Schreibkick: Freibad

Meine Muse hat zur Zeit Urlaub – was hin und wieder auch sein muss! Trotzdem kam sie gestern Abend vorbei geschlendert und meinte so ganz nebenbei: „Hey, morgen ist doch der Schreibkick zum Thema Freibad fällig.“ „Ich weiß“, entgegnete ich, „aber ich will diesen Monat nicht mitmachen, keine Zeit.“ Aber sie ließ sich nicht abwimmeln, beugte sich zu mir herunter und flüsterte mir etwas ins Ohr… Und nachstehend findet Ihr das Ergebnis!

Freibad
von Nicole Vergin

„Setz dich zu mir, Froschmann!“ Aus der Vergangenheit wehte ihre Stimme zu ihm herüber. Er griff neben sich, da wo damals ihre Hand gewesen war und jetzt nur der Wind über seine Haut strich.
„Pippilotta“, flüsterte er. Immer hatte sie die Welt so gemacht, wie sie ihr gefiel. Nicht nur ihre eigene, sondern auch seine. Und jetzt, wo sie beschlossen hatte, aus seinem Leben zu verschwinden, da hatte er keine Welt mehr, in der er leben konnte.
Nicht einmal seine beiden blauen Pfeilgiftfrösche konnten ihn nun noch trösten. Vorbei die Zeiten, in denen ihre Existenz ihm neben dem atmen, essen und schlafen, genügt hatten.

Der graue, rutschfeste Kunststoffbelag des 10 m Sprungturms drückte sich unbequem in seine Oberschenkel. Hier oben hatten sie gesessen, nebeneinander und die im Licht des Vollmonds vorbeiziehenden Wolken beobachtet. In der Nacht, in der sie über den Zaun geklettert und das Freibad für sich erobert hatten.
„Das gehört jetzt alles uns.“ Und wenn Pippilotta so etwas sagte, dann glaubte der Froschmann ihr.

Er ließ sich zurück auf den Rücken fallen und schaute nach oben in den Nachthimmel, an dem nur vereinzelte Sterne wie Glühwürmchen glimmten. Seine Beine baumelten knieabwärts von der Kante herunter.
„Sie kommt nicht zu mir zurück“, rief er den Sternen zu. Aber denen war das egal. Genauso wie es Pippilotta egal war, dass sie seine Welt mitgenommen hatte. Oder hatte er zum Schluss gar keine eigene mehr gehabt? Er setzte sich kurz auf, dachte einen Moment nach und kam zu dem Ergebnis, das er es sich einfach in ihrer Welt bequem gemacht hatte. Und das war der Fehler gewesen. Jetzt sah er es ganz klar. Seine eigene Welt war ihm damals Scheißegal gewesen. Ihre bunte, aufregende Welt hatte ihn angezogen, eingesogen. Seine eigene war ihm plötzlich fad erschienen. Und nun hatte er keine Welt mehr, egal wie er es auch drehte und wendete. Da war nur noch ein großes Nichts, ein gähnender Schlund.
Stück für Stück schob er sich nach vorn, blickte in die Tiefe, die ebenso dunkel dalag, wie der Nachthimmel über ihm schwebte. Vielleicht gab es da unten für ihn eine neue Welt. Eine, in die er eintauchen konnte, wenn er es nur mutig genug versuchte.
Entschlossen ließ er auch das letzte Stück grauen Kunststoffs hinter sich und stürzte sich mutig durch die wirbelnden Schneeflocken hinunter auf den Boden der Tatsachen.

Diesen Monat waren dabei:

Veronika
Eva
Sabi
Rina P.
Corly

Das Thema für den 01.06.17 lautet: Hitze

Schreibkick: Platzregen

Mit ein paar Tagen Verspätung, kommt hier nun mein Beitrag zum aktuellen Schreibkick Thema Platzregen. Viel Spaß beim Lesen!

Platzregen
von Nicole Vergin

Wochenlanges Training lag hinter mir. Kilometer um Kilometer war ich gelaufen, hatte Tempoeinheiten trainiert und mit langen Strecken meine Ausdauer weiter verbessert. All das mit einem Ziel: die Teilnahme an einem 15 km Lauf.
Mit einem Seufzer wende ich mich von meinem Wohnzimmerfenster ab, öffne die Tür und gehe in den Wintergarten. Missmutig schmeiße ich meine Laufsachen in eine Kiste und lege ein paar Handtücher dazu. Über mir prasseln dicke Regentropfen auf das Dach des Wintergartens. Aus Erfahrung weiß ich, dass sich das Ganze schlimmer anhört als es tatsächlich ist. Mein Blick nach draußen sagt mir, dass es zwar reichlich feucht aus den dunklen Wolken herab rieselt, aber dass das noch lange kein Grund ist nicht an den Start zu gehen.

Zwei Stunden später ist es soweit. Meine Laufschuhe sind nach drei Versuchen gut geschnürt, nicht zu fest und nicht zu locker. Das ist wichtig, denn im ersten Fall bekomme ich eine Druckstelle und im zweiten das Gefühl keinen Halt im Schuh zu haben. Die Laufwetterfee ist inzwischen gnädiger gestimmt. Das was nun noch vom Himmel herunter kommt, ist kaum mehr Feuchtigkeit als man an einem nebligen Herbsttag bei einem Spaziergang abbekommt.

Da, der Startschuss. Endlich geht oder vielmehr läuft es los. Um mich herum flitzen die anderen Läufer los, als gebe es an der nächsten Ecke etwas umsonst. Das einzige was ich dort umsonst bekäme, wären die ersten Seitenstiche an diesem Tag. Also halte ich mich streng an mein läuferisches Potenzial, was definitiv eher im langsamen Bereich liegt, und lausche dem tapptapptapp meiner Laufschuhe auf dem Gehsteig, der nach Verlassen des Sportplatzes durch den Ort führt.
Kurz darauf gelange ich als eine der letzten Läufer am Ortsrand an und mache mich auf den Weg durch die Felder. Inzwischen ist der Regen eindeutig stärker geworden. Die Tropfen sind größer und wenn sie auf meine nackten Arme platschen habe ich das Gefühl, das sie sich nach einer Weile auf meiner Haut zu einer Wasserfläche zusammenschließen.
Warum habe ich heute bloß meine Kontaktlinsen eingesetzt? Ich zwinkere mit den Augen und wische gleichzeitig mit dem ebenfalls nassen Handrücken vorsichtig darüber. Immer mit der leisen Furcht im Nacken, sie heraus zu spülen. Und halbblind durch die Gegend zu laufen, wäre sicherlich kein Vergnügen. Vorsichtshalber ziehe ich das Cappy, das ich heute aufgrund der Wetterverhältnisse trage, etwas tiefer in die Stirn. Was zwar einerseits meine Sicht ein behindert, aber meine Augen und somit die Kontaktlinsen ein wenig vor Überflutung schützt.

Inzwischen scheinen die Regentropfen sich noch mehr zusammen getan zu haben. Sie fühlen sich härter auf meiner Haut an. Bei jeder Landung sticht und prickelt es und ich wünschte ich hätte meine Laufjacke angezogen. Unwillkürlich laufe nun auch ich schneller, was den Vorteil hat, dass ich doch noch einige Mitläufer überhole. Und erstaunlicherweise geben meine Beine und meine Kondition dieses Tempo auch her. Einen Moment grinse ich über das ganze Gesicht und freue mich, dass mein Training offensichtlich erfolgreich war.
Wenige Minuten später vergeht mir das Grinsen. Aus den großen, harten Wassertropfen ist ein einziger Guss geworden. Wer in drei Teufels Namen hat denn da oben den Wasserhahn so weit aufgedreht? Ich bin pitschnass, bis auf die Unterwäsche. Ich kann es genau fühlen und dieses rundum nass Gefühl ist keinesfalls schön. Von meinem Cappy tropft es so beständig, dass ich mir wiederholt über das Gesicht wische ohne irgendetwas dadurch zu verbessern.
Ich setze einen Fuß vor den anderen, fühle das quietschen und quatschen in meinen Laufschuhen, die ebenfalls durch und durch nass sind. Und dann kommt dieser eine entscheidende Moment, in dem ich ganz sachlich darüber nachdenke, dass nun nichts weiter passieren kann. Ich bin nass, so nass wie vermutlich noch nie in meinem Leben. Mir ist trotz des für mich recht schnellen Laufes kalt, da mir der Wind im Moment erbarmungslos entgegen stürmt. Und ich kann gegen all das nichts, aber auch gar nichts tun.
Doch, eines. Es akzeptieren. Als ich das beschließe, fällt der Groll über das Regenwetter, über diese ach so unfaire Situation, dass es ausgerechnet an diesem Tag so ist, von mir ab. Ich kann es sowieso nicht ändern. Ich kann den himmlischen Wasserhahn nicht zudrehen und da weit und breit außer ein paar anderen Läufern niemand in der Nähe ist, bleibt mir nichts anderes übrig, als bis ins Ziel weiter zu laufen.
Ich verlängere meine Schritte noch ein wenig, vorsichtig, damit ich nicht noch auf dem letzten Stück schlapp mache. Auf einmal fühle ich mich glücklich. Die Anstrengung des Laufens ist in den Hintergrund gerückt, rigoros von der Freude an der Laufbewegung verdrängt. Meine Mundwinkel wandern nach oben und ich bin sicher, dass meine Augen glänzen. Und das nicht nur von all dem Wasser.

Als ich nach der 15 km Runde wieder auf den Sportplatz einbiege, bin ich fast traurig, dass dieser grandiose Regenlauf nun zu Ende geht. Ich habe sogar noch Kraft für einen kurzen Sprint ins Ziel. Und während die Zuschauer mir und den anderen Läufern beim Überqueren der Ziellinie zujubeln, reiße ich beide Arme hoch, halte mein Gesicht in den Wind und tanze ausgelassen mit dem strömenden Regen um die Wette.

Diesen Monat waren dabei:

Veronika
Eva
Sabi

Das Thema für den 01.05.17 lautet: Kuriose Geschichten aus dem Freibad

Schreibkick: Frühlingsblüten

Wer näheres über die Schreibkicks erfahren möchte, kann sich hier schlau lesen!

Im Februar lief schreibtechnisch nichts so, wie ich es geplant hatte. Wie gut, dass ich den Schreibkick bereits spontan in den ersten zwei Tagen des Monats geschrieben hatte.

Frühlingsblüten
von Nicole Vergin

Gestatten? Von und zu Erle lautet mein Name und ich bin ein Pollenkorn. Und um ihrer Frage vorzubeugen: gemeinsam mit den anderen Pollenkörner bin ich das männliche Erbgut einer hervorragend gewachsenen Erle. Genauer gesagt einer Schwarz-Erle. Wir sind der Blütenstaub dieses Baumes und wenn unsere Zeit gekommen ist, trägt der Wind uns zum Zwecke der Befruchtung davon.
Bleibt bloß weg? Ich höre wohl nicht recht! Gehören sie etwa zu diesen zartfühlenden Menschen, bei denen wir eine Allergie auslösen? Scheuen sie sich etwa vor einer laufenden Nase und triefenden roten Augen? Verstehen sie doch: ohne uns, würden die Erle aussterben. Ich bin sicher, dass dies nicht in ihrem Sinne ist!
Ist es doch? Sie sehen mich entsetzt! Ob ich schon einmal eine Allergie bei einem Menschen miterlebt hätte? Wie sollte ich? Schließlich werde ich nur geboren, um meine Pflicht zu tun, um einer großen Verantwortung gerecht zu werden. Und habe ich dies getan, verschwinde ich. So wie der Wind weiterzieht und das menschliche Auge ihm nicht mehr folgen kann.
Wie können sie es wagen zu behaupten, ich hätte keinerlei Ahnung von dem wahren Leben? Ich trage dazu bei, Leben zu erschaffen! Mein, wenn auch kurzes Leben, hat einen Sinn, einen Zweck. Können sie das von ihrem auch behaupten?
Nein, ich habe durchaus nicht im Sinne frech zu werden, wie sie es nennen. Aber blicken sie doch einmal den Tatsachen ins Auge. Ohne Bäume, egal ob es nun die wunderbaren Erlen oder auch Birken, Eichen, Kastanien und all die anderen sind, sorgen für den Sauerstoff den alle Lebewesen auf der Erde zum Überleben benötigen. Da müssen sie doch das große Ganze sehen.
Das ist schwierig, wenn die Augen verquollen sind? Nun, da haben sie natürlich unbestreitbar recht. Und glauben sie mir, ich wünsche ihnen nur das Beste. Aber wie ich bereits erwähnte: es gibt nun einmal keinen anderen Weg.
Und jetzt wo die Sonne bereits seit Tagen ihre Strahlen vom Himmel herunter sendet, sind auch etliche von uns bereits auf dem Luftweg unterwegs. Gesundheit! Oh, ich höre sie wissen dies bereits. Jedenfalls kann auch ich jeden Moment auf den Flügeln des Windes davon getragen werden. Die Sehnsucht tief in mir ist bereits unerträglich. Oh Wind, nimm mich mit!
Da, ich fühle es. Er kommt und dieses Mal darf ich ihn begleiten. Ich spüre seinen Atem, ich rieche die laue Frühlingsluft, ich fliiiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeegeeeeeeeeeee….

Diesen Monat waren dabei:

Veronika
Eva
Sabi

Das Thema für den 01.04.17 lautet: Platzregen

Schreibkick: Inspiration

Wer näheres über die Schreibkicks erfahren möchte, kann sich hier schlau lesen!

Ich habe im Januar mit einer Challenge begonnen. Täglich 200 Wörter schreiben, egal worüber. Ideal, um z. B. an den Schreibkicks teilzunehmen. Hier also meine Gedanken zum Thema Inspiration!

Inspiration
von Nicole Vergin

Inspiration!
Ich wache auf und als erstes schießt mir dieses Wort durch den Kopf: Inspiration!
Wie es dazu kommt? Es ist das Thema für den nächsten Schreibkick. Und offensichtlich lässt es mich nicht los, verfolgt mich sogar bis in den Schlaf. Wer weiß, was es in der vergangenen Nacht in meinen Träumen angerichtet hat!

Ich kann mich nicht daran erinnern, was ich geträumt habe. Aber vielleicht war alles bunter als sonst. Vielleicht bin ich mit einem Raumschiff, oder vielmehr einem Schiffchen, nur so eines für zwei Personen – oder nennt man das dann Raumgleiter? – durch den dunklen Weltraum geflitzt. Vorbei an der Milchstraße, die in Wirklichkeit gar nicht aus Sternen, sondern – wie es der Name schon sagt – aus Milch besteht. Und genau wie hier auf der Erde ist die Milch flüssig. Und plötzlich schaue ich vorne aus der Frontscheibe meines Raumgleiters hinaus und sehe wie sich ein dicker weißer Tropfen bildet. Rasch lasse ich den Gleiter einen kleinen Linksschwenk machen, um nicht von diesem Tropfen getroffen zu werden, wenn ich gleich unter der Milchstraße hindurch fliege.
Upps, da ist wohl meine Fantasie mit mir durchgegangen.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, ich will etwas zum Thema Inspiration schreiben.
Am besten mache ich mich erst einmal auf meine Morgenrunde. Bewegung setzt ja bekanntlich die Hirnaktivitäten in Gang. Ich schlüpfe in meine Stiefel, setze mir angesichts der frostigen Temperaturen eine Pudelmütze auf den Kopf und auch der Rest des Körpers wird ordentlich verpackt.
Draußen wartet schon die Sonne auf mich. Sie will wissen, wo ich so lange war. Normalerweise stehe ich im Winter vor ihr auf, so dass wir uns meist erst im Laufe des Tages begegnen. Aber heute habe ich tatsächlich verschlafen. Sie lacht, was ich ausgesprochen ungerecht finde. Schließlich schläft sie selber im Winter grundsätzlich länger. Aber wer will sich schon mit der Sonne anlegen!
Gemütlich schlendere ich los. Nur keine Hektik am Morgen ist meine Devise. Zumindest nicht vor dem Frühstück. Ich biege um die Ecke und sehe die weiten Felder vor mir. Eine helle Eisdecke liegt auf ihnen, die in der Sonne glitzert. Neben mir taucht plötzlich eine lang gezogene schwarze Gestalt auf. Ich nicke ihr freundlich zu. Es ist mein Schatten, der sich die letzten Tage bei all den Regenwolken nicht hat blicken lassen. Aber nun ist er guter Dinge und als ich um die nächste Ecke biege läuft er fröhlich voran.

Ich stelle mir vor, eine Geschichte über meinen Schatten zu schreiben. So wie Andersen und einige andere schon Schattengeschichten geschrieben haben. Aber anders. Mein Schatten will sich nicht losgelöst von mir in ein eigenes Leben stürzen, sondern er tut sich mit mir zusammen. Hat er doch eigentlich schon mein ganzes Leben lang meint Ihr? Nein, ich stelle mir das anders vor. Dass er hin und wieder ohne mich agiert, aber trotzdem nicht gegen mich, sondern mit mir. Ihr wisst nicht wovon ich schreibe? Naja, es ist ja bisher auch nur ein Grundgedanke.

Inzwischen stehe ich wieder vor unserem Gartentor, erstaunt, dass meine Morgenrunde so rasch vorbei ist. Ja, so ist das, wenn man in Gedanken ist und die Inspiration einen einfach so einholt, festhält, begeistert. Ohne, dass man sie krampfhaft sucht.
Zufrieden gehe ich ins Haus und starte in meinen täglichen Schreib-Alltag.

Diesen Monat waren dabei:

Veronika
Sabi
Eva

Das Thema für den 01.03.17 lautet: Frühlingsblüten

Schreibkick: Höhe

Wer näheres über die Schreibkicks erfahren möchte, kann sich hier schlau lesen!

In diesem Monat hatte ich gar nicht vorgehabt, am Schreibkick teilzunehmen. Aber gestern dachte ich spontan, es sei eine gute Lockerungsübung, um am nächsten Tag – sprich heute – in den NaNoWriMo einzusteigen. Gedacht, geschrieben und hier ist mein Beitrag zum Thema Höhe. Viel Spaß!

Höhe
von Nicole Vergin

Es war ein sonniger Herbsttag. Etliche Blätter waren bereits von den Bäumen gefallen. Das gelbe, rote und braune Laub lag überall, auch auf dem Weg, den sie an diesem Tag entlang marschieren mussten. Es war beschwerlich, sich einen Weg hindurch zu bahnen. Aber es blieb ihnen nichts anderes übrig. Ambrosius und Anton Ameise mussten ihre Arbeit erledigen. So wie jeden Tag.
Ambrosius seufzte.

„Was ist los?“ Anton, der stets fleißig und unermüdlich war, tippte seinen Freund mit einem seiner langen Fühler an.
„Der Brotkrumen piekst mich am Rücken.“ Er drehte und wand seinen schwarzbraunen Ameisenkörper, während seine Fracht bedenklich ins Rutschen kam.
„Pass auf, sonst verlierst du ihn noch!“
„Ist doch egal“, Ambrosius drehte sich einmal um seine eigene Achse, so dass die Ameisen um ihn herum gerade noch ausweichen konnten. „Schau es dir doch an. Jede von ihnen schleppt etwas mit sich herum. Und so geht das Tag für Tag. Immer wieder aufs Neue. Was würde es da schon machen, wenn ich einmal einen Brotkrumen verliere.“
Anton blieb sichtlich geschockt neben seinem Freund stehen, so dass alle Anderen nun auch um ihn einen Bogen machen mussten.
„Aber das ist unser Leben. Wir Ameisen sind zum arbeiten geboren. Wir haben nichts anderes. Und wenn unser Kommandant sieht, dass wir hier nur faul rumstehen, dann bekommen wir richtig Ärger!“ Besorgt sah sich Anton um.

Unwillig setzte sich Ambrosius wieder in Bewegung. „Träumst du denn nicht manchmal davon, etwas anderes zu erleben?“, fuhr er mit seinen Gedanken fort.
„Nie“, war die resolute Antwort.
Und nach einer Weile des Schweigens ein neugieriges: „Und du?“
Die Augen der kleinen Ameise leuchteten, als sie antwortete. „Ja. Ich träume davon, mir den Ort wo wir arbeiten und leben von oben anzuschauen.“ Und bevor Anton Einwände äußern konnte, fuhr Ambrosius rasch fort. „Du kennst doch die riesige Eiche, an der wir in den letzten Tagen immer vorbei marschiert sind. Ich will den Stamm hochkrabbeln, bis in die Krone des Baumes. Und zwar, wenn die Eiche alle Blätter abgeworfen hat. Denn dann kann man sicher am besten sehen.“

Nun war es Anton, der ruckartig stehenblieb. „Das meinst du doch nicht im Ernst!“
Bevor Ambrosius antworten konnte, ertönte vom Ende des Ameisenzuges die gewaltige Stimme des Kommandanten: „In Reih und Glied marsch! Was ist denn hier heute nur los?“
Während sie rasch weiter krabbelten, schaute Anton seinen Freund von der Seite an und musste feststellen, dass Ambrosius sah ganz und gar nicht so aussah, als würde er seinen wahnwitzigen Plan fallenlassen wollen.

In den folgenden Tagen erwähnte keiner der beiden Ameisen die große Eiche. Sie erledigten ihre Arbeit, so wie sie es immer getan hatten und Anton hoffte im Stillen, dass Ambrosius nie wieder auf so eine dumme Idee kommen würde. Aber er sah auch die Blicke, die dieser der Eiche zuwarf, wann immer sie daran vorbei marschierten. Und dann an einem windigen Tag, als sie sich gerade durch den mittlerweile dichten Laubteppich am Boden voran kämpften, blieb Ambrosius ein weiteres Mal abrupt stehen.

„Morgen ist es soweit!“
Ohne zu antworten, schubste Anton seinen Freund grob weiter. Das fehlte noch, dass die anderen Ameisen hörten, was dieser für ausgemachten Blödsinn von sich gab.
„Hast du es nicht gesehen?“, flüsterte Ambrosius, während er brav weiter marschierte. Dieses Mal mit einem Eckchen Käse auf dem Rücken, das zumindest nicht piekste.
„Was soll ich gesehen haben?“ Anton hatte eigentlich keine Lust mehr, sich diesen Quatsch anzuhören. Aber seine Neugier zwackte ihn doch zu sehr.
„Die Eiche ist kahl. Alle Blätter sind zu Boden gegangen. Und das Wetter ist auch ideal. Schau hoch, blauer Himmel und keine Regenwolke in Sicht.“
Bei dem Wort Regenwolke zuckte Anton kurz zusammen. Es war gar nicht lange her, da hatte ihn bei einem Unwetter ein riesiger Tropfen nieder geworfen, so dass er beinahe in einer Pfütze ertrunken wäre. Seitdem war er noch vorsichtiger geworden, wenn er dunkle Wolken am Himmel sah.

„Wenn wir morgen wieder hier vorbei marschieren“, fuhr Ambrosius fort, „dann werde ich mich von Anfang an, seitlich einreihen und dann schwupps verschwinde ich kurz in einem Loch, das ich im Vorbeigehen schon gesehen habe und wenn alle weg sind, mache ich mich an den Aufstieg.“ Träumerisch blickte er nach oben, was für eine Ameise schon sehr seltsam war. Schließlich mussten sie beinahe rund um die Uhr arbeiten und hatte überhaupt keine Zeit zum Träumen.
Als Anton ebenfalls einen kurzen Blick nach oben wagte, dort wo zwischen all den Baumwipfeln die Sonne und der tiefblaue Herbsthimmel hindurchlugten, wäre er beinahe über seine eigenen Beinchen gestolpert.
„Siehst du“, schimpfte er, nachdem er sich wieder gefangen hatte, „so etwas passiert, wenn man in der Gegend herumschaut, anstatt seiner Arbeit nachzugehen.“
Aber Ambrosius antwortete nicht, sondern schwelgte weiter in seinen Träumen, in denen er hoch hinaus wollte.

Am nächsten Tag war es dann endlich soweit. Das Wetter hatte sich gehalten, so dass aus Ambrosius Sicht nichts gegen die Durchführung seines Plans sprach. Als sie an der Eiche entlang marschierten, machte er einen gewagten Sprung zur Seite und krabbelte dann rasch in das kleine Loch.
Rumms, machte es und Ambrosius wurde von seinen sechs Beinen gerissen und tiefer in das Loch hinein gedrückt.
„Tschuldigung“, murmelte es hinter ihm.
Mühsam stand Ambrosius auf, schüttelte sich die Erde von seinem kugeligen Ameisenkörper und drehte sich um.
„Was machst du denn hier?“ Verwundert sah er seinen Freund Anton an, der – vorsichtig wie immer – mit den Fühlern die Wände der kleinen Höhle auf Einsturzgefahr untersuchte.
„Ich konnte dich ja kaum allein lassen“, grummelte er, „wer weiß was dir alles passiert. Und“, er wischte sich mit einem Bein angelegentlich über einen seiner langen Fühler, „und ich will auch mal sehen wie das alles von oben ausschaut.“
Ambrosius schubste seinen Freund kumpelhaft in die Seite. „Das ist toll! Zu Zweit macht so ein Abenteuer viel mehr Spaß! Komm, dann lass uns jetzt gehen. Schließlich wollen wir oben sein, bevor es dunkel wird. Sonst sehen wir ja nichts.“

Vorsichtig krochen sie aus der Höhle heraus und sahen sich um. Der Ameisenzug war tatsächlich weiter marschiert und es hatte niemand bemerkt, dass die beiden Freunde fehlten.
Kurz darauf standen sie zu Füßen der riesigen Eiche und schauten nach oben.
„Ganz schön hoch.“ Aus Antons Stimme klang eine leichte Panik heraus.
„Ach, das wird schon nicht so schlimm sein“, versuchte Ambrosius nicht nur seinem Freund Mut zu machen. Es war, als hätte er irgendwo in sich drin einen dicken Knoten. Vielleicht war dieses Abenteuer ja wirklich zu gefährlich für zwei kleine Ameisen. Andererseits, wenn sie es jetzt nicht versuchten, würden sie es vermutlich nie tun. Und eines war er sich ganz sicher, dass er sich dann über sich selber ärgern würde.
Flink krabbelte er um eine am Boden liegende Eichel herum und machte sich dann an den Aufstieg. An der rauen Rinde der Eiche hatte er guten Halt, so dass er rasch Mut fasste.
„Komm, es ist gar nicht so schwer“, rief er nach unten, wo Anton immer noch unsicher stand und seinem Freund hinterher blickte.
„Was soll´s“, murmelte er, setzte seine Vorderbeine an den Stamm und schob die anderen Vier hinterher. „Hätte ich mich doch bloß auch mal zum Blattläuse melken gemeldet, dann würde ich diesen Stamm sicher wie im Schlaf hinauf klettern können.“
„Was hast du gesagt?“ Ambrosius Stimme war erschreckend leise geworden. Anton legte den kugeligen schwarzen Kopf in den Nacken und blickte nach oben. Verschwommen sah er das runde Hinterteil seines Freundes. Er bewegte seine kleinen Beine etwas schneller, in der Hoffnung ihn bald einholen zu können. Wer weiß, wann sie sich sonst auf diesem riesigen Baum wiederfinden würden.

Ambrosius hatte inzwischen den untersten Ast der Eiche erreicht und schaute ihm mit leuchtenden Augen entgegen.
„Komm schnell hier herauf! Es ist herrlich! Wie muss es erst sein, wenn wir ganz oben angekommen sind.“
Keuchend krabbelte Anton an seine Seite. Das war schon etwas anderes, als den ganzen Tag unten am Boden herum zu krabbeln. Nachdem er sich ein wenig verschnauft hatte, schaute er sich neugierig um. Wie anders alles von hier aus ausschaute. Irgendwo da unten lagen Eicheln, um die sie stets herum krabbeln mussten. Von hier oben waren sie für ihn mit seinen Ameisenaugen nur zu erahnen, so klein waren sie auf einmal. Und der Hase, der gerade aus dem Gebüsch hoppelte, wie leicht hätte er einen von ihnen sonst zertreten können. Von hier oben sah das alles harmlos aus.

Zum ersten Mal kam Anton der Gedanke, dass es außer dem Ameisenbau und der täglichen Arbeit doch noch etwas anderes auf dieser Welt geben könnte. Er nickte seinem Freund zu, der ihn auch ohne Worte verstand.
Entschlossen setzten sie ihren Weg nach oben fort. Sie kamen noch an etlichen Ästen, dickeren und dünneren, vorbei. Auf einigen ruhten sie sich aus und an einigen krabbelten sie direkt vorbei, um endlich oben in die Baumkrone zu gelangen.
Auf halber Höhe kamen sie an einem großen Loch vorbei, an dem sie kurz anhielten.

„Ob hier Jemand wohnt?“ Ambrosius sah sich neugierig um. Aber in dem Loch lagen nur ein paar Späne, ansonsten war es leer.
„Schnell weg hier“, zischte Anton, „wer weiß, welches große Tier hier zuhause ist.“ Abenteuerlust hin oder her. Sein Leben wollte die kleine Ameise nun wirklich nicht so einfach riskieren.

Ansonsten war es um sie herum erstaunlich ruhig. Hier und da sahen sie andere kleine Krabbeltiere und um die Eiche kreiste auch mal ein Vogel, so dass sie sich lieber ganz eng an den Stamm drückten, um möglichst nicht aufzufallen. Es war eindeutig Herbst und der Wald und seine Bewohner kamen zur Ruhe und bereiteten sich auf den nahenden Winter zu.

Die Sonne begann bereits wieder am Himmel hinab zu steigen, als sie endlich am höchsten Punkt der Eiche angekommen waren. Ambrosius und Anton standen nebeneinander auf einem Ast, der leicht im Wind schwankte. Ihre Blicke wanderten über die kahlen Baumwipfel hinweg hin zu einem See, der in der Ferne lag. Und zu den abgeernteten und umgepflügten Feldern, die auf der anderen Seite des Waldes zu sehen waren. Dazwischen standen Häuser, in deren Fenstern nach und nach Lichter angingen.
Sie wussten all das natürlich nicht beim Namen zu nennen, aber allein es zu sehen und zu bestaunen nahm ihnen den Atem und ließ sie eine kleine Ewigkeit stillstehen.
„Ist das die Welt von der sie alle sprechen?“ Ambrosius sah Anton an.
„Ich glaube schon“, entgegnete dieser leise.
„Sie ist wunderschön.“
Diesmal nickte Anton nur andächtig.
Tocktocktocktocktock, dröhnte es plötzlich mitten in die Stille hinein.
„Was ist das?“, rief Anton erschrocken.
„Ich weiß es nicht“, antwortete Ambrosius ängstlich, „aber das Dröhnen scheint durch den ganzen Baum zu gehen.“
Und tatsächlich war es als, würde das tocktock durch den ganzen Baum tönen bis hinein in die kleinsten Zweige.
„Schnell, wir müssen hier runter!“ Anton schubste Ambrosius vorsichtig an, der wie erstarrt auf dem Ast stand und ängstlich nach unten schaute.
„Ich kann nicht“, rief er verzweifelt, „ich habe Angst.“
„Krabble einfach hinter mir her. Einen Schritt nach dem anderen. Und schau immer nur auf mich. Dann wird es gehen.“ Mutig krabbelte Anton voran und blickte sich immer mal wieder um, ob sein Freund ihm auch folgte. Und tatsächlich gelang es Ambrosius, sich aus seiner Starre zu lösen und sich auf den Weg nach unten zu machen.
Das immer wiederkehrende tocktocktocktocktock jagte ihm eine Heidenangst ein. Er war so froh, dass er seinen Freund an seiner Seite wusste.

Auf dem Weg nach unten schauten sie sich immer wieder nach allen Seiten um. Aber erst als sie in die Nähe der Stelle kam, wo sie das Loch im Baum untersucht hatten, sahen sie was oder vielmehr wer diesen Lärm veranstaltete. Ein Buntspecht klopfte mit dem Schnabel eifrig auf der Rinde herum. Sein schwarz-weiß-roter Kopf schoss immer wieder nach vorne und er hieb mit aller Kraft zu.
Die beiden Ameisen krabbelten ein wenig um den Stamm der Eiche herum, um aus dem Blickfeld des Vogels zu kommen. Aufatmend blieben sie auf einem kleineren Ast stehen, wo sie darauf warteten, dass der Specht verschwinden würde. Es dauerte jedoch eine ganze Weile und beinahe wäre Ambrosius eingeschlafen. Aber Anton sorgte dafür, dass er wach blieb, damit sie im entscheidenden Moment ihren Abstieg fortsetzen konnten.
Als der Buntspecht endlich seine Flügel spreizte und davonflog, krabbelten sie so schnell sie ihre sechs Beine trugen nach unten, wo sie sich vorsichtshalber noch eine Weile in der kleinen Höhle versteckten, wo alles angefangen hatte.

„Entschuldigung“, murmelte Ambrosius und ließ geknickt seine Fühler hängen, „ich hätte auf dich hören und am Boden bleiben sollen. So habe ich dich in Gefahr gebracht.“
„Ist schon gut“, brummelte Anton, „es ist ja alles gut gegangen. Und ohne dich hätte ich mich nie getraut, so ein Abenteuer zu wagen.“
Einträchtig verließen sie die Höhle und krabbelten nach Hause in ihren Ameisenbau, wo sie sich einen dicken Rüffel von ihrem Kommandanten einfingen. Aber, und da waren sich die Freunde einig, das war es wirklich wert gewesen.

Das Thema für den nächsten Monat lautet: Lila Locken, karierte Socken, schneeweiße Flocken

Diesen Monat waren dabei:

Veronika
Eva 
Anita
Conny
Sabi
Alice
Traumtanz

Schreibkick: Eis – Teil 8

Teil 7 findet Ihr hier!

So, der letzte Teil ist geschrieben. Klar, hatte ich inzwischen ein Bild vor Augen was da passieren sollte. Aber wie ich dahinschreiben sollte war mir komplett unklar. Und vor allem in 10 Minuten. Um es kurz zu machen: ich habe 14 Minuten gebraucht und das diese Geschichte von Anfang bis Ende weder überarbeitet noch durchdacht ist, wisst Ihr ja.

Aber mich haben diese acht Tage wirklich fasziniert. Es hat mir Spaß gemacht, diese mir selbst gestellte Herausforderung anzunehmen und bis auf den heutigen Tag waren es tatsächlich immer nur 10 Minuten.

Ja, dann bleibt mir jetzt nichts mehr, als mich dafür zu bedanken, dass so Viele meinem Experiment lesend gefolgt sind und Euch viel Spaß beim Lesen der letzten Folge zu wünschen! Und vielleicht gibt es ja irgendwann ein Wiedersehen mit Oda und Haakon!

Teil 8

„Egal“, murmelte sie vor sich hin und erschrak vor diesem kleinen Wort. Egal? Wann war ihr jemals etwas einfach egal gewesen? Etwas Kaltes schien in ihr zu wachsen. Etwas, dass ihren Herzschlag verlangsamte und ihre Gefühle aufsog wie ein gieriger Schwamm. Verlor sie den Verstand?
Hilfesuchend sah sie zu Haakon, der aufrecht und mit unbeteiligter Miene neben ihr stand.

„Was passiert mit mir?“, flüsterte sie.
„Keine Sorge“, seine Stimme klang genauso ruhig und rational wie immer. Er schien zu warten. „Es ist bald vorbei.“
„Vorbei?“ Der erwartete Schrecken über dieses Wort blieb aus. „Willst Du mich töten.“ Ihre Stimme klang nun genauso sachlich und distanziert wie sein.
„Nein. Ich verschaffe Dir ein besseres Leben.“

Die Kälte kroch weiter durch ihren Körper, alles fühlte sich nun taub und seltsam leblos an. War sie etwa schon tot? Aber Haakon sprach von Leben.
„Gefühle sind das gefährliche am Menschen. Ohne sie ist man besser dran.“
Sie wollte sich gegen diese Worte wehren, aber es schien auf einmal unnötig. Hatte er nicht sogar Recht?
„Du wirst wie ich sein. Unantastbar. Du wirst Dir nehmen was und wen Du willst. Und Verluste wirst Du nicht mehr spüren, sondern über sie hinweg gehen und weitermachen.“
Ein kleiner Rest Wärme in ihr, vielleicht war es ihr Herz was noch einmal schlug, versuchte sich zu wehren. Aber dann war auch dieses Fitzelchen weg und in ihrer Brust herrschte Kälte.
„Es ist vollbracht. Ich sehe es in Deinen dunkelblau gewordenen Augen.“
„Was ist vollbracht?“
„Komm.“ Dieses Mal musste Haakon sie nicht einmal mehr an die Hand nehmen. Sie durchquerten die Wohnküche und er öffnete einen Raum, der einen Türgriff wie der eines Kühlschranks oder einer Kühlkammer hatte.
„Schau.“
Oda trat hinein und wurde von mehrstimmigem rhythmischem Klopfen begrüßt. Vor ihr in einem Regal lagerten überdimensionale Eiswürfel und in ihnen befanden sich blutrote Herzen.
„Es ist besser so“, hörte sie hinter sich Haakons Stimme.
Oda nickte und verließ ohne ein Gefühl des Bedauerns die Kühlkammer und ihr einsam schlagendes Herz.

ENDE

Schreibkick: Eis – Teil 7

Teil 6 findet Ihr hier!

Der vorletzte Teil? Tatsächlich! Und dabei wüsste ich noch soviel von Oda und Haakon zu erzählen. Aber im Gegensatz zu vielen Geschichten muss ich mich hinsichtlich der zeitlichen Einschränkung hier kurz fassen. Ob ich diese kleine Story morgen tatsächlich innerhalb von 10 Minuten zu einem Ende bringe? Ehrlich gesagt, ich weiß es immer noch nicht und bin selber total gespannt.

Aber hier kommt nun erst einmal

Teil 7

Sie horchte in sich hinein. Irgendetwas war anders. Wiederholt hatte sie das Gefühl, ihr Herz würde langsamer schlagen. Für einen Moment legte sie die rechte Hand flache auf die Stelle unter ihr Brust, da wo es sonst klopfte und pochte. Schlug ihr Herz in Zeitlupe? Ihre Handinnenfläche, die nach dem Herzschlag tastete wurde kälter und kribbelte. Erschrocken zog Oda die Hand zurück und betrachtete.
„Komm reingehen“, riss Haakons Stimme sie aus ihren Gedanken.

Sie sah ihm nach, während er ausstieg, mit einer fließenden Bewegung die Autotür schloss und dann mit großen Schritten um den Wagen herum ging und ihr öffnete. Als sie nach seiner hilfreich ausgestreckten Hand griff, wunderte es sie nicht mehr, dass ein weiterer Kälteblitz sie traf. Auch die Bewegungen ihres restlichen Körpers schienen ihr nun verlangsamt.

Haakon ließ ihre Hand nicht los und so gingen sie nebeneinander auf die schwarz lackierte Haustür zu, die er rasch öffnete, um sie dann wortlos an sich vorbeigehen zu lassen.
Lisa hatte Recht, schoss es Oda plötzlich durch den Kopf, er ist wirklich merkwürdig. Sie machte eine halbe Drehung und wollte wieder in Richtung Haustür gehen, aber als ob er es geahnt hatte, drückte er ihre Hand fester.

„Komm“, war alles was er sagte und sie folgte ihm wie ein Hündchen seinem Herrn. Sie gingen durch den breiten weiß gefliesten Flur in eine große schwarz-weiß eingerichtete Wohnküche.
Ich spüre gar keine Angst, dachte sie und wusste bei diesem Gedanken, dass sie welche haben müsste. Denn dieser wortkarge Typ, der sie nun wie eine Puppe auf einen hohen schwarzen Barhocker schob, war zwar immer noch atemberaubend attraktiv aber auch unheimlich. Und er wirkte kalt. Gefühlskalt. Hatte sie überhaupt schon mal ein Lächeln auf seinen markanten Zügen gesehen? Sie konnte sich nicht erinnern.

Den 8. und letzten Teil findet Ihr hier!