter in jede Himmelsrichtung lief nur um festzustellen, dass ihr Zuhause sich offensichtlich tatsächlich in Luft aufgelöst hatte.
Sie setzten sich auf die Bank die oberhalb des Bachlaufs stand, an dem sie doch eben noch friedlich an ihrem Damm gebaut hatten.
„Das kann nur der garstige Waldgnom gewesen sein“, murmelte Milli vor sich hin, „wenn ich den erwische. Es ist nicht das erste Mal, dass er uns Ärger macht. Aber wenn er hinter dieser Haus-Verschwinde-Aktion steckt, dann kann er was erleben!“ Vor lauter Groll schien Milli sogar fürs Erste ihre Begeisterung für den Buchstaben I vergessen zu haben. Mit jedem Wort war ihre Stimme lauter geworden, während sie ihre Hände zu Fäusten ballte und mit diesen wild vor sich ins Nichts boxte.
„Nun mal eins nach dem anderen“, versuchte Sarina erneut sie zu beruhigen, „wer ist denn der garstige Waldgnom? Und was soll er mit eurem Baumhaus gemacht haben? So langsam steige ich nicht mehr durch.“
„Gustav heißt er eigentlich, aber alle nennen ihn nur Gustav den garstigen, weil, na weil er eben so grantig und garstig ist. Er ist seit einiger Zeit unser Nachbar. Seine Höhle befindet sich unter dem Baum, in den der Blitz eingeschlagen hat.“
„Der hier neben der Bank?“, Finn sah den Baumstumpf mit neu erwachtem Interesse an. „Und darunter ist eine Höhle?“
„Genau. Und unser Baumhaus steht nur wenige Meter entfernt und diesem Gustav machen wir zu viel Lärm. Naja, ich habe fünf Geschwister müsst ihr wissen. So richtig leise ist das bei uns natürlich nicht. Und er hat schon öfter gedroht und zu vertreiben. Tja, anscheinend hat er stattdessen nun unser Haus vertrieben oder verzaubert oder was weiß denn ich.“ Mit einem Satz sprang Milli auf. „Herrje, wo ist denn jetzt bloß meine Familie? Wahrscheinlich sind sie mit unserem Haus verschwunden.“ Nun lief eine dicke Träne über das Gesicht des sonst so fröhlichen Mädchens.
Sarine und Finn nickten sich hinter Millis Rücken zu. Klar, dass sie ihr helfen würden das ganze Unheil wieder zurecht zu rücken. Es war nur noch die Frage, wie sie es wohl anstellen sollten.
„Wir helfen dir“, versprachen sie Milli, die gleich etwas getrösteter aussah.
„Also, was können wir tun?“ Auf Sarinas Frage hin, steckten die Drei die Köpfe zusammen und beratschlagten flüsternd. Schließlich wollten sie nicht, dass der garstige Gustav sie hörte und ihrem Plan zuvor kommen würde.

Kurz darauf begann Finn wie ein Wilder im Kreis zu hopsen, während er seine Hand immer wieder vor den geöffneten Mund schlug und so ein wahnsinnig lautes Indianergeheul von sich gab. Sarina machte das Gebrüll eines Orang Utans nach, so wie sie es einmal in einem Film gehört hatte und trommelte dabei mit den Fäusten auf ihrem Oberkörper. In dieses Getöse hinein begann Milli laut und schrill und schräg „Ein Männlein steht im Walde“ zu singen.
Die Enten am Teich flogen aufgeschreckt hoch und die Eltern der Geschwister sprangen auf und setzten sich erst wieder hin, als Sarina und Finn ihnen fröhlich zuwinkten. Und vermutlich hätten sie noch andere Waldtiere aufgeschreckt, wenn nicht plötzlich wie aus dem Nichts ein kleiner Gnom mit einem großen Kopf auf dem nur ein paar vereinzelte Haare hochstanden und dessen Ohren wie Henkel aussahen, vor ihnen gestanden und „Ruhe!“ gebrüllt hätte.
Sarina und Finn erschraken, denn Gustav der Gnom war zwar klein, aber durch die bösen Blicke, die er jetzt auf sie abfeuerte schien er irgendwie zu wachsen. Milli war jedoch wieder ganz obenauf. Sie schoss auf den kleinen Kerl zu, so dass dieser nun seinerseits vor Schreck den Mund zuklappte und sie nur anstarrte.
„Wie konntest du das tun“, schrie sie ihn an, während sie ihre kleinen Fäuste rechts und links in ihre Seiten schob und sich vor Gustav aufbaute. Obwohl Milli eigentlich selber nicht besonders groß war, sie reichte Finn gerade einmal bis zur Schulter, so war sie doch größer als Gustav. Und der musste nun wider Willen zu ihr aufschauen.
„Was meinst du?“, knurrte er.
„Na, du hast unser Baumhaus weggezaubert!“, warf sie ihm vor und an Sarina und Finn gewandt: „Gustav kann nämlich zaubern.“
„Ich? Warum sollte ich?“, nun sah der garstige Gustav gar nicht mehr so garstig aus, sondern nur noch erstaunt.
„Na, weil wir dich doch mit unserem Lärm immer so nerven.“ Leicht verunsichert ließ Milli die Arme hängen.
„Aber deswegen zaubere ich doch euer Zuhause nicht weg.“ Der Gnom schüttelte seinen beinahe kahlen Kopf. „Du hast wohl wieder vergessen, eure Haustür einen Spalt breit aufzulassen.“ Mit diesen Worten drehte er sich um, sprang in den nach oben offenen Baumstumpf und war verschwunden, während er „was für Nervensägen“ vor sich hin murmelte.
Sarina und Finn sahen ihre Freundin neugierig an. Was hatte denn das Verschwinden eines Baumhauses mit einer Haustür zu tun?
Millis Gesicht wurde knallrot. Anscheinend war an Gustavs Vorwurf etwas dran. Im selben Moment hörten sie ein Stimme laut schimpfen: „Hast du schon wieder die Haustür zugemacht Milli?“ Wie zuvor Gustav, erschien jetzt eine Gestalt ebenfalls aus dem Nichts, die Milli sehr ähnlich sah, wenn sie auch deutlich älter und größer war. Ohne Frage, hier stand die Mutter ihrer neuen Freundin vor den Geschwistern.
„Du weißt doch, dass du unser Baumhaus nicht sehen kannst, wenn du die Tür hinter dir zuschlägst“, liebevoll strich sie ihrer Tochter über den Kopf und versuchte dabei streng drein zu blicken, aber das leichte Zwinkern ihres einen Auges verriet sie. „Na, anscheinend warst du ja diesmal wenigstens nicht allein. Wollt ihr nicht reinkommen? Ich habe gerade die Himbeersahnesirupsoße gemacht. Ihr habt doch bestimmt Hunger!“
„Soßi“, jubelte Milli, offensichtlich wieder ganz die Alte, und sauste an ihrer Mutter vorbei.
Sarina und Finn rissen die Augen auf, als ihre Freundin schwupps einfach verschwunden war. Millis Mutter legte ihnen jeweils eine Hand auf eine Schulter und in dem Moment wo sie die Berührung spürten, sahen sie wenige Schritte vor sich eine Nebelwand, die sich rasch zurückzog und ein entzückendes kleines Holzhaus freigab, aus dessen Dach ein Baum herauswuchs.
Staunend folgten die Geschwister ins Innere des Hauses, wo es einen großen Wohnraum gab, in dem sich auf der einen Seite die Küche und auf der anderen eine Wohnstube befand. Und in der Küche stand Milli und schleckte genüsslich einen großen Löffel ab.
„Mmm, Himbeersahnesirupsoßi“, mümmelte sie und lachte über das ganze mit Soße verschmierte Gesicht.
Millis Mutter begann eifrig in der Küche zu hantieren und kurze Zeit später stand ein Teller mit einem Pfannkuchenberg vor ihnen und dann war nur noch ein einziges schmatzen und schlürfen und schlecken zu hören.
Als sie satt war, sah Sabrina auf die Uhr und sprang so hastig auf, dass sie an den Tisch rempelte und Finn gerade noch den Soßenkrug davon abhalten konnte sich vom Tisch zu werfen.
„Schon so spät! Unsere Eltern werden uns suchen. Danke“, rief sie Milli und ihrer Mutter zu, „aber wir müssen jetzt ganz schnell gehen.“
„Kommt doch mal wieder“, riefen die Beiden den Geschwistern hinterher.

Gerade als Sarina die Tür öffnen wollte, hörten sie die Stimmen ihrer Eltern, die nach ihnen riefen. Mit einem Schwung öffneten sie die Tür und wären um ein Haar mit Mutter und Vater zusammengestoßen, die ihnen jedoch glücklicherweise den Rücken zukehrten.
„Hier sind wir“, riefen sie im Chor, woraufhin die Eltern sich umdrehten und sie völlig verdutzt anstarrten.
„Wo kommt ihr denn auf einmal her?“, fragte die Mutter.
„Wiiiir? Och, wir waren die ganze Zeit hier“, grinste Finn und zwinkerte seiner Schwester zu, „das hatten wir doch versprochen.“
„Und was sind das für rote Flecken in euren Gesichtern?“
Die Geschwister riefen wie aus einem Mund: „Himbeersahnesirupsoßi!“
Als sie sich gemeinsam auf den Heimweg machten, winkten sie heimlich über die Schulter zurück in Richtung des unsichtbaren Baumhauses und sie wussten Beide, dass sie Milli auf jeden Fall wieder mal besuchen würden.

Die 2. Geschichte des Experiments findet Ihr hier und die 3. hier!


Was hat das mit Sport zu tun?

Die meiste Zeit meines Lebens war ich ein Bewegungsmensch und bin es jetzt glücklicherweise auch wieder. Wobei Bewegung für mich auch ein ruhiger Spaziergang oder ein Stadtbummel sein kann. Aber ich begeistere mich auch für verschiedene Sportarten: reiten, laufen, radfahren.
Dabei setze ich mir durchaus gerne selber Ziele, aber der Spaß steht ganz klar im Vordergrund.
Hannover 96Was mir auch Spaß macht, ist anderen beim Sport treiben zuzuschauen. Früher habe ich mir gerne Radrennen angesehen. Inzwischen belasse ich es bei Leichtathletik (vorrangig Marathonläufen) und beim Springreiten. Was beinahe jede Sportart inzwischen eint ist das Thema Doping. Das war es letztendlich auch, was mir den Spaß an den Radrennen genommen hat. Ich war vermutlich der einzige Mensch auf Erden, der es nicht fassen konnte, das Lance Armstrong doch gedopt hat. Naiv nannte man mich deswegen schon, aber ich glaube nun einmal immer noch an das Gute im Menschen. Und damit werde ich auch nicht einfach aufhören!

Aber heute geht es mir jetzt um etwas anderes. Ich war heute mal wieder in Hannovers Innenstadt, ein wenig bummeln, gemütlich essen gehen. Eigentlich war auch noch ein Besuch des Frühlingsfestes geplant, aber das Wetter war dann doch zu kalt und zu nass. Außerdem wurde der heutige Beginn von 14 auf 16 Uhr verlegt und da hatte ich dann doch keine Lust mehr.
Der Grund war übrigens das Fußballspiel zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig. Wer sich mit Fußball auskennt, der weiß, dass diese beiden Vereine seit einer gefühlten Ewigkeit Erzrivalen sind. Dementsprechend wurde in Hannover auch Vorsorge getroffen.

Ich wurde in dem Moment daran erinnert, als ich in den Hauptbahnhof hineingehen wollte und die Eingänge auf beiden Seiten von rund 60 Polizisten flankiert wurden. (Laut der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung waren insgesamt rund 2.600 Polizisten im Einsatz!) Man wartete auf die heimkehrenden Fans. Dass dies nur ein kleiner Teil des Polizeiaufgebots war, war mir klar. Und ich fragte mich, welche Kosten wohl bei so einer Veranstaltung entstehen. Dafür, dass diese Fußballspiele stattfinden können, ohne dass sogenannte Fans randalieren oder andere Menschen verprügeln.
Und da lange ich auch bei meiner heutigen Überschrift an: was hat das mit Sport zu tun? Nichts. Das ist mir durchaus klar. Da sind Menschen, die ihre Aggressionen loswerden wollen, ihren aufgestauten Frust. Oder gibt es darunter tatsächlich welche, die behaupten es ginge ihnen um die Fußballspiele? Vermutlich.

Ich erinnere mich daran, wie ich vor ungefähr 30 Jahren selber zwei Mal im Stadion bei Spielen von Hannover 96 dabei gewesen bin. Der Grund war übrigens keine Liebe zu diesem Sport, sondern mein Teenager Herz, das sich nach einem der Fans verzehrte. Schon damals hieß es direkt nach dem Spiel in Deckung gehen, denn die Besucher aus der sogenannten Fankurve – oder zumindest ein Teil davon – stürmte nach den Spielen mit geballten Fäusten auf die Gegner zu. Ich weiß das so genau, weil die Freundin und deren Freund, die mich zu diesen Spielen mitnahmen, normalerweise bei diesen Schlägereien mittendrin waren. Und damals fand ich das tatsächlich irgendwie cool, obwohl ich selber mich nie geprügelt habe und bis heute auch nicht das Bedürfnis danach verspüre.

Genügt denn all die Gewalt nicht, die es in der Welt der Menschen gibt? Die Bomben, die aktuell geworfen werden? Die Attentate? Ist es nicht schlimm genug, dass Menschen durch Unfälle und Krankheiten sterben? Nein, es muss außerdem solche Szenarien geben. Und das Warum, das will und werde ich nie begreifen!
Aber wie eingangs schon erwähnt, will ich weiter an das Gute in den Menschen glauben und von meiner Seite aus mit winzig kleinen Dingen wie einem Lächeln, einem freundlichen Wort zu einem friedlicheren Miteinander beitragen. Bin ich auch hier naiv, wenn ich glaube, dass das auch nur irgendetwas ändert? Vermutlich. Aber ich halte es da mit Konfuzius:
Es ist besser ein Licht anzuzünden, als auf die Dunkelheit zu schimpfen.

Oster-Experiment: Das Ergebnis

DSC_0020Ja, und hier ist es nun, das erste Drabble meines Lebens. Herrje, das war ja mal wieder etwas ganz anderes. Vor allem, da ich mich seit etlichen Monaten meist mit längeren Geschichten befasse. Und nun hieß es: kürzen, kürzen, kürzen.

Ach ja, wer nicht mehr weiß worum es hier geht, schaut sich doch bitte hier den entsprechenden Beitrag an!

Frau Vro hat beim Oster-Drabble-Spiel auch mitgemacht – worüber ich mich total freue – und das Ergebnis ist toll. Schaut es Euch hier unbedingt an!

So, nun wünsche ich Euch ein schönes Osterfest und vielleicht haben wir ja Glück und die Sonne lässt sich hin und wieder auch einmal blicken.

Oster Drabble

Wortvorgaben:

• Kugelrund
• Schnee
• Schnuppernäschen

„Hatschi!“ Fräulein Tulpe schüttelte sich den Schnee von ihren Blütenblätter. „Ich habe mich erkältet, nur weil es zur Osterzeit noch einmal geschneit hat. Hätte ich das gewusst, wäre ich tief unten in der dunklen Erde geblieben.“ Das Häschen, das neben ihr ein Osternest abstellte, wackelte mit seinem Schnuppernäschen. „Ja, mir macht der Schnee auch keine Freude. Ich muss mich beim hoppeln viel mehr anstrengen.“ Fräulein Tulpe nickte und sagte dann mit einem Blick auf das Häschen: „Und dein kugelrundes Bäuchlein macht es dir auch nicht leichter.“ Wen wundert es, dass dem Häschen sein „Frohes Ostern“ daraufhin im Halse stecken blieb.

Die Erfüllung eines Traums: L U T H E R

Gerade habe ich eine schwarze Hose und eine weiße Bluse aus dem Schrank geholt. Klamotten, die ich normalerweise gar nicht trage und mir eigentlich auch nicht kaufen würde. Eigentlich…

Aber von vorn: ich liebe Musicals! Etliche habe ich schon gesehen, wie z. B. Das Phantom DSC_0001der Oper, Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Tarzan, Tanz der Vampire… Wie oft habe ich mir gewünscht, mit auf der Bühne zu stehen, zu singen, zu spielen. Allerdings lässt meine Stimme dies nicht zu. Das weiß ich von Klein auf, seit mir gesagt wurde, ich solle aufhören zu singen, das würde nicht schön klingen.

Vor einigen Jahren nun fand ich in unserem heimischen Käseblatt einen Aufruf: Wer hat Lust in einem Musical mitzusingen? ICHICHICH, rief ich sofort laut. Der Projektchor Loccum suchte Sängerinnen und Sänger für ein Musicalprojekt der Landeskirche. Die 10 Gebote sollten in Hannover in der TUI Arena aufgeführt werden. Dafür wurden Chöre aus dem Umkreis gesucht, die die Stücke einübten, sich dann zu Regionalprobe, zur Haupt- und Generalprobe und letztlich zur Aufführung trafen.

Ich war Feuer und Flamme, meldete mich sofort an und erst als ich am ersten Proben Abend teilnahm, kam die Frage hoch, ob ich das mit meiner miesen Stimme überhaupt könnte. Aber ich wurde sehr lieb aufgenommen, man stellte fest, dass ich zum Alt gehörte und das ich sogar die Töne traf. Ich hingegen stellte fest, dass singen mich unglaublich glücklich macht, das es aber auch Arbeit war, gemeinsam mit einem Chor etwas einzuüben und das ich nach und nach im wahrsten Sinne des Wortes besser bei Stimme war. Die Aufführung damals in der TUI Arena mit rund 1000 Sängerinnen und Sängern und den Solistinnen und Solisten war ein grandioses Erlebnis, das mir die Tränen in die Augen trieb und mir meinen Herzenswunsch erfüllte.

Happyend? Klar, aber es sollte ein weiteres folgen. Dieses Jahr ist das sogenannte Luther-Jahr und… es wurde erneut ein Musical einstudiert. Muss ich erst sagen, dass ich im Januar in der TUI Arena erneut dabei war? Ich denke nicht! Aber das Bonus Highlight folgt heute Abend: bei uns in Loccum wird es ein weiteres Mal aufgeführt. Mit den Original Solisten und mit einem 200 Sängerinnen und Sänger starken Chor. Ein Heimspiel, das sicherlich noch einmal ganz andere Emotionen bei mir aufkommen lassen wird.

Und daher liegen nun unten auf dem Tisch auch bereits die Chorpartitur, eine Packung Islamoos (ich habe leider ein wenig Halsweh), eine Trinkflasche und eine Packung Nüsse für den kleinen Hunger zwischendurch, bereit. Denn wir werden ab 14.30 Uhr Generalprobe haben und heute Abend um 20.00 Uhr heißt es dann wieder:

L U T H E R!

Damit Ihr wisst, wovon ich hier schreibe, hier ein Link zu einem Ausschnitt des ersten Stücks des Musicals.

Ach ja, seit einem dreiviertel Jahr nehme ich Gesangsstunden. Gerade habe ich mich entschieden, dass ich gerne ein Stück aus der Eiskönigin von Disney einüben möchte…